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Die Bataver

Felix Dahn: Die Bataver - Kapitel 1
Quellenangabe
typefiction
authorFelix Dahn
titleDie Bataver
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorThomas Stur
thirdcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20070612
modified20160412
projectid57b338a8
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I.

Wo der Rheinstrom in zahlreichen Mündungen die Nordsee, – »das germanische Meer« – erreicht, da wohnten um die Mitte des ersten Jahrhunderts unserer Zeitrechnung, auf der heute noch nach ihnen benannten »batavischen« Insel und auf dem linken Ufer des Flusses die Bataver und, als ihre Nachbarn im Norden, auf dem rechten Ufer, die kleinere Völkerschaft der Kánnenefáten.

Beide, nahe verwandt, waren schon lange bevor Julius Cäsar in Gallien erschien, hier eingewandert.

Ursprünglich Gaue der Chatten – der heutigen Hessen – hatten sie die alten Sitze an Lahn und Fulda, die der rasch anwachsenden Volkszahl zu schmal gewordene Landmark, verlassen und waren allmählich – den Rhein hinab – weit nach Westen gezogen, hier neben den Galliern eine neue Heimat sich gründend. –

Nur gar wenig war in all' der Zeit der Urwald gerodet worden, lediglich soviel das Bedürfnis erheischte für die wenigen Dörfer und für die zahlreicheren einsamen Einzelhöfe, die aus dem Holz der gefällten riesenhaften Bäume kunstlos aufgezimmert wurden.

Allein stärker, eindringlicher noch als der Urwald verlieh der ganzen Gegend weithin das Eigenartige das Wasser: der Ursumpf.

Wo nicht die natürliche Schutzwehr der Dünen und die noch wenig häufigen Deiche die See abhielten, mischte diese, bei jeder Flut weit in das Land hinein rollend, überall ihr Salz mit dem Süßwasser des Stromes, der, auf seinem ganzen Lauf ungebändigt und ungeregelt, neben seinen drei Hauptarmen in gar vielen anderen, von Jahr zu Jahr – und in den Jahreszeiten – wechselnden Rinnsalen dem Schoße des Meeres zu trachtete.

Außer der großen, besonders also genannten »Insel der Bataver«, lagen daher noch gar viele mittlere und kleine Auen, Werder und Eilande von dunklem Schilf, von hellen Weiden umgrünt, aber auch von hohen Bäumen bestanden, zwischen den breiten Armen und den schmalen Adern des gewaltigen Stromes, der, damals noch unvergleichlich wasserreicher als heute, auch weit oberhalb seiner Mündungen gar oft aus seinem seebreiten Bette trat und die niemals völlig getrockneten meilenlangen Sümpfe aufs neue reichlicher mit seinem Überflusse tränkte.

Nur die ortvertrauten Landeskinder kannten einerseits die Watten, die Seichtstrecken, die Furten, auf welchen Mann, Roß oder Wagen, andererseits die Tiefstellen, auf welchen Kähne dies stets wechselnde Wirrsal von Meerwasser, Stromwasser, Sumpf, Düne und Wald sicher durchschreiten mochten.

 


 

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