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Die Antifeministen

Hedwig Dohm: Die Antifeministen - Kapitel 7
Quellenangabe
typetractate
authorHedwig Dohm
titleDie Antifeministen
publisherFerd. Dümmlers Verlagsbuchhandlung
year1902
addressBerlin
sendernoname, hille@abc.de
created20030402
firstpub1902
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Laura Marholm

Die orthodoxeste unter den drei Frauen, und die am meisten zitierte und bewunderte ist Laura Marholm. Mit dem ganzen Rüstzeug ihrer eminenten schriftstellerischen Begabung tritt sie der nach geistiger und ökonomischer Selbstständigkeit aufwärtsringenden Frau entgegen, zugleich sich als der Engel gerierend, der mit flammendem Geistesschwert die Männer vor der Fraueninvasion in ihre Erwerbsparadiese zu schützen sich berufen fühlt.

Die beiden Bücher, mit denen sie dieser Mission obliegt: »Das Buch der Frau« und »Zur Psychologie der Frau«, sind aus einzelnen Aufsätzen, die zu verschiedenen Zeiten in verschiedenen Journalen zum Abdruck gelangten, entstanden. Im »Buch der Frau« zeichnet sie sechs geniale Frauen, die für unsere Zeit typisch sein sollen: Marie Baschkirtzew, Charlotte Edgren-Leffler (Herzogin von Cajanello), Eleonore Duse, George Egerton und Sonja Kowalewska.

Sie bietet uns mit diesen Frauenbildern einen schönen, etwas narkotisch duftenden Strauß. Nur sind Giftkräuter hineingeraten.

Sie lesen sich wie erschütternde Novellen. Lyrik und Pathos ist in ihnen. Aus dem Aufsatz über Eleonore Duse klingt etwas von Psalter und Harfe.

Ich bezweifle zwar die Ähnlichkeit der Porträts. Bei dem einzigen, das ich kontrollieren kann, das der Marie Baschkirtzew, deren Tagebuch ich gelesen, decken sich Bild und Original nicht im mindesten. Ich habe mithin ein Recht, auch an der Ähnlichkeit der anderen zu zweifeln, um so mehr, da ich die Verfahrungsart der Verfasserin kenne. Sie macht sich ein Schema zurecht, da hinein preßt sie ihr Weibbild, und »ist es nicht willig, so braucht sie Gewalt.«

Für die Wirkung der Charakterbilder kommt aber die Ähnlichkeit nicht in Betracht. Wir empfinden ja auch künstlerisches Entzücken vor einem virtuos gemalten Porträt, selbst wenn wir das Original nicht kennen.

Übrigens hat sie nebenbei noch das große Verdienst, die Aufmerksamkeit des Publikums auf etliche hervorragende weibliche Persönlichkeiten gelenkt zu haben.

Wo sie aber weder Porträts zeichnet, noch persönlich Erlebtes und Empfundenes gibt, wo ihr Ehrgeiz sich an die höchsten Probleme der Menschheit wagt, da versagt ihr Talent. Die Höhen und Tiefen sind ihre schwache Seite.

Vertiefte ich mich mit wahrem Genuß in ihre Charakterbilder, so hatte ich immer schon Angst vor ihren Folgerungen, denn – ach Gott, ich wußte, da kommt wieder der Tiefsinn, der Übersinn, - Pythia kommt!

Es ist ein schweres Stück Arbeit sie zu widerlegen. Sie sagt ja immer etwas ganz anderes, als was sie schon gesagt hat.

Sie ist ein Aal, und sollten in der Zoologie schlaue Aale vorkommen, würde ich sagen: ein schlauer Aal. Will man sie an der einen Stelle greifen, schon ist sie an eine andere entschlüpft.

Man lese, was sie über den Madonnenkultus, was sie über Protestantismus und Katholizismus, über Rassenkreuzung u.s.w. sagt. Lauter völlig aus der Luft gegriffene oder aus der Tiefe ihres Gemüts geschöpfte Behauptungen. Sie kommt vom Hundertsten ins Tausendste, denkt kreuz und quer, bleibt nie bei der Stange, balanziert aber darauf, und verliert sie die Balanze, so fällt sie in einen Wortstrom, in dem sie con amore umherplätschert.

Ihr Geist ist ein Wirbelwind, der Spreu, Staub, fruchtbaren Samen, Totes, duftige Blüten und noch einmal Staub umherstreut.

Sie ist das Wort. Es ist, als ob die Gedanken sich ihren Worten anbequemen müßten, die oft genug auch bloß »Ausbrüche wilder Mundübungen« sind, wie sie sie gelegentlich den germanischen Völkern vorwirft.

Nein, sie ist keine Sucherin. Sie hat Alles schon gefunden.

Die ganze Kulturgeschichte, die tiefsten Zusammenhänge aller historischen Geschehnisse, den Inhalt der Weltanschauungen aller Zeiten und Religionen, die Ursachen aller geistigen Evolutionen, alles, alles kann sie an den Fingern herzählen.

Ich höre die Botschaft, doch mir fehlt der Glaube.

Oder, soll ich glauben, daß, seitdem der Protestantismus aufgekommen, mit dem das Kind aufgehört habe, heilig zu sein, die Kindesmorde grassieren?

Soll ich glauben, daß zur Zeit des Madonnenkultus (herrscht er nicht noch in katholischen Ländern?) »die Verletzung des Weibes eine Todsünde für den Mann wurde«, und daß zugleich dieser Kultus »den Mann vom Weibe befreite«, dem Weibe, das ihm lästig fiel, und welches Weib sich gegenwärtig dafür an ihm zu rächen scheint, indem es – so sagt Laura Marholm – Ekel an ihm bekommen hat?

Soll ich glauben, weil in der modernen Malerei an den weiblichen Bildnissen nichts mehr zu sehen ist, als etwas Streifiges, Verwischtes u.s.w., daß dies der malerische Ausdruck dafür sei, daß der Mann gar nicht mehr weiß, was er mit dem Weibe anzufangen habe?

(Der Maler scheint auch nicht zu wissen, was er mit den Männern anfangen soll, er malt sie nämlich gerade so streifig, verwischt u.s.w.)

Ich glaube auch nicht, daß bei der Blutmischung von Juden und Germanen die männlichen Sprößlinge weibisch geraten (S. 266), mit krähenden Stimmen, dicken, weißen, bartlosen Gesichtern, süßlichem Lächeln u.s.w., während die weibliche Deszendenz maskuline Eigenschaften erwirbt.

Daß, falls das Weib die ihr von der Natur verliehenen Geisteskräfte entwickelt und zu ihrem Vorteil ausnutzt, sie dadurch des Vermögens verlustig geht, diese Gaben auf die Kinder zu vererben, glaube ich ebenso wenig, als daß Kranksein jetzt bei Weibern le dernier cri du chic ist, und Pflicht und Zierde.

»Triefte wirklich Rahel von Lebensweisheit, weil Goethe der Lebensweise war«? (um ihm nachzuahmen).

Und glaubt etwa jemand, daß die »Ursache und Wirkung der alten, Gott und Logik vertrauenden Schulästhetik die feste Burg aller Schauspielkunst ist?«

Widerspruchsvoll wie der Gedankeninhalt ihrer Bücher ist auch ihr Stil. Ein Filigranstil in überraschenden Verschlingungen, kunstvoll geschliffen. Er flimmert und prunkt und blendet. Widersprüche wechseln mit wahrhaft stupenden Willkürlichkeiten, ja eigentlich sind ihre beiden Bücher eine einzige immense Willkürlichkeit.

Ganz pikant, wie sie oft von dichterischem Schwung zu schauderhafter Derbheit und brüskem Dreinhauen übergeht, wie sie auf ihrer Leier zarte Töne anschlägt, und dazwischen scharf, spitz mit Trompetenton schmettert.

Sie findet schlagende Worte, die den Nagel auf den Kopf treffen, kühne Bilder, geistreiche originelle Wendungen, drollige Unverfrorenheiten. Hier und da berührt sie uns widrig durch Geschmacklosigkeiten; wenn sie z.B. in Wendungen, die allenfalls einem Arzt anstehen würden, von krankhaft physischen Vorgängen des Weibes spricht, oder von der Lüsternheit der jungen Mädchen, die um »die Barthaare des Mannes streichen u.s.w.«

Und dann wieder Stellen, wo aus dem Dickicht ihrer Rede reizvolle Blumen blühen, wenn es auch meist Tuberosen und Nelken sind, oder sonst etwas rotblühendes. Nur die Lilien gelingen ihr nicht, das sind künstlich papierne, und die Veilchen stehen ihr auch nicht zu Gesicht.

Niedrig, niedrig stellt sie das Weib. »Es liegt ganz nach außen in seinen Instinkten, Trieben, Bedürfnissen, Interessen. Das Weib – ja das Weib ist seelisch und physiologisch eine Kapsel über einer Leere, die erst der Mann kommen muß zu füllen. Es weiß nichts von sich, es weiß nichts vom Manne, es weiß nichts von der großen stummen Unabänderlichkeit des Lebens,« (die ist meist auch schwer zu verstehen).

So absolut Laura Marholm diese Behauptungen hinstellt, immerhin scheinen ihre sechs repräsentativen Frauen schon »vor dem Kuß, der das Dornröschen weckte«, über eine Persönlichkeit verfügt zu haben, um die mancher Mann sie hätte beneiden können. Sie nennt Sonja Kowalewska »einen königlichen Weibgeist«, was doch für jemand, der nie in den Besitz seiner Persönlichkeit gelangt ist, ganz erheblich ist.

Sie vindiziert der jungen Russin »eine starke, tiefe Individualität, ein tumultuarisches, inneres Leben, ein Verstehen, Erfassen, eine Vibration der Seele, deren frühreife Genialität ohne gleichen ist. Alles an ihr ist aus erster Hand.«

Aus erster Hand? wo bleibt der Mann? Und deckt sich eine so tiefe und starke Individualität mit der »Kapsel über einer Leere?«

Und der eigentliche Gedankeninhalt des Buches – sein Kern?

Er deckt sich so ziemlich mit dem Märchen Undine, welche Nixe bekanntlich erst durch die Liebe eine Seele empfing. Nur kraft der »durchseelten, durchsinnlichten Hingabe an den Mann tritt das Weib in den Besitz seiner Persönlichkeit.« Geliebte zu werden ist ihr Beruf.

»Im Mann beginnt das Leben des Weibes, und im Mann beschließt es sich (besonders bei den früheren indischen Witwen, verbrannten Angedenkens). In allen Fällen ist der Mann der einzige Sinn ihres Lebens. Denn des Weibes Inhalt ist der Mann.«

Sie hat solche Angst, daß die Emanzipation die durchseelte, durchsinnlichte Liebe eindämmen könnte. Sie spottet über die Mädchenschulen, deren große erzieherische Aufgabe es scheine, das Weib zur Geschlechtslosigkeit zu erziehen, sagt uns aber nicht, wie in den Mädchenschulen der Geschlechtlichkeit Rechnung zu tragen sei.

Das weibliche Backfischalter von 15-17 Jahren hält sie für das geeignetste, um das Menschengeschlecht fortzupflanzen. Nachher ist nicht mehr viel los mit den jungen Mädchen. Nie wieder sind sie so – bereit.

Wenn für das weibliche Geschlecht der Zeitpunkt unmittelbar nach vollendeter körperlicher Reife der für die Fortpflanzung der Menschheit günstigste ist, müßte dasselbe nicht auch für das männliche Geschlecht gelten? Und in der Tat, für die Bereitschaft, Vater zu werden, sprechen bei den Knaben derselben Entwicklungsstufe noch ganz andere, lebhaftere Zeichen, als die »feuchten, heißen Hände der Backfische, ihr Erbleichen und Erröten, ihr verwirrtes Augenniederschlagen u.s.w.«, die Laura Marholm für Symptome der Sehnsucht hält, »Mutter zu werden«.

Sie klagt, daß man fast seit einem Jahrhundert das Weib zu einer Scheinweiblichkeit erzogen hat. »Infolgedessen ist die Liebe immer weniger der blinde Trieb geworden, der das Weib unbedingt und uneingeschränkt dem Manne zuwirft«.

Das klingt ja recht geschlechtlich; der blinde Trieb aber, der das Weib uneingeschränkt in die Arme des Mannes wirft, dürfte kaum mit unseren Sitten in Einklang zu bringen sein.

Freilich, wenn die jungen Mädchen schon zwischen dem 15. und 17. Jahre ihrem mütterlichen Daseinszweck obliegen sollen, hat es Eile mit der Geschlechtlichkeit.

»Dichtung ist Natur, durch ein Temperament gesehen« (Zola). Laura Marholm sieht die Natur und das Weib durch ein Temperament, ihr Temperament. Sie ist eine Predigerin der Sinnlichkeit. (Natürlich fehlt es nicht an Stellen in ihren Schriften, wo sie es wieder nicht gewesen ist.) Da das Predigeramt und die Buchhändler aber Reserve auferlegen, so dämmt sie ihn zuweilen zurück, den Lavastrom der Sinnlichkeit, wenn er zu rot flutet, winkt dem Manne ab, und auf Goldgrund erscheint ein Heiligenbild, oder sie leiht wenigstens der Aphrodite einen Heiligenschein – aus Talmi.

Eine Rattenfängerin, diese Schriftstellerin, die mit ihren sinnbetörenden Melodien die Weibchen geradezu in den Hörselberg hineinpfeift. Ach, Laura Marholm, steck die Pfeife ein. Nur Allzuviele haben sich bereits unter dem Banner Aphrodites geschart, wenn auch die Durchseelung ihrer heißen Triebe hier und da etwas zu wünschen übrig läßt. Das sind die grandes mondaines, und andere flotte Damen der Ganz- und Halbwelt. Das sind ihre »weiblichsten Weiber«, wie sie sie S. 58 schildert: mit Bewegungen als lägen sie immer auf weichen Pfühlen, mit einer zwitschernden Plauderhaftigkeit u.s.w. Das sind die Delilas und manche andere, die zugleich des Mannes und des Teufels sind.

Etwas von Haschisch ist in dem Buch. Mit diesem »Zaubertrank im Leibe« sieht Laura Marholm nur eine Farbe: rot, hört sie nur einen Ton: den schluchzenden Flötenton der männchenlockenden Nachtigall, sie sieht, wie des »Weibes Vitalität nur unter dem Glühen des Mannes, von ihm geweckt, schwillt und blüht«.

Sie ist böse, daß die Frauenrechtlerinnen alle möglichen Rechte verlangen, nur nicht das Recht des Weibes zu lieben.

Darin bin ich mit ihr einverstanden, daß das Recht zu lieben den Frauen bisher in naturwidriger Weise verkümmert worden ist. Doch finde ich es vernünftig, daß die Radikalen über dieses Recht schweigen. Zuerst die politischen Rechte. Im Besitz des Stimmrechts, als teilnehmender Faktor an der Gesetzgebung, werden sie imstande und befugt sein, das Recht der Frau zu lieben aus seinen Einschnürungen zu befreien. Kein Stimmrecht – kein Recht zu lieben!

Ich gebe zu, es hat den Anschein oder mag auch wirklich den Tatsachen entsprechen, daß bei einer sehr großen Anzahl von Frauen das Zentrum ihres Wesens im Geschlecht liegt, ich gebe ferner zu, daß unter diesen Frauen eine beträchtliche Anzahl das Durchschnittsniveau überragt. Daraus schließe ich aber nicht, daß allein diese Frauen ihre Naturbestimmung erfüllen und alle andersgearteten ihnen Heerfolge zu leisten haben. Ich schließe im Gegenteil daraus, daß bei diesen körperlich oder geistig reichorganisierten Naturen die überschüssigen vitalen Kräfte sich der Erotik zuwenden, weil ihnen kein anderer Spielraum gegönnt ist.

Es geht absolut aus dem Marholmschen Buch nicht hervor, was die denkende Frau unserer Zeit nun eigentlich tun soll. Studien, Auszeichnungen sind nur »Schaugerichte«, vor denen sie verschmachtet. Die Dichterin kann doch nicht im Ernst der ganzen Frauenwelt empfehlen, allerweiblichste Weiber zu werden, wie sie sie schildert.

Nehmen wir an, Laura Marholm hätte mir ihren Behauptungen recht: Das Weib gelange nur durch den Mann zu einer Persönlichkeit, und die durchseelte, durchsinnlichte Hingabe an ihn wäre der einzige Sinn seiner Existenz. Welchen Einfluß würde diese Tatsache auf das reale Frauenleben unserer Zeit haben? Das Weib kann doch nicht täglich 12-14 Stunden der Minne pflegen? Und die Pausen? Nicht lang genug für die Ausübung eines künstlerischen, wissenschaftlichen oder professionellen Berufes? Hat der Mann ihr durch seine Umarmung eine Seele einverleibt, so hat sie sie nun doch einmal, und ist es nun für die Gestaltung ihres Lebens nicht gleichgültig, von wannen ihr diese Seele gekommen ist?

Mit dem Weibsein wird die Natur ganz von selber fertig. Um das sich veredelnde Menschentum müssen wir ringen, und nicht die geschlechtlichen Nerven sind dabei maßgebend, der sittliche Nerv ist’s.

»Das Geschlecht wird schon schlummern, so lange das Gehirn in Anspann geht.« Diese Wahrheit (eine ihrer Lieblingsthesen) sucht sie an ihren sechs repräsentativen Frauen nachzuweisen. Ich habe den Eindruck, daß sie erst ihre Frauenbilder geschrieben, und als sie dieselben später in einem Band sammelte, sei ihr hinterher die Idee gekommen, sie in ihre Theorie hineinzupressen.

»Alle diese sechs Frauen waren krank an einer inneren Spaltung, die erst mit der Frauenfrage in die Welt gekommen ist, an einer Spaltung zwischen ihrer Verstandesrichtung und der dunklen Basis ihrer Weibnatur. Und alle standen vor der zugeschlagenen Tür ihres inneren Heiligtums und hörten den Gottesdienst der Mysterienfeier heraus klingen und bebten in sterilen Schauern und schmachteten nach den belebenden Wonnen, von denen sie sich selbst ausgeschlossen ... Das beste Weibmaterial hat den unheimlichen Drang nach Halbmannhaftigkeit, einen Trieb zu hybrider Sterilität.«

Das beste Weibmaterial hat sicher diesen Drang nicht. Das Geschlecht schlummerte bei ihnen nie, aber nie. Daß der englische Lord, den Marie Baschkirtzew als dreizehnjähriges Kind »so heftig, so schmachtend, so echt wie ein reifes Weib liebte«, eine Erwachsene dem Kinde vorzog, war doch nicht ihre Schuld. Und als später der Neffe des Kardinals, für den sie Feuer find, sie nicht heiraten wollte, dafür konnte sie auch nichts.

Und was von der Herzensgeschichte der Duse in die Öffentlichkeit gedrungen ist, läßt durchaus nicht auf ihren Drang nach hybrider Sterilität schließen.

George Egerton, Charlotte Edgreen, Amalie Skram, alle, alle haben gar nicht daran gedacht, sich von dem Gottesdienst der Mysterienfeier ausschließen zu wollen, und ihre Schauer sind nichts weniger als steril.

Und Sonja Kowalewska liebt ihren Bojaren »wie ein junges Mädchen, das eben reif geworden, mit einer zitternden, verräterischen, steuerlosen Seligkeit ... Er war der einzige, in dem sie fühlte, das brennende Fieber des erwachenden Geschlechts stillen zu können.« Vor seiner gelassenen Ruhe aber, »schlug alles wieder nach innen zu einer trockenen, zehrenden Hitze.«

War es Sonjas Schuld, daß sie »in dem Leben des Bojaren keine phänomenale Rolle spielte«, und er sich zu dem »schmachtenden, außer sich geratenen Liebhaber«, den sie begehrte, nicht eignete? Oder soll man es ihr als Schuld anrechnen, daß sie in Unwissenheit über »die Präliminarien der Liebe« blieb, daß ihr »die Routine der Anziehung« fehlte? Denn auf diese Mängel allein führt die Verfasserin die Kühle des Bojaren zurück.

Es ist aber doch wohl kaum angängig, junge Mädchen zur Erlernung der Routine der Anziehung und der Präliminarien der Liebe anzuhalten, um sie in den Stand zu setzen, später mit Erfolg Geliebte zu werden.

Daß Sonjas Verkehr mit dem Bojaren intimster Art war, ist zweifellos. Sie reist zu ihm, sobald sie Urlaub erhält, und er will sie heiraten. Seite 187 wird uns mitgeteilt, daß Sonjas intimster Verkehr mit dem Bojaren in die Zeit fiel, wo sie »unter Anstrengungen und Nachtwachen« für den prix Bordin arbeitete, der ihr europäische Berühmtheit eintrug.

Nach Laura Marholm ging Marie Baschkirtzew weniger an der Schwindsucht – wie die Ärzte behaupteten – zugrunde als »am Nichtleben, an das sie ihre vitale Kraft verlor, daran, daß sie die sinnlichen und seelischen Schauder des Genießens verabsäumte, daß Bastien-Lepage nicht der Mann war, »ihre Nerven in die echten zitternden Schwingungen zu bringen. Sie war eine durch ihren verhaltenen Durst Zerstörte.«

Sonja Kowalewska starb nicht – wie die Ärzte behaupteten – an einer heftigen Erkältung, sondern an dem zu einer trockenen, zehrenden Hitze zurückgeschlagenen Fieber des Geschlechts.

Was will nun Laura Marholm eigentlich? Hätte Sonja nicht Mathematik treiben, nicht Romane dichten sollen? Wäre sie dann glücklicher und der Bojar feuriger geworden? Den Einwurf, daß keiner Sonjas »mit dem Urtrieb des Mannes« begehrte, weil sie schon im dreißigsten Jahre alt und reizlos ausgesehen, weist sie damit zurück, daß wohl gewöhnliche Frauen durch Alter und Häßlichkeit entstellt würden, das Genie aber altere nicht! So scheint sie doch hohe geistige Capacität für einen ausgezeichneten Liebesleiter zu halten.

Sollen schon die Liebesgefühle bei Sonjas Seelenzerfall eine Rolle gespielt haben, so scheint mir eher ein Übermaß krankhafter Erotik bei ihr vorzuliegen als der Schlummer des Geschlechts und der Umstand, daß »der Treibriemen der Zeit sie erfaßte und in die Runde drehte.« Unerfindlich der Zusammenhang zwischen diesem Treibriemen der Zeit und der gelassenen Ruhe des Bojaren.

Vielleicht ist eine andere Annahme, als die »vom Treibriemen der Zeit, der sie in die Runde drehte«, berechtigter, die Annahme, daß Sonja litt, weil sie eben ein Genie war, dem man ja von jeher eine Verwandtschaft mit dem Wahnsinn und die Neigung, sich in den Abgrund der eigenen Seele zu stürzen, nachgesagt hat. Genies sind Seher oder Seherinnen, und »eine jede Kassandra mußte noch ihr gequältes Herz einsam in die Wüste tragen« ... Und »wer erfreute sich des Lebens, der in seine Tiefen blickt.«

Übrigens könnte sich das erotische Marholm-Weib bei ihrer Auslese wohl eines feineren Geschmacks befleißigen: »das Brutale, Massive, Protzige am Mann ist das Einzige ... was die Frau an dem Mann erschauern macht, was ihr an ihm imponiert.«

Was ist – nach Laura Marholm – die Frauenbewegung?

Sie ist »das grundsätzliche Parasitentum des Weibes.« Und ich dachte, gerade die ökonomische Selbständigkeit der Frau müßte den Mann entlasten.

Seite 126 hält sie das Frauenrechtlertum für versetzte emotionelle Dränge, abgeleitet von ihrem Zentralpunkt (dem Geschlechtsleben.) Dann wieder ist die Emanzipation ein mißratener Verzweiflungscoup, was daraus erhellt, daß diese Abgeirrten »massenhaft an den Rändern aller Wege sterben.«

Wo liegen sie denn begraben?

Obgleich nun diese, zum massenhaften Hinsterben an Wegrändern Verurteilten, »wie eine Seuche Deutschland verheeren,« sind sie doch die »bestbegabtesten, energischsten, seelisch und geistig gut ausgerüsteten.«

Nicht sonderbar, daß diese Besten und Begabtesten eine Deutschland verheerende Seuche bilden, und die Minderwertigen haben recht?

Inbalde aber enthebt Laura Marholm das Weib wieder der Schuld an der Emanzipation und wälzt sie auf die Schultern von Stuart Mill und Bebel. »Die Frauen bildeten sich nach ihnen zu Nichtfrauen.«

Kurz darauf ist die Emanzipation eine Auflehnung der weiblichen Bescheidenheit gegen das Piedestal, auf das der Mann sie gestellt hat. Seite 204 ist der zentrale Grund der Frauenbewegung, daß das Weib sich jetzt selber besitzen und genießen will, was es früher zufrieden war zu vererben« ...

Nein, so eine Unverschämtheit von dem Weib!

Ein andermal läßt sie die Frauenbewegung aus materieller und geistiger Not entspringen, - was jede Frauenrechtlerin nur unterschreiben kann.

Daß die Bewegung aber sogar mit dem Corset parallel läuft (die Emanzipierten wollen es ja gerade abschaffen) und mit der Prostitution Hand in Hand geht, - wer hätte das gedacht!

Zur unheilkündenden Kassandra wird Frau Marholm, wenn sie fernsieht in die Folgen der Emanzipation. Sie sieht »schwere Krisen, ungeheures Sinken der Kultur« u.s.w.

Indem nämlich das Weib sich einem Beruf ergiebt, arbeitet es »an der Zerstörung des Mannes«, »nimmt es dem Familiengründer das Brot vom Munde weg.«

Die Verfasserin nennt die Frauen auf den eroberten Arbeitsgebieten Eindringlinge, Parasitinnen.

In der Vorrede klagt sie, »daß ihr Buch unter Hindernissen und Störungen jeder Art zustande kam, die dem Weib im Existenzkampf bereitet werden.«

Das geschieht ihr recht, das Weib soll ja gar keinen Existenzkampf führen. Mit all ihren Schriften will Laura Marholm ja nichts anderes, als dem Weib Hindernisse im Existenzkampf bereiten. Oder denkt sie, wo es sich um ihre eigene Person handelt: »Ja Bauer, das ist ganz was anderes?« Ist Schriftstellerei kein Broterwerb? Oder schenkt sie den Buchhändlern ihre Bücher? Ich bin überzeugt, sie nimmt dafür, soviel sie kriegen kann.

Über die Anhängerinnen der Emanzipation bricht sie erbarmungslos den Stab. Seite 2 heißt es: »Ein Drang in den Frauen unsrer Zeit geht dahin, des Mannes zu entraten.« (Als Ernährer und Gebieter – ja, als des Liebenden und Geliebten, als des Freundes und Kameraden – nie.) »Wo sind jene Frauen, - ruft sie klagend – deren Salons Sammelpunkte der feurigsten Geister und bedeutendsten Männer ihrer Zeit waren? Sie sind nicht da. Wo sind jene Frauen, deren feine Klugheit an den hohen und höchsten Angelegenheiten mitwirkend teilnahmen? Sie sind nicht da.«

Das liegt vielleicht an den Männern, die den Salon für den Austausch politischer und sozialer Gedanken nicht mehr brauchen, seitdem es Parlamente und öffentliche Versammlungen gibt, die im Zeitalter der Salons nicht existierten. An die Stelle jener politischen Circen sind Gruppen ernster Frauen getreten, die gern auf den Einfluß durch Hintertüren, Intriguen und Amors Beihilfe verzichten, und die den Einfluß auf die Kulturentwicklung kraft des Stimmrechts erstreben.

»Wo sind jene Frauen, deren durchseelte, durchsinnlichte Hingabe dem Mann zur Lebenswärme wurde, zu hebenden Armen und nährendem Inhalt.« (Ei, da spielen die Geschlechter ja, ‚Verwechsel das Bäumchen’, und sie gibt ihm den nährenden Inhalt, den sie doch erst von ihm bezogen.) »Zu Flügeln, die ihn trugen ins Unbekannte und ihn zurücktrugen in dies schöne, reiche, schwere Leben? Sie sind gewesen.« Und Frau Marholm findet es selbstverständlich, daß die modernen Frauen weder die Macht noch die Anziehung jener »alten Zauberinnen« haben.

Die ins Unbekannte tragende Mission der Flügel verstehe ich zwar wieder nicht ganz. Ich traue aber jenen »alten Zauberinnen« nicht recht. Adlerflügel werden es wohl nicht gewesen sein, eher Schmetterlingsflügel, was sich auch mit der Ansicht der Verfasserin decken würde, »daß der ganze Mann stets im Weibe das Geschlecht sucht.«

Jene alten Zauberinnen waren gewiß reizend, aber ich fürchte, sie liebten die Männer mehr als die Menschen.

In dem Buch »Zur Psychologie der Frau« gebärdet sich Laura Marholm als vollkommene Seherin der weiblichen Psyche. Der reine psychische X-Strahl, dringt sie in das geheimste Innere von Millionen Frauenseelen. Es ist nichts so fein darin gesponnen, sie bringt es an die Sonnen.

Eine größere geistige, tappende Unsicherheit, bei scheinbar kühnster Sicherheit, ist mir selten vorgekommen. Hat sie eine grelle These vom Stapel laufen lassen, gleich verklausuliert sie sie wieder. Überhaupt Klauseln sind ihre Passion. Das Buch ist wie ein Testament, bei dem, wegen der vielen Klauseln und Legate, der Universalerbe leer ausgeht.

Mitunter hatte ich fast den Eindruck, daß es gar nicht die unzähligen lebendigen Frauen ihrer Bekanntschaft sind, die ihre Psychologie auf die Beine gebracht hat, sondern daß sie ihre Seelenkunde französischen Moderomanen verdankt, etwa Gyp’schen oder Henri Meilhac’schen Typen. Meilhac, dessen Frauengestalten jüngst in seiner Grabrede so sehr gepriesen wurden als » ces héroines amoureuses, curieuses, changeantes, froufroutantes, avec leur grain de vice u.s.w.

In ihrer Psychologie überfällt uns Laura Marholm mit einem wahren Heuschreckenschwarm von Fragen und Antworten, und die Antworten sind auch nur Fragezeichen.

»Woher die heimliche, lahme Gier und dieser heimliche Ekel am Mann? – woher diese flügellahme Liebe?« ...

Ihre zahllosen, komplizierten, in einander verhäkelten Warums und Darums, Wohers und Dahers, muten uns an, wie jene maliziösen Scherzgeschenke, wo in einem umfangreichen Paket von Papierhüllen ein Papierchen immer ins andere geschachtelt ist, und öffnet man endlich, um den Kern zu finden, das letzte Papier, - nichts.

Viele, viele Seiten lang bringt sie das »rastlose klagende Gemurmel – den erstickten Jammerschrei«, die unsagbare Verzweiflung des Weibes zu Papier. Es konnte nicht anders kommen. Warum ist die Frau auch »Halbweib« geworden!

Wie wird das Halbweib nun Ganzweib?

Auf den 300 Seiten ihrer Seelenanalysen hält uns Frau Marholm in Erwartung und schwebender Pein. Erst am Schluß erfahren wir es.

Dieser Schlußaufsatz »Die produktive Arbeit der Frau« wirkt verblüffend. Sie hat die einzig produktive Arbeit des Weibes entdeckt. Wir sind aufs höchste gespannt. Was wird kommen? Etwas Neues? nein, etwas Altes, sogar Uraltes: das Kind kommt!

Bis jetzt hatte sie in allen ihren Schriften das ganze Feuer ihrer Beredsamkeit in die Kernsätze gelegt: »Im Manne beginnt das Leben des Weibes, und im Manne beschließt es sich ... in allen Fällen ist er der einzige Sinn ihres Lebens; denn des Weibes Inhalt ist der Mann.«

Und nun plötzlich muß der Mann dem Kind weichen, wie »Winterstürme dem Wonnemond«.

Wenigstens legt Laura Marholm dem Weibe mit ihrer produktiven Arbeit keine besonderen Unkosten auf.

»Die produktive Arbeit (das Kind) ist überhaupt gar nichts, wobei mit Willen, Absicht, Anstrengung, Vorsätzen u.s.w. viel zu erreichen wäre ... Die produktive Arbeit des Weibes ist seine innere Natur, sein angeborenes Wesen, seine warme Seele, sein gutes Herz, - gesundes Blut, - ungebrochene Kraft, Unermüdetheit, Unmittelbarkeit, Spannkraft, Frische.«

Ureinfach: das Halbweib wird Halbengel. Wird? Nein; Wille und Absicht ist ja nicht dabei. Sie ist der geborene Halbengel, was sich nicht ganz damit reimt, daß Laura Marholm selbst die Frau von heut in den schwärzesten Farben malt. (Vielleicht wachsen ihr die Halbengelflügel bei der Lektüre der Marholm’schen Bücher.)

»Durch Millionen Frauen geht der stumme, unbewußte Schrei, gebt uns das Glück, unser Weibsein auszuleben, das ist für uns das eine, alleinige Glück.«

Aber warum schreien denn diese Millionen so? Das »Sichalsweibausleben« geht doch einzig und allein in und an dem Kind von statten. Wer nimmt ihr denn das Kind? im Gegenteil, alle Welt redet ihr es ja bei jeder, auch der ungeeignetsten Gelegenheit auf, sogar die dramatischen Dichter, die, wenn sie für ihre Ehedramen keinen versöhnenden Schluß finden, geschwind das Kind in den Riß springen lassen.

Freilich, gleich darauf sieht sie wieder vom Kinde ab, indem sie erkennt, daß »im letzten und tiefsten Grunde das Weib sich nur für geschlechtliche und religiöse Dinge erwärmen« kann.

Gehört das Kind zu den geschlechtlichen oder zu den religiösen Dingen?

Sie entdeckt immer neue Daseinszwecke des Weibes. Ob sie sich nicht schließlich noch die Großmutter als Daseinszweck des Weibes langen wird?

Niemals wirkt Laura Marholm auf mich unerfreulicher, als wenn sie, wie in diesem letzten Aufsatz, in Idealität macht, sich mit einem paar geborgter Flügel in ätherblauen Tugenddunst verfliegt, und für Allmütterlichkeit und Menschenliebe en gros schwärmt.

Welche Frau nicht Mutter im Fleisch ist, soll wenigstens Mutter im Geist und Mutter in der Seele sein, und kraft ihrer Weibnatur auf eigenes Leben verzichten.

Ein alter Berliner Knittelvers lautet: »I Hannemann, geh’ du voran, du hast die großen Stiebeln an.«

Frau Marholms Bücher haben einen großen Erfolg gehabt. Die Männer huldigten ihr als Prophetin ihrer Größe.

Vielleicht wird ihnen aber doch allmählich bange vor einer Superiorität von Marholms Gnaden, die Hand in Hand geht, bei den einen (so schildert sie S. 270 die Großstadttypen) mit »Mattäugigkeit und schiefbeiniger Schwächlichkeit«, bei den andern mit »Massigkeit, Glotzigkeit, dicken Weiberbeinen, protziger Großschnäuzigkeit u.s.w.« Wir erfahren sogar, daß das Weib heut keine schönen, starken Männer gebären kann, weil es lauter »Rundrückige, Krummbeinige, der Vermauschlung entgegentreibende« vor Augen hat.

Vorläufig aber baut man ihr noch Altäre. In einer vielgelesenen Tageszeitung gipfelt das Entzücken eines rühmlich bekannten Schriftstellers in den Schlußworten: »’Das Buch der Frauen’ der Frau in die Hand gegeben, wird ihr zum zweiten Gebetbuch werden. Frau Laura Marholm ist ein Arzt und ihre Arzneien helfen sicher, sie ist ein Prediger, und ihre Wahrheiten sind seligmachend.«

Ob dieser begeisterte Apologet Laura Marholms vermählt ist? kaum; dürfte er sonst ohne Bangigkeit in die Hände seines unschuldigen Weibes dieses Gebetbuch legen, in dem auf einer der frommen Seiten zu lesen ist, daß Marie Baschkirzew zugrunde ging, »weil sie die große Liebe nicht kennen lernte mit ihren seelischen Schaudern des Genießens, von denen das Weib aufsteht als Herrscherin der Erde!« Und wo auf einer anderen frommen Seite Sonja Kowalewska von der Rache Aphrodites ereilt wird, »weil sie zwar Gattin und Mutter, aber nicht Geliebte wurde.«

Ein anderer Schriftsteller huldigt (in einem vornehmen Kunstblatt) der Entdeckerin des Weibes von Mannes Gnaden, indem er sie die einzige Frau nennt, die endlich »die letzte Hülle von der Seele der Frau gezogen, und das sorgsam Verborgene an das Licht gebracht hat.«

Das Weib ist erkannt. So ist es nicht nur, so soll es auch sein. Schön. Aber warum sitzt man denn gleich so bös zu Gericht über die Frau, die sich nun wirklich etwas lebhaft auf dem Gebiet der Erotik betätigt.

Und warum versteht man unter der tugendhaften Frau vorzugsweise diejenige – sie mag im übrigen von ganz schlechter Charakterqualität sein – die der Erotik den schuldigen Tribut, den Laura Marholm ihr auferlegt, nicht zollt? Naiver Frager. Auf Warums, wenn die realen Lebensgepflogenheiten im Widerspruch zu den gedruckten Anschauungen stehen, erhältst Du nie eine Antwort.

Ach! und was wird aus den vielen ältlichen und alten Frauen, die dem Ideal des erotisch geschwollenen Weibes nicht mehr entsprechen, und nun bis an ihr unseliges, leider viel zu spätes Ende, traurig vegetieren müssen, weil sich für ihre durchseelte, durchsinnlichte Hingabe kein Abnehmer mehr findet?

Das größte schriftstellerische Talent, wenn nicht Gesinnung, Ehrlichkeit, Wahrhaftigkeit es trägt, wird dauernde Erfolge nicht erzielen.

Die Ritter vom Geist wachsen nur im Dienst der Ideen, die die Zukunft in ihrem Schoß tragen. Und Laura Marholms Ideen - - ich hör’ die Botschaft, doch mir fehlt der Glauben.

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