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Die Ahnfrau

Ludwig Börne: Die Ahnfrau - Kapitel 15
Quellenangabe
authorLudwig Börne
titleDie Ahnfrau
typeessay
senderadlerbird@onlinehome.de
created20121116
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Sappho

Trauerspiel von Grillparzer

1820

Vor etwa zwei Jahren wurde uns diese Tragödie mit dem Spiele der Frau Schröder als Sappho gleichzeitig bekannt. So empfingen wir eine köstliche Frucht in goldner Schale mit Dank und Freude aus den Händen der großen Künstlerin. Später wurde sie uns wiederholt, aber auf flacher Hand, und heute auf irdenem Teller dargereicht. Der Reiz zum Genusse der Frucht ward schwächer, wenn auch nicht das Gefühl der Annehmlichkeit, indem man sie genoß. Nicht etwa, als hätte das Spiel jener Künstlerin Mängel des Dichtwerks versteckt oder ersetzt, die nun, ihrer Hülle oder Entschädigung verlustig, nackt und unverzeihlich erschienen – so nicht. Aber oft geschieht, daß uns eine Wirklichkeit anzieht, die uns als ein Gedachtes abstößt, daß wir an der Gegenwart preisen, was wir als ein Entferntes tadeln, und an der Wahrheit, was uns an der Dichtung nicht erfreut. Die Sinne und das Herz prüfen nicht; die Sinne neigen sich zum Schönen, das Herz liebt und haßt. Aber der Geist urteilt und unterscheidet, was liebenswürdig und was hassenswürdig sei. Die Strafe des Verbrechens, der verschuldete Schmerz, die törichte Klage kann unser Mitleid nicht erregen; aber um den Verbrecher auf dem Blutgerüste, um den Duldenden Iltis Leichtsinn, um den verzweiflungsvollen Toren weinen wir gewiß; die Schwachheit tadeln, den Schwachen bemitleiden wir. Und so würde behauptet, daß wir der Sappho der Dichtung nicht ganz bewilligen können, was wir der Sappho der Bühne zugestanden.

Ich mache mit den Philologen nicht gemeinschaftliche Sache, deren einer, da er zu Berlin die Sappho darstellen sah, ausrief: »Das ist dummes Zeug!« Ich rede keinem Konrektor nach, den es verdrießt, daß seine Sappho, von der man »leider« nur noch einige Fragmente hat, so verkleinert worden, indem sie der Dichter sich mit Lappalien beschäftigen ließ. Ich kenne die lesbische Sappho gar nicht ich weiß nichts von der grausamen Geliebten des Alcäus, nichts von der Ehefrau des Kerkolas; ich kenne nur die gekrönte Dichterin und das liebende Weib und will betrachten, wie der Dichter Liebe und Ruhm feindlich sich gegenübergestellt und wie traurig der Kampf geendet, da der Sieg ohne Entscheidung geblieben und ein und ein gemeinschaftliches Grab beide Kämpfenden verschlang. Freilich spottet die Natur der Befehle wie der Verweise eines Dramaturgen; aber darf auch die Kunst nichts darstellen, also wozu ihr die Natur ein Vorbild reicht, so darf sie doch nicht Jede Erscheinung der Natur zum Vorbilde nehmen. Die Natur schafft, indem sie zerstört, und sie zerstört das Einzelne, um die Gesamtheit zu erhalten. Doch die Kunst stellt nur das Einzelne dar, und zernichtet sie ein Besonderes, um nur ein anderes Besondere zu erhalten, erkauft sie das Leben des einen mit dem Tode des andern, so ist dieses eine frevelhafte launische Wahl, durch keinen Zweck entschädigt, durch keine Weisheit geleitet.

Erhabene, heil'ge Götter!
Ihr habt mit reichem Segen mich geschmückt!
In meine Hand gabt ihr des Sanges Bogen,
Der Dichtung vollen Köcher gabt ihr mir,
Ein Herz zu fühlen, einen Geist zu denken
Und Kraft zu bilden, was ich mir gedacht.
Ihr habt mit reichem Segen mich geschmückt,
Ich dank' euch!

Ihr habt mit Sieg dies schwache Haupt gekrönt
Und ausgesät in weitentfernte Lande
Der Dicht'rin Ruhm, Saat für die Ewigkeit!
Es tönt mein goldnes Lied von fremden Zungen,
Und mit der Erde nur wird Sappho untergehn.
Ich dank' euch!

So spricht Sappho,

Die Könige zu ihren Füßen sah
Und, spielend mit der dargebotnen Krone,
Die Stolzen sah und hörte und – entließ.

und dieses Weib, so hoch gestellt von Menschen und von Göttern, so in der Fülle des Wertes und dieses Wertes froh und sich bewußt: sie kehrt zurück aus der Mitte der versammelten Griechen, die Herrlichste unter den Herrlichen, die Gepriesenste unter den Gepriesenen, die Glücklichste unter den Glücklichen, siegestrunken, lobrauscht; auf ihrem Haupte den frischesten jüngsten Lorbeer; sie kehrt zurück, mit Jauchzen entlassen, mit Jauchzen empfangen; sie kehrt zurück und – steht dem Sklaven, der ihren Siegeswagen sollte ziehen, als Sklavin zur Seite! Das ist nicht Sinken mehr der Größe, das ist schon ihr Fall. Das Grab ist geöffnet, der Sarg ist aufgeschlagen, die Würmer nagen an der Leiche. Wozu unser Bangen, da die Gefahr schon erreicht, wozu unsere Tränen, da die Verwesung schon eingetreten, was fürchten, da nichts mehr zu hoffen ist? Sie kehrt zurück, und, noch ehe sie herannaht, ist sie schon verurteilt, durch einen niedrigen Diener verurteilt, durch Rhamnes, der mit den Worten:

Der Mann mag das Geliebte laut begrüßen,
Geschäftig für sein Wohl liebt still das Weib!

die der Herrin entgegenjubelnden Mädchen in das Haus zurückweist. Aber Sappho verkündigt dem versammelten Volke laut und gebieterisch Ihre Liebe und ihre Schande. Als ruhmvolle Herrin dürfte sie nicht lieben, als liebendes Weib seine Liebe nicht verkündigen. Wir wissen nicht, was wir empfinden sollen, und die Einheit der Empfindung, die in dramatischen Dichtungen nicht minder sorgfältig als die Einheit der Handlung gehütet werden muß, wird getrennt. Wir müssen der Sappho vergessen, sollen wir dem Weibe seine Liebe verzeihen, aber wenn wir der Sappho vergessen, welche Teilnahme kann noch ferner eine alltägliche Schwäche bei uns finden? Eine Königin im Krankenbette mit der Krone auf dem Haupte; oder eine Königin auf dem Throne von Fieberschauern gerüttelt – so oder so erscheint uns Sappho, und durch diese Nachbarschaft von Größe und Schwäche wird Ehrfurcht wie Mitleid von uns abgewehrt.

Wenn die Liebe Geist und Arm des Mannes unterwirft und als Gebieterin des Ruhmes erscheint, dann mögen wir seinen Fall beweinen oder auch verzeihen; denn nur einfach ist die Schwäche und die Schuld. Doch wenn das Weib, das sein stilles Haus verließ, von seiner Höhe herabstürzt, wird es nur Schadenfreude finden; denn zwiefach ist die Schuld – daß es gesunken und daß es gestiegen. Die Flügel des weiblichen Geistes sind immer aus Wachs, doch nur den Fall, nicht den Ruhm der kühnen Tat teilen sie mit Ikarus.

Wenn behauptet wird, die Liebe Sapphos müsse mit Spott und Unwillen erfüllen, ist es etwa die Verstimmung unseres Gemüts, ist es etwa mein irrender Murrsinn, der dieses ungerechte Urteil fällt? Ist es nicht Sappho selbst, die ihre eigene Liebe geringschätzt und fast verhöhnt – ja geringschätzt, so sehr sie sich auch abmüdet, sich vor sich selber zu verstecken. Sie denkt über ihre Liebe, und die wahre Liebe denkt nicht. Sie will auf ihrem Herzen spielen, wie auf ihrer Leier; aber bei der wahren Liebe ist eins Finger und Saite. Sie lauscht dem Urteile der Welt, um es zu verschmähen; aber die wahre Liebe vergißt die Welt und hört nicht, was sie spricht. Ihre Liebe ist ihr nur das Höchste, aber die wahre Liebe hat auch nichts unter sich noch zur Seite, sie ist alles und füllt alle Räume aus.

Sappho kehrt von den olympischen Spielen in den Kreis einer sie anbetenden Menge zurück. Sie steigt mit Phaon von ihrem Siegeswagen und ihrem Ruhme herab. Die Ihrigen jauchzen. Da fühlt sie alsobald, daß sie diesen ehrfurchtsvollen Empfang nicht mehr verdiene. Sie sucht die Vorwürfe ihres Inneren zu beschwichtigen, und da sie es nicht vermag, trotzt sie ihnen, mit Ingrimm, schuldbewußt:

Mögt ihr's immer wissen!
Ich liebe ihn!

ruft sie dem versammelten Volke zu. Kann die wahre Liebe fürchten, daß man ihre Wahl nicht achten werde? Sie duldet zwar nicht, daß man verletze, was ihr heilig; aber ehe man das Heilige verletzt, ahnet sie nicht, daß man wagen könne, es zu verletzen. Aber Sappho zittert der Mißbilligung entgegen. Darum lauert sie auf Jede Miene, horcht auf jedes Wort der sie Umgebenden und wiegt ängstlich und empfindlich jeden Laut ab. Sie stellt ihren Sklaven, den Geliebten, mit den Worten vor: »Hier sehet euern Herrn!« Rhamnes (verwundert, halblaut): »Herrn?« Sappho: »Wer spricht hier? (gespannt) was willst du sagen?« Rhamnes (zurücktretend): »Nichts!« Sappho: »So sprich auch nicht! «

Doch wie! Darf ein Weib, weil es den Lorbeer sich gewonnen, nicht auch die Myrte durch ihre Locken flechten? Darf es nicht bewundern, weil es bewundert, nicht lieben, weil es angebetet wird? Sappho – ihre Eltern sanken früh ins Grab – ward am Mutterherzen der Musen gewartet. Des Gesanges und der Dichtung Gaben schnell entfaltend, sie fortgetragen durch heitere blaue Lüfte, von dem offnen Ohr der Griechen bald vernommen, bald angestaunt, ihr Ruhm von Tempel zu Tempel eilend – so im raschen Fluge bis hinauf zum Sitze der Götter, erreichte sie den Gipfel ihres Ruhms glücklich und gesättigt. Da fiel das blitzende Auge Phaons in ihr Herz und erhellte seine Leere. Sappho kannte die Liebe nicht, und ... doch nein, ihr war Liebe nicht fremd:

Der Freundschaft und der – Liebe Täuschungen
Hab' ich in diesem Busen schon empfunden;

sie bekennt es und damit ihre Schuld. Nicht überrascht, nicht überwältigt wurde die Unerfahrne von der Leidenschaft. Sie gab sich ihr willig, unbedacht hin, und wäre Phaons Treue nur um einen Tag älter geworden, dann hätte Sappho selbst von dem Felsen am Meere in die Wellen hinabgejammert und ihren Verrat zu spät bereut – wir dürfen es denken.

Aber tritt die Kraft nicht am herrlichsten hervor, wenn Schwäche sie umschattet? Macht nicht das Tal den Berg? Göttlich ist der große Mensch, aber ohne Fehl wäre er Gott, und unsrer Liebe wie unsrer Bewunderung entrückt. Steht Sappho nicht größer da als zuvor, nachdem sie sich aufgerafft und ihre Liebe als ein Spielwerk, mit dem sie zu ernst gespielt, weit von sich werfend, ihrer Lust, der Erde entflieht, um zu den Sternen emporzusteigen? Da sie spricht:

Ich will mit Sapphos Schwäche euch versöhnen,
Gebeugt erst zeigt der Bogen sei ne Kraft.

Hat sie nicht den schönsten der Siegeskränze sich erkämpft? ... Nein, das tat sie nicht. Kleiner noch als im Leben zeigt sich Sappho sterbend. Sie versöhnt mit ihrer Schwäche nicht, sie entzieht sie nur dem Vorwurfe. Der Bogen zeigt nicht seine Kraft; er bricht und zeigt seine Gebrechlichkeit. Sie liebt und haßt, und ohnmächtig, ihr Herz zu entleeren der Liebe und des Hasses, zerschlägt sie das Gefäß, damit die Empfindung von selbst entströme. Ihr Tod war nicht das Werk freier Entschließung. Er ward im Wahnsinn beschlossen und im Wahnsinn vollführt, und nur das Meer, nicht die Reue, bedeckt Ihre Schuld.

Doch schon zu lange habe ich in diese Sonne gesehen, um ihre Flecken zu ergründen; geblendet senke ich den Blick, mich ferner nur ihrer Wärme und ihres Lichtes zu erfreuen. Sapphos Ruhm und Tag sahen wir traurig, blutrot untergehen; aber um so süßer und freundlicher steigt ihre Nacht herauf, mit dem milden Mondlichte der Weiblichkeit und den Liebestönen der klagenden Nachtigall. Welche tiefe, doch nicht einschneidende, verwundende, nur vordringende Blicke hat der Dichter in das weibliche Herz geworfen! Von dem Dornenritze jener Rose, der Sapphos Herz blutig anstreifte, bis zum Dolchstoße der Entführung Melittens, der es durchbohrte – wie wahr, schön und naturtreu ist das alles vorgebildet! Vergebens sucht die männerkundige Sappho die Gefahr, die ihrer Liebe droht, herabzudeuteln, vergebens bittet sie ihren Ruhm um Entschädigung für ihren Schmerz, ihren Stolz um Beistand gegen ihn, sie entrinnt dem Verderben nicht. Wie das Vöglein, wenn es der Blick der Klapperschlange traf, von ihrem giftigen Anhauche umnebelt, festgehalten, nicht zu entfliehen vermag und immer weiter gezogen, endlich in den offnen Rachen stürzt so auch Sappho, da die Eifersucht ihr Schlangenhaupt gegen sie reckt; gelähmt sind die Flügel ihres Geistes, und besinnungslos sucht sie selbst den Untergang. Wenn mir auch das Gebot der Dramaturgen, eine dramatische Handlung dürfe eine gewisse Bühnenlänge nicht überschreiten, sonderbar erscheint, da ich erwäge, daß doch dem Maler verstattet ist, eine meilenweite Landschaft in einen fußengen Rahmen zu sperren, wenn nur Licht und Schatten, Größenverhältnis und Fernsicht beobachtet sind so rühmlich bleibt doch, daß der Dichter Sapphos jene Forderung so völlig zu gewähren verstand. Innerhalb eines Tages und einer Nacht sieht man den Keim, das Wachsen, die Blüte, die Frucht, das Hinwelken der Liebe; die Natur selbst hätte keine längere Zeit bedurft.

Phaon, wie klein und niedrig erscheint er neben Sappho, wie, er selbst dunkel, Schatten werfend in ihren Glanz! Wir stimmen ihm bei, wenn er ausruft:

Wer glaubte auch, daß Hellas' erste Frau
Auf Hellas' letzten Jüngling würde schauen?

– und so sehr bei, daß wenig sein bescheidener Sinn uns rührt. Sappho sucht ihn aufzurichten, nicht um ihn, um sich selbst zu erheben:

Dem Schicksal tust du unrecht und dir selbst!
Verachte nicht der Götter goldne Gaben!

So spricht sie und rechnet diese Gaben vor. Allein,

Der kühne Mut, der Weltgebieter Stärke –

ist er Phaon eigen, glaubt ihn Sappho in dessen Besitz? Warum so ängstlich besorgt, wie eine Mutter um ihr krankes Kind besorgt, zeigt sie sich um ihn? Wie sie der Weltgebieter Einen, den Sklaven ihres Hauses, vorstellt!

Ihr seht hier euern Herrn. Was er begehrt,
Ist euch Befehl, nicht minder als mein eignet.
Weh dem, der ungehorsam sich erzeigt,
Den eine – Wolke nur auf dieser Stirn
Als Übertreter des Gebots verklagt!
Vergehen gegen mich kann ich vergessen,
Wer ihn beleidigt, wecket meinen Zorn,
Und nun, mein Freund, vertrau' dich ihrer
Sorgfalt ...

Wie undankbar, wie verächtlich erscheint Phaon! Daß er Sappho, die er hoch verehrte, nicht zu lieben vermochte, das ist nicht sein Vergehen; er vermochte es nicht, weil er sie hoch verehrte. Daß er aber den Mut gewann, sich gegen ihre Größe aufzulehnen, zeigt sein kleines Gemüt; er hätte jenen Mut nicht gefunden, hätte er ihre Größe zu umfassen verstanden.

Doch eben in der Bildung eines solchen Phaons hat der Dichter seine Meisterschaft gezeigt. Ein Geringerer als er hätte den Geliebten Sapphos mit allen Gaben des Geistes und Gemüts ausgestattet, um ihn der Anbetung einer solchen Liebenden würdig zu machen. Wie versäumt wäre alsdann geworden, was am meisten not tut! Denn wo anders könnte Sappho Nachsicht finden für ihre Verblendung als in der Größe dieser Verblendung? Wo anders Mitleid für ihre Niederlage als in der Unscheinbarkeit des Feindes, der sie besiegte, weil er ungefürchtet nahe kommen durfte; Wenn zeigt sich die Liebe allmächtiger, als indem sie alles gibt und nichts dafür nimmt? Wäre Phaon Sapphos würdiger gewesen, dann erst hätte man ihr vorrechnen können, wie töricht sie getauscht und wie sie, wenn sie auch viel empfing, doch für das, was sie hingegeben, nicht genug empfangen. Die wahre Liebe würdigt ihren Gegenstand, aber das ist die wahre Liebe nicht, die nur das Würdige liebt.

In Melitta sahen wir den Sieg der Weiblichkeit über mannartigen Hochsinn; den Sieg des Herzens über Geisteskraft und den der Anmut über Schönheit. Verschwiegen, verschlossen, träumend wie eine Blume, erwartend die liebende Hand, die sie brechen wird, sich ihr nicht entgegenstreckend, fromm ergeben, still gehorchend so steht sie dem Undanke und der Rauheit Phaons, wie der Rachsucht und Heftigkeit Sapphos gegenüber, und so überlebt die bescheidene Lampe der Sklavin die verzehrende Sonne der Gebieterin.

Soll ich noch sprechen von dem holden Zauber in allen Reden unseres Dichters? Von dieser bald milden, bald glühenden Farbenpracht, von der Schönheit und Wahrheit seiner Bilder, von der Tiefe und Wärme seiner Empfindungen? Dieser wundervolle paradiesische Garten ist genug gepriesen, wenn ich ihn den Fruchtmarkt anderer neuen Dichter gegenüberstelle. Dort findet sich des Willkommnen gar viel für Küche und Magen, nur nichts für Herz und Phantasie. Zierliche Weltweisen sind sie mit Lob zu nennen, welche Bücherschränke voll guten Verstandes mit Blumengirlanden umhängen oder wohl auch einer saftigen Frucht ein abgerissenes grünes Blatt unterlegen, oder eßliche Kuchen mit Dragee bestecken – aber Dichter sind sie nicht. Grillparzer ist ein Dichter.

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