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Die Abstammung des Menschen

Charles Darwin: Die Abstammung des Menschen - Kapitel 46
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typereport
authorCharles Darwin
titleDie Abstammung des Menschen
publisherfourier
printrun1. Auflage
year1986
isbn3925037039
firstpub1871
translatorJ. Viktor Carus
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
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Vocal- und Instrumentalmusik. – Bei Vögeln dient die Stimme dazu, verschiedene Gemüthserregungen auszudrücken, wie Unglück, Furcht, Ärger, Triumph oder das bloße Gefühl des Glücks. Dem Anscheine nach wird sie zuweilen dazu benutzt, Schrecken zu erregen, wie es mit dem zischenden Geräusch der Fall ist, welches einige Vögel als Nestlinge ausstoßen. Audubon erzählt,Ornithological Biography. Vol. V, p. 601. daß ein Reiher (Ardea nycticorax Linné), welchen er zahm hielt, sich zu verstecken pflegte, wenn sich eine Katze näherte, und »dann stürzte er plötzlich vor und stieß eines der fürchterlichsten Geschreie aus, sich offenbar über die Unruhe und die Flucht der Katze amüsierend«. Der gemeine Haushahn gluckt seiner Henne und die Henne ihren Küchlein, wenn ein guter Bissen gefunden wird. Die Henne »wiederholt, wenn sie ein Ei gelegt hat, einen und denselben Ton sehr oft und schließt dann mit der Sexte höher, welche sie für lange Zeit aushält«Daines Barrington in: Philosophical Transactions. 1773, p. 252. und hierdurch drückt sie ihre Freude aus. Einige gesellig lebende Vögel rufen offenbar einander zu Hülfe, und da sie von Baum zu Baum flüchten, wird der Schwarm durch stets einander antwortende zirpende Rufe zusammengehalten. Während der nächtlichen Wanderungen der Gänse und anderer Wasservögel kann man hoch über unseren Köpfen sonore Ausrufe von der Spitze des Zugs her in der Dunkelheit hören, denen dann Ausrufe von dem Ende des Zuges antworten. Gewisse Ausrufe dienen als Warnungssignale, welche, wie der Jäger auf Kosten seiner Zeit erfahren hat, sowohl von einer und derselbes Species als auch von anderen sehr wohl verstanden werden. Der Haushahn kräht und der Colibri zirpt im Triumph über einen besiegten Nebenbuhler. Indessen werden der echte Gesang der meisten Vögel und verschiedene fremdartige Laute hauptsächlich während der Paarungszeit hervorgebracht und dienen entweder nur als Reize oder bloß als Lockruf für das andere Geschlecht.

Die Naturforscher sind in Bezug auf den Zweck des Singens der Vögel sehr getheilter Meinung. Seit Montagu's Zeiten haben wenige noch sorgfältigere Beobachter gelebt als er, und derselbe behauptet, daß »die Männchen der Singvögel und viele andere im Allgemeinen nicht die Weibchen aufsuchen; sondern ihr Geschäft im Frühlinge besteht im Gegentheil darin, sich auf irgend einen weit sichtbaren Punkt niederzulassen und dort ihre vollen liebeathmenden Töne erklingen zu lassen; das Weibchen erkennt diese aus Instinct und begiebt sich darauf nach dem Flecke hin, um sich ihren Genossen zu wählen«.Ornithological Dictionary. 1833, p. 475. Mr. Jenner Weir theilt mir mit, daß dies in Bezug auf die Nachtigall sicher der Fall ist. Bechstein, welcher während seines ganzen Lebens Vögel hielt, führt an, »daß der weibliche Canarienvogel immer den besten Sänger sich wählt und daß im Naturzustande der weibliche Finke unter Hunderten von Männchen dasjenige sich auswählt, dessen Gesang ihm am besten gefällt«.Naturgeschichte der Stubenvögel. 1840, p. 4. Auch Mr. Harrison Weir schreibt mir: »Mir ist gesagt worden, daß die am besten singenden Männchen zuerst einen Genossen erhalten, wenn sie in demselben Zimmer gezüchtet worden sind.« Darüber kann kein Zweifel sein, daß Vögel unter einander äußerst aufmerksam auf den Gesang sind. Mr. Weir hat mir einen Fall von einem Gimpel mitgetheilt, dem gelehrt worden war, einen deutschen Walzer zu pfeifen, und der ein so guter Sänger war, daß er zehn Guineen kostete. Als dieser Vogel zuerst in ein Zimmer gebracht wurde, wo andere Vögel gehalten wurden, und er zu singen anfing, stellten sich alle übrigen Vögel – und es waren ungefähr zwanzig Hänflinge und Canarienvogel vorhanden, in ihrem Bauer auf die dem Vogel nächste Seite und hörten mit dem größten Interesse dem neuen Sänger zu. Viele Naturforscher glauben, daß das Singen der Vögel beinahe ausschließlich »die Wirkung der Rivalität und Nebenbuhlerschaft« sei und nicht zu dem Zwecke ausgeübt werde, ihre Genossen zu bezaubern. Dies war die Ansicht von Daines Barrington und White von Selborne, welche beide dem Gegenstande besondere Aufmerksamkeit schenkten.Philosophical Transactions. 1773, p. 263. White, Natural History of Selborne. Vol. I. 1825, p. 246. Indeß giebt Barrington zu, »daß eine Überlegenheit im Gesange den Vögeln eine wunderbare Überlegenheit über andere überhaupt giebt, wie Vogelfänger sehr gut wissen«.

Es besteht ganz sicher ein intensiver Grad von Rivalität zwischen den Männchen in ihrem Gesange. Vogelliebhaber bringen ihre Vögel zusammen, um zu sehen, welcher am längsten singen wird, und mir hat Mr. Yarrell erzählt, daß ein Vogel ersten Ranges zuweilen singen wird, bis er fast todt oder der Angabe von Bechstein zufolgeNaturgeschichte der Stubenvögel. 1849, p. 252. vollständig todt umfällt, in Folge des Zerplatzens eines Gefäßes in den Lungen. Was auch immer die Ursache sein mag, männliche Vögel sterben, wie ich von Mr. Weir höre, häufig während der Singezeit plötzlich. Daß die Gewohnheit zu singen zuweilen von der Liebe vollständig unabhängig ist, ist klar. Denn man hat einen unfruchtbaren hybriden Canarienvogel beschrieben,Mr. Bold in: Zoologist. 1843-44, p. 659. welcher sang, als er sich selbst im Spiegel erblickte, und dann auf sein eigenes Spiegelbild losstürzte. Er griff in gleicher Weise mit Wuth einen weiblichen Canarienvogel an, als er zu ihm in dasselbe Bauer gebracht wurde. Die Vogelfänger ziehen beständig Vortheil aus der Eifersucht, die durch den Act des Singens angeregt wird. Ein Männchen, welches gut singt, wird verborgen und geschützt, während ein ausgestopfter Vogel, mit geleimten Zweigen umgeben, dem Blicke ausgesetzt wird. Auf diese Weise hat, wie Mr. Weir mir mittheilt, ein Mann im Verlaufe eines einzigen Tages fünfzig und an einem sogar siebenzig männliche Buchfinken gefangen. Das Vermögen und die Neigung zum Singen bietet bei Vögeln so bedeutende Verschiedenheiten dar, daß, obschon der Preis eines gewöhnlichen männlichen Buchfinken nur einen Sixpence beträgt, Mr. Weir doch einen Vogel sah, für welchen der Vogelhändler drei Pfund forderte. Die Probe für einen wirklich guten Sänger ist dabei die, daß derselbe zu singen fortfährt, während der Käfig rund um den Kopf des Besitzers geschwungen wird.

Daß Vögel ebensowohl aus Eifersucht als zu dem Zwecke, das Weibchen zu bezaubern, singen, ist durchaus nicht unverträglich mit einander und hätte sich in der That als mit einander Hand in Hand gehend erwarten lassen, ebenso wie Geschmücktsein und Kampfsucht. Indessen schließen einige Autoren, daß der Gesang des Männchens nicht dazu dienen könne, das Weibchen zu bezaubern, weil die Weibchen einiger Species, wie des Canarienvogels, des Rothkehlchens, der Lerche und des Gimpels, besonders wenn sie, wie Bechstein bemerkt, im Zustande des Verwittwetseins sich befinden, selbst einen melodiösen Gesang ertönen lassen. In einigen von diesen Fällen kann man die Gewohnheit zu singen zum Theil dem Umstande zuschreiben, daß die Weibchen sehr gut gefüttert und in Gefangenschaft gehalten worden sind,Daines Barrington in: Philosoph. Transact. 1773, p. 262. Bechstein, Naturgeschichte der Stubenvögel. 1840. p. 4. denn dies stört alle die gewöhnlich mit der Reproduction der Art im Zusammenhang stehenden Functionen. Es sind bereits viele Beispiele mitgetheilt worden von der theilweisen Übertragung secundärer männlicher Charaktere auf das Weibchen, so daß es durchaus nicht überraschend ist, zu sehen, daß die Weibchen einiger Species auch das Vermögen zu singen besitzen. Man hat ferner auch geschlossen, daß der Gesang des Männchens nicht als ein Reizmittel dienen könne, weil die Männchen gewisser Species, z. B. des Rothkehlchens, während des Herbstes singen.Dies ist auch mit der Wasseramsel (Cinclus) der Fall. s. Mr. Hepburn in: Zoologist. 1844-46, p. 1068. Es ist indessen nichts häufiger, als daß Thiere darin Vergnügen finden, irgendwelchen Instinct auch zu anderen Zeiten auszuüben als zu denen, wo er ihnen von wirklichem Nutzen ist. Wie oft sehen wir Vögel leicht hinfliegen, durch die Luft gleitend und segelnd, und offenbar nur zum Vergnügen. Die Katze spielt mit der gefangenen Maus und der Cormoran mit dem gefangenen Fische. Der Webervogel (Ploceus) amüsiert sich, wenn er in einem Käfig eingeschlossen ist, damit, Grashalme niedlich zwischen das Drahtgitter seines Käfigs einzuflechten. Vögel, welche gewöhnlich während der Paarungszeit kämpfen, sind meist zu allen Zeiten bereit, mit einander zu kämpfen, und die Männchen des Auerhahns halten ihre Balzen oder Leks auf den gewöhnlichen Versammlungsplätzen auch während des Herbstes.L. Lloyd, Game Birds of Sweden. 1867, p. 25. Es ist daher durchaus nicht überraschend, daß männliche Vögel zu ihrer eigenen Unterhaltung auch dann noch zu singen fortfahren, wenn die Zeit der Brautwerbung vorüber ist.

Das Singen ist bis zu einem gewissen Grade, wie in einem früheren Capitel gezeigt wurde, eine Kunst und wird durch Übung bedeutend veredelt. Man kann Vögel verschiedene Melodien lehren, und selbst der unmelodische Sperling hat zu singen gelernt wie ein Hänfling. Sie nehmen den Gesang ihrer NährelternDaines Barrington in: Philosoph. Transact. 1773, p. 264. Bechstein, Stubenvögel, p. 5. und zuweilen den ihrer Nachbarn an.Dureau de la Malle führt ein merkwürdiges Beispiel von einigen frei in seinem Garten in Paris lebenden Amseln an (Annal. des scienc. natur. 3. Sér. Zool. Tom. X, p. 118), welche von einem im Käfig gehaltenen Vogel ein republikanisches Lied lernten. Alle die gewöhnlichen Sänger gehören zu der Ordnung der Insessores und ihre Stimmorgane sind viel complicierter als diejenigen der meisten anderen Vögel. Doch ist es eine merkwürdige Thatsache, daß einige der Insessores, wie die Raben, Krähen und Elstern, denselben SingapparatBishop in: Todd's Cyclopaedia of Anat. and Physiol. Vol. IV, p. 1496. besitzen, trotzdem sie niemals singen und von Natur ihre Stimmen in durchaus keiner bedeutenden Weise modulieren. J. Hunter behauptet,Nach der Angabe von Barrington in den Philosoph. Transact. 1773, p. 262. daß bei den echten Sängern die Kehlkopfmuskeln der Männchen stärker sind als die der Weibchen. Aber mit dieser unbedeutenden Ausnahme besteht zwischen den Stimmorganen der beiden Geschlechter keine Verschiedenheit, trotzdem die Männchen der meisten Species so viel besser und so beständiger singen als die Weibchen.

Es ist merkwürdig, daß nur kleine Vögel eigentlich singen. Indeß muß die australische Gattung Menura ausgenommen werden, denn die Menura Alberti, welche ungefähr die Größe eines halberwachsenen Truthahns hat, ahmt nicht bloß andere Vögel nach, sondern es ist auch »ihr eigenes Pfeifen außerordentlich schön und mannichfaltig«. Die Männchen versammeln sich wie zu einer Concertprobe, wo sie singen und ihre Schwänze aufheben und auseinanderbreiten wie Pfauen und ihre Flügel sinken lassen.Gould, Handbook to the Birds of Australia. Vol. I. 1865, p. 298-310. s. auch T. W. Wood in »Student«, April, 1870, p. 125. Es ist auch merkwürdig, daß die Vögel, welche singen, selten mit glänzenden Farben oder andern Zierathen geschmückt sind. Von unsern britischen Vögeln sind, mit Ausnahme des Gimpels und des Stieglitz, die besten Sänger einfach gefärbt. Die Eisvögel, Bienenfresser, Raken, Wiedehopfe, Spechte u. s. w. stoßen harsche Geschreie aus, und die glänzend gefärbten Vögel der Tropenländer sind kaum jemals Sänger.s. Bemerkungen hierüber in: Gould, Introduction to the Trochilidae. 1861, p. 22. Es scheinen daher glänzende Färbungen und das Vermögen zu singen einander zu ersetzen. Wir können wohl einsehen, daß, wenn das Gefieder nicht in seinem Glanze variierte oder wenn helle Farben für die Art gefährlich waren, andere Mittel haben angewendet werden müssen, das Weibchen zu bezaubern; und eine melodische Stimme bietet eines dieser Mittel dar.

Fig. 39. Tetrao cupido, Männchen (nach T. W. Wood).

Bei einigen Vögeln sind die Stimmorgane je nach den Geschlechtern sehr von einander verschieden. Bei Tetrao cupido (Fig. 39) hat das Männchen zwei nackte, orange gefärbte Säcke, einen auf jeder Seite des Halses, und diese werden stark aufgeblasen, wenn das Männchen während der Paarungszeit seinen merkwürdig hohlen, in einer großen Entfernung hörbaren Laut ausstößt. Audubon hat nachgewiesen, daß der Laut innig mit diesem Apparate in Verbindung steht, welcher uns an die Luftsäcke an jeder Seite des Kopfes bei gewissen männlichen Fröschen erinnert; denn er fand, daß der Laut bedeutend vermindert wurde, wenn einer der Säcke bei einem zahmen Vogel angestochen war, und waren beide angestochen, so hörte er vollständig auf. Das Weibchen hat »eine etwas ähnliche, wenn auch kleinere nackte Hautstelle am Halse, aber sie kann nicht aufgeblasen werden«.Major W. Ross King, The Sportsman and Naturalist in Canada. 1866, p. 144-146. Mr. T. W. Wood giebt im »Student« (April, 1870, p. 116) eine ausgezeichnete Schilderung der Stellungen und Gewohnheiten dieses Vogels während seiner Brautwerbung. Er führt an, daß die Ohrbüschel oder Halsschmuckfedern aufgerichtet werden, so daß sie sich oberhalb des Kopfes treffen. s. seine Abbildung, Fig. 39. Das Männchen einer andern Art von Waldhuhn (Tetrao urophasianus) hat, während es das Weibchen umwirbt, seinen »nackten gelben Kropf zu einer beinahe monströsen Größe, reichlich halb so groß wie der Körper, aufgetrieben«, und es stößt dann verschiedenartige kratzende, tiefe, hohle Töne aus. Die Halsfedern aufgerichtet, die Flügel gesenkt und auf dem Boden schleifend und den langen zugespitzten Schwanz wie einen Fächer ausgebreitet, zeigt es sich dann in einer Menge verschiedenartiger grotesker Stellungen. Die Speiseröhre des Weibchens zeigt in keiner Weise etwas Bemerkenswerthes.Richardson, Fauna Bor. Americana: Birds. 1831, p. 359. Audubon, Ornitholog. Biograph. Vol. IV, p. 507.

Fig. 40. Der Schirmvogel oder Cephalopterus ornatus, Männchen. (Aus Brehm, Thierleben.)

Es scheint jetzt sicher ermittelt zu sein, daß der Kehlsack der männlichen europäischen Trappe (Otis tarda) und wenigstens noch vier anderer Species nicht, wie man früher vermuthete, dazu dient Wasser zu halten, sondern mit der Äußerung eines eigenthümlichen Tones während der Paarungszeit im Zusammenhang steht, welcher einem »Ock« gleicht.Die folgenden Aufsätze sind neuerdings über diesen Gegenstand geschrieben worden: Prof. A. Newton in: »The Ibis«. 1862. p. 107. Dr. Cullen ebenda 1865, p. 145; Prof. Flower in: Proceed. Zoolog. Soc. 1865, p. 747. und Dr. Murie in: Proceed. Zoolog. Soc. 1868, p. 471. In dem letzterwähnten Aufsatze ist eine ausgezeichnete Abbildung der männlichen australischen Trappe in voller Entfaltung mit ausgedehntem Kehlsacke gegeben. Es ist eine eigenthümliche Thatsache, daß der Sack nicht bei allen Männchen derselben Species entwickelt ist. Ein rabenartiger Vogel, welcher Süd-Amerika bewohnt (Cephalopterus ornatus, Fig. 40), wird Schirmvogel genannt wegen seines ungeheuren, von nackten weißen Federschäften und dunkelblauen, erstere überdeckenden Federn gebildeten Federstutzes, welchen der Vogel zu einer großen, nicht weniger als fünf Zoll im Durchmesser haltenden und den ganzen Kopf bedeckenden Haube erheben kann. Dieser Vogel hat an seinem Halse einen langen, dünnen, cylindrischen, fleischigen Anhang, welcher dicht mit schuppenartigen blauen Federn bekleidet ist. Er dient wahrscheinlich zum Theil als Schmuck, aber gleichfalls auch als ein Resonanzapparat. Denn Mr. Bates fand, daß derselbe »mit einer ungewöhnlichen Entwicklung der Luftröhre und der Stimmorgane« im Zusammenhang steht. Wenn der Vogel seinen eigenthümlichen tiefen, lauten und lange ausgehaltenen flötenartigen Ton ausstößt, wird jener Anhang ausgedehnt. Beim Weibchen ist die Federkrone und der Anhang am Halse nur rudimentär vorhanden.Bates, The Naturalist on the Amazons. 1863. Vol. II, p. 284. Wallace in: Proceed. Zoolog. Soc. 1850, p. 206. Neuerdings ist eine neue Species mit einem noch größeren Halsanhange entdeckt worden (C. penduliger); s. Ibis. Vol. I, p. 457.

Die Stimmorgane verschiedener mit Schwimmfüßen versehener und Wate-Vögel sind außerordentlich compliciert und weichen in gewisser Ausdehnung bei beiden Geschlechtern von einander ab. In manchen Fällen ist die Luftröhre wie ein Waldhorn gewunden und tief in das Brustbein eingebettet. Beim wilden Schwan (Cygnus ferus) ist sie beim erwachsenen Männchen tiefer eingebettet als beim Weibchen oder dem jungen Männchen. Bei dem männlichen Merganser ist der erweiterte Theil der Luftröhre mit einem besonderen Muskelpaare versehen.Bishop in: Todd's Cyclopaedia of Anat. and Physiol. Vol. IV, p. 1499. Bei einer der Enten, nämlich Anas punctata, ist die knöcherne Erweiterung beim Männchen nur wenig mehr entwickelt als beim Weibchen.Prof. Newton in: Proceed. Zoolog. Soc. 1871, p. 651. Aber die Bedeutung dieser Verschiedenheiten in der Luftröhre bei den beiden Geschlechtern der Anatiden ist nicht erklärt; denn das Männchen ist nicht immer das stimmreichere. So ist bei der gemeinen Ente der Ton des Männchens nur ein Zischen, während das Weibchen ein lautes Quaken ausstößt.Der Löffelreiher (Platalea) hat eine in der Form einer 8 gewundene Luftröhre; und doch ist dieser Vogel stumm (s. Jerdon, Birds of India. Vol. III, p. 763). Mr. Blyth theilt mir aber mit, daß diese Windungen nicht immer vorhanden sind, so daß sie vielleicht jetzt auf dem Wege sind, zu verschwinden. Bei einem der Kraniche (Grus virgo) dringt die Luftröhre der beiden Geschlechter in das Sternum ein, bietet aber »gewisse geschlechtliche Modificationen« dar. Bei dem Männchen des schwarzen Storches findet sich gleichfalls eine wohl ausgesprochene geschlechtliche Verschiedenheit in der Länge und der Krümmung der Luftröhrenäste.Rud. Wagner, Lehrbuch der Anatomie der Wirbelthiere. 1843, p. 128. In Bezug auf die Angabe vom Schwan s. Yarrell, History of Brit. Birds. 2. edit. 1845. Vol. III, p. 193. Es haben also in diesen Fällen sehr bedeutungsvolle Gebilde je nach dem Geschlechte gewisse Modificationen erfahren.

Es ist oft schwierig zu entscheiden, ob die vielen fremdartigen Töne und Geschreie, welche männliche Vögel während der Paarungszeit ausstoßen, als ein Reizmittel oder nur als ein Lockruf für das Weibchen dienen. Das sanfte Girren der Turteltaube und vier anderer Tauben gefällt dem Weibchen, wie man wohl vermuthen kann. Wenn das Weibchen des wilden Truthuhns am Morgen seinen Ruf ertönen läßt, so antwortet das Männchen mit einem von dem gewöhnlichen kollernden Geräusche verschiedenen Tone. Ersteres bringt es hervor, sobald es mit aufgerichteten Federn, rauschenden Flügeln und geschwollenen Fleischlappen vor dem Weibchen sich brüstend einherstolziert.C. L. Bonaparte, citiert in: The Naturalist's Library. Birds. Vol. XIV, p. 126. Das Kollern des Birkhahns dient sicher als Lockruf für das Weibchen; denn man hat erfahren, daß es vier oder fünf Weibchen aus weiter Entfernung zu einem in Gefangenschaft gehaltenen Männchen hingerufen hat. Da aber der Birkhahn sein Kollern Stunden lang während aufeinander folgender Tage und, wie es der Auerhahn thut, »mit Alles überwältigender Leidenschaft« fortsetzt, so werden wir zu der Vermuthung geführt, daß die Weibchen, welche bereits anwesend sind, hierdurch bezaubert werden.L. Lloyd, The Game Birds of Sweden. 1867, p. 22, 81. Die Stimme des gemeinen Raben wird bekanntlich während der Paarungszeit verschieden und ist daher in einer gewissen Weise geschlechtlich.Jenner, Philosoph. Transact. 1824, p. 20. Was sollen wir aber zu dem rauhen Geschrei z. B. mancher Arten von Macaws sagen? Haben diese Vögel wirklich einen so schlechten Geschmack für musikalische Laute, als sie dem Anscheine nach für Farben haben, wenigstens nach dem unharmonischen Constrast ihres auffallend gelben und blauen Gefieders zu urtheilen? Es ist allerdings möglich, daß die lauten Stimmen vieler männlichen Vögel, ohne daß dadurch irgend ein Vortheil für sie erzielt worden ist, das Resultat der vererbten Wirkungen des beständigen Gebrauchs ihrer Stimmorgane sind, wenn sie durch die kräftigen Leidenschaften der Liebe, der Eifersucht und der Wuth aufgeregt werden. Auf diesen Punkt werden wir aber zurückkommen, wenn wir die Säugethiere behandeln werden.

Wir haben bis jetzt nur von der Stimme gesprochen; aber die Männchen verschiedener Vögel üben während der Zeit ihrer Bewerbung noch etwas aus, was man Instrumentalmusik nennen könnte. Pfauhähne und Paradiesvögel rasseln mit den Kielen ihrer Federn zusammen. Truthähne fegen mit ihren Flügeln über den Boden hin und einige Arten von Waldhühnern bringen hierdurch ein summendes Geräusch hervor. Wenn ein anderes nordamerikanisches Waldhuhn (Tetrao umbellus) mit aufgerichtetem Schwanze und entfalteter Krause »seine Federpracht den in der Nachbarschaft verborgen liegenden Weibchen darbietet«, so trommelt es, indem es seine Flügel der Angabe Mr. R. Haymond's zufolge oberhalb des Rückens zusammenschlägt und nicht, wie Audubon meinte, gegen die Seite schlägt. Der hierdurch hervorgebrachte Laut wird von einigen mit einem entfernten Donner, von Anderen mit dem schnellen Wirbel einer Trommel verglichen. Das Weibchen trommelt niemals, »sondern fliegt direct nach der Stelle, wo das Männchen in der genannten Weise beschäftigt ist.« In dem Himalaya macht das Männchen des Kalij-Fasans »oft ein eigenthümlich trommelndes Geräusch mit seinen Flügeln, dem Geräusch nicht unähnlich, welches man durch das Schütteln eines Stücks steifer Leinwand hervorbringen kann«. An der Westküste von Afrika versammeln sich die kleinen schwarzen Webervögel (Ploceus?) in einer kleinen Anzahl auf den Büschen rund um einen kleinen offenen Fleck und singen und gleiten durch die Luft mit zitternden Flügeln, »was einen rapiden schwirrenden Ton hervorbringt, wie eine Kinderklapper«. Ein Vogel nach dem anderen produciert sich in dieser Weise stundenlang, aber nur während der Paarungszeit. In derselben Zeit bringen die Männchen gewisser Ziegenmelker (Caprimulgus) ein äußerst fremdartiges Geräusch mit ihren Flügeln hervor. Die verschiedenen Species von Spechten klopfen einen Zweig mit ihrem Schnabel mit einer so rapiden schwingenden Bewegung, daß »der Kopf an zwei Stellen zugleich zu sein scheint«. Der hierdurch hervorgebrachte Klang ist in einer beträchtlichen Entfernung hörbar, kann aber nicht beschrieben werden, und ich glaube sicher, daß von Niemand, der ihn zum ersten Mal hört, je vermuthet werden wird, was ihn hervorbringt. Da dieses rasselnde Geräusch vorzüglich während der Paarungszeit gemacht wird, so ist es als ein Liebesgesang angesehen worden; es ist aber strenger genommen vielleicht nur ein Lockruf. Wenn das Weibchen von seinem Neste getrieben wird, so hat man beobachtet, daß es sein Männchen in dieser Weise ruft, welches dann in derselben Weise antwortet und bald an Ort und Stelle erscheint. Endlich verbindet auch der männliche Wiedehopf (Upupa epops) Vocal- mit Instrumentalmusik. Denn während der Paarungszeit zieht er, wie Mr. Swinhoe gesehen hat, zuerst Luft ein und schlägt dann die Spitze seines Schnabels senkrecht gegen einen Stein oder den Stamm eines Baumes, »worauf dann die durch den röhrenförmigen Schnabel abwärts gestoßene Luft den richtigen Laut hervorbringt«. Wenn der Schnabel nicht in der eben geschilderten Weise aufgestoßen wird, ist der Laut völlig verschieden. Gleichzeitig wird Luft verschluckt und die Speiseröhre schwillt stark auf; dies dient zur Resonanz und wahrscheinlich nicht bloß beim Wiedehopf, sondern auch bei Tauben und anderen Vögeln.Wegen der verschiedenen oben angeführten Thatsachen s. über Paradiesvögel: Brehm, Thierleben, Bd. V (Vögel, 2. Bd.), p. 415; über Waldhühner: Richardson, Fauna Bor. Americana: Birds, p. 343 und 359; Major W. Ross King, The Sportsman in Canada. 1866, p. 156; Mr. Haymond in Prof. Cox's Geol. Survey of Indiana, p. 227. Audubon, American Ornitholog. Biograph. Vol. I, p. 216; über den Kalij-Fasan: Jerdon, Birds of India. Vol. III, p. 533; über die Webervögel: Livingstone, Expedition to the Zambesi. 1865, p. 425; über Spechte: Macgillivray, Hist. of British Birds. Vol. III, 1840, p. 84, 88, 89 und 95; über den Wiedehopf: Swinhoe in: Proceed. Zoolog. Soc. 23. Juni 1863, p. 264, und 1871, p. 348; über die Ziegenmelker: Audubon, a. a. O. Vol. II, p. 255 und American Naturalist. 1873, p. 672. Der englische Ziegenmelker macht gleichfalls im Frühlinge ein merkwürdiges Geräusch während seines rapiden Flugs.

In den vorstehend angeführten Fällen werden Laute hervorgebracht mit Hülfe von bereits vorhandenen und anderweit nothwendigen Gebilden, aber in den folgenden Fällen sind gewisse Federn speciell zu dem ausdrücklichen Zwecke modificiert worden, die Töne hervorzubringen. Das meckernde, schnurrende oder summende Geräusch, wie es die verschiedenen Beobachter bezeichnen, welches die Bekassine (Scolopax gallinago) hervorbringt, muß einen Jeden, der es nur einmal gehört hat, überrascht haben. Dieser Vogel fliegt zur Zeit der Paarung »vielleicht tausend Fuß in die Höhe«, treibt sich in solcher Höhe flatternd im Kreise herum und schießt aus dieser mit ganz ausgebreitetem Schwanze und zitternden Flügeln in einem Bogen mit überraschender Schnelligkeit zur Erde herab. Der Laut wird nur während dieses rapiden Herabschießens hervorgebracht. Niemand war im Stande, die Ursache dieses Geräuschs zu erklären, bis Meves beobachtete, daß auf jeder Seite des Schwanzes die äußeren Federn eigenthümlich geformt sind (Fig. 41); sie haben nämlich einen steifen, säbelförmig gekrümmten Schaft, die schräg davon abgehenden Äste der Fahne sind von ungewöhnlicher Länge und die äußeren Ränder sind fest aneinander geheftet. Er fand, daß wenn man auf diese Federn bläst oder wenn man dieselben an einen langen dünnen Stock bindet und sie schnell durch die Luft bewegt, man einen genau dem meckernden, von dem lebenden Vogel hervorgebrachten Laute ähnlichen Ton hervorbringen kann. Beide Geschlechter sind mit diesen Federn versehen; sie sind aber beim Männchen allgemein größer als beim Weibchen und bringen einen tieferen Ton hervor. Bei einigen Species, so bei S. frenata (Fig. 42), sind vier Federn und bei S. javensis (Fig. 43) sind nicht weniger als acht Federn auf jeder Seite des Schwanzes bedeutend modificiert. Werden die Federn von verschiedenen Species in der eben geschilderten Weise durch die Luft geschwungen, so werden verschiedene Töne hervorgebracht, und der Scolopax Wilsonii der Vereinigten Staaten macht, während er sich schnell zur Erde herabstürzt, ein Geräusch, wie wenn eine Gerte schnell durch die Luft gezogen wird.s. den interessanten Aufsatz von Meves in: Proceed. Zoolog. Soc. 1858, p. 199. In Bezug auf die Lebensweise der Bekassine s. Macgillivray, History of British Birds. Vol. IV, p. 371. Wegen der amerikanischen Bekassine: Capt. Blakiston in: Ibis. Vol. V. 1863, p. 131.

Fig. 41. Äußere Schwanzfeder von Scolopax gallinago (nach dem Proceed. Zool. Soc. 1858).

Fig. 42. Äußere Schwanzfeder von Scolopax frenata.

Fig. 43. Äußere Schwanzfeder von Scolopax javensis.

Beim Männchen von Chamaepetes unicolor (einem großen hühnerartigen Vogel von Amerika) ist die erste Schwungfeder erster Ordnung nach der Spitze zu gebogen und viel mehr zugespitzt als beim Weibchen. Bei einem verwandten Vogel, der Penelope nigra beobachtete Mr. Salvin ein Männchen, welches, während es »mit ausgebreiteten Flügeln abwärts flog, eine Art von krachendem, rauschendem Geräusche von sich gab«, wie beim Umfallen eines Baumes.Mr. Salvin in: Proceed. Zoolog. Soc. 1867, p. 160. Ich bin diesem ausgezeichneten Ornithologen sehr verbunden für Zeichnungen der Federn von Chamaepetes und für andere Mittheilungen. Nur das Männchen einer der indischen Trappen (Sypheotides auritus) hat bedeutend zugespitzte Schwungfedern erster Ordnung, und vom Männchen einer verwandten Species weiß man, daß es, während es das Weibchen umwirbt, einen summenden Ton hervorbringt.Jerdon, Birds of India. Vol. III, p. 618, 621. Bei einer sehr verschiedenen Gruppe von Vögeln, nämlich den Colibris, haben nur die Männchen gewisser Arten entweder die Schäfte ihrer Schwungfedern erster Ordnung sehr verbreitert oder die Fahnen plötzlich nach dem Ende zu ausgeschnitten. So hat z. B. das Männchen von Selasphorus platycercus im erwachsenem Zustande die ersten Schwungfedern (Fig. 44) in dieser Weise ausgeschnitten. Während es von Blüthe zu Blüthe fliegt, bringt es ein »scharfes, fast pfeifendes Geräusch« hervor,Gould, Introduction to the Trochilidae. 1861, p. 49. Salvin, Proceed. Zoolog. Soc. 1867, p. 160. aber wie es Mr. Salvin schien, wurde das Geräusch nicht absichtlich hervorgebracht.

Fig. 44, Schwungfeder erster Ordnung eines Colibri, des Selasphorus platycercus (nach einer Skizze von Mr. Salvin). Obere Figur von einem Männchen; untere Figur die entsprechende Feder vom Weibchen.

Endlich haben bei verschiedenen Species einer Untergattung von Pipra oder Manakins die Männchen modificierte Schwungfedern zweiter Ordnung, und zwar, wie Mr. Sclater beschrieben hat, in einer noch merkwürdigeren Weise. Bei der brillant gefärbten Pipra deliciosa sind die drei ersten Schwungfedern zweiter Ordnung dickschäftig und nach dem Körper zu gekrümmt; bei der vierten und fünften (Fig. 45 a) ist die Veränderung größer; und bei der sechsten und siebenten (b, c) ist der Schaft in einem außerordentlichen Grade verdickt und bildet eine solide hornige Masse. Auch die Fahnen sind bedeutend in ihrer Form verändert im Vergleich mit den entsprechenden Federn (d, e, f) des Weibchens. Selbst die Knochen des Flügels, welche diese eigenthümlichen Federn tragen, sollen beim Männchen, wie Mr. Fraser sagt, bedeutend verdickt sein. Diese kleinen Vögel bringen ein außerordentliches Geräusch hervor. Der erste »scharfe Ton ist dem Knall einer Peitsche nicht unähnlich«.Sclater in: Proceed. Zoolog. Soc. 1860, p. 90, und in: Ibis. Vol. IV. 1862, p. 175; auch Salvin in: Ibis. 1860, p. 37.

Fig. 45. Schwungfedern zweiter Ordnung von Pipra deliciosa (nach Sclater in: Proceed. Zool. Soc. 1860).
Die drei oberen Federn a, b, c vom Männchen, die drei unteren d, e, f sind die entsprechenden Federn vom Weibchen. a und d, fünfte Schwungfeder zweiter Ordnung vom Männchen und Weibchen, obere Fläche; – b und e, sechste Schwungfeder, obere Fläche; – c und f, siebente Schwungfeder, untere Fläche.

Die Verschiedenartigkeit der sowohl durch die Stimmorgane als andere Werkzeuge hervorgebrachten Laute, welche die Männchen vieler Species während der Paarungszeit äußern, und die Verschiedenheit der Mittel zur Hervorbringung solcher Laute ist in hohem Grade merkwürdig. Wir erhalten hierdurch eine hohe Idee von ihrer Bedeutung zu sexuellen Zwecken und werden an dieselbe Folgerung erinnert, zu der wir in Bezug auf Ähnliches bei den Insecten gelangten. Es ist nicht schwer, sich die verschiedenen Stufen vorzustellen, durch welche die Töne eines Vogels, welche ursprünglich nur als ein bloßer Lockruf oder zu irgend einem andern Zwecke gebraucht wurden, zu einem melodischen Liebesgesang veredelt worden sein können. In Bezug auf die Fälle, wo es sich um die Modification von Federn handelt, durch welche das Trommeln, Pfeifen oder die andern lauteren Geräusche hervorgebracht werden, wissen wir, daß einige Vögel während ihrer Brautwerbung ihr nicht modificiertes Gefieder schütteln, rasseln oder erzittern machen; und wenn die Weibchen veranlaßt wurden, die besten Spieler zu wählen, so dürften diejenigen Männchen, welche die stärksten oder dicksten oder auch die am meisten verdünnten, an irgend einem beliebigen Theile des Körpers sitzenden Federn besaßen, die erfolgreichsten sein; und hierdurch können in langsamen Abstufungen die Federn beinahe in jeder Ausdehnung modificiert worden sein. Natürlich werden die Weibchen nicht jede unbedeutende aufeinanderfolgende Abänderung in der Form beachten, sondern nur die durch so veränderte Federn hervorgebrachten Laute. Es ist eine merkwürdige Thatsache, daß in derselben Classe von Thieren so verschiedenartige Laute sämmtlich den Weibchen der verschiedenen Species angenehm sein sollen, wie das Meckern der Bekassine mit ihrem Schwanze, das Klopfen des Spechtes mit dem Schnabel, das rauhe trompetenartige Geschrei gewisser Wasservögel, das Girren der Turteltaube und der Gesang der Nachtigall. Wir dürfen aber den Geschmack der verschiedenen Arten nicht nach einem gleichförmigen Maßstabe beurtheilen; auch dürfen wir hierbei nicht den Maßstab des menschlichen Geschmacks anlegen. Selbst in Bezug auf den Menschen müssen wir uns daran erinnern, welche unharmonischen Geräusche das Ohr des Wilden angenehm berühren, wie das Schlagen des Tamtams und die grellen Töne von Rohrpfeifen. Sir S. Baker bemerkt,The Nile Tributaries of Abyssinia. 1867, p. 203. daß »wie der Magen der Araber das rohe Fleisch und die warm aus dem Thiere genommene noch rauchende Leber vorzieht, so ziehe sein Ohr auch seine in gleicher Weise rauhe und unharmonische Musik aller andern vor«.

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