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Die Abstammung des Menschen

Charles Darwin: Die Abstammung des Menschen - Kapitel 45
Quellenangabe
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typereport
authorCharles Darwin
titleDie Abstammung des Menschen
publisherfourier
printrun1. Auflage
year1986
isbn3925037039
firstpub1871
translatorJ. Viktor Carus
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20090210
modified20160412
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Gesetz des Kampfes. – Fast alle männlichen Vögel sind äußerst kampfsüchtig und brauchen ihren Schnabel, ihre Flügel und Beine, um mit einander zu kämpfen. Wir sehen dies alle Frühjahre bei unsern Rothkehlchen und Sperlingen. Der kleinste von allen Vögeln, nämlich der Colibri, ist einer der zanksüchtigsten. Mr. GosseCitiert von Gould, Introduction to the Trochilidae. 1861, p. 29. beschreibt einen solchen Kampf, in welchem ein paar Colibris sich an ihren Schnäbeln faßten und sich beständig rund herumdrehten, bis sie fast auf den Boden fielen; und Mr. Montes de Oca spricht von einer andern Gattung und erzählt, daß sich selten zwei Männchen begegnen, ohne einen sehr heftigen in der Luft ausgekämpften Streit zu beginnen. Werden sie in Käfigen gehalten, so »endet der Kampf meistens damit, daß die Zunge des einen von Beiden aufgeschlitzt wird, welcher dann sicherlich, weil er unfähig ist sich zu ernähren, stirbt«.Gould, Introduction to the Trochilidae. 1861, p. 52. Unter den Watvögeln kämpfen die Männchen des gemeinen Wasserhuhns (Gallinula chloropus) »zur Paarungszeit heftig um die Weibchen. Sie stehen fast aufrecht im Wasser und schlagen mit ihren Füßen«. Man hat gesehen, daß zwei Hähne eine halbe Stunde lang sich in dieser Weise bekämpften, bis einer den Kopf des andern zu fassen bekam, welcher entschieden getödtet worden wäre, wenn nicht der Beobachter eingeschritten wäre. Das Weibchen sah während der ganzen Zeit als ruhiger Zuschauer zu.W. Thompson, Nat. Hist. of Ireland: Birds. Vol. II. 1850, p. 327. Die Männchen eines verwandten Vogels (Gallicrex cristatus) sind, wie mir Mr. Blyth mittheilt, ein Drittel größer als die Weibchen und sind während der Paarungszeit so kampfsüchtig, daß sie von den Eingeborenen des östlichen Bengalen zu Kämpfen gehalten werden. In Indien werden verschiedene andere Vögel zu demselben Zwecke gehalten, z. B. die Bulbuls (Pycnonotus haemorrhous), welche »mit großem Elan kämpfen«.Jerdon, Birds of India. 1863. Vol. II, p. 96.

Fig. 37. Der Kampfläufer oder Machetes pugnax. (Aus Brehm, Thierleben.)

Der polygame Kampfläufer (Machetes pugnax, Fig. 37) ist wegen seiner außerordentlichen Kampfsucht bekannt; im Frühlinge versammeln sich die Männchen, welche beträchtlich größer sind als die Weibchen, Tag für Tag an bestimmten Flecken, wo die Weibchen ihre Eier zu legen beabsichtigen. Die Hühnerjäger entdecken diese Flecke daran, daß der Rasen leicht niedergetreten ist. Hier kämpfen diese Läufer fast so wie Kampfhähne, ergreifen einander mit ihren Schnäbeln und schlagen sich mit ihren Flügeln. Der runde Federkragen rund um ihren Hals wird dann aufgerichtet und dient der Angabe des Colonel Montagu zufolge den Thieren wie ein Schild, um »auf dem Boden hinstreichend die zarteren Theile zu schützen«. Dies ist auch das einzige mir bekannte Beispiel bei Vögeln von irgend einer Bildung, welche als ein Schild dient. Indessen dient dieser Federkragen wegen seiner verschiedenartigen reichen Färbungen wahrscheinlich hauptsächlich zur Zierde. Wie die meisten kampfsüchtigen Vögel scheinen sie jederzeit zum Kampfe bereit zu sein, und wenn sie in enger Gefangenschaft mit einander leben, tödten sie sich oft. Montagu beobachtete aber, daß ihre Kampflust während des Frühjahrs größer wird, wo die langen Federn an ihrem Halse vollständig entwickelt sind; und zu dieser Zeit ruft die geringste Bewegung von irgend einem Vogel einen allgemeinen Kampf hervor.Macgillivray, History of British Birds. Vol. IV. 1852, p. 177-181. Für die Kampflust der mit Schwimmfüßen versehenen Vögel werden zwei Beispiele genügen. In Guyana »kommen blutige Kämpfe zur Paarungszeit zwischen den Männchen der wilden Moschusente (Cairina moschata) vor, und da, wo diese Kämpfe gefochten worden sind, ist der Fluß eine Strecke lang mit Federn bedeckt«.Sir R. Schomburgk in: Journal of R. Geograph. Soc. Vol. XIII. 1843, p. 31. Selbst Vögel, welche für einen Kampf nur schlecht ausgerüstet zu sein scheinen, beginnen heftige Kämpfe. So treiben unter den Pelicanen die stärkeren Männchen stets die schwächeren fort, schnappen nach ihnen mit ihren großen Schnäbeln und geben ihnen heftige Schläge mit ihren Flügeln. Männliche Becassinen kämpfen zusammen, »stoßen und treiben einander mit ihren Schnäbeln in einer Weise, wie sie merkwürdiger kaum gedacht werden kann«. Von einigen wenigen Arten glaubt man, daß sie niemals kämpfen. Dies ist nach Audubon mit einem Spechte der Vereinigten Staaten (Picus auratus) der Fall, obgleich »die Weibchen von einer Anzahl, bis zu einem halben Dutzend, ihrer munteren Liebhaber verfolgt werden«.Ornithological Biography. Vol. I, p. 191. Wegen der Pelicane und Becassinen s. ebenda. Vol. III, p. 381, 477.

Die Männchen vieler Vögel sind größer als die Weibchen, und dies ist ohne Zweifel das Resultat des Vortheils, welchen die größeren und stärkeren Männchen über ihre Nebenbuhler viele Generationen hindurch erlangt haben. Die Größenverschiedenheit zwischen den beiden Geschlechtern ist bei einigen australischen Species bis zu einem ganz extremen Grade geführt worden. So sind die Männchen der Moschusente (Biziura) und die Männchen von Cincloramphus cruralis (mit unserem Steinschmätzer verwandt) der wirklichen Messung nach factisch zweimal so groß wie ihre beziehentlichen Weibchen.Gould, Handbook of Birds of Australia. Vol. I, p. 395. Vol. II, p. 383. Bei vielen anderen Vögeln sind die Weibchen größer als die Männchen, und, wie früher bereits bemerkt wurde, ist die häufig hierfür angeführte Erklärung, daß nämlich die Weibchen beim Aufziehen der Jungen die meiste Arbeit haben, nicht hinreichend. In einigen wenigen Fällen haben, wie wir späterhin noch sehen werden, die Weibchen allem Anscheine nach ihre bedeutendere Größe und Kraft deshalb erlangt, um andere Weibchen besiegen und in den Besitz der Männchen gelangen zu können.

Die Männchen vieler hühnerartigen Vögel, besonders der polygamen Arten, sind mit speciellen Waffen zum Kampfe mit ihren Nebenbuhlern versehen, nämlich mit Spornen, welche mit einer fürchterlichen Wirkung benutzt werden können. Ein zuverlässiger Schriftsteller hat berichtet,Mr. Hewitt in dem Poultry Book by Tegetmeier. 1866, p. 137. daß in Derbyshire ein Habicht auf eine Kampfhenne, welche in Begleitung ihrer Küchlein war, stieß, worauf der Hahn zu ihrem Entsatze herbeieilte und seinen Sporn gerade durch das Auge und den Schädel des Angreifers hindurchschlug. Der Sporn war nur mit Schwierigkeit aus dem Schädel herauszuziehen, und da der Habicht, trotzdem er todt war, seinen Griff festhielt, waren die beiden Vögel fest in einander verbissen. Doch war der Hahn, als er freigemacht wurde, nur wenig verletzt. Der unbesiegliche Muth der Kampfhähne ist ja bekannt. Ein Herr, welcher vor langer Zeit die folgende brutale Scene beobachtete, erzählte mir, daß ein Vogel durch irgend einen Zufall in dem Hühnerstalle ein Bein gebrochen hatte, und der Besitzer wagte eine Wette dafür, daß, wenn das Bein geschient werden könnte, so daß der Vogel nur aufrecht stehen könnte, er zu kämpfen fortfahren würde. Dies wurde auf der Stelle ausgeführt und der Vogel kämpfte mit unbezähmtem Muthe so lange, bis er seinen Todesstreich erhielt. In Ceylon kämpft eine nahe verwandte wilde Art, der Gallus Stanleyi, bekanntlich ganz verzweifelt »in der Vertheidigung seines Serails«, so daß einer der Kämpfenden häufig todt gefunden wird.Layard in Annals and Magaz. of Nat. Hist. Vol. XIV. 1854, p. 63. Ein indisches Rebhuhn (Ortygornis gidaris), dessen Männchen mit starken und scharfen Spornen versehen ist, ist so streitsüchtig, »daß die Narben von früheren Kämpfen die Brust von beinahe jedem Vogel, den man tödtet, entstellen«.Jerdox, Birds of India. Vol. III, p. 574.

Die Männchen beinahe aller hühnerartigen Vögel, selbst derjenigen, welche nicht mit Spornen versehen sind, werden während der Paarungszeit in heftige Kämpfe verwickelt. Der Auerhahn und das Birkhuhn (Tetrao urogallus und T. tetrix), welche beide polygam leben, haben regelmäßig bestimmte Plätze, wo sie viele Wochen hindurch sich in großer Anzahl versammeln, um mit einander zu kämpfen und vor den Weibchen ihre Reize zu entfalten. Dr. W. Kowalevsky theilt mir mit, daß er in Rußland auf Plätzen, wo der Auerhahn gefochten hat, den Schnee ganz blutig fand, und die Birkhühner »lassen die Federn in allen Richtungen hinfliegen«, wenn mehrere »in einem königlichen Kampfe engagiert sind«. Der ältere Brehm giebt einen anziehenden Bericht über die Balze, wie dieser Liebestanz und Liebesgesang des Birkhuhns genannt wird. Der Vogel stößt beinahe beständig die fremdartigsten Laute aus. »Vor dem Kollern hält er den Schwanz senkrecht und fächerförmig ausgebreitet, richtet Hals und Kopf, an welchen alle Federn gesträubt sind, in die Höhe und trägt die Flügel vom Leibe ab und gesenkt. Dann thut er einige Sprünge hin und her, zuweilen im Kreise herum und drückt endlich den Unterschnabel so tief auf die Erde, daß er sich die Kinnfedern abreibt. Bei allen diesen Bewegungen schlägt er mit den Flügeln und dreht sich um sich selber herum. Je hitziger er wird, um so lebhafter geberdet er sich, und schließlich meint man, daß man einen Wahnsinnigen oder Tollen vor sich habe.« Zu solchen Zeiten werden die Birkhühner so von ihrem Gegenstande absorbiert, daß sie fast blind und taub werden, indeß in einem geringeren Grade als der Auerhahn. In Folge dessen läßt sich ein Vogel nach dem anderen an dem nämlichen Orte schießen oder selbst mit der Hand fangen. Nachdem die Männchen diese Scenen aufgeführt haben, beginnen sie mit einander zu kämpfen, und ein und derselbe Birkhahn wird, um seine Stärke über mehrere Gegner zu beweisen, mehrere Balzplätze an einem Morgen besuchen, welche in aufeinanderfolgenden Jahren immer dieselben bleiben.Brehm, Illustriertes Thierleben. 1879. 2. Aufl. Bd. VI (2. Abth. Vögel, 3. Bd.), p. 45. Einige der oben mitgetheilten Angaben sind entnommen aus L. Lloyd, The Game Birds of Sweden etc. 1867, p. 79.

Der Pfauhahn erscheint mit seiner langen Schwanzschleppe mehr wie ein Stutzer als ein Krieger, doch tritt auch er zuweilen in heftige Kämpfe ein. Mr. W. Darwin Fox theilt mir mit, daß zwei Pfauhähne, während sie in einer geringen Entfernung von Chester mit einander kämpften, so aufgeregt wurden, daß sie über die ganze Stadt hinweg immer noch kämpfend flogen, bis sie sich auf der Spitze von St. John's Thurm niederließen.

Der Sporn ist bei denjenigen hühnerartigen Vögeln, welche damit versehen sind, im Allgemeinen einfach, aber Polyplectron (s. Fig. 51) hat zwei oder selbst mehr an einem Beine, und es ist beobachtet worden, daß einer der Blutfasane (Ithaginis cruentus) fünf Sporne hatte. Die Sporne sind allgemein auf das Männchen beschränkt und werden beim Weibchen durch bloße Höcker oder Rudimente repräsentiert; doch besitzen die Weibchen des javanischen Pfaus (Pavo muticus) und, wie mir Mr. Blyth mittheilt, die Weibchen des kleinen rothrückigen Fasans (Euplocamus erythrophthalmus) Sporne. Bei Galloperdix hat gewöhnlich das Männchen zwei Sporne und das Weibchen nur einen Sporn an jedem Beine.Jerdon, Birds of India: über Ithaginis Vol. III, p. 523; über Galloperdix p. 541. Man kann daher die Sporne getrost als einen männlichen Charakter ansehen, welcher gelegentlich in größerem oder geringerem Grade auf die Weibchen übertragen worden ist. Wie die meisten anderen secundären Sexualcharaktere sind die Sporne äußerst variabel sowohl in ihrer Zahl als in ihrer Entwicklung bei einer und derselben Species.

Fig. 38. Palamedea cornuta. (Aus Brehm, Thierleben.) Man beachte die doppelten Flügelsporne und den Fadenanhang am Kopf.

Verschiedene Vögel haben Sporne an ihren Flügeln. Aber die ägyptische Gans (Chenalopex aegyptiacus) hat nur nackte, stumpfe Höcker, und dies zeigt uns wahrscheinlich die erste Stufe, aus welcher echte Sporne sich bei andern verwandten Vögeln entwickelt haben. Bei der spornflügeligen Gans (Plectropterus gambensis) haben die Männchen viel größere Sporne als die Weibchen, und sie benutzen dieselben, wie mir Mr. Bartlett mittheilt, bei ihren Kämpfen unter einander, so daß in diesem Falle die Flügelsporne als geschlechtliche Waffen dienen; aber der Angabe Livingstone's zufolge werden sie hauptsächlich bei der Verteidigung der Jungen gebraucht. Die Palamedea (Fig. 38) ist mit einem Paare Spornen an jedem Flügel bewaffnet, und diese sind so fürchterliche Waffen, daß ein einziger Schlag damit einen Hund heulend davongetrieben hat. Dem Anscheine nach sind aber in diesem Falle oder auch bei den mit Spornen an den Flügeln versehenen Rallen die Sporne beim Männchen nicht größer als beim Weibchen.In Bezug auf die ägyptische Gans s. Macgillivray, British Birds. Vol. IV, p. 639. Wegen Plectropterus s. Livingstone, Travels, p. 254. Wegen Palamedea s. Brehm's Thierleben. Bd. VI (Vögel, 3. Bd.), p. 407. s. über diesen Vogel auch Azara, Voyage dans l'Amérique méridion. Tom. IV. 1809, p. 179, 253. Bei gewissen Regenpfeifern müssen indessen die Flügelsporne als ein geschlechtlicher Charakter betrachtet werden. So wird der Höcker an der Flügelschulter beim Männchen unseres gemeinen Kibitzes (Vanellus cristatus) während der Paarungszeit vorragender, und es ist bekannt, daß die Männchen mit einander kämpfen. Bei einigen Species von Lobivanellus entwickelt sich während der Paarungszeit ein ähnlicher Höcker »zu einem kurzen hornigen Sporne«. Beim australischen L. lobatus haben beide Geschlechter Sporne, aber dieselben sind bei den Männchen viel größer als bei den Weibchen. Bei einem verwandten Vogel, dem Hoplopterus armatus, werden die Sporne während der Paarungszeit nicht größer, aber man hat in Ägypten gesehen, daß diese Vögel in derselben Weise mit einander kämpfen wie unsere Kibitze. Sie springen dann plötzlich in die Höhe und schlagen einander von der Seite zuweilen mit einem tödtlichen Erfolge. Sie treiben auf diese Weise auch andere Feinde fort.s. über den Kibitz Mr. R. Carr in: Land and Water, 8. Aug. 1868, p. 46, in Bezug auf Lobivanellus s. Jerdon, Birds of India, Vol. III, p. 647, und Gould, Handbook of Birds of Australia. Vol. II, p. 220. Wegen des Hoplopterus s. Mr. Allen in: Ibis. Vol. V. 1863, p. 156.

Die Zeit der Liebe ist die Zeit des Kampfes. Aber die Männchen einiger Vögel, wie des Kampfhuhns und der Kampfläufer und selbst die jungen Männchen des wilden Truthuhns und Haselhuhns,Audubon, Ornithological Biography. Vol. I, p. 4-13; Vol. II, p. 492. sind bereit zu kämpfen, so oft sie einander begegnen. Die Gegenwart des Weibchens ist die teterrima belli causa. Die bengalischen Knaben bringen die niedlichen kleinen Männchen des Amadavat (Estrelda amandava) dazu, mit einander zu kämpfen, dadurch daß sie drei kleine Käfige in eine Reihe stellen mit einem Weibchen in der Mitte. Nach kurzer Zeit lassen sie die zwei Männchen frei und sofort beginnt ein ganz verzweifelter Kampf.Mr. Blyth in: Land and Water. 1867, p. 212. Wenn viele Männchen sich auf einem und demselben bestimmten Platze versammeln und mit einander kämpfen, wie es bei den Waldhühnern und verschiedenen andern Vögeln der Fall ist, so werden sie meist von den Weibchen begleitet,Richardson, Über Tetrao umbellus, in: Fauna Bor. Amer.: Birds. 1831, p. 343. L. Lloyd, Game Birds of Sweden, 1867, p. 22, 79, über den Auer- und Birkhahn. Brehm führt indessen an (Thierleben u. s. w. Bd. IV, p. 352), daß in Deutschland die Birkhennen gewöhnlich beim Balzen der Birkhähne nicht zugegen sind; das ist aber eine Ausnahme von der gewöhnlichen Regel. Möglicherweise liegen die Hennen versteckt in den umgebenden Büschen, wie es bekanntlich bei den Birkhennen in Scandinavien und mit anderen Arten in Nord-Amerika der Fall ist. welche später mit den siegreichen Kämpfern sich paaren. Aber in einigen Fällen geht das Paaren dem Kämpfen voraus statt ihm zu folgen. So führt Audubon an,Ornithological Biography. Vol. II, p. 275. daß mehrere Männchen des virginischen Ziegenmelkers (Caprimulgus virginianus) in einer äußerst unterhaltenden Art und Weise dem Weibchen den Hof machen, und sobald dasselbe seine Wahl getroffen hat, jagt der bevorzugte Liebhaber alle Eindringlinge fort und treibt sie über die Grenzen seiner Herrschaft hinaus«. Im Allgemeinen versuchen die Männchen mit aller Kraft ihre Nebenbuhler fortzutreiben oder zu tödten, ehe sie sich paaren. Indessen scheint es doch, als ob die Weibchen nicht ohne Ausnahme immer die siegreichen Männchen vorzögen. Mir ist in der That von Dr. W. Kowalevsky versichert worden, daß das weibliche Auerhuhn sich zuweilen mit einem jungen Männchen fortstiehlt, welches nicht gewagt hat, mit den älteren Hähnen den Kampfplatz zu betreten, in derselben Weise wie es gelegentlich bei den Thieren des Rothwilds in Schottland der Fall ist. Wenn zwei Männchen in Gegenwart eines einzigen Weibchens sich in einen Kampf einlassen, so gewinnt ohne Zweifel gewöhnlich der Sieger das Ziel seiner Wünsche. Aber einige von diesen Kämpfen werden dadurch verursacht, daß herumwandernde Männchen versuchen, den Frieden eines bereits vereinigten Paares zu stören.Brehm, Thierleben. 2. Aufl. Bd. IV (Vögel, 1. Bd.), 1878, p. 20. Audobon, Ornithological Biography. Vol. II, p. 492.

Selbst bei den kampfsüchtigen Arten ist es wahrscheinlich, daß das Paaren nicht ausschließlich von der bloßen Kraft und dem bloßen Muthe der Männchen abhängt. Denn derartige Männchen sind allgemein mit verschiedenen Zierathen geschmückt, welche oft während der Paarungszeit brillanter und eifrigst vor den Weibchen entfaltet werden. Auch versuchen die Männchen ihre Genossin durch Liebestöne, Gesang und Geberden zu bezaubern oder zu reizen, und in vielen Fällen ist die Bewerbung eine sich in die Länge ziehende Angelegenheit. Es ist daher nicht wahrscheinlich, daß die Weibchen für die Reize des andern Geschlechts unempfänglich sind oder daß sie unabänderlich gezwungen sind, sich den siegreichen Männchen zu ergeben. Es ist wahrscheinlicher, daß die Weibchen von gewissen Männchen entweder vor oder nach dem Kampfe gereizt werden und diese daher unbewußt vorziehen. Was den Tetrao umbellus betrifft, so geht ein guter BeobachterLand and Water, 25. July, 1868, p. 14. so weit anzunehmen, daß die Kämpfe der Männchen »nur Scheingefechte sind, ausgeführt, um sich in größtmöglichem Vortheile vor den um sie herum versammelten und sie bewundernden Weibchen zu zeigen. Denn ich bin niemals im Stande gewesen, einen verstümmelten Helden zu finden, und selten habe ich mehr als eine geknickte Feder gefunden«. Ich werde auf diesen Gegenstand zurückzukommen haben, will aber hier hinzufügen, daß beim Tetrao cupido der Vereinigten Staaten ungefähr zwanzig Männchen sich auf einem besonderen Flecke versammeln und, während sie umherstolzieren, die Luft von ihrem außerordentlichen Lärmen erdröhnen machen. Bei der ersten Antwort seitens eines Weibchens beginnen die Männchen wüthend mit einander zu kämpfen, und der Schwächere giebt nach. Aber dann suchen, der Angabe von Audubon zufolge, sowohl die Sieger als die Besiegten das Weibchen, so daß die Weibchen dann entweder die Wahl eintreten lassen müssen oder der Kampf von Neuem beginnen muß. So kämpfen ferner die Männchen eines der Feldstaare der Vereinigten Staaten (Sturnella ludoviciana) heftig mit einander, »aber beim Erblicken eines Weibchens fliegen sie alle hinter diesem her, als wenn sie närrisch wären«.Audubon's Ornithological Biography: über Tetrao cupido Vol. II, p. 492, über die Sturnella Vol. II, p. 219.

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