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Die Abstammung des Menschen

Charles Darwin: Die Abstammung des Menschen - Kapitel 44
Quellenangabe
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typereport
authorCharles Darwin
titleDie Abstammung des Menschen
publisherfourier
printrun1. Auflage
year1986
isbn3925037039
firstpub1871
translatorJ. Viktor Carus
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20090210
modified20160412
projectidb2a2001d
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Dreizehntes Capitel.

Secundäre Sexualcharaktere der Vögel

Geschlechtliche Verschiedenheiten. – Gesetz des Kampfes. – Specielle Waffen. – Stimmorgane. – Instrumentalmusik. – Liebesgeberden und Tänze. – Beständiger und an die Jahreszeit gebundener Schmuck. – Doppelte und einfache jährliche Mauser. – Entfaltung des Schmuckes seitens der Männchen.

Secundäre Sexualcharaktere sind bei Vögeln von größerer Mannichfaltigkeit und auffallender, wenn sie auch vielleicht keine bedeutenderen Veränderungen der Structur mit sich bringen, als in irgend einer andern Classe des Thierreiches. Ich werde daher den Gegenstand in ziemlicher Ausführlichkeit behandeln. Zuweilen, wenn auch selten, besitzen männliche Vögel specielle Waffen zum Kampfe mit einander. Sie bestricken die Weibchen durch vocale und instrumentale Musik der mannichfaltigsten Art. Sie sind mit allerlei Arten von Kämmen, Fleischlappen, Protuberanzen, Hörnern, von Luft ausdehnbaren Säcken, Federstutzen, nackten Federschäften, Schmuckfedern und andern verlängerten Federn, die graciös von allen Theilen des Körpers entspringen, verziert. Der Schnabel und die nackte Haut um den Kopf herum und die Federn sind oft prächtig gefärbt. Die Männchen machen den Weibchen zuweilen den Hof durch Tanzen oder durch Ausführung phantastischer Geberden, entweder auf dem Boden oder in der Luft. Mindestens in einem Falle sendet das Männchen einen moschusartigen Geruch aus, von dem man wohl vermuthen kann, daß er für das Weibchen als Reiz- oder Liebesmittel dient; denn jener ausgezeichnete Beobachter, Mr. Ramsay,Ibis. New Ser. Vol. III. 1867, p. 414. sagt von der australischen Moschusente (Biziura lobata), daß »der Geruch, welchen das Männchen während der Sommermonate aussendet, auf dieses Geschlecht beschränkt ist und bei einigen Individuen während des ganzen Jahres abgesondert wird. Ich habe niemals, selbst in der Paarungszeit, ein Weibchen geschossen, welches irgendwelchen Geruch nach Moschus gezeigt hätte«. Dieser Geruch ist so stark während der Paarungszeit, daß er lange, ehe der Vogel zu sehen ist, wahrgenommen werden kann.Gould, Handbook to the Birds of Australia. 1865. Vol. II, p. 383. Im Ganzen scheinen die Vögel unter allen Thieren die ästhetischsten zu sein, natürlich mit Ausnahme des Menschen, und sie haben auch nahezu denselben Geschmack für das Schöne, wie wir haben. Dies zeigt sich darin, daß wir uns über den Gesang der Vögel freuen und daß unsere Frauen, sowohl die civilisierten als die wilden, ihre Köpfe mit erborgten Federn schmücken und Edelsteine zur Zierde benutzen, welche kaum glänzender gefärbt sind als die nackte Haut und die Fleischlappen gewisser Vögel. Beim Menschen indessen ist dieser Sinn für Schönheit, wenn er cultiviert ist, ein viel complicierteres Gefühl und ist mit verschiedenen intellectuellen Ideen vergesellschaftet.

Ehe wir von den Charakteren handeln, mit denen wir es hier ganz besonders zu thun haben, will ich nur eben gewisse Verschiedenheiten zwischen den Geschlechtern anführen, welche dem Anscheine nach von Verschiedenheiten in ihrer Lebensweise abhängen; denn wenn auch derartige Fälle bei den niederen Classen häufig sind, so sind sie doch bei den höheren selten. Zwei Colibris, die zu der Gattung Eustephanus gehören und die Insel Juan Fernandez bewohnen, wurden lange Zeit für specifisch verschieden gehalten: wie mir aber Mr. Gould mittheilt, weiß man jetzt, daß es die beiden Geschlechter einer und derselben Species sind, sie weichen in der Form ihres Schnabels unbedeutend von einander ab. Bei einer andern Gattung von Colibris (Grypus) ist der Schnabel des Männchens dem Rande entlang gesägt und an seiner Spitze hakenförmig gekrümmt, wodurch er von dem des Weibchens bedeutend abweicht. Bei der Neomorpha von Neu-Seeland besteht, wie wir gesehen haben, eine noch größere Verschiedenheit in der Form des Schnabels in Beziehung auf die Art und Weise, wie sich die beiden Geschlechter ernähren. Etwas Ähnliches läßt sich bei unserem Stieglitze (Carduelis elegans) beobachten; denn wie mir Mr. Jenner Weir versichert, können die Vogelfänger die Männchen an ihrem unbedeutend längeren Schnabel erkennen. Oft findet man Schaaren von Männchen sich von den Samen der Weberkarden (Dipsacus) nähren, welche sie mit ihrem verlängerten Schnabel erreichen können, während die Weibchen sich häufiger von den Samen der Scrophularia ernähren. Nimmt man eine unbedeutende Verschiedenheit dieser Art als Ausgangspunkt an, so läßt sich sehen, wie die Schnäbel der beiden Geschlechter durch natürliche Zuchtwahl zu einer bedeutenden Verschiedenheit gebracht werden können. Es ist indessen in einigen der angeführten Fälle möglich, daß zuerst die Schnäbel der Männchen in Beziehung auf ihre Kämpfe mit andern Männchen modificiert worden sind, und daß dies später zu unbedeutenden Änderungen der Lebensweise geführt hat.

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