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Die Abstammung des Menschen

Charles Darwin: Die Abstammung des Menschen - Kapitel 42
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typereport
authorCharles Darwin
titleDie Abstammung des Menschen
publisherfourier
printrun1. Auflage
year1986
isbn3925037039
firstpub1871
translatorJ. Viktor Carus
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
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Zwölftes Capitel.

Secundäre Sexualcharaktere der Fische, Amphibien und Reptilien

Fische: Werbung und Kämpfe der Männchen. – Bedeutendere Größe der Weibchen. – Männchen: helle Farben und ornamentale Anhänge; andere merkwürdige Charaktere. – Färbungen und Anhänge von den Männchen allein während der Paarungszeit erlangt. – Fische, bei denen beide Geschlechter glänzend gefärbt sind. – Protective Farben. – Die weniger augenfälligen Färbungen der Weibchen können nicht nach dem Grundsatze des Schutzgebens erklärt werden. – Männliche Fische bauen Nester und sorgen für die Eier und Jungen.– Amphibien: Verschiedenheiten des Baues und der Farbe zwischen den Geschlechtern. – Stimmorgane. – Reptilien: Schildkröten. – Crocodile.– Schlangen: Farben in manchen Fällen protectiv. – Eidechsen: Kämpfe derselben. – Ornamentale Anhänge. – Merkwürdige Verschiedenheiten in der Structur der beiden Geschlechter. – Färbungen. – Geschlechtliche Verschiedenheiten fast so groß wie bei den Vögeln.

Wir sind nun bei dem großen Unterreiche der Wirbelthiere angekommen und wollen mit der untersten Classe, nämlich den Fischen, beginnen. Die Männchen der Plagiostomen (Haifische, Rochen u. s. w.) und der chimärenartigen Fische sind mit Klammerwerkzeugen versehen, welche dazu dienen, das Weibchen festzuhalten, ähnlich wie die verschiedenen Bildungen, welche so viele der niedrigeren Thiere besitzen. Außer den Klammerorganen haben die Männchen vieler Rochen haufenförmige Gruppen starker scharfer Dornen auf dem Kopfe und mehrere Reihen solcher »den oberen äußeren Flächen ihrer Brustflossen entlang«. Diese sind bei den Männchen einiger Species vorhanden, bei denen die anderen Theile des Körpers glatt sind. Sie werden nur zeitweise während der Paarungszeit entwickelt, und Dr. Günther vermuthet, daß sie als Greiforgane in Thätigkeit kommen in der Weise, daß die beiden Seiten des Körpers nach innen und unten umgeschlagen werden. Es ist eine merkwürdige Thatsache, daß die Weibchen und nicht die Männchen mancher Species, so z. B. von Raja clavata, den Rücken mit großen hakenförmigen Dornen dicht besetzt haben.Yarell, History of British Fishes. Vol. II. 1836, p. 417, 425, 436. Dr. Günther theilt mir mit, daß die Dornen bei Raja clavata den Weibchen eigenthümlich sind.

Nur die Männchen des Capelin (Mallotus villosus, eines lachsartigen Fisches) haben eine aus dicht stehenden, bürstenartigen Schuppen bestehende Leiste, mittelst deren zwei Männchen, eines auf jeder Seite, das Weibchen halten, während dasselbe mit großer Geschwindigkeit über den sandigen Grund hinfährt und dort seinen Laich ablegt.The American Naturalist, Apr. 1871, p. 119. Der hiervon sehr verschiedene Monacanthus scopas bietet eine ziemlich analoge Bildung dar. Wie mir Dr. Günther mittheilt, besitzt das Männchen einen Haufen steifer gerader Stacheln, wie die Zähne eines Kammes, an den Seiten des Schwanzes; dieselben waren in einem Exemplar von sechs Zoll Länge beinahe einen und einen halben Zoll lang; das Weibchen hat an derselben Stelle einen Haufen Borsten, die man mit denen einer Zahnbürste vergleichen kann. Bei einer anderen Species, M. Peronii, hat das Männchen eine Bürste ähnlich der beim Männchen der ersten Species, während die Seiten des Schwanzes beim Weibchen glatt sind. Bei einigen anderen Arten derselben Gattung läßt sich wahrnehmen, daß der Schwanz beim Männchen etwas rauh, beim Weibchen vollkommen glatt ist; und endlich sind bei andern Arten die Schwanzseiten beider Geschlechter glatt.

Die Männchen vieler Fische kämpfen um den Besitz der Weibchen. So ist der männliche Stichling (Gasterosteus leiurus) beschrieben worden als »närrisch vor Entzücken«, wenn das Weibchen aus seinem Verstecke heraus kommt und das Nest in Augenschein nimmt, welches das Männchen für dasselbe gebaut hat. »Das Männchen fliegt um das Weibchen herum in allen Richtungen, dann zurück zu den angehäuften Materialien für den Nestbau, dann im Augenblicke wieder zurück, und wenn das Weibchen nicht entgegenkommt, versucht das Männchen es mit seiner Schnauze zu stoßen und mit dem Schwanze und dem Seitenstachel nach dem Neste zu treiben«.s. die interessanten Artikel Mr. Warington's in: Annals and Magaz. of Nat. Hist. 2. Ser. Vol. X. 1852, p. 276, und Vol. XVI. 1855, p. 330. Die Männchen sollen Polygamisten sein.Noel Humphreys, River Gardens. 1857. Sie sind außerordentlich kühn und kampflustig, während »die Weibchen vollständig friedfertig sind«. Ihre Kämpfe sind zu Zeiten verzweifelter Art: »denn diese kleinen Kämpfer heften sich für mehrere Secunden eng aneinander und stürzen mit einander kopfüber herum, bis ihre Kraft vollständig erschöpft zu sein scheint«. Bei den rauhschwänzigen Stichlingen (G. trachurus) beißen die Männchen einander, während sie im Kampfe rund um einander herumschwimmen und versuchen, sich gegenseitig mit ihren erhobenen seitlichen Dornen zu durchbohren. Derselbe Schriftsteller fügt hinzu:Loudon's Mag. of Nat. History. Vol. III. 1830, p. 331. »Der Biß dieser kleinen Furien ist sehr scharf. Sie benutzen auch ihre seitlichen Dornen mit solch' tödtlicher Wirkung, daß ich gesehen habe, wie während eines Kampfes der eine seinen Widersacher vollständig aufschlitzte, so daß er auf den Boden sank und starb«. Ist ein Fisch besiegt, »so verläßt ihn sein tapferes Benehmen, seine munteren Farben blassen ab, und er verbirgt sein Unglück in der Mitte seiner friedlichen Kameraden, ist aber eine Zeit lang der beständige Gegenstand der Nachstellungen seitens seines Besiegers«.

Der männliche Lachs ist so kampflustig wie der kleine Stichling, ebenso ist es die männliche Forelle, wie ich von Dr. Günther höre. Mr. Shaw beobachtete einen heftigen Kampf zwischen zwei männlichen Lachsen, welcher einen ganzen Tag dauerte; und Mr. R. Buist, Oberaufseher der Fischereien, theilt mir mit, daß er oft von der Brücke in Perth beobachtet hat, wie die Männchen ihre Nebenbuhler forttreiben, während die Weibchen laichen. »Die Männchen kämpfen beständig und zerren sich auf den Laichstätten herum, und viele verletzen einander so, daß der Tod gar mancher Männchen hierdurch verursacht wird. Wenigstens hat man viele in der Nähe der Flußufer in einem Zustande der Erschöpfung und dem Anscheine nach im Absterben begriffen gesehen«.The Field, 29. Juni 1867. Wegen Mr. Shaw's Angabe s. Edinburgh Review, 1843. Ein anderer erfahrener Beobachter (Scrope, Days of Salmon Fishing, p. 60) bemerkt, daß der männliche Lachs, wenn er könnte, alle übrigen Männchen wie der Hirsch vertreiben würde. Wie mir Mr. Buist mittheilt, besuchte der Verwalter der Stormontfielder Zuchtteiche im Juni 1868 den nördlichen Tyne und fand ungefähr dreihundert todte Lachse, welche mit Ausnahme eines einzigen sämmtlich Männchen waren. Seiner Überzeugung nach hatten sie alle ihr Leben im Kampfe mit anderen verloren.

Der merkwürdigste Umstand in Bezug auf den männlichen Lachs ist, daß sich während der Laichzeit außer einer bedeutenden Veränderung in der Farbe »die untere Kinnlade verlängert und ein knorpliger Vorsprung von der Spitze aus sich nach oben erhebt, welcher, wenn die Kinnladen geschlossen sind, in eine tiefe Aushöhlung zwischen den Intermaxillarknochen des Oberkiefers eingreift«Yarell, History of British Fishes. Vol. II. 1836, p. 10. (Figg. 27 und 28). Bei unserem Lachse hält diese Structurveränderung nur während der Laichzeit an; bei dem Salmo lycaodon des westlichen Nord-Amerika aber ist diese Veränderung, wie Mr. J. K. Lord glaubt,The Naturalist in Vancouvers Island. Vol. I. 1866, p. 54. permanent und am meisten bei den älteren Männchen ausgesprochen, welche schon früher in den Flüssen aufgestiegen sind. Bei diesen alten Männchen werden die Kinnladen zu ungeheuren hakenförmigen Vorsprüngen entwickelt und die Zähne wachsen zu regelmäßigen Hauern aus, oft über einen halben Zoll lang. Der Angabe von Mr. LloydScandinavian Adventures. Vol. I. 1854, p. 100, 104. zufolge dient bei dem europäischen Lachse die temporäre hakenförmige Bildung dazu, die Kinnladen zu kräftigen und zu schützen, wenn das eine Männchen ein anderes mit wunderbarer Heftigkeit angreift. Aber die bedeutend entwickelten Zähne des männlichen amerikanischen Lachsen können mit den Stoßzähnen vieler männlichen Säugethiere verglichen werden; sie weisen eher auf einen offensiven Zweck hin als auf eine bloße protective Bedeutung.

Fig. 27. Kopf des männlichen Lachsen (Salmo salar) während der Paarungszeit.

Fig. 28. Kopf des weiblichen Lachsen.

Diese Zeichnungen, ebenso wie alle anderen im vorliegenden Capitel, sind von dem bekannten Künstler G. Ford nach Exemplaren im British Museum unter freundlicher Aufsicht des Dr. Günther ausgeführt worden.)

Der Lachs ist nicht der einzige Fisch, bei welchem die Zähne in den beiden Geschlechtern verschieden sind. Dies ist auch bei vielen Rochen der Fall. Bei Raja clavata hat das Männchen scharfe spitze Zähne, welche nach rückwärts gerichtet sind, während die Zähne des Weibchens breit und platt sind und eine Art Pflaster bilden, so daß diese Zähne in den beiden Geschlechtern einer und der nämlichen Species mehr von einander verschieden sind, als es gewöhnlich bei verschiedenen Gattungen einer und derselben Familie der Fall ist. Die Zähne des Männchens werden erst dann scharf, wenn dasselbe erwachsen ist; so lange es jung ist, sind sie breit und platt wie die des Weibchens. Wie es so häufig bei secundären Sexualcharakteren vorkommt, besitzen beide Geschlechter einiger Species von Rochen, z. B. R. batis, wenn sie erwachsen sind, scharfe, zugespitzte Zähne, und hier scheint ein Charakter, welcher dem Männchen eigen und ursprünglich von diesem erlangt worden ist, auf die Nachkommen beider Geschlechter überliefert worden zu sein. Auch bei R. maculata sind die Zähne gleichfalls in beiden Geschlechtern zugespitzt, aber nur wenn sie vollständig erwachsen sind; die Männchen erhalten diese Form in einem früheren Alter als die Weibchen. Wir werden später analogen Fällen bei gewissen Vögeln begegnen, bei welchen das Männchen das beiden Geschlechtern im erwachsenen Zustande eigene Gefieder in einem etwas früheren Alter erlangt als das Weibchen. Bei anderen Arten von Rochen besitzen die Männchen, selbst wenn sie alt sind, niemals scharfe Zähne, und es sind folglich beide Geschlechter, wenn sie erwachsen sind, mit breiten, platten Zähnen versehen, ähnlich denen der Jungen und der reifen Weibchen der oben erwähnten Species.s. Yarrell's Schilderung der Rochen in seiner History of British Fishes. Vol. II 1836, p. 416, mit einer ausgezeichneten Figur, und p. 422, 432. Da die Rochen kühne, kräftige und gefräßige Fische sind, so dürfen wir vermuthen, daß die Männchen ihre scharfen Zähne zum Kämpfen mit ihren Rivalen erhalten; da sie aber viele Theile besitzen, welche zum Ergreifen des Weibchens modificiert und angepaßt sind, so ist es möglich, daß ihre Zähne zu diesem Zwecke benutzt werden.

Was die Größe betrifft, so behauptet Mr. Carbonnier,Citiert in: The Farmer. 1868, p. 369. daß bei fast allen Fischen das Weibchen größer ist als das Männchen; und Dr. Günther kennt nicht ein einziges Beispiel, in welchem das Männchen factisch größer wäre als das Weibchen. Bei einigen Cyprinodonten ist das Männchen nicht einmal halb so groß als das Weibchen. Da bei vielen Arten von Fischen die Männchen gewöhnlich mit einander kämpfen, so ist es überraschend, daß sie nicht allgemein durch die Wirkungen der geschlechtlichen Zuchtwahl größer und kräftiger geworden sind als die Weibchen. Die Männchen leiden unter ihrer geringen Größe; denn der Angabe des Mr. Carbonnier zufolge werden sie gern von den Weibchen ihrer eigenen Species, sobald dieselbe fleischfressend ist, und ohne Zweifel auch von andern Species gefressen. Bedeutende Größe muß daher in irgend welcher Weise von größerer Bedeutung für die Weibchen sein, als es die Kraft und die Größe für die Männchen zum Kämpfen mit anderen Männchen ist, und dies wahrscheinlich, um den ersteren die Erzeugung einer ungeheuren Anzahl von Eiern zu ermöglichen.

Bei vielen Arten ist nur das Männchen mit hellen Farben verziert oder die Farben sind beim Männchen viel glänzender als beim Weibchen. Auch ist das Männchen zuweilen mit Anhängen versehen, welche demselben von keinem größeren Nutzen zu den gewöhnlichen Zwecken des Lebens zu sein scheinen, als es die Schwanzfedern des Pfauhahns sind. Die meisten der folgenden Thatsachen verdanke ich der großen Freundlichkeit des Dr. Günther. Es ist Grund zu der Vermuthung vorhanden, daß viele tropische Fische dem Geschlechte nach in Farbe und Structur von einander verschieden sind, und hierfür finden sich auch einige auffallende Beispiele bei unsern britischen Fischen. Der männliche Callionymus lyra wird von den Engländern »gemmeous dragonet« genannt »wegen seiner brillanten edelsteinartigen Farben«. Wenn er frisch aus dem Meere genommen wird, ist der Körper gelb in verschiedenen Schattierungen und mit einem lebhaften Blau auf dem Kopfe gestreift und gefleckt; die Rückenflossen sind blaßbraun mit dunkelen Längsbändern, die Bauchflossen, Schwanz- und Afterflossen sind bläulichschwarz. Das Weibchen, von den Engländern »sordid dragonet« genannt, wurde von Linné und vielen späteren Naturforschern für eine besondere Species gehalten. Dasselbe ist von einem schmutzigen Röthlichbraun, die Rückenflossen sind braun und die anderen Flossen weiß. Die Geschlechter weichen auch in der proportionalen Größe des Kopfes und des Mundes von einander ab, ebenso in der Stellung der Augen,Ich habe diese Beschreibungen nach Yarrell's British Fishes, Vol. I, 1835, p. 261 und 266, zusammengestellt. aber die am meisten auffallende Verschiedenheit ist die außerordentliche Verlängerung der ersten Rückenflosse beim Männchen (Fig. 29). W. Saville Kent macht die Bemerkung: »dieser sonderbare Anhang scheint, nach meinen Beobachtungen über diese Species in der Gefangenschaft, demselben Zwecke zu dienen, wie die Fleischlappen, Federbüsche und anderen abnormen Anhänge der Männchen bei hühnerartigen Vögeln, dem Zwecke nämlich ihre Genossin zu bezaubern.Nature, July 1873, p. 264.« Die jungen Männchen gleichen in ihrer Structur und Farbe den erwachsenen Weibchen. In der ganzen Gattung CallionymusCatalogue of Acanthopter. Fishes in the British Museum by Dr. Günther. 1861, p. 138-151. ist das Männchen allgemein viel glänzender gefleckt als das Weibchen, und bei mehreren Species ist nicht bloß die Rückenflosse, sondern auch die Afterflosse des Männchens bedeutend verlängert.

Fig. 29. Callionymus lyra. Obere Figur das Männchen, untere Figur das Weibchen. (Die untere Figur ist stärker verkleinert als die obere.)

Das Männchen des Seescorpions (Cottus scorpio) ist schlanker und kleiner als das Weibchen. Es besteht auch eine große Verschiedenheit in der Färbung zwischen den Geschlechtern. »Für Jeden, der diesen Fisch nicht während der Laichzeit, wo seine Färbung am glänzendsten ist, beobachtet hat, ist es,« wie Mr. LloydGame Birds of Sweden etc. 1867, p. 466. bemerkt, »schwierig, sich eine Vorstellung von der Mischung der brillanten Farben zu machen, mit welchen derselbe, der in andern Beziehungen so wenig begünstigt ist, um diese Zeit verziert ist.« Bei Labrus mixtus sind beide Geschlechter schön, trotzdem sie in der Färbung sehr verschieden sind; das Männchen ist orange mit hellblauen Streifen und das Weibchen hellroth mit einigen schwarzen Flecken auf dem Rücken.

In der sehr ausgezeichneten Familie der Cyprinodonten, Bewohner auswärtiger Süßwässer, weichen die Geschlechter zuweilen bedeutend in verschiedenen Merkmalen von einander ab. Bei dem Männchen von Mollienesia petenensisIn Bezug auf diese und die folgenden Species bin ich Dr. Günther für Information verbunden, s. auch dessen Aufsatz über die Fische von Central-Amerika in: Transact. Zoolog. Soc. Vol. VI. 1868, p. 485. ist die Rückenflosse bedeutend entwickelt und mit einer Reihe großer runder, augenförmiger, hellgefärbter Flecke gezeichnet, während dieselbe Flosse beim Weibchen kleiner, von verschiedener Form und nur mit unregelmäßigen gekrümmten braunen Flecken gezeichnet ist. Bei den Männchen ist auch der basale Rand der Afterflosse ein wenig vorgezogen und dunkel gefärbt. Bei den Männchen einer verwandten Form, des Xiphophorus Hellerii (Fig. 30), ist der untere Rand der Afterflosse zu einem langen Faden entwickelt, welcher, wie ich von Dr. Günther höre, mit hellen Farben gestreift ist. Dieser fadenförmige Anhang enthält keine Muskeln und kann dem Anscheine nach von keinem directen Nutzen für den Fisch sein. Wie es bei Callionymus der Fall ist, sind die Männchen, so lange sie jung sind, in ihrer Färbung und Structur den erwachsenen Weibchen ähnlich. Geschlechtliche Verschiedenheiten wie die vorstehenden können ganz streng mit denen verglichen werden, welche bei hühnerartigen Vögeln so häufig vorkommen.Dr. Günther macht diese Bemerkung: Catalogue of Fishes in the British Museum. Vol. III. 1861, p. 141.

Fig. 30. Xiphophorus Hellerii. Obere Figur das Männchen; untere Figur das Weibchen.

Bei einem siluroiden Fisch, welcher die süßen Gewässer von Süd-Amerika bewohnt, nämlich dem Plecostomus barbatuss. Dr. Günther über diese Gattung in: Proceed. Zoolog. Soc. 1868, p. 232. (Fig. 31), ist bei dem Männchen der Mund und das Interoperculum mit einem Barte steifer Haare gefranst, von welchen das Weibchen kaum eine Spur zeigt. Diese Haare sind von der Natur der Schuppen. Bei einer andern Species derselben Gattung springen von dem vorderen Theile des Kopfes des Männchens weiche biegsame Tentakeln vor, welche beim Weibchen fehlen. Diese Tentakeln sind Verlängerungen der eigentlichen Haut und sind daher den steifen Haaren der früheren Species nicht homolog; es läßt sich aber kaum zweifeln, daß beide demselben Zwecke dienen. Was dieser Zweck sein mag, ist schwierig zu vermuthen. Eine Verzierung scheint hier nicht wahrscheinlich zu sein; wir können aber kaum vermuthen, daß steife Haare und biegsame Filamente in irgend einer gewöhnlichen Weise allein den Männchen von Nutzen sein könnten. Bei jenem fremdartigen, monströs aussehenden Fische, der Chimaera monstrosa, hat das Männchen einen hakenförmigen Knochen auf der Spitze des Kopfes, welcher nach vorwärts gerichtet und an seinem abgerundeten Ende mit scharfen Dornen bedeckt ist; beim Weibchen »fehlt diese Krone vollständig« was aber ihr Gebrauch sein mag, ist völlig unbekannt.F. Buckland in: Land and Water, July, 1868, p. 377, mit einer Abbildung. Es ließen sich noch viele andere Fälle von nur den Männchen eigenthümlichen Bildungen, deren Gebrauch unbekannt ist, anführen.

Fig. 31. Plecostomus barbatus. Obere Figur Kopf des Männchens; untere Figur Kopf des Weibchens.

Die Gebilde, die bis jetzt erwähnt wurden, sind beim Männchen, nachdem es zur Reife gekommen ist, permanent; aber bei einigen Arten von Blennius und bei einer andern verwandten GattungDr. Günther, Catalogue of Fishes etc. Vol. III, p. 221 und 240. entwickelt sich ein Kamm auf dem Kopfe des Männchens nur während der Paarungszeit, auch wird der Körper der Männchen zu derselben Zeit heller gefärbt. Es läßt sich nur wenig daran zweifeln, daß dieser Kamm als ein temporäres geschlechtliches Ornament dient; denn das Weibchen zeigt auch nicht eine Spur davon. Bei andern Arten der nämlichen Gattung besitzen beide Geschlechter einen Kamm und mindestens bei einer Species ist keines von beiden Geschlechtern damit versehen. Bei vielen Chromiden, z. B. bei Geophagus und besonders bei Cichla, haben die Männchen, wie ich von Professor Agassiz höre,s. auch Prof. and Mrs. Agassiz, A Journey in Brazil. 1868, p. 220. eine auffallende Protuberanz am Vorderkopfe, welche bei den Weibchen und den jungen Männchen vollständig fehlt. Professor Agassiz fügt hinzu: »Ich habe diesen Fisch häufig zur Zeit des Laichens beobachtet, wo die Protuberanz am größten ist, ebenso zu andern Jahreszeiten, wo dieselbe vollständig fehlt und die beiden Geschlechter in der Contur des Profils ihres Kopfes durchaus keine Verschiedenheit von einander zeigen. Ich konnte durchaus nicht mit Sicherheit bestimmen, daß diese Hervorragung irgend einer speciellen Function diene, und die Indianer am Amazonenstrome wissen über ihren Gebrauch nichts.« Diese Protuberanzen gleichen in ihrem periodischen Erscheinen den fleischigen Carunkeln an den Köpfen gewisser Vögel, ob sie aber als Ornamente von Nutzen sind, muß für jetzt zweifelhaft bleiben.

Die Männchen derjenigen Fische, welche beständig in der Färbung von den Weibchen verschieden sind, werden häufig während der Zeit des Laichens brillanter, wie ich von Professor Agassiz und Dr. Günther höre. Dies ist gleichfalls bei einer Menge von Fischen der Fall, deren Geschlechter zu allen andern Zeiten des Jahres in ihrer Färbung identisch sind. Als Beispiel können die Schleihe, das Rothauge und der Barsch angeführt werden. Der männliche Lachs ist in dieser Zeit »auf den Wangen mit orange gefärbten Streifen gezeichnet, welche ihm die Erscheinung eines Labrus geben, und auch der Körper nimmt an einer gold-orangenen Färbung Theil. Die Weibchen sind von Farbe dunkel und werden gewöhnlich Schwarzfische genannt«.Yarrell, History of British Fishes. Vol. II. 1836, p. 10, 12, 35. Eine analoge und selbst noch größere Veränderung findet bei dem Salmo eriox (dem bull-trout der Engländer) statt. Die Männchen der Rothforelle (Salmo umbla) sind gleichfalls während der Laichzeit etwas heller in der Färbung als die Weibchen.W. Thompson in: Annals and Magaz. of Natur. Hist. Vol. VI. 1841, p. 440. Die Farben des Hechts der Vereinigten Staaten (Esox reticulatus), besonders die des Männchens, werden während der Laichzeit ausnehmend brillant und iridescierend.The American Agriculturist. 1868, p. 100. Unter vielen andern Beispielen bietet ein weiteres auffallendes der männliche Stichling (Gasterosteus leiurus) dar, welcher von Mr. WaringtonAnnals and Magaz. of Natur. Hist. 2. Ser. Vol. X. 1852, p. 276. beschrieben wird als »über alle Beschreibung schön«. Der Rücken und die Augen des Weibchens sind einfach braun und der Bauch weiß, dagegen sind die Augen des Männchens »von dem glänzendsten Grün und haben einen metallischen Glanz, wie die grünen Federn mancher Colibris. Die Kehle und der Bauch sind von einem hellen Scharlach, der Rücken gräulichgrün, und der ganze Fisch erscheint, als wenn er in gewisser Weise durchscheinend wäre und von einem inneren Feuer erglühte«. Nach der Laichzeit verändern sich alle diese Farben, die Kehle und der Bauch werden blässer roth, der Rücken mehr grün und die glühend scheinenden Färbungen verschwinden.

Was die Werbung der Fische betrifft, so sind seit dem Erscheinen der ersten Auflage dieses Werkes außer dem vom Stichling mitgetheilten Falle noch weitere beobachtet worden. W. S. Kent sagt, daß das Männchen von Labrus mixtus, welches, wie wir gesehen haben, in der Färbung vom Weibchen abweicht, »ein tiefes Loch im Sande des Kastens macht und dann in der überredendsten Weise das Weibchen derselben Species zu bestimmen sucht, es mit ihm zu theilen, wobei es zwischen dem Weibchen und dem Loche beständig hin und her schwimmt und offenbar die größte Sorge an den Tag legt, daß jenes ihm folge«. Die Männchen von Cantharus lineatus werden während der Laichzeit tief bleischwarz; sie ziehen sich dann aus dem Haufen zurück und höhlen ein Loch aus zum Neste. »Jedes Männchen hält nun sorgfältig Wache über seiner ihm gehörigen Höhle und greift jeden anderen Fisch desselben Geschlechts energisch an und vertreibt ihn. Seinen Genossen vom andern Geschlechte gegenüber ist sein Benehmen sehr verschieden; viele der letzteren sind zu dieser Zeit von Eiern ausgedehnt, und durch alle ihm nur zu Gebote stehenden Mittel versucht das Männchen dieselben einzeln zu dem vorbereiteten Neste zu locken und dort die Tausende von Eiern abzusetzen, mit denen sie beladen sind und welche es dann beschützt und mit der größten Sorgfalt bewacht«.Nature, May, 1873, p. 25.

Ein noch auffallenderes Beispiel von Werbung, ebenso wie von Entfaltung der Reize seitens der Männchen ist von Carbonnier in Bezug auf einen Chinesischen Macrobus mitgetheilt worden, der diese Fische in der Gefangenschaft sorgfältig beobachtet hat.Bullet. Soc. d'Acclimat. Paris, Juill., 1869, und Jan., 1870. Die Männchen sind ganz wunderschön gefärbt, schöner als die Weibchen. Während der Laichzeit concurrieren sie um den Besitz der Weibchen; im Acte der Brautwerbung breiten sie, der Angabe Carbonnier's zufolge, in derselben Weise wie der Pfauhahn, ihre Flossen aus, welche gefleckt und mit hell gefärbten Strahlen verziert sind. Sie tummeln sich auch mit großer Lebhaftigkeit um die Weibchen herum und scheinen durch »l'étalage de leurs vives couleurs chercher à attirer l'attention des femelles; lesquelles ne paraissaient indifférentes à ce manège, elles nageaient avec une molle lenteur vers les mâles et semblaient se complaire dans leur voisinage«. Nachdem das Männchen seine Braut gewonnen hat, bildet es eine kleine Scheibe von Schaum, indem es Luft und Schleim aus dem Munde ausstößt. Dann nimmt es die befruchteten vom Weibchen gelegten Eier in den Mund; dies beunruhigte Carbonnier sehr, da er glaubte, sie würden verschlungen werden. Bald aber bringt das Männchen dieselben in den scheibenförmigen Schaum, bewacht sie später, erneuert den Schaum und sorgt sich um die Jungen, wenn sie ausgeschlüpft sind. Ich erwähne diese Einzelheiten deshalb, weil es, wie wir sofort sehen werden, Fische giebt, bei denen die Männchen die Eier in der Mundhöhle ausbrüten; und diejenigen, welche nicht an das Princip der stufenweisen Entwicklung glauben, könnten fragen, wie ein solcher Gebrauch wohl entstanden sein könnte. Die Schwierigkeit wird aber sehr vermindert, wenn wir erfahren, daß es Fische giebt, welche in dieser Weise die Eier zusammennehmen und forttragen. Wären sie nämlich durch irgend welche Ursache aufgehalten worden, sie wieder abzulegen, so dürften sie wohl die Gewohnheit, sie in der Mundhöhle auszubrüten, erlangt haben.

Um aber auf den zunächst vorliegenden Gegenstand zurückzukommen. Der Fall liegt folgendermaßen: weibliche Fische legen, so weit ich es in Erfahrung bringen kann, niemals freiwillig ihren Laich ab, ausgenommen in Gegenwart der Männchen, und die Männchen befruchten niemals die Eier, ausgenommen in Gegenwart der Weibchen. Die Männchen kämpfen um den Besitz der Weibchen. Bei vielen Arten sind die Männchen, so lange sie jung sind, den Weibchen in der Färbung ähnlich; werden sie aber erwachsen, so werden sie viel glänzender und behalten ihre Farben durch ihr ganzes Leben. Bei andern Arten werden die Männchen nur während der Laichzeit heller oder in anderer Weise bedeutender verziert als die Weibchen. Die Männchen machen den Weibchen eifrig den Hof und geben sich in einem Falle, wie wir gesehen haben, Mühe, ihre Schönheit vor diesen zu entfalten. Kann man wohl glauben, daß sie während ihrer Brautwerbung ohne Zweck so handeln würden? Dies würde aber der Fall sein, wenn nicht die Weibchen irgend eine Wahl ausübten und diejenigen Männchen wählten, welche ihnen am meisten gefallen oder welche sie am meisten reizen. Wenn das Weibchen eine derartige Wahl ausübt, dann sind alle obige Fälle von Verzierung der Männchen sofort mittelst sexueller Zuchtwahl verständlich.

Wir haben nun zunächst zu untersuchen, ob diese Ansicht, daß die hellen Färbungen gewisser männlichen Fische durch die geschlechtliche Zuchtwahl erlangt worden sind, unter Zuhülfenahme des Gesetzes der gleichmäßigen Überlieferung von Merkmalen auf beide Geschlechter auch auf jene Gruppe übertragen werden kann, bei welchen die Männchen und Weibchen in demselben oder nahezu demselben Grade und in derselben Art und Weise glänzend sind. Bei einer Gattung wie Labrus, welche einige der glänzendsten Fische der Erde umfaßt, z. B. den Labrus pavo, der mit sehr verzeihlicher Übertreibung beschrieben wirdBory de Saint Vincent in: Diction. class. d'Hist. natur. Tom. IX. 1826, p. 151. als aus polierten Schuppen von Gold bestehend, eingefaßt mit Lapislazuli, Rubinen, Saphiren, Smaragden und Amethysten, können wir mit vieler Wahrscheinlichkeit dieser Annahme folgen; denn wir haben gesehen, daß die Geschlechter wenigstens bei einer Species bedeutend in der Färbung von einander abweichen. Bei einigen Fischen könnten wohl, wie bei vielen der niedrigsten Thiere, glänzende Farben das directe Resultat der Natur ihrer Gewebe und der Wirkung der umgebenden Bedingungen sein ohne irgendwelche Hülfe einer Zuchtwahl. Vielleicht ist der Goldfisch (Cyprinus auratus), wenigstens nach der Analogie der Goldvarietät des gemeinen Karpfens zu urtheilen, ein hier einschlagender Fall, da er seine glänzenden Farben einer einzigen, in Folge der Bedingungen, welchen dieser Fisch im Zustande der Gefangenschaft unterworfen ist, plötzlich auftretenden Abänderung verdanken dürfte. Es ist indessen wahrscheinlicher, daß diese Farben durch künstliche Zuchtwahl intensiver geworden sind, da diese Species in China seit einer sehr entlegenen Zeit schon sorgfältig gezüchtet worden ist.Veranlaßt durch einige Bemerkungen über diesen Gegenstand in meinem Buche »Das Variiren der Thiere und Pflanzen im Zustande der Domestication« hat Mr. W. F. Mayers (Chinese Notes and Queries. Aug. 1868, p. 123) die alten chinesischen Encyklopädien durchsucht. Er findet, daß Goldfische zuerst unter der Sung-Dynastie, welche um das Jahr 960 unserer Zeitrechnung herrschte, in Gefangenschaft gezüchtet wurden. Im Jahre 1129 waren diese Fische sehr zahlreich. An einem andern Orte wird erzählt, daß seit dem Jahre 1548 »in Hangchow eine Varietät produciert wurde, welche wegen ihrer intensiv rothen Farbe der Feuer-Fisch genannt wurde. Sie wird ganz allgemein bewundert, und es giebt keinen Hausstand, wo sie nicht cultiviert würde, theils in Folge des Wetteifers in Bezug auf ihre Farbe, theils als Quelle von Einnahmen.« Unter natürlichen Verhältnissen scheint es nicht wahrscheinlich zu sein, daß so hoch organisierte Wesen wie Fische, und welche unter so complicierten Bedingungen leben, glänzend gefärbt werden sollten, ohne aus einer so bedeutenden Veränderung irgend einen Nachtheil oder einen Vortheil zu erlangen, folglich also auch ohne das Dazwischentreten natürlicher Zuchtwahl.

Was müssen wir denn nun in Bezug auf die vielen Fische, bei welchen beide Geschlechter gleich gefärbt sind, daraus folgern? Mr. WallaceWestminster Review. July, 1867, p. 7. glaubt, daß die Species, welche Riffe bewohnen, wo Corallen und andere glänzend gefärbte Organismen in großer Zahl leben, glänzend gefärbt sind, damit sie der Entdeckung seitens ihrer Feinde entgehen; aber meiner Erinnerung zufolge würden sie hierdurch nur in hohem Grade auffallend gemacht werden. In den süßen Gewässern der Tropenländer finden sich keine glänzend gefärbten Corallen oder andere Organismen, welchen die Fische ähnlich werden könnten, und doch sind viele Species im Amazonenstrome schön gefärbt und viele der fleischfressenden Cypriniden in Indien sind »mit glänzenden Längslinien verschiedener Farben« geschmückt.Indian Cyprinidae, by M. J. M'Clelland, in: Asiatic Researches. Vol. XIX. P. II. 1839, p. 230. Mr. M'Clelland geht bei Beschreibung dieser Fische so weit, zu vermuthen, daß »der eigenthümliche Glanz ihrer Farben als ein besseres Ziel für Eisvögel, Seeschwalben und andere Vögel diene, welche dazu bestimmt seien, die Anzahl dieser Fische in gewissen Schranken zu halten«. Aber heutigen Tages werden nur wenige Naturforscher annehmen, daß irgend ein Thier auffallend gemacht worden sei als Hülfsmittel zu seiner eigenen Zerstörung. Es ist möglich, daß gewisse Fische auffallend gefärbt worden sind, um Vögeln und Raubthieren anzuzeigen, daß sie ungenießbar sind (wie auseinandergesetzt wurde, als die Raupen besprochen wurden); es ist aber, wie ich glaube, nicht bekannt, daß irgend ein Fisch, wenigstens kein Süßwasserfisch, deshalb von fleischfressenden Thieren verschmäht würde, weil er widerwärtig wäre. Im Ganzen ist die wahrscheinlichste Ansicht in Bezug auf die Fische, bei denen beide Geschlechter brillant gefärbt sind, die, daß ihre Farben von den Männchen als eine geschlechtliche Zierde erlangt worden und dann in einem gleichen oder nahezu gleichen Grade auf das andere Geschlecht überliefert worden sind.

Wir haben nun zu betrachten, ob, wenn das Männchen in einer auffallenden Weise von dem Weibchen in der Färbung oder in andern Zierathen abweicht, dasselbe allein modificiert worden ist, so daß auch die Abänderungen nur von seinen männlichen Nachkommen ererbt worden sind, oder ob das Weibchen besonders modificiert und zum Zwecke des Schutzes unansehnlich geworden ist, wobei dann solche Modificationen nur von den Weibchen ererbt wurden. Es läßt sich unmöglich bezweifeln, daß die Färbung von vielen Fischen als Schutzmittel erlangt worden ist. Niemand kann die gefleckte obere Fläche einer Flunder betrachten und deren Ähnlichkeit mit dem sandigen Grunde des Meeres, auf welchem der Fisch lebt, übersehen. Übrigens können auch gewisse Fische durch die Thätigkeit ihres Nervensystems ihre Farben in Anpassung an umgebende Gegenstände, und zwar in kurzer Zeit, verändern.G. Pouchet in: L'Institut, Nov. 1., 1871, p. 134.) Eines der auffallendsten Beispiele unter allen je beschriebenen von einem Thiere, welches durch seine Farbe (soweit sich nach Sammlungsexemplaren urtheilen läßt) und durch seine Form Schutz erhält, ist das von Dr. Günther mitgetheilteProceed. Zoolog. Soc. 1865, p. 327, pl. XIV und XV. von einer Meernadel, welche mit ihren röthlichen, flottierenden Fadenanhängen kaum von dem Seegras zu unterscheiden ist, an welches sie sich mit ihrem Greifschwanze befestigt. Die Frage, welche jetzt hier zu untersuchen ist, ist aber die, ob die Weibchen allein zu diesem Zwecke modificiert worden sind. Wir können einsehen, daß das eine Geschlecht durch natürliche Zuchtwahl zum Zwecke des Schutzes nicht mehr als das andere modificiert werden wird, vorausgesetzt, daß beide Geschlechter variieren; es müßte denn das eine Geschlecht eine längere Zeit hindurch Gefahren ausgesetzt sein oder geringere Kraft besitzen, solchen Gefahren zu entgehen, als das andere; und bei Fischen scheinen die Geschlechter in diesen Beziehungen nicht von einander abzuweichen. Soweit eine derartige Verschiedenheit existiert, sind die Männchen, weil sie meist von geringerer Größe sind und mehr umherschweifen, einer größeren Gefahr ausgesetzt als die Weibchen; und doch sind die Männchen, wenn die Geschlechter überhaupt verschieden sind, beinahe immer die am auffallendsten Gefärbten. Die Eier werden unmittelbar, nachdem sie abgelegt sind, befruchtet, und wenn dieser Proceß mehrere Tage dauert, wie es beim Lachse der Fall ist,Yarrell, History of British Fishes. Vol. II, p. 11. so wird das Weibchen während der ganzen Zeit vom Männchen begleitet. Nachdem die Eier befruchtet sind, werden sie in den meisten Fällen von beiden Eltern unbeschützt gelassen, so daß die Männchen und Weibchen, soweit das Eierlegen in Betracht kommt, gleichmäßig der Gefahr ausgesetzt sind; auch sind Beide für die Erzeugung fruchtbarer Eier von gleicher Bedeutung. In Folge dessen werden die mehr oder weniger hell gefärbten Individuen beider Geschlechter in gleichem Maße häufig zerstört oder erhalten werden, und beide werden einen gleichen Einfluß auf die Färbung ihrer Nachkommen oder der Rasse haben.

Gewisse zu verschiedenen Familien gehörige Fische bauen Nester, und einige dieser Fische sorgen auch für die Jungen, wenn sie ausgeschlüpft sind. Bei Crenilabrus massa und melops arbeiten beide Geschlechter der hell gefärbten Arten zusammen beim Aufbau ihrer Nester aus Seegras, Muscheln u. s. w.Nach den Beobachtungen von Gerbe, s. Günther's Record of Zoolog. Literature. 1865, p. 194. Aber bei gewissen Fischen verrichten die Männchen alle Arbeit und übernehmen auch später die ausschließliche Sorge für die Jungen. Dies ist der Fall bei den dunkel gefärbten Meergrundeln,Cuvier, Règne animal. Vol. II. 1829, p. 242. bei denen die Geschlechter, soviel man weiß, in der Farbe nicht von einander verschieden sind, und ebenfalls bei den Stichlingen (Gasterosteus), bei welchen die Männchen während der Laichzeit brillant gefärbt werden. Das Männchen des glattschwänzigen Stichlings (G. leiurus) verrichtet eine lange Zeit hindurch die Pflichten einer Wärterin mit exemplarischer Sorgfalt und Wachsamkeit und ist beständig thätig, die Jungen sanft zum Nest zurückzuleiten, wenn sie sich zu weit entfernen. Muthig treibt dasselbe alle Feinde fort mit Einschluß der Weibchen seiner eigenen Species. Er würde in der That für das Männchen kein geringer Trost sein, wenn das Weibchen nach Ablegung seiner Eier sofort von irgend einem Feinde gefressen würde, denn das Männchen ist gezwungen, es beständig von dem Neste fortzutreiben.s. Mr. Warington's äußerst interessante Beschreibung der Lebensweise von Gasterosteus leiurus in: Ann. and Magaz. of Natur. Hist. 2. Ser. Vol. XVI. 1855, p. 330.

Die Männchen gewisser anderer Fische, welche Süd-Amerika und Ceylon bewohnen und zu zwei verschiedenen Ordnungen gehören, haben die außerordentliche Gewohnheit, die von den Weibchen gelegten Eier innerhalb des Mundes oder der Kiemenhöhlen auszubrüten.Prof. Wyman in: Proceed. Boston Soc. of Natur. Hist., 15. Sept., 1857; s. auch W. Turner in: Journal of Anatomy and Physiol., 1. Nov., 1866, p. 78. Dr. Günther hat gleichfalls noch weitere Fälle beschrieben. Bei den Species vom Amazonenstrome, welche diese Gewohnheit haben, sind, wie mir Professor Agassiz freundlich mitgetheilt hat, »die Männchen nicht bloß gewöhnlich heller als die Weibchen, sondern es ist auch diese Verschiedenheit zur Laichzeit größer als zu irgend einer andern Zeit«. Die Species von Geophagus haben dieselbe Eigenthümlichkeit, und bei dieser Gattung wird eine auffallende Protuberanz am Vorderkopfe der Männchen während der Brütezeit entwickelt. Bei den verschiedenen Species von Chromiden lassen sich, wie mir gleichfalls Professor Agassiz mitgetheilt hat, geschlechtliche Differenzen in der Farbe beobachten, »mögen die Arten ihre Eier im Wasser um die Wasserpflanzen herum oder in Höhlungen legen, wonach sie dieselben beim Ausschlüpfen, ohne weitere Sorge für sie zu haben, sich selbst überlassen, oder mögen sie flache Nester in den Flußschlamm bauen, auf denen sie dann sitzen, wie unsere Pomotis es thut. Es ist auch zu beachten, daß diese Nestsitzer zu den hellsten Species ihrer betreffenden Familien gehören; so ist z. B. Hyyrogonus hellgrün mit großen schwarzen, von dem brillantesten Roth eingefaßten Augenflecken«. Ob bei allen den Species von Chromiden das Männchen allein es ist, welches auf den Eiern sitzt, ist nicht bekannt. Es ist indessen offenbar, daß die Thatsache, ob die Eier beschützt werden oder unbeschützt bleiben, wenig oder gar keinen Einfluß auf die Verschiedenheiten in der Farbe zwischen den beiden Geschlechtern geäußert hat. Offenbar würde auch ferner in allen den Fällen, in denen die Männchen ausschließlich die Sorge um das Nest und die Jungen übernehmen; die Zerstörung der heller gefärbten Männchen von einem viel größeren Einflusse auf den Charakter der Rasse sein als die Zerstörung der heller gefärbten Weibchen. Denn der Tod des Männchens während der Periode der Bebrütung oder Aufzucht würde den Tod der Jungen mit sich führen, so daß diese dessen Eigenthümlichkeiten nicht erben könnten; und doch sind in vielen dieser selben Fälle die Männchen auffallender gefärbt als die Weibchen.

Bei den meisten Lophobranchiern (Meernadeln, Seepferdchen u. s. w.) haben die Männchen entweder marsupiale Taschen oder halbkugelige Vertiefungen am Abdomen, in welchen die von den Weibchen gelegten Eier ausgebrütet werden. Auch zeigen die Männchen große Anhänglichkeit an ihre Jungen.Yarrell, Hist. of British Fishes. Vol. II. 1836, p. 329, 338. Die Geschlechter weichen gewöhnlich nicht sehr in der Färbung von einander ab; doch glaubt Dr. Günther, daß die männlichen Hippocampi eher heller sind als die weiblichen. Die Gattung Solenostoma bietet indessen einen sehr merkwürdigen exceptionellen Fall dar.Seit dem Erscheinen des Werks: The Fishes of Zanzibar by Col. Playfair, 1866, worin p. 137 diese Art beschrieben ist, hat Dr. Günther die Exemplare nochmals untersucht und mir die oben mitgetheilten Bemerkungen gegeben. Hier ist nämlich das Weibchen viel lebhafter gefärbt und gefleckt als das Männchen und nur das Weibchen hat eine marsupiale Tasche und brütet die Eier aus, so daß das Weibchen von Solenostoma von allen übrigen Lophobranchiern in dieser letzteren Beziehung und von beinahe allen übrigen Fischen darin verschieden ist, daß es heller gefärbt ist als das Männchen. Es ist nicht wahrscheinlich, daß diese merkwürdige doppelte Umkehrung des Charakters bei dem Weibchen ein zufälliges Zusammentreffen sein sollte. Da die Männchen mehrerer Fische, welche ausschließlich die Sorge für die Eier und die Jungen übernehmen, heller gefärbt sind als die Weibchen, und da hier das weibliche Solenostoma dieselbe Sorge auf sich nimmt und heller gefärbt ist als das Männchen, so könnte man schließen, daß die auffallenden Farben desjenigen Geschlechts, welches von beiden für die Wohlfahrt der Nachkommen das bedeutungsvollste ist, in einer gewissen Weise als Schutzmittel dienen müssen. Aber in Anbetracht der Menge von Fischen, bei denen die Männchen entweder dauernd oder periodisch heller sind als die Weibchen, deren Leben aber durchaus nicht von größerer Bedeutung für die Wohlfahrt der Species ist als das der Weibchen, kann diese Ansicht kaum aufrecht erhalten werden. Wenn wir die Vögel besprechen werden, werden sich uns analoge Fälle darbieten, bei welchen eine vollständige Umkehrung der gewöhnlichen Attribute der beiden Geschlechter eingetreten ist, und wir werden dann eine, wie es scheinen dürfte, wahrscheinliche Erklärung hierfür geben, nämlich diese, daß die Männchen die anziehenderen Weibchen gewählt haben, anstatt daß die letzteren in Übereinstimmung mit der gewöhnlichen, durch das ganze Thierreich hindurch herrschenden Regel die anziehenderen Männchen gewählt hätten.

Im Ganzen können wir schließen, daß bei den meisten Fischen, bei welchen die Geschlechter in der Farbe oder in anderen ornamentalen Merkmalen von einander verschieden sind, die Männchen ursprünglich zuerst abgeändert haben, worauf dann ihre Abänderungen auf dasselbe Geschlecht überliefert und durch geschlechtliche Zuchtwahl, nämlich durch Anziehung und Reizung der Weibchen, angehäuft wurden. Indessen sind in vielen Fällen derartige Merkmale entweder theilweise oder vollständig auch auf die Weibchen übertragen worden. Ferner sind in anderen Fällen beide Geschlechter zum Zwecke des Schutzes gleich gefärbt worden. Es scheint aber kein einziges Beispiel vorzukommen, wo die Farben oder anderen Merkmale des Weibchens allein speciell zu diesem letzteren Zwecke modificiert worden wären.

Der letzte Punkt, welcher einer Erwähnung bedarf, ist, daß Fische aus vielen Theilen der Welt bekannt sind, welche verschiedenartige Geräusche hervorbringen, und diese werden in manchen Fällen als musikalische Laute beschrieben. Dr. Dufossé, welcher diesem Gegenstande speciell seine Aufmerksamkeit gewidmet hat, sagt, daß die Laute von verschiedenen Fischen auf mehrerlei Weise willkürlich hervorgebracht werden: durch Reibung der Schlundknochen, – durch Schwingungen gewisser, an die Schwimmblase befestigter Muskeln, wobei diese als Resonanzboden dient, – und durch Schwingungen der eigentlichen Schwimmblasenmuskeln. Auf die letztgenannte Art erzeugt Trigla reine und lang ausgezogene Töne, welche beinahe über eine Octave reichen. Der für uns interessanteste Fall ist aber der von zwei Arten von Ophidium, bei denen allein das Männchen mit einem lauterzeugenden Apparat, welcher aus kleinen beweglichen,, mit der Schwimmblase in Verbindung stehenden und mit eigenen Muskeln versehenen Knochen besteht, ausgerüstet ist.Comptes rendus. Tom. XLVI, 1858, p. 353; Tom. XLVII, 1858, p. 916; Tom. LIV, 1862, p. 393. Das von den Umbrinas (Sciaena aquila) gemachte Geräusch soll nach mehreren Autoren mehr wie der Ton einer Flöte oder Orgel sein als wie Trommeln. Dr. Zouteveen giebt in der holländischen Übersetzung dieses Werkes (Bd. II, p. 36) einige weitere Einzelheiten über die von Fischen hervorgebrachten Laute. Das Trommeln der Umbrinen in den europäischen Meeren soll aus einer Tiefe von zwanzig Faden hörbar sein. Die Fischer von Rochelle behaupten, daß »allein die Männchen während der Laichzeit das Geräusch machen und daß es möglich ist, dieselben durch Nachahmung dieses Geräuschs ohne Köder zu fangen«.C. Kingsley in: Nature, May, 1870, p. 40. Nach dieser Angabe und besonders noch nach dem Falle bei Ophidium ist es beinahe sicher, daß hier, in der niedersten Classe der Wirbelthiere, wie bei so vielen Insecten lauterzeugende Organe wenigstens in manchen Fällen durch geschlechtliche Zuchtwahl als Mittel, die Geschlechter zusammenzubringen, entwickelt worden sind.

 

Amphibien.

Urodela. – Beginnen wir mit den geschwänzten Amphibien. Die Geschlechter der Wassersalamander oder Tritonen weichen oft sowohl in der Farbe als in der Structur bedeutend von einander ab. Bei einigen Species entwickeln sich während der Paarungszeit prehensile Krallen an den Vorderbeinen der Männchen; zu dieser Zeit sind bei dem männlichen Triton palmipes die Hinterfüße mit einer Schwimmhaut versehen, welche während des Winters beinahe vollständig resorbiert wird, so daß dann seine Füße denen des Weibchens gleich sind.Bell, History of British Reptiles. 2. edit. 1849, p. 156-159. Diese Bildung unterstützt ohne Zweifel das Männchen bei seinem eifrigen Suchen und Verfolgen des Weibchens. Wenn es dem Weibchen den Hof macht, läßt es das Ende seines Schwanzes schnell schwingen. Bei unsern gewöhnlichen Wassersalamandern (Triton punctatus und cristatus) entwickelt sich während der Paarungszeit ein hoher, vielfach zahnartig eingeschnittener Kamm dem Rücken und Schwanze des Männchens entlang, welcher während des Winters wieder resorbiert wird. Wie mir Mr. St. George Mivart mittheilt; ist der Kamm nicht mit Muskeln versehen und kann daher nicht zur Ortsbewegung benutzt werden. Da er während der Zeit der Brautwerbung mit hellen Farben gerändert wird, so läßt sich kaum zweifeln, daß er den Männchen zur Zierde dient. Bei vielen Species bietet der Körper stark contrastierende, wenn auch schmutzige Färbungen, dar, und diese werden während der Paarungszeit lebendiger. So ist z. B. das Männchen unseres gemeinen kleinen Wassersalamanders (Triton punctatus) »oben bräunlich-grau, was nach unten in Gelb übergeht, welches im Frühling ein saftiges helles Orange wird, überall mit runden dunklen Flecken gezeichnet«. Der Rand des Kammes ist dann gleichfalls mit Hellroth oder Violett punctiert. Das Weibchen ist gewöhnlich von gelblich brauner Farbe mit zerstreut stehenden braunen Flecken und die untere Fläche ist häufig vollständig gleichfarbig.Bell, History of British Reptiles. 2. edit. 1849, p. 146, 151. Die Jungen sind düster gefärbt. Die Eier werden während des Acts des Eierlegens befruchtet und werden in der Folge weder vom Vater noch von der Mutter weiter besorgt. Wir können daher schließen, daß die Männchen ihre scharf gezeichneten Färbungen und ornamentalen Anhänge durch geschlechtliche Zuchtwahl erlangt haben, und daß diese dann entweder allein auf die männlichen Nachkommen oder auf beide Geschlechter überliefert worden sind.

Fig. 32. Triton cristatus, halbe natürliche Größe (nach Bell, British Reptiles). Obere Figur das Männchen während der Paarungszeit, untere Figur das Weibchen.

 
Anura oder Batrachia. – Bei vielen Fröschen und Kröten dienen die Farben offenbar zum Schutze, wie es mit den hellgrünen Farben bei Laubfröschen und den düster gefleckten Zeichnungen vieler auf der Erde lebenden Arten der Fall ist. Die am auffallendsten gefärbte Kröte, welche ich je gesehen habe, nämlich der Phryniscus nigricans,Zoology of the Voyage of the »Beagle«. 1843. Reptiles, by Mr. Bell, p. 49. war auf der ganzen oberen Fläche des Körpers so schwarz wie Tinte, während die Sohlen der Füße und Theile des Abdomen mit dem hellsten Carmoisin gefleckt waren. Sie kroch auf den weiten, sandigen oder offenen Grasebenen von La Plata unter einer glühenden Sonne herum und mußte den Blick jedes vorüberkommenden Wesens auf sich ziehen. Die Farben können für die Kröte eine Wohlthat sein dadurch, daß sie allen Raubvögeln sofort anzeigen, daß dieselbe ein ekelerregender Bissen ist.

In Nicaragua giebt es einen kleinen Frosch, »hell in Roth und Blau angethan«, welcher sich nicht wie die meisten andern Arten verbirgt, sondern bei Tage herumhüpft. Mr. Belt sagt,The Naturalist in Nicaragua. 1874, p. 321. daß er, sobald er sein glückliches Gefühl der Sicherheit gesehen habe, auch überzeugt gewesen sei, daß er ungenießbar sei. Nach verschiedenen Versuchen gelang es ihm eine junge Ente dazu zu verführen, einen jungen Frosch zu schnappen, er wurde aber augenblicklich wieder ausgeworfen, »und die Ente ging herum, ihren Kopf schüttelnd, als versuche sie irgend einen unangenehmen Geschmack loszuwerden«.

Was geschlechtliche Verschiedenheiten betrifft, so kennt Dr. Günther bei Fröschen und Kröten kein auffallendes Beispiel; doch kann er häufig das Männchen von dem Weibchen dadurch unterscheiden, daß die Färbung des ersteren ein wenig mehr intensiv ist. Auch kennt Dr. Günther keine auffallende Verschiedenheit in der äußeren Structur zwischen den Geschlechtern mit Ausnahme der Vorsprünge, welche während der Paarungszeit an den Vorderbeinen des Männchens sich entwickeln und durch welche das Männchen befähigt wird, das Weibchen zu halten.Bei Bufo sikkimensis hat nur das Männchen zwei plattenartige Callositäten an der Brust und gewisse Rauhigkeiten an den Fingern, welche vielleicht demselben Zwecke dienen, wie die oben erwähnten Vorsprünge (Dr. Anderson, Proceed. Zoolog. Soc. 1871, p. 204). Es ist überraschend, daß diese Thiere nicht schärfer ausgesprochene geschlechtliche Verschiedenheiten erlangt haben; denn wenn sie auch kaltes Blut haben, so sind doch ihre Leidenschaften stark. Dr. Günther theilt mir mit, daß er mehrere Male gefunden hat, wie eine unglückliche weibliche Kröte durch eine zu dichte Umarmung von drei oder vier Männchen erstickt worden war. Professor Hoffmann in Gießen hat beobachtet, wie Frösche während der Paarungszeit den ganzen Tag lang und mit einer solchen Heftigkeit kämpften, daß bei einem der Körper aufgeschlitzt wurde.

Frösche und Kröten besitzen eine interessante geschlechtliche Verschiedenheit, nämlich die sich nur im Besitze der Männchen befindenden musikalischen Begabungen. Es scheint freilich mit Rücksicht auf unsern Kunstgeschmack ein unangebrachter Ausdruck zu sein, wenn man die dissonierenden und überwältigend lauten Töne, welche männliche Riesenfrösche und einige andere Species ausstoßen, als Musik bezeichnet. Nichtsdestoweniger singen gewisse Frösche in einer entschieden gefälligen Weise. In der Nähe von Rio de Janeiro pflegte ich häufig am Abend dazusitzen und auf eine Anzahl kleiner Laubfrösche zu horchen, welche auf den Grasflächen in der Nähe des Wassers saßen und lieblich zirpende Töne harmonisch erklingen ließen. Die verschiedenen Laute werden hauptsächlich von den Männchen während der Paarungszeit ausgestoßen, wie es auch der Fall mit dem Quaken unserer gewöhnlichen Frösche ist.Bell, History of British Reptiles. 1849, p. 93. In Übereinstimmung mit dieser Thatsache sind die Stimmorgane der Männchen viel höher entwickelt als die der Weibchen. In einigen Gattungen sind nur die Männchen mit Säcken versehen, welche sich in den Kehlkopf öffnen.J. Bishop in: Todd's Cyclopaedia of Anatomy and Physiol. Vol. IV, p. 1503. So sind z. B. bei dem eßbaren Frosche (Rana esculenta) »die Stimmsäcke den Männchen eigenthümlich und werden beim Acte des Quakens mit Luft gefüllte große kugelige Blasen, welche an beiden Seiten des Halses in der Nähe der Mundwinkel nach außen hervorragen«. Der Ruf des Männchens wird hierdurch außerordentlich kräftig gemacht, während der des Weibchens nur ein unbedeutendes, knurrendes Geräusch ist.Bell, History of British Reptiles. 1849, p. 112-114. Die Stimmorgane sind auch bei den verschiedenen Gattungen der Familie von einander verschieden, und ihre Entwicklung kann in allen Fällen geschlechtlicher Zuchtwahl zugeschrieben werden.

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