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Die Abstammung des Menschen

Charles Darwin: Die Abstammung des Menschen - Kapitel 37
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typereport
authorCharles Darwin
titleDie Abstammung des Menschen
publisherfourier
printrun1. Auflage
year1986
isbn3925037039
firstpub1871
translatorJ. Viktor Carus
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
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Ordnung: Neuroptera. – Hier braucht nur wenig bemerkt zu werden, ausgenommen hinsichtlich der Färbung. Bei den Ephemeriden weichen die Geschlechter oft unbedeutend in ihrer düsteren Farbe ab,B. D. Walsh, The Pseudo-Neuroptera of Illinois, in: Proceed. Entomol. Soc. of Philadelphia. 1862, p. 361. es ist aber nicht wahrscheinlich, daß die Männchen hierdurch für die Weibchen anziehend gemacht werden. Die Libelluliden oder Wasserjungfern sind mit glänzenden grünen, blauen, gelben und scharlachenen metallischen Färbungen geziert, und die Geschlechter weichen oft von einander ab. So sind die Männchen einiger der Agrioniden, wie Professor Westwood bemerkt,Modern Classification etc. Vol. II, p. 37. »von einem reichen Blau mit schwarzen Flügeln, während die Weibchen schön grün mit farblosen Flügeln sind«. Aber bei Agrion Ramburii sind diese Farben in den beiden Geschlechtern gerade umgekehrt.Walsh, The Pseudo-Neuroptera of Illinois, in: Proceed. Entomol. Soc. of Philadelphia. 1862, p. 381. Ich bin diesem Forscher für Mittheilung der folgenden Thatsachen in Bezug auf Hetaerina, Anax und Gomphus verbunden. In der ausgedehnten nordamerikanischen Gattung Hetaerina haben allein die Männchen einen schönen karminrothen Fleck an der Basis jedes Flügels. Bei Anax junius ist der basale Theil des Abdomen beim Männchen von einem lebhaften Ultramarinblau und beim Weibchen grasgrün. Andererseits weichen bei der verwandten Gattung Gomphus und in einigen anderen Gattungen die Geschlechter nur wenig in der Färbung von einander ab. Durch das ganze Thierreich hindurch sind ähnliche Fälle, wo die Geschlechter nahe verwandter Formen entweder bedeutend oder sehr wenig oder durchaus nicht von einander abweichen, von häufigem Vorkommen. Obgleich bei vielen Libelluliden eine so beträchtliche Verschiedenheit in der Färbung zwischen den Geschlechtern besteht, so ist es doch oft schwer zu sagen, welches das am meisten glänzende ist, und die gewöhnliche Färbung der beiden Geschlechter ist, wie wir eben gesehen haben, bei einer Art von Agrioniden geradezu umgekehrt. Es ist nicht wahrscheinlich, daß in irgend einem dieser Fälle die Farben als Schutzmittel erlangt worden sind. Wie Mr. Mac Lachlan, welcher dieser Familie eingehende Aufmerksamkeit gewidmet hat, mir schreibt, werden die Libellen, die Tyrannen der Insectenwelt, am wenigsten unter allen Insecten von den Vögeln oder anderen Feinden angegriffen. Er glaubt, daß ihre glänzenden Farben als ein geschlechtliches Anziehungsmittel dienen. Gewisse Libellen werden offenbar durch besondere Farben angezogen. So beobachtet Mr. Patterson.Transact. Entomol. Soc. Vol. I, 1836, p. LXXXI. daß diejenigen Species von Argrioniden, deren Männchen blau sind, sich in großer Zahl auf das blaue Schwimmstück einer Angelleine niederließen, während zwei andere Species von hellweißen Farben angezogen wurden.

Es ist eine zuerst von Schelver beobachtete interessante Thatsache, daß die Männchen mehrerer zu zwei Unterfamilien gehörigen Gattungen, wenn sie zuerst aus der Puppenhülle ausschlüpfen, genau so wie die Weibchen gefärbt sind, daß aber ihre Körper in einer kurzen Zeit eine auffallend milchigblaue Farbe erlangen in Folge der Ausschwitzung einer Art von Öl, welches in Äther und Alcohol löslich ist. Mr. Mac Lachlan glaubt, daß bei den Männchen von Libellula depressa diese Veränderung der Farbe nicht vor nahezu vierzehn Tagen nach der Metamorphose eintritt, wenn die Geschlechter bereit sind, sich zu paaren.

Gewisse Species von Neurothemis bieten einer Angabe von Brauers. den Auszug in dem Zoological Record for 1867, p. 450. zufolge einen merkwürdigen Fall von Dimorphismus dar, indem einige der Weibchen gewöhnliche Flügel haben, während andere Weibchen sie »wie bei den Männchen der nämlichen Species sehr reich netzförmig entwickelt haben«. Brauer »erklärt die Erscheinung nach Darwin'schen Grundsätzen durch die Vermuthung, daß das dichte Netzwerk der Adern ein secundärer Sexualcharakter bei den Männchen ist, welcher plötzlich auf einige Weibchen, statt auf alle, wie es gewöhnlich vorkommt, überliefert worden ist«. Mr. Mac Lachlan theilt mir noch einen anderen Fall von Dimorphismus bei mehreren Species von Agrion mit, bei denen eine gewisse Zahl von Individuen von einer orangenen Färbung gefunden wird; und diese sind unabänderlich Weibchen. Dies ist wahrscheinlich ein Fall von Rückschlag; denn bei den echten Libelluliden sind, sobald die Geschlechter in der Färbung verschieden sind, die Weibchen immer orange oder gelb, so daß es, – angenommen Agrion stamme von irgend einer primordialen Form ab, welche die charakteristischen geschlechtlichen Färbungen der typischen Libelluliden besessen habe, – nicht überraschend wäre, wenn eine Neigung, in dieser Art und Weise zu variieren, allein bei den Weibchen einträte.

Obgleich viele Libelluliden so große, kraftvolle und wilde Insecten sind, so hat doch Mr. Mac Lachlan nicht beobachtet, daß die Männchen mit einander kämpften, mit Ausnahme, wie er meint, einiger der kleineren Species von Agrion. Bei einer anderen sehr verschiedenen Gruppe dieser Ordnung, nämlich bei den Termiten oder weißen Ameisen, kann man sehen, wie beide Geschlechter um die Zeit des Schwärmens herumlaufen, »das Männchen hinter dem Weibchen her, zuweilen zwei ein Weibchen jagend, und mit großem Eifer kämpfend, wer den Preis gewinne«.Kirby and Spence, Introduction to Entomology. Vol. II, 1818, p. 35. Von Atropos pulsatorius wird angegeben, daß er mit seinen Kiefern ein Geräusch mache, was von anderen Individuen beantwortet wird.Houzeau, Les Facultés mentales etc. Tome I, p. 104.

 
Ordnung: Hymenoptera. – Bei der Beschreibung der Lebensweise von Cerceris, einem wespenähnlichen Insect, bemerkt jener unvergleichliche Beobachter Fabre,s. einen interessanten Artikel: The Writings of Fabre, in: Natur. History Review. April, 1862, p. 122. daß, »häufig Kämpfe zwischen den Männchen um den Besitz eines besonderen Weibchens stattfinden, welches als ein dem Anscheine nach unbetheiligter Zuschauer des Kampfes um die Obergewalt daneben sitzt, und wenn der Sieg entschieden ist, ruhig in Begleitung des Siegers davonfliegt«. Westwood sagt,Journal of Proceed. Entomolog. Soc. Sept. 7., 1863, p. 169. daß die Männchen einer der Blattwespen (Tenthredines) »beobachtet worden sind mit einander kämpfend und mit ihren Mandibeln in einander verbissen«. Da Fabre davon spricht, daß die Männchen von Cerceris um den Besitz eines besonderen Weibchens kämpfen, so verlohnt es sich der Mühe, sich daran zu erinnern, daß zu dieser Ordnung gehörige Insecten das Vermögen haben, sich nach langen Zeiträumen wiederzuerkennen, und große Anhänglichkeit an einander besitzen. So trennte z. B. Pierre Huber, dessen Genauigkeit Niemand bezweifelt, mehrere Ameisen von einander, und als sie nach einem Zwischenraume von vier Monaten andere antrafen, welche zu demselben Haufen gehört hatten, erkannten sie sich gegenseitig und liebkosten einander mit ihren Antennen. Wären es fremde gewesen, so würden sie mit einander gekämpft haben. Wenn ferner zwei Ameisenhaufen mit einander in Kampf gerathen, so greifen die Ameisen einer und derselben Seite in der allgemeinen Verwirrung zuweilen einander an, bemerken aber bald den Irrthum, und die eine Ameise begütigt die andere.P. Huber, Recherches sur les mœurs des Fourmis. 1810, p. 150, 165.

Unbedeutende Verschiedenheiten in der Färbung je nach dem Geschlecht sind in dieser Ordnung häufig, aber auffallende Verschiedenheiten sind selten, mit Ausnahme der Familie der Bienen; und doch sind beide Geschlechter gewisser Gruppen so brillant gefärbt, – z. B. bei Chrysis, bei welcher Gattung Scharlach und metallisches Grün vorherrschen, – daß wir dies als ein Resultat der geschlechtlichen Zuchtwahl anzusehen versucht werden. Der Angabe von Mr. Walsh zufolgeProceed. Entomolog. Soc. of Philadelphia. 1866, p. 238-239. sind bei den Ichneumoniden die Männchen fast allgemein heller gefärbt als die Weibchen. Andererseits sind bei den Thentrediniden die Männchen meistens dunkler als die Weibchen. Bei den Siriciden sind die Geschlechter häufig verschieden. So ist das Männchen von Sirex juvencus mit Orange gebändert, während das Weibchen dunkel purpurn ist; es ist aber schwierig zu sagen, welches Geschlecht das am meisten geschmückte sei. Bei Tremex columbae ist das Weibchen viel glänzender gefärbt als das Männchen. Wie mir Mr. F. Smith mittheilt, sind unter den Ameisen die Männchen mehrerer Species schwarz, während die Weibchen bräunlich sind.

In der Familie der Bienen, besonders bei den einzeln lebenden Arten sind, wie ich von demselben ausgezeichneten Entomologen gehört habe, die Geschlechter öfters in der Färbung verschieden. Die Männchen sind allgemein die glänzenderen und bei Bombus ebensowohl wie bei Apathus viel variabler in der Färbung als die Weibchen. Bei Anthophora retusa ist das Männchen von einem gesättigten Röthlichbraun, während das Weibchen vollständig schwarz ist: ebenso sind die Weibchen mehrerer Species von Xylocopa schwarz, während die Männchen hellgelb sind. Andererseits sind die Weibchen einiger Species, so bei Andrena fulva, viel heller gefärbt als die Männchen. Derartige Verschiedenheiten der Färbung können kaum dadurch erklärt werden, daß die Männchen vertheidigungslos sind und eines Schutzes bedürfen, während die Weibchen durch ihren Stachel wohl vertheidigt sind. H. Müller,Anwendung der Darwin'schen Lehre auf Bienen, in: Verhandl. d. nat. Vereins d. preuß. Rheinl. 29. Jahrg. 1872. welcher der Lebensweise der Bienen besondere Aufmerksamkeit geschenkt hat, schreibt diese Verschiedenheit der Färbung hauptsächlich geschlechtlicher Zuchtwahl zu. Daß Bienen ein scharfes Beobachtungsvermögen für Farben haben, ist sicher. Er sagt, daß die Männchen eifrig die Weibchen suchen und um ihren Besitz kämpfen; er erklärt es aus derartigen Kämpfen, daß bei gewissen Arten die Mandibeln der Männchen größer sind als die der Weibchen. In manchen Fällen sind die Männchen viel zahlreicher als die Weibchen, entweder zeitig im Jahre oder zu allen Zeiten und an allen Orten, wogegen in anderen Fällen allem Anscheine nach die Weibchen überwiegen. In manchen Arten scheinen die schöneren Männchen von den Weibchen erwählt worden zu sein, und in anderen die schöneren Weibchen von den Männchen. In Folge dessen weichen in gewissen Gattungen (Müller, p. 42) die Männchen mehrerer Arten in ihrer Erscheinung bedeutend von einander ab, während die Weibchen beinahe nicht zu unterscheiden sind; bei anderen Gattungen tritt das Umgekehrte ein. H. Müller glaubt (p. 82), daß die von einem Geschlecht durch sexuelle Zuchtwahl erhaltenen Farben häufig in einem variablen Grade auf das andere Geschlecht übertragen worden sind, gerade so wie der pollensammelnde Apparat des Weibchens oft auf das Männchen übertragen worden ist, für welches er absolut nutzlos ist.Offenbar ohne viel über den Gegenstand nachgedacht zu haben, wirft Mr. Perrier in seinem Artikel »La Sélection sexuelle d'après Darwin« (Revue scientifique, Febr. 1873, p. 868) hier ein, daß die Männchen socialer Bienen, welche sich bekanntermaßen aus nicht befruchteten Eiern entwickeln, neue Charaktere nicht ihren männlichen Nachkommen überliefern können. Dies ist ein außerordentlich seltsamer Einwurf. Eine weibliche Biene, welche von einem Männchen befruchtet wurde, welches gewisse die Vereinigung der Geschlechter erleichternde oder dasselbe für das Weibchen anziehender machende Charaktere darbot, wird Eier legen, aus denen sich nur Weibchen entwickeln, aber diese jungen Weibchen werden nächstes Jahr Männchen hervorbringen; und wird man behaupten mögen, daß solche Männchen Charaktere ihrer Großväter väterlicher Seite nicht erben werden? Um einen so nahe parallelen Fall wie möglich von andern Thieren anzuführen: wenn das Weibchen irgend eines weißen Säugethiers oder Vogels mit dem Männchen einer schwarzen Rasse gekreuzt würde und die männlichen und weiblichen Nachkommen würden mit einander gepaart, wird man behaupten wollen, daß die Enkel nicht eine Neigung zur schwarzen Farbe von ihrem Großvater väterlicher Seite erben? Das Erlangen neuer Eigenthümlichkeiten seitens steriler Arbeiterbienen ist ein viel schwierigerer Fall; ich habe aber in meiner »Entstehung der Arten« zu zeigen versucht, wie diese sterilen Wesen der Thätigkeit der natürlichen Zuchtwahl unterliegen.

Mutilla europaea giebt einen stridulierenden Laut von sich, und der Angabe von GoureauCitiert von Westwood in: Modern Classification of Insects. Vol. II. p. 214. zufolge haben beide Geschlechter diese Fähigkeit. Er schreibt den Laut einer Reibung des dritten und der vorhergehenden Hinterleibssegmente zu, und wie ich sehe, sind die oberen Flächen dieser mit sehr feinen concentrischen Leisten versehen, aber ebenso ist es auch der vorspringende Brustkragen, auf welchen der Kopf eingelenkt ist; und wird dieser Kragen mit einer Nadelspitze gekratzt, so giebt er den eigenthümlichen Laut von sich. Es ist ziemlich überraschend, daß beide Geschlechter diese Fähigkeit, einen Laut hervorzubringen, besitzen, da das Männchen geflügelt und das Weibchen flügellos ist. Es ist notorisch, daß Bienen gewisse Gemüthsbewegungen, z. B. Ärger, durch den Ton ihres Summens ausdrücken; und der Angabe H. Müller's zufolge (p. 80) machen die Männchen mancher Arten ein eigenthümliches singendes Geräusch, wenn sie die Weibchen verfolgen.

 
Ordnung: Coleoptera (Käfer). – Viele Käfer sind so gefärbt, daß sie der Oberfläche der Orte ähnlich sind, welche sie gewöhnlich bewohnen, und dadurch dem entgehen, von ihren Feinden entdeckt zu werden. Andere Species, z. B. die Diamantkäfer, sind mit prächtigen Färbungen geziert, welche häufig in Streifen, Flecken, Kreuzen und andern eleganten Mustern angeordnet sind. Derartige Färbungen können kaum direct als Schutzmittel dienen, ausgenommen in dem Fall einiger von Blüthen lebender Arten; sie können aber zur Warnung oder als Erkennungsmittel dienen, nach demselben Principe wie die Phosphorescenz der Leuchtkäfer. Da bei Käfern die Färbungen der beiden Geschlechter allgemein gleich sind, haben wir keine Belege dafür, daß sie durch geschlechtliche Zuchtwahl erlangt worden sind; dies ist aber wenigstens möglich, denn sie können sich in dem einen Geschlechte entwickelt haben und dann auf das andere übertragen worden sein. Diese Ansicht ist in denjenigen Gruppen, welche andere scharf ausgesprochene secundäre Sexualcharaktere besitzen, selbst in einem gewissen Grade wahrscheinlich. Blinde Käfer, welche selbstverständlich nicht die Schönheit des anderen Geschlechts bewundern können, bieten, wie ich von Mr. Waterhouse jun. höre, niemals glänzende Farben dar, obgleich sie oft polierte Oberflächen haben. Doch kann die Erklärung ihrer düsteren Färbung auch wohl darin liegen, daß blinde Insecten Höhlen und andere dunkle Örtlichkeiten bewohnen.

Einige Longicornier, besonders gewisse Prioniden, bieten indeß eine Ausnahme von der gewöhnlichen Regel dar, daß die Geschlechter der Käfer in der Färbung nicht von einander verschieden sind. Die meisten dieser Insecten sind groß und glänzend gefärbt. Die Männchen der Gattung PyrodesPyrodes pulcherrimus, bei welcher Art die Geschlechter auffallend von einander verschieden sind, ist von Mr. Bates in den Transact. Entomolog. Soc. 1869, p. 50, beschrieben worden. Ich will hier noch die wenigen anderen Fälle anführen, in denen ich eine Verschiedenheit der Farbe zwischen den beiden Geschlechtern bei Käfern habe erwähnen hören. Kirby und Spence führen (Introduction to Entomology. Vol. III, p. 301) eine Cantharis, Meloë, ein Rhagium und die Leptura testacea an; das Männchen der letzteren ist bräunlich mit einem schwarzen Thorax, das Weibchen durchaus schmutzig roth. Diese beiden letzten Käfer gehören zur Ordnung der Longicornia. Die Herren R. Trimen und Waterhouse jun. nennen mir zwei Lamellicornier, nämlich eine Peritrichia und einen Trichius; das Männchen des letzteren ist dunkler gefärbt als das Weibchen. Bei Tillus elongatus ist das Männchen schwarz, das Weibchen dagegen, wie angenommen wird, immer dunkelblau gefärbt mit einem rothen Thorax. Wie ich von Mr. Walsh höre, ist auch das Männchen von Orsodacna atra schwarz, während das Weibchen (die sogenannte O. ruficollis) einen röthlich-braunen Thorax hat. sind, wie ich in Mr. Bates' Sammlung sah, gewöhnlich röther, aber etwas matter als die Weibchen, welche letztere von einer mehr oder weniger glänzenden goldgrünen Färbung sind. Andererseits ist bei einer Species das Männchen goldgrün, während das Weibchen reich mit Roth und Purpur gefärbt ist. In der Gattung Esmeralda weichen die Geschlechter in der Färbung so bedeutend von einander ab, daß sie als verschiedene Arten aufgeführt worden sind; bei einer Species sind Beide von einem schönen glänzenden Grün, aber das Männchen hat einen rothen Thorax. Im Ganzen sind, soweit ich es beurtheilen kann, die Weibchen derjenigen Prioniden, bei denen die Geschlechter verschieden sind, reicher gefärbt als die Männchen, und dies stimmt nicht mit der gewöhnlichen Regel in Bezug auf die Färbung überein, sobald diese durch geschlechtliche Zuchtwahl erlangt worden ist.

Eine äußerst merkwürdige Verschiedenheit zwischen den Geschlechtern vieler Käfer bieten die großen Hörner dar, welche vom Kopfe, dem Thorax oder dem Schildchen der Männchen entspringen; in einigen wenigen Fällen gehen dieselben von der unteren Fläche des Körpers aus. In der großen Familie der Lamellicornia sind diese Hörner denen verschiedener Säugethiere ähnlich, wie der Hirsche, Rhinocerose u. s. w., und sind sowohl ihrer Größe, als ihrer verschiedenartigen Formen wegen wunderbar. Statt sie zu beschreiben, habe ich Abbildungen der Männchen und Weibchen von einigen der merkwürdigeren Formen gegeben (Fig. 16-20). Die Weibchen bieten allgemein Rudimente der Hörner in der Form kleiner Höcker oder Leisten dar, aber einigen fehlt selbst jedes Rudiment davon. Andererseits sind bei den Weibchen von Phanaeus lancifer die Hörner nahezu so gut entwickelt wie beim Männchen und bei den Weibchen einiger anderer Species der nämlichen Gattung und der Gattung Copris nur unbedeutend weniger entwickelt. Wie mir Mr. Bates mitgetheilt hat, laufen die Verschiedenheiten in der Structur der Hörner nicht mit den bedeutenderen und charakteristischen Verschiedenheiten zwischen den verschiedenen Unterabtheilungen der Familie parallel. So giebt es innerhalb einer und derselben Section der Gattung Onthophagus Species, welche entweder ein einziges am Kopfe stehendes Horn haben, oder zwei verschiedene Hörner.

Fig. 16. Chalcosoma atlas. Obere Figur das Männchen (verkleinert); untere Figur das Weibchen (natürliche Größe).

Fig. 17. Copris isidis. (Die Figuren links sind die Männchen.)

Fig. 18. Phanaeus faunus.

Fig. 19. Dipelicus cantori.

Fig. 20. Onthophagus rangifer (vergrößert).

In beinahe allen Fällen sind die Hörner wegen excessiver Variabilität merkwürdig, so daß eine gradweise angeordnete Reihe sich bilden läßt von den am höchsten entwickelten zu anderen so entarteten Männchen, daß sie kaum von den Weibchen unterschieden werden können. Mr. WalshProceed. Entomolog. Soc. of Philadelphia. 1864, p. 228. fand, daß bei Phanaeus carnifex die Hörner bei einigen Männchen dreimal so lang waren wie bei anderen. Nachdem Mr. Bates über hundert Männchen von Onthophagus rangifer (Fig. 20) untersucht hatte, glaubte er, daß er endlich eine Species entdeckt habe, bei welcher die Hörner nicht variierten; und doch erwies eine noch weitere Untersuchung das Gegentheil.

Die außerordentliche Größe der Hörner und ihre sehr verschiedene Bildung bei nahe verwandten Formen deutet darauf hin, daß sie zu irgend einem wichtigen Zwecke gebildet worden sind; aber ihre außerordentliche Veränderlichkeit bei den Männchen einer und derselben Species führt wieder zu dem Schlusse, daß dieser Zweck nicht von einer ganz bestimmten Natur sein kann. Die Hörner bieten kein Zeichen von Abreibung dar, als wenn sie zu irgend einer gewöhnlichen Arbeit benutzt würden. Einige Schriftsteller vermuthen,Kirby and Spence, Introduction to Entomology. Vol. III, p. 300. daß die Männchen, weil sie viel mehr herumwandern als die Weibchen, der Hörner als Vertheidigungsmittel gegen ihre Feinde bedürfen; aber in vielen Fällen scheinen die Hörner nicht gut zur Vertheidigung angepaßt zu sein, da sie nicht scharf sind. Die am meisten in die Augen springende Vermuthung ist die, daß sie von den Männchen in ihren gegenseitigen Kämpfen benutzt werden. Aber man hat niemals beobachtet, daß sie miteinander kämpfen; auch konnte Mr. Bates nach einer sorgfältigen Untersuchung zahlreicher Arten keine hinreichenden Belege in dem verstümmelten oder zerbrochenen Zustande der Hörner dafür finden, daß sie zu diesem Zwecke benutzt worden wären. Wenn die Männchen die Gewohnheit gehabt hätten, mit einander zu kämpfen, so würde wahrscheinlich die Größe der Thiere selbst durch natürliche Zuchtwahl vermehrt worden sein, so daß sie die der Weibchen überträfen. Mr. Bates hat aber die beiden Geschlechter in über hundert Species von Copriden mit einander verglichen und findet bei gut entwickelten Individuen keine ausgesprochene Verschiedenheit in dieser Beziehung. Überdies giebt es einen zu der nämlichen großen Abtheilung der Lamellicornier gehörigen Käfer, nämlich Lethrus, dessen Männchen, wie man weiß, mit einander kämpfen; doch sind diese nicht mit Hörnern versehen, wenn auch ihre Mandibeln viel größer sind als die der Weibchen.

Die Schlußfolgerung, welche am besten mit der Thatsache übereinstimmt, daß die Hörner so immens und doch nicht in einer feststehenden Weise entwickelt worden sind, – wie sich durch ihre außerordentliche Variabilität in einer und derselben Species und durch ihre außerordentliche Verschiedenartigkeit in nahe verwandten Species zeigt, – ist die, daß sie zur Zierde erlangt worden sind. Diese Ansicht wird auf den ersten Blick äußerst unwahrscheinlich erscheinen; wir werden aber später bei vielen Thieren, welche in der Stufenleiter viel höher stehen, nämlich bei Fischen, Amphibien, Reptilien und Vögeln finden, daß verschiedene Arten von Leisten, Höckern, Hörnern und Kämmen allem Anscheine nach nur für diesen einen Zweck entwickelt worden sind.

Die Männchen von Onitis furcifer (Fig. 21) und einigen andern Arten der Gattung sind mit eigentümlichen Vorsprüngen an den Oberschenkeln der Vorderbeine und mit einer großen Gabel oder einem Paar Hörnern an der unteren Fläche des Thorax versehen. Nach andern Insecten zu urtheilen, dürften dieselben das Männchen darin unterstützen, sich am Weibchen festzuhalten. Obgleich die Männchen auch nicht eine Spur von Hörnern an der oberen Fläche ihres Körpers darbieten, so ist doch bei den Weibchen ein Rudiment eines einfachen Horns auf dem Kopf (Fig. 22 a) und einer Leiste (b) am Thorax deutlich sichtbar. Daß die unbedeutende Thoraxleiste beim Weibchen ein Rudiment eines dem Männchen eigenthümlichen Vorsprungs ist, welcher freilich bei dem Männchen dieser besonderen Species vollständig fehlt, ist klar. Denn das Weibchen von Bubas bison, einer Onitis sehr nahe verwandten Form, hat eine ähnliche geringe Leiste am Thorax und das Männchen hat an derselben Stelle einen großen Vorsprung. So kann ferner darüber kein Zweifel sein, daß der kleine Höcker (a) am Kopfe des weiblichen Onitis furcifer, ebenso wie bei den Weibchen zweier oder dreier verwandter Species, ein rudimentärer Repräsentent des am Kopfe stehenden Horns ist, welches den Männchen so vieler lamellicorner Käfer wie z. B. Phanaeus (Fig. 18), häufig zukommt.

Fig. 21 Onitis furficer Männchen, von unten gesehen

Fig. 22. Linke Figur: das Männchen von Onitis furcifer, von der rechten Seite gesehen; die rechte Figur: das Weibchen. – a Rudiment des Horns am Kopfe; b Spur des Horns oder der Leiste am Thorax.

In diesem Falle bewährte sich der alte Glaube, daß Rudimente nur erschaffen worden seien, um das Schema der Natur zu vervollständigen, in einem Grade nicht, daß der gewöhnliche Zustand der Dinge in dieser Familie geradezu vollständig durchbrochen wird. Vernünftigerweise können wir vermuthen, daß die Männchen ursprünglich Hörner trugen und sie in einem rudimentären Zustande auf die Weibchen überlieferten, wie bei so vielen andern Lamellicorniern. Warum die Männchen später die Hörner verloren haben, wissen wir nicht; dies kann aber durch das Princip der Compensation verursacht worden sein, in Folge der Entwicklung der großen Hörner und Vorsprünge an der unteren Fläche; und da diese auf die Männchen beschränkt sind, werden hiernach die Rudimente der oberen Hörner bei den Weibchen nicht zum Verschwinden gebracht worden sein.

Die bisher mitgetheilten Fälle beziehen sich auf die Lamellicornier; aber die Männchen einiger weniger anderen Käfer, welche zu zwei sehr von einander verschiedenen Gruppen gehören, nämlich den Curculioniden und Staphyliniden, sind mit Hörnern versehen, – bei den ersteren an der unteren Fläche des Körpers,Kirby and Spence, Introduction to Entomology. Vol. III, p. 329. bei den letzteren an der oberen Fläche des Kopfes und Thorax. Bei den Staphyliniden sind die Hörner der Männchen einer und der nämlichen Species außerordentlich variabel, genau so wie wir es bei den Lamellicorniern gesehen haben. Bei Siagonium haben wir einen Fall von Dimorphismus; denn die Männchen können in zwei Gruppen getheilt werden, welche bedeutend in der Größe ihrer Körper und in der Entwicklung ihrer Hörner von einander abweichen ohne irgendwelche zwischenliegende Stufe. Bei einer Species von Bledius (Fig. 23), welche gleichfalls zu den Staphyliniden gehört, können an der nämlichen Örtlichkeit männliche Exemplare gefunden werden, wie Professor Westwood angiebt, »bei welchen das centrale Horn des Thorax sehr groß ist, während die Hörner des Kopfes ziemlich rudimentär sind, und andere, bei denen die Hörner des Thorax viel kürzer sind, während die Vorsprünge am Kopfe lang sind«.Modern Classification of Insects. Vol. I, p. 172. Auf derselben Seite wird auch Siagonium geschildert. Im British Museum bemerkte ich ein männliches Exemplar von Siagonium, welches einen intermediären Zustand darbot, so daß der Dimorphismus nicht streng durchgeführt ist. Hier haben wir daher dem Anscheine nach ein Beispiel von Compensation, welches auf den eben mitgetheilten Fall von einem Verluste der oberen Hörner bei den Männchen von Onitis Licht wirft.

Fig. 23. Bledius taurus, vergrößert. Figur links: das Männchen; Figur rechts: das Weibchen.

 
Gesetz des Kampfes. – Einige männliche Käfer, welche zum Kampfe nur schlecht ausgerüstet zu sein scheinen, treten doch mit andern in einen Streit um den Besitz der Weibchen ein. Mr. WallaceThe Malay Archipelago. Vol. II. 1869, p. 276. Riley, Sixth Report on Insects of Missouri. 1874, p. 115. sah zwei Männchen von Leptorhynchus angustatus, einem schmalen, langen Käfer mit einem sehr verlängerten Rostrum, »die um ein Weibchen kämpften, welches dicht dabei emsig mit Bohren beschäftigt war. Sie stießen einander mit ihren Rüsseln, kratzten und schlugen sich offenbar in der größten Wuth. Das kleinere indessen rannte bald davon und gab sich dadurch als besiegt zu erkennen«. In einigen wenigen Fällen sind die Männchen gut zum Kämpfen ausgerüstet, und zwar durch den Besitz großer, gezähnter Mandibeln, welche viel größer als die der Weibchen sind. Dies ist bei dem gemeinen Hirschkäfer (Lucanus cervus) der Fall, dessen Männchen ungefähr eine Woche früher als die Weibchen aus der Puppe ausschlüpfen, so daß häufig mehrere Männchen zu sehen sind, welche ein und dasselbe Weibchen verfolgen. Um diese Zeit ereignen sich heftige Kämpfe zwischen ihnen. Als Mr. A. H. DavisEntomological Magazine. Vol. I. 1833, p. 82. s. auch in Bezug auf die Kämpfe dieser Species: Kirby and Spence, Introduction etc. Vol. III, p. 314, und Westwood, Modern Classification etc. Vol. I, p. 187. zwei Männchen mit einem Weibchen in einer Schachtel einschloß, knipp das größere Männchen das kleinere so lange und so heftig, bis dieses seine Ansprüche aufgab. Ein Freund erzählte mir, daß er als Knabe oft die Männchen zusammengebracht, um sie kämpfen zu sehen, und dabei bemerkt habe, daß sie viel kühner und wüthender gewesen seien als die Weibchen, wie es ja auch bei den höheren Thieren bekanntlich der Fall ist. Die Männchen ergriffen seinen Finger, wenn er vor sie gehalten wurde, aber nicht so die Weibchen, obgleich sie stärkere Kiefer haben. Bei vielen der Lucaniden, ebenso wie bei dem vorhin erwähnten Leptorhynchus sind die Männchen größere und kräftigere Insecten als die Weibchen. Die beiden Geschlechter von Lethrus cephalotes (einem der Lamellicornier) bewohnen eine und dieselbe Höhle, und das Männchen hat größere Mandibeln als das Weibchen. Wenn ein fremdes Männchen während der Brunstzeit in die Höhle einzudringen versucht, so wird es angegriffen. Das Weibchen bleibt dabei nicht passiv, sondern schließt die Öffnung der Höhle und feuert sein Männchen dadurch an, daß es dasselbe beständig von hinten hervortreibt. Die ganze Handlung hört nicht eher auf, als bis der Angreifer getödtet ist oder davonläuft.Citiert von Fischer in: Dictionnaire class. d'Hist. Nat. Tom. X, p. 324. Die beiden Geschlechter eines andern lamellicornen Käfers, des Ateuchus cicatricosus, leben paarweise und scheinen sehr an einander zu hängen. Das Männchen treibt das Weibchen dazu an, die Kothballen zu rollen, in denen die Eier abgelegt werden, und wenn das Weibchen entfernt wird, wird das Männchen sehr beunruhigt; wird dagegen das Männchen entfernt, so hört das Weibchen völlig auf zu arbeiten und würde, wie Mr. BrulerieAnnales Soc. Entomol. de France, 1866, citiert in: Journal of Travel by A. Murray. 1868, p. 135. glaubt, auf ein und derselben Stelle bleiben, bis es stürbe.

Die großen Mandibeln der männlichen Lucaniden sind in außerordentlichem Grade sowohl der Größe als der Structur nach variabel und sind in dieser Beziehung den Hörnern am Kopfe und Thorax vieler männlichen Lamellicornier und Staphyliniden ähnlich. Man kann von den bestausgerüsteten bis zu den schlechtest bedachten oder degenerierten Männchen eine vollkommene Reihe darstellen. Obgleich die Mandibeln des gemeinen Hirschkäfers und wahrscheinlich auch vieler anderen Species als wirksame Waffen im Kampfe benutzt werden, so ist es doch zweifelhaft, ob ihre bedeutende Größe hierdurch erklärt werden kann. Wir haben gesehen, daß bei dem Lucanus elaphus von Nord-Amerika dieselben zum Ergreifen des Weibchens benutzt werden. Da sie so auffallend und elegant verzweigt und in Folge ihrer großen Länge zum Kneipen nicht wohl geschickt sind, so ist mir zuweilen die Vermuthung durch den Kopf gegangen, daß sie den Männchen gleichfalls als Zierathen dienstbar seien, in derselben Weise wie die Hörner am Kopfe und Thorax der verschiedenen oben beschriebenen Species. Der männliche Chiasognathus Grantii von Süd-Chile, ein prachtvoller, zu derselben Familie gehöriger Käfer, hat enorm entwickelte Mandibeln (Fig. 24) und ist kühn und kampfsüchtig. Wird er von irgend einer Seite her bedroht, so dreht er sich herum, öffnet seine großen Kiefern und beginnt zu derselben Zeit ein lautes stridulierendes Geräusch zu machen. Seine Mandibeln waren aber nicht kräftig genug, meinen Finger so zu kneipen, daß ich einen wirklichen Schmerz empfunden hätte.

Fig. 24 Chiasognathus Grantii, verkleinert. Obere Figur das Männchen, untere Figur das Weibchen.

Geschlechtliche Zuchtwahl, welche den Besitz eines beträchtlichen Wahrnehmungsvermögens und starker leidenschaftlicher Empfindungen voraussetzt, scheint bei den Lamellicorniern eine größere Wirksamkeit entfaltet zu haben als bei irgend einer andern Familie der Coleoptern oder Käfer. Bei einigen Species sind die Männchen mit Waffen zum Kampfe ausgerüstet; einige leben in Paaren und zeigen gegenseitige Anhänglichkeit; viele haben das Vermögen, Laute von sich zu geben, wenn sie erregt werden; viele sind mit den außerordentlichsten Hörnern versehen, offenbar des Schmucks wegen. Einige ihrer Lebensweise nach als Tagformen zu bezeichnende sind prächtig gefärbt; und endlich gehören mehrere der größten Käfer in der Welt zu dieser Familie, welche von Linné und Fabricius an die Spitze der ganzen Ordnung der Coleoptern gestellt wurde.Westwood, Modern Classification of Insects. Vol. I, p. 184.

 
Stridulationsorgane. – Käfer, welche zu vielen und sehr von einander verschiedenen Familien gehören, besitzen derartige Organe. Der Laut kann zuweilen in der Entfernung von mehreren Fuß oder selbst YardsWollaston, On certain musical Curculionidae, in: Annals and Magaz. of Natur. Hist. Vol. VI. 1860, p. 14. gehört werden, ist aber nicht mit dem von den Orthoptern hervorgebrachten zu vergleichen. Der Theil, welchen man die Raspel nennen könnte, besteht allgemein aus einer schmalen, leicht erhobenen Fläche, welche von sehr feinen parallelen Rippen gekreuzt wird, die zuweilen so fein sind, daß sie iridescierende Farben hervorbringen und unter dem Mikroskope eine sehr elegante Erscheinung darbieten. In manchen Fällen, z. B. bei Typhoeus, kann deutlich gesehen werden, daß äußerst kleine borstige, schuppenartige Vorsprünge, welche die ganze umgebende Fläche in annähernd parallelen Linien bedecken, in die Rippen der Raspel übergehen. Der Übergang findet so statt, daß die Linien gerade zusammenfließen und sich gleichzeitig vorwölben und weich werden. Eine harte Leiste an irgend einem benachbarten Theile des Körpers, welcher indeß in einigen Fällen speciell für diesen Zweck modificiert ist, dient als Kratzer für die Raspel. Dieser Kratzer wird schnell quer über die Raspel bewegt oder auch umgekehrt die Raspel quer über den Kratzer.

Fig. 25. Necrophorus (nach Landois).
r die beiden Reibzeuge oder Raspeln. Linke Figur: ein Theil der Raspel stark vergrößert.

Diese Organe sind an sehr verschiedenen Stellen des Körpers angebracht. Beim Todtengräber (Necrophorus) finden sich zwei parallele Raspeln (r Fig. 25) an der dorsalen Oberfläche des fünften Abdominalsegments, wobei jede Raspel oder jedes Reibzeug aus 126 bis 140 feinen Rippen besteht.Landois in: Zeitschrift für wiss. Zool. Bd. XVII. 1867, p. 127. Diese Rippen werden gegen die hinteren Ränder der Flügeldecken gerieben, von denen ein kleines Stück über die allgemeinen Contouren vorspringt. Bei vielen Crioceriden und bei Clythra quadripunctata (einer der Chrysomeliden) und bei einigen Tenebrioniden etc.Ich bin Mr. G. R. Crotch sehr dafür verbunden, daß er mir zahlreiche Präparate von verschiedenen Käfern dieser drei sowohl als anderer Familien, ebenso wie werthvolle Information aller Art mitgetheilt hat. Er glaubt, daß das Stridulationsvermögen bei Clythra früher noch nicht beobachtet worden ist. Auch Mr. E. W. Janson bin ich für Mittheilungen und für Präparate Dank schuldig. Ich will hinzufügen, daß mein Sohn, Mr. F. Darwin, gefunden hat, daß Dermestes murinus striduliert; er hat aber vergebens nach dem betreffenden Apparate gesucht. Neuerdings ist auch Scolytus von Dr. Chapman als ein schrillender Käfer beschrieben worden in: Entomologist's Monthly Magazine. Vol. VI, p. 130. liegt das Reibzeug auf der dorsalen Spitzenfläche des Abdomen, auf dem Pygidium oder Propygidium, und wird wie in dem obigen Falle von den Flügeldecken gerieben. Bei Heterocerus, welcher zu einer andern Familie gehört, liegen die Reibzeuge an den Seiten des ersten Abdominalsegments und werden von Leisten an den Oberschenkeln gerieben.Schiödte, übersetzt in: Annals and Magaz. of Natur. Hist. Vol. XX. 1867; p. 37. Bei gewissen Curculioniden und CarabidenWestring hat in Kröyer's Naturhistor. Tidskrift, Bd. II, 1848-49, p. 334, die Stridulationsorgane sowohl von diesen beiden als auch von andern Familien beschrieben. Unter den Carabiden habe ich Elaphrus uliginosus und Blethisa multipunctata, die mir Mr. Crotch übersandt hatte, untersucht. Bei Blethisa kommen die queren Leisten an dem gefurchten Rande des Abdominalsegments, soviel ich es beurtheilen kann, nicht mit beim Kratzen der Reibzeuge auf den Flügeldecken in's Spiel. sind die betreffenden Theile in Bezug auf ihre Stellung gerade umgekehrt; denn das Reibzeug liegt hier an der unteren Fläche der Flügeldecken in der Nähe ihrer Spitzen oder ihren äußeren Rändern entlang und die Kanten der Abdominalsegmente dienen als Reiber. Bei Pelobius Hermanni (einem der Dytisciden oder Wasserkäfer) läuft eine starke Leiste parallel und nahe dem Nahtrande der Flügeldecken und wird von Rippen gekreuzt, die in dem mittleren Theile grob, aber nach den beiden Enden hin und besonders nach dem oberen Ende zu allmählich immer feiner werden. Wird dieses Insect unter Wasser oder in der Luft festgehalten, so wird ein stridulierendes Geräusch durch Reiben des äußersten hornigen Randes des Abdomen gegen das Reibzeug hervorgebracht. Bei einer großen Anzahl von longicornen Käfern liegen die Organe wieder durchaus verschieden. Das Reibzeug findet sich hier am Mesothorax, welcher gegen den Prothorax gerieben wird. Landois zählte 238 sehr feine Rippen an dem Reibzeuge von Cerambyx heros.

Viele Lamellicornier haben das Vermögen, Laute hervorzubringen. Die betreffenden Organe weichen in Bezug auf ihre Lage sehr von einander ab. Einige Species stridulieren sehr laut, so daß, als Mr. F. Smith einen Trox sabulosus gefangen hatte, ein dabei stehender Wildwart glaubte, er habe eine Maus gefangen. Ich bin aber nicht im Stande gewesen, die betreffenden Organe bei diesem Käfer nachzuweisen. Bei Geotrupes und Typhoeus läuft eine schmale Leiste schräg (r Fig. 26) über die Coxa jedes Hinterbeins (und hat bei G. stercorarius vierundachtzig Rippen), welche von einem speciell hierzu vorspringenden Theile eines der Abdominalsegmente gerieben wird. Bei dem nahe verwandten Copris lunaris läuft eine außerordentlich schmale feine Raspel dem Nahtrande der Flügeldecken entlang mit einer anderen kurzen Raspel nahe dem basalen Außenrande. Aber bei einigen anderen Coprinen liegt der Angabe von LeconteMr. Walsh, von Illinois, ist so gut gewesen, mir Auszüge von Leconte's Introduction to Entomology, p. 101, 143, zu schicken, wofür ich ihm sehr verbunden bin. zufolge das Reibzeug auf der dorsalen Oberfläche des Abdomen. Bei Orydes ist es auf dem Propygidium gelegen und der Angabe desselben Entomologen zufolge bei einige anderen Dynastinen an der unteren Fläche der Flügeldecken. Endlich giebt Westring an, daß bei Omaloplia brunnea das Reibzeug an dem Prosternum, der Reiber an dem Metasternum gelegen sei. Hier nehmen also diese Theile die untere Fläche des Körpers ein, statt wie bei den Longicorniern auf der oberen Fläche gelegen zu sein.

Fig. 26. Hinterbein von Geotrupes stercorarius (nach Landois). r Reibzeug; c Coxa; f Femur; t Tibia; tr Tarsi.

Wir sehen hieraus, daß die Stridulationsorgane in den verschiedenen Familien der Coleoptern der Lage nach wunderbar verschiedenartig sind, aber nicht so bedeutend der Structur nach. Innerhalb einer und derselben Familien sind einige Species mit diesen Organen versehen und einigen fehlen dieselben vollständig. Diese Verschiedenartigkeit wird verständlich, wenn wir annehmen, daß ursprünglich verschiedene Species ein reibendes oder zischendes Geräusch durch das Aufeinanderreiben der harten und rauhen Theile ihrer Körper, die zufällig mit einander in Berührung waren, hervorbrachten, und daß in Folge des Umstandes, daß der hierdurch hervorgebrachte Laut in irgendwelcher Weise nützlich war, die rauhen Stellen allmählich zu regelmäßigen Stridulationsorganen entwickelt wurden. Einige Käfer bringen, wenn sie sich bewegen, entweder absichtlich oder unabsichtlich jetzt ein reibendes Geräusch hervor, ohne irgend besondere Organe zu diesem Zwecke zu besitzen. Mr. Wallace theilt mir mit, daß der Euchirus longimanus (ein Lamellicornier, dessen Vorderbeine beim Männchen wunderbar verlängert sind) »während er sich bewegt, ein leises, zischendes Geräusch durch das Vorstrecken und das Nachziehen des Abdomen hervorbringt, und wenn er ergriffen wird, bringt er ein kratzendes Geräusch hervor dadurch, daß er seine Hinterbeine gegen die Kanten der Flügeldecken reibt.« Das zischende Geräusch wird ganz offenbar hervorgebracht durch ein schmales, feilenartiges Reibzeug, welches dem Nahtrande jeder Flügeldecke entlang läuft; und ich konnte in gleicher Weise das kratzende Geräusch hervorbringen, als ich die chagrinierte Oberfläche des Oberschenkels gegen den granulierten Rand der entsprechenden Flügeldecke rieb. Ich konnte aber hier kein eigentlich feilenartiges Reibzeug entdecken, auch ist es nicht wahrscheinlich, daß ich dasselbe bei einem Insect von dieser Größe übersehen haben sollte. Nach den Untersuchungen von Cychrus und nach dem, was Westring in seinen zwei Abhandlungen über diesen Käfer geschrieben hat, scheint es sehr zweifelhaft, ob derselbe irgend ein echtes Reibzeug besitzt, trotzdem er das Vermögen hat, einen Laut hervorzubringen.

Nach der Analogie mit den Orthoptern und Homoptern erwartete ich auch bei den Coleoptern zu finden, daß die Stridulationsorgane je nach dem Geschlecht verschieden seien. Doch hat Landois, welcher mehrere Species sorgfältig untersucht hat, keine solche Verschiedenheit gefunden, ebensowenig Westring und Mr. G. R. Crotch, welcher letztere die Freundlichkeit gehabt hat, zahlreiche Präparate zu machen, die er mir zur Untersuchung mitgetheilt hat. Es würde indessen schwer sein, irgendwelche unbedeutende geschlechtliche Verschiedenheit hier nachzuweisen, wegen der großen Variabilität dieser Organe. So war bei dem ersten Paare von Necrophorus humator und von Pelobius, welches ich untersuchte, das Reibzeug beim Männchen beträchtlich größer als beim Weibchen; bei später untersuchten Exemplaren war dies aber nicht der Fall. Bei Geotrupes stercorarius schien mir das Reibzeug bei drei Männchen dicker, opaker und vorspringender zu sein als bei derselben Zahl von Weibchen. In Folge dessen sammelte mein Sohn, Mr. F. Darwin, um nachzuweisen; ob die Geschlechter in ihrem Stridulationsvermögen von einander abweichen, siebenundfünfzig Exemplare, welche er in zwei Gruppen theilte, je nachdem sie in derselben Art und Weise gehalten ein größeres oder unbedeutenderes Geräusch machten. Er untersuchte dann ihr Geschlecht, fand aber, daß die Männchen in beiden Gruppen sich sehr nahe in demselben Verhältnisse zu den Weibchen befanden. Mr. F. Smith hat zahlreiche Exemplare von Mononychus pseudacori (ein Curculionide) lebendig gehalten und ist überzeugt, daß beide Geschlechter Laute hervorbringen, und zwar dem Anscheine nach in gleichem Grade.

Nichtsdestoweniger ist das Stridulationsvermögen sicher bei einigen wenigen Coleoptern ein sexueller Charakter. Mr. Crotch hat die Entdeckung gemacht, daß nur die Männchen zweier Species von Heliopathes (Tenebrionidae) Stridulationsorgane besitzen. Ich untersuchte fünf Männchen von Heliopathes gibbus und bei allen diesen fand sich ein wohlentwickeltes Reibzeug, zum Theil in zwei getheilt, an der dorsalen Fläche des terminalen Abdominalsegments, während in derselben Anzahl von Weibchen auch nicht ein Rudiment des Reibzeugs zu finden, die häutige Bedeckung des Segments im Gegentheil durchscheinend und viel dünner als beim Männchen war. Bei H. cribratostriatus besitzt das Männchen ein ähnliches Reibzeug, ausgenommen, daß es nicht theilweise in zwei Abtheilungen getrennt ist; und dem Weibchen fehlt dieses Organ vollständig. Aber außerdem hat das Männchen noch an den Spitzenrändern der Flügeldecken auf jeder Seite der Naht drei oder vier kurze Längsleisten, welche von äußerst feinen Rippen gekreuzt werden, die parallel mit den auf dem abdominalen Reibzeug und diesem ähnlich sind. Ob diese Leisten als ein selbständiges Reibzeug oder als ein Reiber für das Abdominalreibzeug dienen, konnte ich nicht nachweisen. Das Weibchen bietet nicht die Spur von dieser letzteren Bildung dar.

Wir haben ferner bei drei Species des lamellicornen Genus Oryctes einen nahezu parallelen Fall. Bei dem Weibchen des O. gryphus und nasicornis sind die Rippen auf den Reibzeugen des Propygidiums weniger continuierlich und weniger deutlich als beim Männchen. Die hauptsächlichste Verschiedenheit liegt aber darin, daß die ganze Oberfläche dieses Segments, wenn sie in dem gehörigen Lichte gehalten wird, dicht mit Haaren bekleidet erscheint, welche bei den Männchen fehlen oder durch außerordentlich feinen Flaum dargestellt werden. Es muß bemerkt werden, daß bei allen Coleoptern der wirksame Theil des Reibzeugs von Haaren entblößt ist. Bei O. senegalensis ist die Verschiedenheit zwischen den Geschlechtern schärfer markiert, und dies ist am besten zu sehen, wenn das betreffende Segment gereinigt und als durchscheinendes Object betrachtet wird. Beim Weibchen ist die ganze Oberfläche mit kleinen separaten Leisten bedeckt, welche Dornen tragen, während beim Männchen diese Leisten, je weiter sie nach der Spitze zu sich finden, immer mehr und mehr zusammenfließen, regelmäßig und nackt werden, so daß drei Viertel des Segments mit äußerst feinen parallelen Rippen bedeckt werden, welche beim Weibchen vollständig fehlen. Man kann indessen bei den Weibchen aller drei Species von Oryctes, wenn das Abdomen eines aufgeweichten Exemplars vorwärts und rückwärts gezogen wird, einen leichten kratzenden oder stridulierenden Laut hervorbringen,

Was Heliopathes und Oryctes betrifft, so läßt sich kaum daran zweifeln, daß die Männchen den stridulierenden Laut hervorbringen, um die Weibchen zu rufen oder zu reizen; aber bei den meisten Käfern dient dem Anscheine nach die Stridulation beiden Geschlechtern als gegenseitiger Lockruf. Käfer stridulieren bei verschiedenen Erregungen in derselben Art, wie Vögel ihre Stimme zu verschiedenen Zwecken benutzen, außer dem an ihre Genossen gerichteten Gesange. Der große Chiasognathus striduliert aus Ärger oder zur Herausforderung; viele Species thun dasselbe in der Angst oder Furcht, wenn sie so gehalten werden, daß sie nicht entschlüpfen können. Die Herren Wollaston und Crotch waren im Stande, durch Klopfen an die hohlen Baumstämme auf den Canarischen Inseln die Gegenwart von Käfern, die zur Gattung Acalles gehören, durch ihre Stridulation zu entdecken. Endlich bringt der männliche Ateuchus seinen Laut hervor, um das Weibchen in seiner Arbeit zu ermuthigen, und aus Unruhe, wenn dasselbe entfernt wird.M. P. de la Brulerie, citiert in: Journal of Travel by A. Murray. Vol. I. 1868, p. 135. Einige Naturforscher glauben, daß die Käfer diesen Laut hervorbringen, um ihre Feinde damit fortzuschrecken; ich kann aber nicht glauben, daß ein Vierfüßer oder Vogel, welcher im Stande ist, einen großen Käfer zu verschlingen, durch ein so unbedeutendes Geräusch weggeschreckt werden könne. Die Annahme, daß die Stridulation als ein geschlechtlicher Lockruf dient, wird durch die Thatsache unterstützt, daß die Individuen der Todtenuhr, Anobium tesselatum, bekanntlich das Klopfen unter einander beantworten, oder, wie ich selbst beobachtet habe, selbst auf ein künstlich gemachtes klopfendes Geräusch antworten. Mr. Doubleday theilt mir auch mit, daß er zwei oder drei Mal beobachtet habe, wie ein Weibchen klopfte,Mr. Doubleday theilt mir mit, daß »das Geräusch von dem Insect dadurch hervorgebracht wird, daß es sich so hoch auf seinen Beinen erhebt, als es nur kann, und dann seinen Thorax fünf- oder sechsmal in rapider Aufeinanderfolge gegen die Unterlage aufstößt, auf welcher es sitzt«. Wegen Nachweisungen über diesen Gegenstand s. Landois in: Zeitschrift für wissenschaftliche Zoologie. Bd. XVII, p. 131. Olivier sagt (nach dem Citat bei Kirby and Spence, Introduction etc. Vol. II, p. 395), daß das Weibchen von Pimelia striata einen ziemlich lauten Ton hervorbringt durch das Aufschlagen ihres Abdomen gegen irgend eine harte Substanz »und daß das Männchen, dieses Rufes gewärtig, ihr bald aufwartet und sie sich paaren«., und im Verlaufe von einer oder zwei Stunden fand er es mit einem Männchen vereint und bei einer Gelegenheit sogar von mehreren Männchen umgeben. Endlich erscheint es wahrscheinlich, daß die beiden Geschlechter vieler Arten von Käfern zunächst in den Stand gesetzt wurden, durch das unbedeutende reibende Geräusch, welches durch das Reiben der benachbarten Theile ihres harten Körpers auf einander hervorgerufen wurde, einander zu finden, und daß in dem Maße wie die Männchen oder die Weibchen, welche das stärkste Geräusch machten, den besten Erfolg beim Finden von Genossen hatten, die Rauhigkeit an verschiedenen Theilen ihrer Körper allmählich durch geschlechtliche Zuchtwahl zu echten Stridulationsorganen entwickelt wurde.

 


 

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