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Die Abenteuer des Brigadiers Gerard. Erster Band

Arthur Conan Doyle: Die Abenteuer des Brigadiers Gerard. Erster Band - Kapitel 5
Quellenangabe
typefiction
authorArthur Conan Doyle
titleDie Abenteuer des Brigadiers Gerard. Erster Band
publisherVerlag von Robert Lutz
printrunVierte Auflage
editoro.J.
year
translatorR. Lautenbach u. Luise Schroeter
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20160605
projectideb76d301
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Wie der Brigadier an einer Fuchsjagd teilnahm.

Unter all den gewaltigen französischen Heeresmassen gab es nur einen Offizier, gegen den die Engländer unter Wellington einen tiefen, dauernden und unüberwindlichen Haß hatten. Es gab unter den Franzosen Plünderer, Gewalttäter, Spieler, Raufbolde und Roués. Diesen allen konnten sie verzeihen, denn von diesen Sorten hatten sie in ihren Reihen auch welche. Aber ein Offizier der Massénaschen Truppen hatte ein Verbrechen begangen, das unaussprechlich, unerhört und abscheulich war; worauf man nur in später Nacht, wenn eine zweite Flasche die Zungen der Männer gelöst hatte, unter den schwersten Verwünschungen andeutungsweise zu reden kam. Die Nachricht davon war hinübergetragen nach England, und Landedelmänner, die wenig von den Einzelheiten des Krieges wußten, wurden rot vor Erbitterung, wenn sie davon hörten, und die Erbpächter erhoben ihre sommersprossigen Fäuste geballt zum Himmel empor und fluchten. Und wer anders konnte der Missetäter sein als unser Freund Etienne Gerard von den Conflansschen Husaren, der kühne Reiter mit dem wehenden Helmbusch, der Liebling der Damen und der Stolz der sechs Brigaden leichter Reiterei.

Aber das Sonderbarste dabei ist, daß ein solch ritterlicher Herr einer solch hassenswerten Tat fähig war und sich zum bestgehaßten Mann des Insellandes machte, ohne je zu wissen, daß er sich eines Verbrechens schuldig gemacht hatte, für das die Sprache kaum einen Ausdruck hat. Er starb in hohem Alter und hat trotz seines unerschütterlichen Selbstvertrauens, das seinen Charakter zierte oder entstellte, kaum geahnt, daß ihn so viele Tausend Engländer so gern mit eigenen Händen aufgeknüpft hätten. Im Gegenteil, er zählte dieses Abenteuer zu den zahlreichen übrigen, die er der Nachwelt überliefert hat, und er hat manchesmal unbändig dabei gelacht, wenn er's dem lauschenden Kreis erzählte, der sich in jenem bescheidenen Café um ihn versammelte, wo er unter Weinen und Lachen von jener großen vergangenen Zeit zu erzählen pflegte, als Frankreich unter Napoleon gleich einem Engel der Rache aufstand, prächtig und furchtbar, und sich der ganze Kontinent vor ihm beugte. Wir wollen ihn selbst in seiner eigenen Weise und von seinem Standpunkte aus die Sache erzählen lassen.

 

Mes chers amis, es war gegen Schluß des Jahres 1810. Ich, Masséna und die anderen trieben Wellington immer weiter zurück und hofften, ihn mit seiner Armee in den Tajo zu jagen. Als wir aber noch fünfundzwanzig Meilen von Lissabon entfernt waren, merkten wir, daß wir uns sehr verrechnet hatten; denn was hatte dieser Engländer gemacht? Bei einem Ort Torres-Vedras hatte er ungeheuere Verschanzungen und Befestigungen aufwerfen lassen, sodaß sogar wir nicht imstande waren, durchzudringen! Sie waren quer durch die ganze Halbinsel gezogen, und wir hatten uns soweit vorgewagt, daß wir den Rückzug nicht riskieren konnten, und wir hatten auch schon erfahren, daß es kein Kinderspiel war, gegen diese Leute zu kämpfen. Was blieb uns da übrig, als sich vor diese Wälle zu legen und sie nach besten Kräften zu blockieren? Das dauerte sechs Monate und war mit solchen Strapazen und Gefahren verbunden, daß Masséna hinterher von sich sagte, er habe kein einziges Haar mehr am Körper, das nicht weiß geworden wäre. Ich für meine Person kümmerte mich weniger um unsere Lage, sondern sah nach den Pferden, die dringend der Ruhe und Grünfutters bedurften. Im übrigen tranken wir den Wein des Landes und vertrieben uns die Zeit, so gut's eben ging. In Santarem hatte ich ein Mädchen – doch ich bin verschwiegen. Ein galanter Mann hat die Gewohnheit, nichts zu sagen, freilich mag er damit andeuten, daß er sehr viel sagen könnte.

Eines Tages nun, Messieurs, ließ mich Masséna rufen. Ich fand ihn in seinem Zelt, wo er einen Plan auf dem Tisch ausgebreitet hatte. Er sah mich schweigend mit dem ihm eigenen durchdringenden Blick an, und ich erkannte an seinem Ausdruck, daß es sich um eine ernste Sache handeln mußte. Er war nervös und bei schlechter Laune, aber mein Auftreten schien ihn zu beruhigen und zu ermutigen. Es ist stets vorteilhaft, wenn man tapfere Männer um sich weiß.

»Oberst Etienne Gerard,« begann er endlich, »ich habe immer gehört, daß Sie ein wackerer und unternehmender Offizier sind.«

Es war nicht meine Mode, solche Anerkennung zu bekräftigen, freilich würde es auch töricht gewesen sein, sie in Abrede zu stellen; ich schlug also nur die Sporen zusammen und salutierte.

»Sie sind auch ein ausgezeichneter Reiter.«

Auch das gab ich zu.

»Und der beste Fechter in den sechs Brigaden leichter Reiterei.«

Masséna war bekannt dafür, daß er stets genau informiert war.

»Nun,« sagte er, »wenn Sie einen Blick auf diese Karte werfen, werden Sie ohne Schwierigkeit verstehen, was ich von Ihnen wünsche. Dies hier sind die Verschanzungslinien von Torres-Vedras. Sie werden bemerken, daß sie sich weithin erstrecken, und gleichzeitig darüber klar sein, daß sich die Engländer nur in diesen Werken halten können. Dahinter liegt bis nach Lissabon in einer Entfernung von fünfhundert Meilen offenes Gelände. Es ist nun von größter Wichtigkeit für mich, zu erfahren, wie Wellington seine Streitkräfte auf diesem Terrain verteilt hat, und ich wünsche, daß Sie das für mich auskundschaften.«

Seine Worte machten mich erschaudern.

»Exzellenz,« sagte ich. »ein Oberst von der leichten Kavallerie kann sich einem ritterlichen Feind gegenüber unmöglich zum Spion erniedrigen.«

Er lachte und klopfte mich auf die Schulter. »Sie müßten kein Husar sein, das sind lauter Brauseköpfe,« sagte er zu mir. »Wenn Sie erst weiter hören, werden Sie merken, daß ich Sie nicht gebeten habe, Spionagedienste zu leisten. Was sagen Sie zu dem Pferde dort?«

Er hatte mich an den Ausgang des Zeltes geleitet, wo ein Chasseur ein wunderbares Tier auf und ab führte. Es war ein Apfelschimmel, nicht allzu hoch – etwas über fünfzehn Spannen vielleicht – aber mit kurzem Kopf und herrlich geschwungenem Kamm, wie man ihn bei dem arabischen Geblüt findet. Seine Schultern und Hanken waren kräftig und die Beine dabei so fein, daß es eine wahre Freude war, es nur anzusehen. Ein schönes Pferd oder ein schönes Weib kann ich heute noch nicht ohne innere Erregung betrachten, wo ich die Last von siebzig Wintern auf dem Rücken habe. Sie können sich vorstellen, mes amis, wie's erst im Jahre 1810 war.

»Das ist ›Voltigeur‹,« sagte Masséna, »das schnellste Pferd in der Armee. Ich wünsche nun, daß Sie noch heute nacht aufbrechen, um die feindliche Flanke herumreiten, mitten durch die Nachhut durch, an der anderen Flanke vorbei zurück und mir Nachricht über die Stellung unseres Gegners bringen. Sie werden Uniform tragen, und werden also, falls Sie gefangen genommen werden sollten, nicht als Spion erschossen. Es ist jedoch wahrscheinlich, daß Sie unbehelligt durch die Posten durchkommen, weil sie weit auseinander liegen. Wenn Sie 'mal glücklich durch sind, dann können Sie am Tage über alles wegsetzen, und wenn Sie auf diese Weise die Landstraßen vermeiden, können Sie leicht unbemerkt entwischen. Wenn Sie sich bis morgen abend nicht zurückgemeldet haben, will ich annehmen, daß Sie gefangen sind, und will den Engländern vorschlagen, den Oberst Petrie gegen Sie auszutauschen.«

Ah, wie mir das Herz vor Stolz und Freude pochte, als ich mich auf den Rücken dieses grandiosen Pferdes schwang und mit ihm auf- und niedergaloppierte, um dem Marschall meine Meisterschaft zu zeigen! Es war ein großartiges Tier – wir waren beide großartig, Messieurs, denn Masséna klatschte in die Hände und schrie vor Entzücken. Nicht ich, nein, er sagte, daß ein edles Pferd auch einen edlen Reiter verdiene. Als ich zum dritten Male mit meinem schmucken Dolman und dem wehenden Helmbusch an ihm vorübersauste, merkte ich an seinem alten, wetterharten Gesicht, daß er nicht mehr im Zweifel war, den richtigen Mann für seine Zwecke ausgesucht zu haben. Ich zog den Säbel und salutierte und galoppierte auf mein Quartier los. Die Neuigkeit, daß ich zu einer besonderen Mission auserlesen war, hatte sich schon im Lager verbreitet, und meine lieben Jungen kamen herbeigeschwärmt, mich zu begrüßen. Ah! die Tränen treten mir noch heute in meine alten Augen, wenn ich daran denke, mit welchem Stolz sie damals der Anblick ihres Obersten erfüllte. Und ich war auch stolz auf sie. Sie verdienten einen schneidigen Führer!

Die Nacht schien stürmisch zu werden, was ganz und gar nach meinem Geschmack war. Ich wünschte, meinen Aufbruch möglichst geheim zu halten, denn es war sehr klar, daß die Engländer, wenn sie von meiner Sendung Kenntnis erhielten, schließen würden, daß etwas Wichtiges im Anzuge sei. Mein Pferd wurde deshalb bis jenseits des Bereichs der Feldwachen wie zur Tränke geführt, wohin ich zu Fuß nachfolgte und mich dann aufsetzte. Ich hatte vom Marschall eine Karte, einen Kompaß und einen Verhaltungsbefehl mitbekommen. Diese auf der Brust und den Säbel an der Seite ritt ich los. Es regnete ein bißchen und war stockfinster, Sie können sich also denken, meine Freunde, daß der Anfang nicht sonderlich heiter war. Aber mein Herz schlug höher bei dem Gedanken an die Ehre, die mir widerfahren war, und an den Ruhm, der meiner wartete. Diese Tat sollte ein neues Blatt zu meinem Ruhmeskranze fügen, der meinen Degen in den Marschallsstab verwandeln würde. Oh, was wir alles träumten in jener törichten Jugendzeit! Oh, wie hätte ich in jener Nacht, als ich dahinritt, der Auserwählte von 60 000 Mann, es für möglich halten können, daß ich dereinst mit hundert Francs monatlicher Pension mein Leben fristen müßte! Oh, meine Jugend, meine Hoffnungen, meine Kameraden! Wo seid ihr geblieben! Aber das Rad dreht sich, und steht nie still. – – – – Verzeihen Sie, mes amis, das Alter hat eben seine Schwäche.

Meine Route ging also zunächst über die Verschanzungen von Torres-Vedras, über einen kleinen Fluß weg, an einem Bauernhaus vorbei, das niedergebrannt war und nur noch ein Wegzeichen bildete, dann durch einen Wald von jungen Korkeichen bis an das Kloster San Antonio, welches die linke Grenze der englischen Aufstellung bildete. Hier wandte ich mich nach Süden und ritt ruhig über die Niederungen, denn das war das Gebiet, von dem Masséna glaubte, daß ich sehr leicht unbeobachtet hindurchkommen könnte. Ich ritt ganz langsam, denn es war so dunkel, daß man die Hand vorm Gesicht nicht sehen konnte. In solchen Fällen lasse ich dem Pferd die Zügel und es selbst den Weg suchen. Voltigeur ging sicheren Schrittes vorwärts und ich war ganz froh, auf seinem Rücken zu sitzen und, wohin ich auch blickte, war kein Licht zu sehen. Drei Stunden lang wandelten wir in dieser vorsichtigen Weise weiter, bis ich meinte, nun alle Gefahren hinter mir zu haben. Dann beschleunigte ich unser Tempo, denn ich wollte bei Tagesanbruch die Nachhut der englischen Armee erreicht haben. In dieser Gegend gibt's viele Weingärten, die im Winter glatte Flächen bilden und einem Reiter keine Schwierigkeiten machen.

Masséna hatte jedoch die Schlauheit unserer Feinde unterschätzt. Sie hatten nicht eine Verteidigungslinie, sondern drei, und die dritte, die ich augenblicklich passierte, war die gefährlichste. Als ich dahinritt, durch meinen bisherigen Erfolg ermutigt, sah ich plötzlich eine Laterne vor mir auftauchen und erblickte den Schein von roten Röcken und blinkenden Gewehrläufen.

»Wer da?« rief eine Stimme – und was für 'ne Stimme! Ich hielt mich rechts und ritt wie ein Rasender davon. Aber ein Dutzend Schüsse krachten hinter mir her, und die Kugeln pfiffen mir um die Ohren. Das war mir freilich nichts Neues, Messieurs, wenn ich auch nicht wie alberne Rekruten behaupten will, daß ich diese Musik sehr gern gehört hätte. Aber sie hat mich wenigstens niemals des klaren Denkens beraubt. Ich wußte also, daß das beste Mittel dagegen in einem raschen Galopp bestand, und daß ich mein Glück anderswo versuchen müßte. Ich ritt um diese Vorpostenkette herum, und als ich nichts mehr von ihnen hörte, schloß ich folgerichtig, daß ich endlich aus ihrem Bereich sei. Ich ritt etwa fünf Meilen südlich und schlug von Zeit zu Zeit Feuer, um mich mit meinem Taschenkompaß zu orientieren. Da mit einemmal – es geht mir jetzt noch ein Stich durchs Herz, wenn ich dran denke – sank ohne einen Laut oder einen Zuck mein Pferd mausetot zu Boden!

Ich hatte 's nicht gewußt, aber eine der Kugeln jener verteufelten Feldwache war ihm in den Leib gedrungen. Das edle Tier hatte sich nicht gemuckst und keine Schwäche spüren lassen, sondern war gelaufen, solange noch Leben in ihm war. Eben hatte ich noch sicher auf dem schnellsten und elegantesten Pferd in Massénas Armee gesessen, und im nächsten Augenblick stand ich da als das hilfloseste, ungeschickteste Wesen, das man sich denken kann, ein Husar zu Fuß. Was konnte ich anfangen mit meinen langen Reiterstiefeln, meinen Sporen und meinem Schleppsäbel? Ich befand mich ziemlich weit innerhalb der feindlichen Linien. Wie sollte ich wieder zurückkommen? Ich, Etienne Gerard, ich schäme mich nicht, Ihnen zu sagen, Messieurs, daß ich auf meinem toten Pferde saß und in Verzweiflung die Hände vors Gesicht hielt. Schon zeigten sich im Osten die ersten Lichtstrahlen. In einer halben Stunde würde es Tag sein. Daß ich bis dahin alle Hindernisse überwunden hatte und nun zum Schluß noch von der Gnade meiner Feinde abhängen, daß meine Mission nutzlos sein und ich selbst gefangen genommen werden sollte – konnte das einem Soldaten nicht das Herz brechen?

Aber Mut, mes chers amis! Wir haben manchmal einen schwachen Moment, auch die Tapfersten von uns; aber ich besitze ein Gemüt wie eine metallene Feder, je mehr man's niederdrückt, um so höher springt's wieder. Eine augenblickliche Verzweiflung, und dann wieder kühle Ueberlegung und feuriges Handeln. Alles war noch nicht verloren. Ich, der ich schon durch so viele Händel gekommen war, würde auch noch durch diesen kommen. Ich sprang von meinem Pferd auf und überlegte, was nun zu tun sei.

In erster Linie war mir klar, daß ich nicht zurück konnte. Lange bevor ich durch die Linien des Feindes durchkommen könnte, würde es heller Tag sein. Ich mußte mich verbergen, während es hell war, und wenn es am nächsten Abend wieder dunkel würde, zu entwischen suchen. Ich machte meinem armen Voltigeur Sattel, Halfter und Zügel ab und versteckte sie unter ein paar Büschen, damit ihn niemand, der ihn fände, als französisches Pferd erkennen sollte. Dann ließ ich ihn liegen und wanderte umher, irgendwo einen sicheren Ort zu suchen, wo ich den Tag über bleiben könnte. Nach allen Richtungen erblickte ich die Lagerfeuer, und bereits bewegten sich Gestalten drum herum. Ich mußte rasch ein Versteck finden, sonst war ich verloren. Aber wo war eins? Ich befand mich in einem Weinberg, die Stangen steckten zwar noch, aber das Blattwerk war abgefallen. Das war kein Versteck. Außerdem brauchte ich auch vor der nächsten Nacht etwas Nahrung und Wasser. In der schwindenden Dunkelheit eilte ich vorwärts und vertraute meinem guten Glück. Ich wurde nicht enttäuscht. Das Glück ist ein Weib und läßt einen tapferen Husaren nicht im Stich.

Also gut, ich stolperte durch den Weinberg, vor mir tauchte etwas auf. Als ich näherkam, sah ich, daß es ein großes, quadratisches Haus war mit einem langen, niedrigen Anbau an der einen Seite. Es lag am Kreuzungspunkt dreier Chausseen, und es war klar, daß es eine Posada oder ein Wirtshaus war. Die Fenster waren noch dunkel und alles lag noch in tiefer Ruhe; ich stellte mir jedoch vor, daß so bequeme Quartiere sicher bewohnt seien, und wahrscheinlich von höheren Offizieren. Ich habe aber die Erfahrung gemacht, daß man in der nächsten Nähe der Gefahr sich am sichersten befindet, und so fiel mir's gar nicht ein, an diesem Obdach vorbeizugehen. Das niedrige Gebäude war offenbar ein Stall. Da die Tür nicht verschlossen war, kroch ich hinein. Er war voller Rinder und Schafe, die zweifellos hier untergebracht waren, um vor den Klauen der Marodeure in Sicherheit zu sein. Eine Leiter führte nach dem Boden. Ich stieg hinauf und verbarg mich ganz behaglich im Heu. Der Boden hatte ein kleines Fenster, von dem ich die Front des Wirtshauses und die Straße übersehen konnte. Ich wartete in meinem Schlupfwinkel der Dinge, so da kommen sollten.

Es zeigte sich, daß meine Vermutung, hier würden höhere Offiziere im Quartier liegen, richtig war. Gleich nach Tagesanbruch erschien ein englischer Dragoner mit einer Meldung, und von da an ging's aus und ein wie in einem Taubenschlag, fortwährend ritten Offiziere hin und her. Ich hörte immer denselben Ruf: »Sir Stapleton – Sir Stapleton.« Es war hart für mich, so trocken dazuliegen und zu sehen, wie der Wirt den englischen Offizieren große Flaschen hinaustrug. Aber es amüsierte mich, ihre frischen, bart- und sorglosen Gesichter zu betrachten und mir vorzustellen, was sie wohl denken würden, wenn sie wüßten, welche berühmte Persönlichkeit in ihrer unmittelbaren Nähe war. Als ich so dalag und beobachtete, bot sich mir dann ein Anblick, der mich mit Ueberraschung erfüllte.

Es sind unglaublich freche Kerle, diese Engländer, Messieurs! Was meinen Sie, daß Lord Wellington getan hat, als er von Masséna aufgehalten wurde und mit seiner Armee nicht weiter konnte? Das werden Sie schwerlich erraten. Sie denken vielleicht, er sei in Wut oder in Verzweiflung geraten, er hätte seine Truppen zusammenberufen und eine zündende Ansprache an sie gehalten, sie an ihr Vaterland und ihre ruhmreiche Vergangenheit erinnert und eine Entscheidungsschlacht gewagt. Nein, so was tat Mylord nicht. Dagegen entsandte er ein rasches Schiff in die Heimat und ließ sich eine Anzahl Fuchshunde kommen und veranstaltete mit seinen Offizieren ruhig eine Fuchsjagd. Es ist wahrhaftig keine Lüge, was ich Ihnen erzähle, mes amis. Hinter den Verschanzungen von Torres-Vedras hielten die verrückten Engländer dreimal in der Woche eine Fuchsjagd ab. Wir hatten schon im Lager davon gehört, und ich sollte nun mit eigenen Augen sehen, daß es wahr sei.

Die Straße entlang kamen wahrhaftig diese Hunde, dreißig bis vierzig Stück, weiß und braun, jeder trug den Schwanz im selben Winkel, wie die alte Garde ihre Bajonette. Bei Gott, aber es war ein prächtiger Anblick! Und dahinter und daneben ritten drei Mann in ihren hohen Mützen und roten Röcken, die meines Wissens die Jäger vorstellten. Hinterher kamen eine Menge Reiter in allen möglichen Uniformen, sie ritten zu zweien und dreien auf der Straße, plauderten miteinander und lachten. Sie schienen nur einen kleinen Trab zu machen, und ich dachte bei mir, sie müßten wirklich hinter einem recht langsamen Fuchs her sein. Doch das war ihre Sache, nicht meine. Bald waren sie alle an meinem Fensterchen vorbei und außer Sicht. Ich wartete und paßte auf, ob sich mir irgend eine Chance bieten würde.

Es dauerte nicht lange, so kam ein Offizier in blauer Uniform, so ähnlich, wie sie unsere reitende Artillerie trägt, die Chaussee herunter getrabt – es war ein älterer, starker Mann mit weißen Koteletten. Er hielt an und sprach mit einem Ordonnanzoffizier von den Dragonern, der vor dem Wirtshaus auf ihn wartete, und nun erfuhr ich, wie sehr mir das Englisch zu statten kam, das ich früher gelernt hatte. Ich konnte jedes Wort verstehen, das sie zusammen sprachen.

»Wo ist das › meet?‹« fragte der Offizier, und ich bildete mir ein, daß er Appetit auf ein Beefsteak habe. Aber da der andere antwortete, daß es in der Nähe von Altara sei, so merkte ich, daß es sich um einen Ort handeln müsse.

»Sie kommen recht spät, Sir George,« sagte der Ordonnanzoffizier.

»Ja, ich hatte erst Kriegsrat. Ist Herr Stapleton Cotton schon weg?«

In diesem Augenblick ging ein Fenster auf, und ein hübscher junger Mann in einer prächtigen Uniform guckte heraus.

»Hallo, Murray!« rief er. »Diese verfluchten Schriftstücke haben mich aufgehalten, aber ich werde gleich hinter Ihnen herkommen.«

»Recht, Cotton. Ich habe mich schon verspätet, ich will einstweilen voranreiten.«

»Lassen Sie meinen Burschen das Pferd bringen,« sagte der junge General am Fenster zu dem Ordonnanzoffizier, während der andere auf der Straße weiter ritt.

Die Ordonnanz ritt nach einem entfernt liegenden Stall, und nach einigen Minuten erschien ein schmucker Bursche mit der englischen Kokarde an der Mütze – und führte, oh, mes amis, Sie können sich keine Vorstellung machen, welche Vollkommenheit ein Pferd erreichen kann, solange Sie noch kein englisches Vollblut gesehen haben. Es war ein großartiges Tier, dieser Hengst, groß, breit, stark und doch elegant und zierlich wie ein Reh. Er war pechschwarz, und dieser Kamm, diese Schultern, diese Ganasche – wie soll ich Ihnen das alles beschreiben? Seine Haut erglänzte in der Sonne wie poliertes Ebenholz, er tänzelte etwas – oh, wie leicht und wunderbar er die Füße hob – während er die Mähne schüttelte und wieherte vor Ungeduld. Nie in meinem Leben habe ich eine solche Vereinigung von Kraft, Schönheit und Grazie wiedergesehen. Ich hatte mir oft den Kopf drüber zerbrochen, wie's die englischen Husaren fertig gebracht haben, in dem Gefecht bei Astorga unsere Chasseurs des Gardes zu überreiten, aber es wunderte mich nicht mehr, als ich das englische Pferdematerial sah.

Am Eingang zum Wirtshaus war ein Ring angebracht, um Tiere anbinden zu können, und der Bursche befestigte die Zügel daran und ging dann ins Haus. Augenblicklich hatte ich erkannt, welche Chance mir Fortuna gegeben hatte. Wenn ich erst im Sattel war, sollte mir so leicht keiner beikommen können. Selbst Voltigeur konnte mit diesem herrlichen Hengst nicht verglichen werden. Denken und Handeln ist eins bei mir. Im Nu war ich die Leiter 'nunter und an der Stalltür. Im nächsten Moment war ich draußen und hatte den Zügel gefaßt: ein Sprung und ich saß im Sattel. Es schrie jemand hinter mir her – ich weiß nicht, war's der Herr oder der Knecht. Was scherte mich ihr Geschrei! Ich gab dem Hengst die Sporen, und er sauste in solchen Sätzen dahin, daß nur ein Reiter wie ich ihn dirigieren konnte. Ich ließ ihm die Zügel und ließ ihn laufen, wohin er wollte – es war mir egal, solange er mich nur von diesem Wirtshaus weiter brachte. Er donnerte durch die Weingärten, und in wenigen Minuten waren meine Verfolger schon Meilen hinter uns. In diesem weiten Gebiet konnten sie nicht mehr erkennen, welche Richtung ich eingeschlagen hatte. Ich wußte, daß ich nun geborgen war, und so ritt ich denn nun auf die Spitze eines kleinen Hügels, zog Bleistift und Notizbuch aus der Tasche und begann, eine Skizze des Geländes und der Lager zu zeichnen, die ich überblicken konnte.

Es war ein kostbares Tier, auf dem ich saß, aber auf seinem Rücken Zeichnungen zu entwerfen, war nicht so leicht, denn wiederholt spitzte er die Ohren, blieb stehen und wieherte vor Ungeduld. Anfangs wußte ich nicht, was das bedeuten sollte, aber bald bemerkte ich, daß er's nur tat, wann ein bestimmtes Geräusch – »Yoy, yoy, yoy« – irgendwo aus den Eichenwäldern unter uns heraufschallte. Plötzlich verwandelte sich dann dieses eigentümliche Geschrei in ein entsetzliches Gebrüll, worauf scharfer Hörnerklang folgte. Sofort wurde er rasend – dieser Hengst. Seine Augen funkelten. Seine Mähne sträubte sich. Er stieg in die Höhe und tanzte wie wild umher. Mein Bleistift flog nach der einen Seite, mein Notizbuch nach der anderen. Als ich nun ins Tal hinunterblickte, bot sich mir ein außergewöhnlicher Anblick. Die Jagd raste unten vorbei. Den Fuchs konnte ich zwar nicht sehen, aber die Hunde bellten, die Nasen am Boden, die Schwänze gehoben, so nahe aneinander, als ob's ein großer, weißbrauner Teppich wäre, der sich mit Windeseile fortbewegte. Und hinterher sausten die Reiter – mon Dieu, welch ein Anblick! Sämtliche Waffen, die's bei einer großen Armee gibt, konnten Sie da sehen: außer einigen Jagdkostümen schaute man blaue Dragoner und rote Dragoner, Husaren in roten Hosen, grüne Jäger, Artilleristen, Ulanen und Infanteristen in Rot, Rot, Rot, denn die Infanterieoffiziere reiten ebenso eifrig wie die Kavalleristen. Welch eine Schar, einige waren gut beritten, andere schlecht, aber alle flogen dahin nach bestem Vermögen, die Niederen ebenso wie der General; sie drängten und stießen einander, spornten und trieben ihre Pferde, hatten nur den einen Gedanken, den dummen Fuchs zu erlegen! Wahrhaftig, sie sind ein merkwürdiges Volk, die Engländer! Aber ich hatte wenig Zeit, die Hetze zu beobachten oder diese Insulaner zu bewundern, denn von all diesen tollen Geschöpfen war mein Hengst, den ich unter mir hatte, das tollste. Sie müssen bedenken, Messieurs, daß er selbst ein Jagdpferd war, und daß das Geheul der Meute für ihn dasselbe bedeutete wie für mich das Schmettern einer Kavallerietrompete. Es fuhr ihm durch Mark und Bein. Es machte ihn rasend. Wieder und immer wieder bäumte er sich in die Luft, dann nahm er den Zaum zwischen die Zähne, sauste den Hügel hinunter und galoppierte hinter den Hunden her. Ich fluchte, ich ruckte, ich riß am Zügel, aber ich war machtlos. Dieser englische General ritt ihn nur mit einer bloßen Wassertrense, und das Vieh hatte ein Maul so hart wie Eisen. Es war zwecklos, ihn zurückzuziehen. Ebensogut könnte man versuchen, einen Grenadier von einer Weinflasche abzubringen. Ich gab's endlich auf, setzte mich fest in den Sattel und bereitete mich aufs Schlimmste vor, was mir zustoßen könnte.

Was für ein wunderbares Wesen! Nie habe ich ein solches Pferd zwischen den Schenkeln gehabt. Seine mächtigen Hanken knackten bei jedem Ausgreifen, und er schoß rascher und immer rascher voran, ausgestreckt wie ein Windhund, während mir der Wind ins Gesicht schnitt und um die Ohren pfiff. Ich trug unsere Interimsjacke, ein einfaches, dunkles Uniformstück, ohne auffällige Kennzeichen – und ich hatte die Vorsicht gebraucht, den großen Federbusch von meinem Tschako zu entfernen. Auf diese Weise war kaum zu erkennen, daß mein Kostüm unter dieser bunten Menge die Aufmerksamkeit auf sich lenken würde, oder daß diese Männer, die weiter keinen Gedanken hatten als ihre Jagd, sich sonderlich um mich kümmern würden. Die Idee, daß ein französischer Offizier mit ihnen um die Wette ritt, war doch zu absurd, als daß sie ihnen in den Sinn kommen konnte. Ich mußte lachen, als ich dahinsprengte, denn, in der Tat, trotz aller Gefahr hatte die Situation etwas Komisches.

Ich bemerkte bereits vorhin, Messieurs, daß die Jäger sehr ungleich beritten waren, und so waren sie denn auch nach wenigen Meilen, anstatt wie ein reitendes Regiment einen zusammenhängenden Körper zu bilden, über eine große Strecke zerstreut, die besseren waren vorne bei den Hunden und die anderen schleppten sich hinterher. Nun, ich war gewiß kein schlechter Reiter und hatte das beste Pferd, Sie können sich also denken, mes amis, daß es nicht lange dauerte, bis es mich zu den vorderen gebracht hatte. Und als ich nun die Hunde dahinstreichen sah und die Jäger im roten Rock dahinter und nur sieben bis acht Reiter zwischen uns, da passierte das Wunderbarste von allem, denn ich, Etienne Gerard, – wurde auch toll! Im Augenblick hatte er mich erfaßt, dieser Sporttaumel, die Sucht, sich hervorzutun, der Haß gegen den Fuchs. Verfluchtes Tier, sollte es uns höhnen? Der alte Spitzbube, seine Stunde hatte geschlagen! Ah, Messieurs, es ist ein großartiges Gefühl, dieses Sportgefühl, diese Begierde, den Fuchs mit den Hufen des Pferdes zu zertreten. Ich kenne die Fuchsjagd der Engländer. Ich habe auch, wie ich Ihnen ein anderesmal erzählen werde, in Bristol einen Fuchskampf mitgemacht. Und ich kann Ihnen nur sagen, dieser Sport ist eine wunderbare Sache – ebenso interessant wie verrückt.

Je weiter's ging, um so schneller galoppierte mein Hengst, und bald waren nur noch drei den Hunden so nahe wie ich. Jeder Gedanke von Furcht vor Entdeckung war verschwunden. Mein Hirn hämmerte, mein Blut rann heiß durch die Adern – nur eins auf Erden schien mir noch erstrebenswert, das war, diesen verteufelten Fuchs einzuholen. Ich jagte an einem der Reiter vorbei – einem Husaren wie ich. Nun hatte ich nur noch zwei vor mir – einen in einem schwarzen Rock, und der andere war der blaue Artillerist, den ich im Wirtshaus gesehen hatte. Ich raste an beiden vorüber. Als ich an der Tete war, ritt ich in gleicher Höhe mit dem kleinen wilden Jägerburschen. Vor uns waren noch die Hunde, und etwa hundert Meter vor diesen war ein kleiner brauner Flecken, der Fuchs in wildester Flucht. Sein Anblick machte mich rasend. Da haben wir dich also, du Räuber! schrie ich und feuerte den Jäger an. Ich winkte ihm zum Zeichen, daß einer da sei, auf den er sich verlassen könne.

Nun waren nur noch die Hunde zwischen mir und meiner Beute. Diese Hunde waren nun mehr ein Hindernis für uns als eine Hilfe, denn man wußte nicht, wie man an ihnen vorbeikommen sollte. Der Jäger empfand die Schwierigkeit so gut wie ich, denn er ritt immer hinter ihnen her und konnte dem Fuchs nicht näher rücken. Er war ein rascher Reiter, aber nicht kühn genug. Ich meinesteils fühlte, daß es eine Schande für die Conflansschen Husaren sein würde, wenn ich eine solche Schwierigkeit nicht überwinden könnte. Sollte sich Etienne Gerard durch eine Meute Hunde aufhalten lassen? Es war zu dumm. Ich stieß einen Schrei aus und gab meinem Pferd die Sporen.

»Halten Sie sich, halten Sie sich!« rief der Jägerbursche.

Er hatte Angst um mich, der gute alte Kerl, aber ich beruhigte ihn durch einen Wink und ein Lächeln. Die Hunde teilten sich vor mir. Einen oder zwei mag ich vielleicht verletzt haben, aber würden Sie's nicht ebenso gemacht haben, Messieurs? Das Ei muß zerschlagen werden, um eine Omelette daraus zu machen. Ich konnte hören, wie mir der Jäger Glückwünsche nachrief. Noch ein Satz, und die Hunde waren alle hinter mir. Nur der Fuchs war noch vorne.

Ah, welche Freude und welchen Stolz empfand ich in jenem Augenblick, mes amis! Das Bewußtsein, die Engländer in ihrem ureigensten Sport geschlagen zu haben! Es waren dreihundert, die diesem Tier nach dem Leben trachteten, und doch war ich's, der im Begriff war, es zu erlegen. Ich dachte an meine Kameraden von der leichten Reiterei, an meine Mutter, an den Kaiser, an Frankreich. Ich hatte ihnen Ehre gemacht, allen und jedem. Jeden Moment kam ich ihm näher, der Augenblick zu handeln war gekommen. Ich zog meinen Säbel aus der Scheide. Ich schwang ihn hoch in die Luft, die braven Engländer hinter mir jubelten mir alle zu.

Aber jetzt merkte ich erst, wie schwierig diese Fuchsjagden sind, denn man kann wieder und immer wieder auf den Kerl einhauen, ohne ihn zu treffen. Er ist klein und weicht den Hieben rasch aus. Bei jedem Schlag hörte ich die ermunternden Jubelrufe hinter mir, und sie spornten mich zur höchsten Kraftanstrengung an. Da endlich kam der höchste Moment des Triumphs. Im selben Augenblick, als er sich umwandte, verabfolgte ich ihm einen derartigen Hieb von hinten, wie derjenige, womit ich den Adjutanten des Kaisers von Rußland tötete. Er flog in zwei Stücke, das Kopfende nach der einen, das Schwanzende nach der anderen Seite. Ich blickte mich um und schwang den blutbefleckten Säbel in der Luft. Einen Moment war ich auf der Höhe – superbe!

Ah! wie gerne hätte ich gewartet, um die Glückwünsche dieser großmütigen Gegner entgegenzunehmen. Es waren ihrer fünfzig in Sicht und sie alle winkten und jubelten mir zu. Sie sind wirklich nicht so 'ne phlegmatische Rasse, die Engländer. Eine tapfere Tat im Krieg oder im Sport wird immer ihre Herzen entflammen. Der alte Jäger war mir am nächsten, und ich konnte mit meinen eigenen Augen sehen, wie er von dem überwältigt war, was er eben geschaut hatte. Er war wie vom Schlag gerührt – der Mund stand offen und die Hände starrten mit ausgespreizten Fingern in die Luft empor. Einen Augenblick hatte ich das Bedürfnis, zu ihm zu eilen und ihn zu umarmen. Aber der Ruf der Pflicht brachte mich zur Vernunft, denn diese Engländer würden mich trotz aller Brüderlichkeit, die unter Sportsleuten besteht, doch sicher gefangen genommen haben. Von meiner Mission war nun nichts mehr zu erhoffen, und ich hatte getan, was ich gekonnt hatte. Ich konnte in nicht allzu großer Entfernung die Verschanzungen um Massénas Lager sehen, denn infolge eines glücklichen Zufalls hatte uns die Jagd nach dieser Richtung geführt. Ich kehrte dem toten Fuchs den Rücken, grüßte mit meinem Säbel und sprengte weiter.

Aber sie wollten mich nicht so leicht fortlassen, diese galanten Fuchsjäger. Jetzt war ich der Fuchs, und die Jagd fegte wacker über die Ebene. Erst in dem Moment, als ich auf das Lager zuritt, mußten sie erkannt haben, daß ich ein Franzose war, und nun jagte die ganze Gesellschaft hinter mir her. Wir waren bis auf Schußweite an unsere Vorpostenketten gekommen, ehe sie meine Verfolgung aufgaben. Aber auch dann noch blieben sie in Gruppen stehen und wollten nicht zurückkehren, sondern riefen mir zu und erhoben die Hände. Nein, Messieurs, ich will nicht glauben, daß es aus Feindschaft geschah. Eher möchte ich annehmen, daß sie von Bewunderung erfüllt waren und sie nur den einen Wunsch hatten, den Fremden, der sich so wacker und ritterlich betragen hatte, in ihre Arme zu schließen.

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