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Deutschland - Lichtbilder und Schattenrisse einer Reise

Max Barthel: Deutschland - Lichtbilder und Schattenrisse einer Reise - Kapitel 8
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typefiction
authorMax Barthel
titleDeutschland - Lichtbilder und Schattenrisse einer Reise
publisherBüchergilde Gutenberg
year1926
firstpub1926
correctorreuters@abc.de
senderAlexander Barthel
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Das schwarze Gold

Die Pfingsten in Berlin waren proletarische Pfingsten. Gegen fünfzigtausend rote Frontkämpfer hatten die Stadt erobert. Arbeiter aus Sachsen, Württemberg, Hessen, Thüringen, Baden, Hamburg, Kiel, Bremen und aus den preußischen Provinzen marschierten unter dem roten Wald wehender Fahnen. Wie in einer Wolke greller und dumpfer Musik zogen sie durch Berlin. Auch Sommerschuh stellte sich mit seinen Freunden und seinem kleinen Sohn in einer Arbeiterstraße auf. Zur Begrüßung streckten die fünfzigtausend Mann ihre geballten Fäuste aus. Die geballte Faust der Bergleute aus dem Ruhrgebiet, die geballte Faust der sächsischen Metallarbeiter und Textilproleten, die geballte Faust der Hafenarbeiter aus Hamburg und Bremen. Auf seiner Reise hatte der Journalist viele Arbeiterfäuste offen gesehen, harte, schmutzige Fäuste um das Werkzeug und um die Räder und Hebel der Maschinen, viele Fäuste um Dinge, die Waren wurden und Profit. An diesem Pfingsttag in Berlin waren die Fäuste geschlossen, zusammengeballt, es waren Fäuste, die einmal wie Blitze niederfallen werden, wenn der Kampf um die Macht in Deutschland anhebt. Natürlich war auch der alte Klimbim militärischen Aufmarsches dabei, das gehorsame Marschieren und Parieren, die Attrappe des roten Kriegervereins, die Dinge also, die auch das Reichsbanner und die vaterländischen Verbände mit in Schwung halten. Aber Sommerschuh schien es, als ob nach einer jahrhundertelangen militärischen Erziehung in Preußen-Deutschland das Kommandowort neben der Fahne hergehen müsse, und das der Befehl zur Freiheit den Willen zur Freiheit mit aufruft. Der Journalist war durchaus nicht blind und taub gegen die Fehler und Untugenden seiner Klasse. Die Arbeiter hatten zu lange auf der Schattenseite des Daseins gekauert und sich nach dem Lichte verzehrt, als dass sie jetzt an dem Tag in ihren Aufmärschen frei und vollkommen beschwingt gewesen wären. Viel zu oft führte der Weg aus der Tiefe zum Kleinbürger, zur Sensation des Bauches und der Sinne. Aber der Marsch hatte begonnen. Die Hände schlossen sich nicht mehr zum Gebet. Sie schlossen sich zur Faust.

Wie hatten die Arbeit die fünfzigtausend Mann geschändet! Die langen Züge der Bergarbeiter mit den fahlen Gesichtern und den großen, quellenden Augen strömten vorbei und die gebückten Schauerleute aus den Hafenstädten. Sie marschierten, als trügen sie auch heute schwere Last. Dann kamen die ausgedörrten Heizer und Textilproleten, die Bäcker und Maurer, die Schlosser und Buchdrucker. Es war eine Prozession von den Abgesandten aller deutschen Stämme und Landschaften, in denen die Arbeit klirrt und saust. Auch die bittere Spaltung der Klasse war da, der Kampf der Kommunisten und Sozialisten gegeneinander, aber auch die Lassalleaner und die Eisenacher hatten sich bis aufs Blut bekämpft, ehe sie sich wieder vereinigten.

Nicht lange nach diesem Aufmarsch verließ der Journalist Berlin und fuhr ins Braunkohlengebiet von Senftenberg. Er fuhr an den Funkmasten der Station Königswusterhausen vorüber, an dem kühlen Stahlwald mit der singenden Musik in den Äther hinein vorbei. Vorher kamen Metallfabriken und Elektrizitätswerke, dann stiegen über grünen Wäldern, blitzenden Gewässern und schönen Seen schwarze Wälder auf, und das Sumpfland der Niederlausitz näherte sich. Die blühenden Wiesenflächen des Spreewaldes mit den langen, blauen Fließen, den kulissenhaften Wäldern und der slawischen Bevölkerung waren bald erreicht. Korn wehte und wogte auf langen, schmalen Feldern, glänzte hellgrün und verging im Wind mit stahlblauem Schimmer. Diese blühenden Kornfelder waren wie riesenhafte Fischzüge und wie der Aufbruch der Milliardenhaufen laichender Fische auf dem Kaspischen See.

Lübben und Lübenau versanken. Sumpf, Sand und Wassergräben flogen vorbei. Die Maste der Hochspannleitung mit den drei harmonischen Trägern zerfielen in die langgestreckten Felder. Die Gemüseplantagen wurden von kahlen Sandriegeln erdrosselt. Mit vielen hundert grünen Schleierfahnen sprang Birkenwald auf. Bald kamen andre Fahnen, die Rauchfahnen eines Braunkohlendorfes. Die langen Schutthalden stellten sich quer durch die Landschaft. Hinter ihnen ragten die Essen der Schlote von den Brikettfabriken und die weißqualmenden Kühltürme. Das eiserne Schienenband der Bahn verdoppelte und verzehnfachte sich. Rote, offene Waggons mit schwarzen Briketts standen auf offner Strecke. Und dann gab es überhaupt keine Landschaft mehr, kein Felder, keine Birken und keine Kiefern. Die Erde klaffte auseinander. Riesige Krater und Sprengtrichter mit schwarzer Kohle öffneten sich. Gelber Sand stand in den hohen Wänden um die Krater, auf deren Grund riesenhafte Flöze und Berge freilagen. Kleine Waggons schaukelten an einer langen Kette automatisch aufwärts und wieder zurück. Über dem Tagbau der Kohle standen in hohen Terrassen die verwaschenen Särge der Halden. Das grelle Gelb des Sandes vermischte sich mit dem matten Schwarz des tanzenden Kohlenstaubes. Dann riss das eiserne Netz der Schienen auseinander und wurde zwanzigfach. Der Himmel verfinsterte sich immer tiefer. Rauch und Ruß schwebte in schweren Wolken um das Haupt der Stadt Senftenberg.

Das Gesicht dieser Stadt ist das unheimliche Gesicht eines Säufers, aber es kann auch das Gesicht eines ehrsamen Handwerkers sein. Die Häuser sind klein und nichtssagend, die Straßen schmal oder breit, gepflastert oder ungepflastert. Viele Gasthöfe stehen am Weg, und das übliche patriotische Denkmal. Sonne scheint. Schnee fällt. Wind weht, und das Jahr dreht sich vorüber. Im Wind des Jahres, im Regen, im Schnee und auch im Sonnenschein weht und treibt der feine, bittere Kohlenstaub aus den unzähligen Brikettfabriken. Wie eine mürbe Decke lieft er auf den Feldern und Wegen. Er brennt auch in der Kehle und in den Augen und sitzt bitter in der Nase und in der Lunge. Und nun ist die kleine Stadt nicht mehr langweilig oder wie das unheimliche Gesicht eines Säufers. Sie ist eingefasst von lauter Kostbarkeiten, von den finsteren Gruben, in denen im Jahr vier Millionen Tonnen Braunkohle im Tagebau gewonnen werden.

Sommerschuh kannte diese Stadt und ihre Gruben. Im vergangenen Herbst war er durch die Straßen gewandert, und an einem Abend hatte er auf einer Halde gestanden. Die Lampenreihe des Bahnhofs, das grelle Licht der Bogenlampen und die bunten Signale der Streckte zuckten auf. Im kühlen Nichts hingen die Lichter der donnernden Fabriken und die Lampen der tiefen Gruben. Die Halden wuchsen schwarz aus der Landschaft, die nur endloser Sand ist, auf dem kleine Kiefernwälder, zitternde Birken, sehr traurige Bergmannssiedlungen und verschmutzte Dörfer wachsen.

Die Lichthallen und Etagen der Werke leuchteten in der Nacht. Die Pressen, in denen der feine Kohlenstaub in Briketts verwandelt wurde, stampften rhythmisch. Werk an Werk stand in der Nacht. Pausenlos ging die Arbeit. Kühler Nebel kam. Die Stadt ertrank, versank und war unwichtig. Viel wichtiger als die Stadt mit dem alten Schloss und den achtzehntausend Einwohnern waren die Gruben und Fabriken und die fünfundzwanzigtausend Arbeiter aus Senftenberg und aus den Dörfern des Industriegebietes. Die Arbeit war verflucht hart und Zwölfstundentag. Am frühen Morgen halb sechs Uhr brüllten die Sirenen zur Arbeit. Um sechs Uhr war Schichtwechsel. Jeden Morgen und jeden Abend brüllten die Sirenen und zerfetzten den Tag des Bergmannes, der zweimal zwölf Stunden Arbeit war. Tag war immer auch in der Nacht. Tag war in diesem Gebiet die Zeit, in der die Kohle gebrochen, zermahlen, getrocknet, ausgepresst, gelagert, gekühlt, gepresst, verladen und abgefahren wurde. Der Tag und die Nacht waren der gewinnbringende Tag der Bergwerksbesitzer und Braunkohlenkonzerne. Auch in diesen Maitagen waren die Tage für die Bergleute nicht zur Freude da. Immer noch ging die Arbeit schwer und schleppend ihre zwölf Stunden. Immer noch wurden die Arbeiter auf die Straße geschmissen, weil der Absatz stockte und weil neue Maschinen die menschliche Arbeitskraft immer und mehr verdrängten. In der Halleschen Pfännerschaft arbeiteten im Jahre 1923 achthundertvierzig Mann. In diesem Jahre sind nur noch dreihundertvierzig Arbeiter beschäftigt, und die Produktion ist trotzdem um fünfzig Prozent gesteigert worden! Sechzig Prozent Arbeiterabbau und fünfzig Prozent Steigerung der Produktion: das ist die berühmte »Ankurbelung der Wirtschaft«, von der gerade in diesem Gebiet so viel gesprochen wird.

Sommerschuh stromerte planlos in der rußigen Landschaft herum und war wie der Mann mit der Tarnkappe, der ungesehen durch einen riesigen Kohlenkrater wanderte. Es war in der Zeit zwischen zwei Schichten, als er diese Grube besuchte. Die Niederlausitz ist der Sandboden eines ehemaligen Meeres. Unter den Sand- und Kiesschichten lagen die halbverkohlten Stämme der Sumpfzypressen, vertorftes Holz und hohe Felder schwarzer Braunkohle. Die Arbeit in den Gruben war noch Handarbeit. Nur die Waggons liefen automatisch an der starken Kette nach dem nahen Werk.

Die hohen, schwarzen Wände des Kraters waren angebohrt. Spitzhacken hatten sich in die Flöze gefressen. Kamine waren ausgehauen, in denen die Kohle »gescharrt« wurde, dass heißt, in die untenstehenden Waggons rutschte. Viele schwarze Gänge waren sieben bis acht Meter tief in das Flöz gegraben und sollten gesprengt werden. Bis unter die hohen Terrassen der Halden führten andre Stollen hin zur Kohle. Wie ein eisernes Urwaldvieh ragte ein großer Sandbagger über den Rand der Grube. Wasser sackte an vielen Plätzen oder schoss aus den schwarzen Arbeitslöchern. Die Waggons standen still. Sie ruhten eine Stunde bis zur neuen Schicht. Die Arbeiter auf den Abraumplätzen ruhten nicht. Viele junge Burschen karrten schwere Loris. Die Grube sah sehr traurig aus. Traurig war auch der Lohn der Arbeiter. Sie verdienten zwanzig und dreißig Mark die Woche und mussten jeden Tag elf Stunden arbeiten. Über eine Stunde wanderte Sommerschuh durch den Kohlenkrater. Im Geist wanderte er durch die rauschenden Sumpfzypressenwälder der Urzeit bis zur Gegenwart, bis zur Ausbeute der Naturschätze und der Menschen. Er wanderte durch die fünfzig Jahre Bergbau im Niederlausitzer Revier, durch die Kämpfe der Proletarier um Freiheit und eignes Leben und war bei den ersten Kumpels, die ihren Verband aufbauten. Er war auch bei den Besprechungen der Grubenherren dabei, denen die Kohle wertvoller ist als der Mensch, der sie fördert. Der Journalist kannte die schlauen Schachzüge der Unternehmer, die durch gelbe Organisationen und Wohlfahrtseinrichtungen die »Seele« der Arbeiter gewinnen wollen, um ihre Knochen besser ausbeuten zu können. Er kannte die Betriebsspitzelei und die Werkpolizisten, die sich unter der Maske vaterländischer Gesinnung verstecken. Er kannte den Schwindel von der »Ankurbelung der Wirtschaft«, er kannte auch das Mysterium der Produktion, das nur so lange mystisch ist, als es für den Kapitalisten jeden Dreck in Gold umwertet.

Schwarze Kohlenberge ragten wie Pyramiden auf. Steile Wände erhoben sich wie ein verwunschenes Gebirge. Gurgelndes Wasser kam aus dem Kohlengrund wie Quellwasser eines unterirdischen Stromes. Flache Würfel aus Kohle lagen da, als sei mit ihnen um hohen Gewinn gespielt worden. Wild und schön bauten sich hohe Kuppeln aus vertorften Sumpfzypressen auf, aber sie waren für die Unternehmer wertlos wie der gelbe Sand der Halden. Noch aus dem Kohlengrab sah Sommerschuh die Spritzer naher Schornsteine, die den Himmel anspuckten.

Auf dem Weg aus dem Krater fiel der Journalist einem Steiger in die Hände. Das war ein williger Grubenhund des Werkes. Er tobte wütend. Weil Sommerschuh über eine Stunde unbewacht durch die Kohlengebirge und schwarzen Gründe gelaufen war. Wenn der Deutsche ausgeflucht hat und seine Wut steigern will, ruft er nach dem Oberteufel für die bösen Kinder, nach der Polizei. Auch der Steiger drohte weißen Gesichts mit der Polizei und verfärbte sich grün und rot, als der Journalist laut und herzlich lachte, lachte und über die Halden nach der Stadt zurückwanderte. Auf den Hochflächen der wertlosen und dürren Erde gedieh nichts als hier und da eine Birke, und weiter nichts als die grünen Flammen junger Königskerzen. Auch auf diesem Sand und Kies hatte sich der schwarze Kohlenstaub eingefressen wie auf den Gesichtern der Arbeiter. Aber dann rebellierte der Berg, klaffte auseinander, rutschte ab und war an seinem Rand wie ein wüstes Schlachtfeld mit gestürzten und taumelnden Bäumen und wilden Sprüngen nach der lieblosen Siedlung des Dorfes Reppis hin. Das Dorf war gar kein Dorf mehr, sonder nur eine Ansammlung hässlicher Backsteinbauten, die sich demütig an das Werk Matador lehnten, an die hohen Hallen der Brikettfabrik mit den kurzen Schornsteinen über den Lagerräumen der zermahlenen Kohle und an die stampfenden, donnernden Pressen.

Früher lag Senftenberg noch im Randgebiet des wasserreichen Spreewaldes. Heute ist der Boden ausgetrocknet. Die Gruben saufen das Wasser und dörren die Felder und Wiesen aus. In einem heißen Sommer verkümmert die Frucht auf den Feldern. Auch das Gras der Wiesen ist saftlos. Die Bauern sind fast alle vom Wahnsinn des Besitzes ergriffen und halten zu den Kohlenherren, trotzdem ihre Felder ruiniert sind und im Werte fallen. Den billigen Ramsch kaufen dann die Gruben auf. Ab und zu rebelliert ein Bäuerlein wie ein Mann, mit dem Sommerschuh sprach, aber er wird doch an die Wand gequetscht und muss verkaufen. Felder, auf denen nichts wächst, sind auch für den rebellischsten Bauern wertlos. Bald wird hier in diesem Revier nichts mehr sein als Grube an Grube, Fabrik an Fabrik. Das mitteldeutsche Braunkohlenbecken wird dann ein einziger Krater sein, der alle Felder und Wiesen, Fluren und Dörfer gefressen hat. Braunkohle, Briketts und Elektrizität wachsen und zucken dann aus der vernichteten Landschaft.

Aber nicht nur die Felder und Fluren werden gefressen. Auch die Bergarbeiter gehen vor die Hunde. Mit dem Bergarbeiterstreik 1923 ging der Achtstundentag verloren. Der Zwölfstundentag kam mit zwei Stunden Pause. Aber nicht für alle Arbeiter brachte er die Zehnstundenschicht. In jeder Brikettfabrik sind über ein Dutzend Menschen, die zwölf Stunden an den Pressen, Feuerungen und Maschinen arbeiten müssen, und die um den Lohn ihrer Überarbeit geprellt werden. Ein ganzes Jahr lang mussten elf Arbeiter einer Grube um die Bezahlung dieser Überstunden kämpfen. Durch drei langwierige Instanzen ging der Kampf um tausend Mark Lohnforderung. Die Grube schichte ihre Juristen und Spitzel vor, ihre Direktoren und gelben Leute sagten in den Verhandlungen aus, und die Kosten des Prozesses überstiegen die Arbeiterforderungen beträchtlich. Verzweifelt wehrten sich die Grubenherren. Für sie ging es nicht um die tausend Mark, für sie ging es um das Prinzip schrankenloser Ausbeutung. Sie verloren den Prozess, aber es war nur eine Schlappe und keine Niederlage, denn auch noch heute wird in vielen Werken für die zwei Stunden Mehrarbeit an den Maschinen kein Pfennig gezahlt.

Durch Arbeitsgemeinschaften versuchten die Gruben die Arbeiter als Klasse zu spalten. Zwei sogenannte Volkswirtschaftler bearbeiten die Belegschaften. Die Wohlfahrtseinrichtungen der Konzerne sollen den Kollektivwillen der Arbeiter sprengen. Besondere Kurse für Direktoren, Angestellte und Arbeiter auf einem nahen Schloss (Lohnausfall und Lohnzuschuss zahlt das Werk) sind faschistische Zellen, um den »Werkfrieden« herzustellen. Und wenn der Werkfrieden von den Unternehmern gefordert wird, ist das in fast allen Fällen hemmungsloser Raubbau mit der proletarischen Arbeitskraft. Die Werkgemeinschaften und die vaterländischen Verbände haben im Braunkohlenrevier wenig Erfolg. Ab und zu sieht man einen Proleten, der seinen Jungen mit der schwarzweißroten Fahne marschieren läßt. Die besten Arbeiter aber sind und bleiben im Verband, den sie mit großen Opfern und leidenschaftlicher Liebe aufgebaut haben.

Was ist der Werkfrieden zum Beispiel für jenen einundsechzigjährigen Arbeiter, der in der kahlen Backsteinbaracke dem Werke Matador gegenüber wohnt? Im Jahre 1923 weigerte sich dieser Arbeiter, nachdem er dreiundvierzig Jahre im Bergbau beschäftigt war, auf den Achtstundentag zu verzichten. Daraufhin wurde er auf die Straße gesetzt. In die lieblose Baracke, die in den Staubwolken der Brikettfabrik verkümmert. Seine Wohnung besteht aus einer einzigen großen Stube und ist ein Chaos. Zwei große Betten stehen da, an den Wänden hängen bunte Öldrucke, auf dem hölzernen Tisch steht die Butter der armen Leute, die Margarine. Hühner laufen durch den Raum, und was sie fallen lassen, sind nicht immer Eier. Das Geschrei maßlos verschmutzter und rachitischer Enkelkinder, die im Kohledruck spielen, lärmt durch die Baracke. Ist das der Werkfriede, weil einige Vögel dem alten Mann ab und zu etwas vorsingen? Ist das vielleicht der Werkfriede, weil er nach dreiundvierzig Jahren schwerer Arbeit von der Knappschaftskasse monatlich 65 Mark Pension bekommt? Die Arbeit im Braunkohlenrevier differenziert sehr. In vielen Gruben haben die Maschinen die menschliche Arbeitskraft ersetzt. Große Kohlenbagger, sie heißen eiserne Bergmänner, reißen die schwarzen Wände auf und verladen automatisch die Kohlen. Die Waggons rollen nach den Schrägaufzügen und Bunkern. In der Brikettfabrik klirren die großen Brechmaschinen und Kohlenmühlen. Die Braunkohle wird gelagert, gekühlt, ausgepresst, fällt als rieselnder Staub in die Pressen und schiebt sich dann auf langen Bändern nach den Güterwagen oder Schuppen. Wenn die Kohle aus der Grube kommt, weiß der Ingenieur ganz genau, ob sie vierzig oder fünfzig Prozent Wasser enthält. Der Wassergehalt fällt und steigt je nach der Güte des Berges und der Jahreszeit. Bis auf vierzehn Prozent kann das Wasser in der stinkenden Fabrik herausgepresst werden. Kohle mit vierzehn Prozent Wasser ist an der Presse wie feiner, trockner Staub.

Die Generation der Lausitzer Bergleute ist durch beinahe fünfzig Jahre Bergbau gegangen. Die Leistung des einzelnen Mannes hat die Leistung der Vorkriegszeit überschritten. Trotz Krieg und Inflation. Die grausame Presse des Zweischichtentages holt das letzte Atom Kraft aus den Arbeiterknochen. Vierzig Jahre, so wird berechnet, kann der Bergmann arbeiten, ehe er »bergfertig«, das heißt arbeitsunfähig ist. In den Geschäftsberichten der fünf größten Gruben in Senftenberg kann man das Resultat vierzigjähriger Bergmannsarbeit nachlesen: Über 12 Millionen Mark Reingewinn im Jahr 1926! Die Kohle wird bis auf vierzehn Prozent Wasser ausgepresst. Der Bergmann mit vierzigjähriger Arbeitszeit aber vollkommen. Hundertprozentig!

Fünfundzwanzigtausend Bergleute arbeiten in diesem Bezirk. Fünf Gesellschaften machen in einem Jahr zwölf Millionen Mark Profit. Es ist nicht schwer nachzurechnen, wieviel jeder einzige schmutzige Arbeiter zu dem Gewinn gegeben hat. Wollte man berechnen, wieviel nur ein einziger Bergmann Kohle gefördert oder Briketts gemacht hat, das Endresultat wäre höhere Mathematik und ewige Heizung einer großen Stadt. Und als Profitrate? Auf die Direktoren und Angestellten soll nur der verschleierte Gewinn gerechnet werden: jeder Bergmann schanzt in seinem Leben durch seine Arbeit dem Unternehmer mehr als ein schönes Auto oder eine Luftreise nach dem Nil zu.

Das Jahr 1924 forderte im deutschen Braunkohlenbau 1227 Opfer. 162 Bergleute verunglückten tödlich. Über tausend Bergleute wurden invalid und bekamen Unfallrente. Wie und wo verunglückten die Bergleute? An den Motoren, Transmissionen und Maschinen, durch elektrischen Strom und feuergefährliche und ätzende Dämpfe, durch Sturz von den Leitern und Treppen, durch Splitterschlag, Zusammensturz und Einbruch in den Gruben. Der Bahnbetrieb forderte die schwersten Opfer. In einem Jahr verunglückten über vierhundert Bergleute durch ihn. Im vergangenen Jahr hatte der Senftenberger Bezirk vierzehn Tote, die der Betrieb verschlang. An was sterben die Bergbauproleten? Welche Krankheiten schlagen sie nieder? Sie sterben an Magenkrebs, Lungentuberkulose, Blutvergiftung, Rückenmarkverletzung, Herzschlag oder verunglücken tödlich und werden verschüttet.

Das größte Haus in Senftenberg ist das Krankenhaus mit der Flucht von dreißig Fenstern. In den Eingangsbüchern und Fieberkurven des Krankenhauses muss man nachlesen, um die Stadt zu erkennen, und nicht nur in den Bilanzen von Ilse, Renata, Berta, Eva und Erika, und wie sonst die Gruben des Bezirkes noch alles heißen. Senftenberg hat das Gesicht eines Säufers? Das Gesicht eines Handwerkers? Nein, hier starrt das Gesicht einer wahnsinnigen Zeit!

Die Gruben und Werke um die Stadt haben fast alle poetische Namen. Aber es sind sehr schmutzige Even, Annen, Ilsen, Renaten und Erikas. Sie schütten ja das schwarze Gold in den Tag. »Das schwarze Gold«, wie die Lokalzeitung poetisch die Braunkohle nennt, wird Gewinn, Börsentipp, Konjunkturpapier und nährt seine Leute. Bis an die kleinen Dörfer haben sich die Gruben herangefressen. Auf einer Hochfläche zum Beispiel liegt das Dorf Rauno. Dort wohnen Bergleute. Die Bauern sind schon lange ausgekauft. Alle Häuser gehören den Werken, denn unter den Häusern und schmalen Feldern liegt Kohle, und Kohle ist viel kostbarer als menschliche Sentimentalität, die von Feierabend und Heimaterde träumt. In die 790 Hektar des Dorfgebietes haben sich wie Wölfe in ein sterbendes Tier die Gruben eingeteilt. Was soll das sterbende Tier, das Dorf Rauno? Weg damit! Schon stehen die großen eisernen Bagger bereit. Die 1700 Menschen des Dorfes werden wie Blumen und Sträucher verpflanzt.

Später einmal werden die Kinder des Dorfes in der Schule antworten, wenn man sie nach ihrem Geburtsort fragt: »Es war einmal ein Dorf, Herr Lehrer, das hieß Rauno. Das Dorf gibt es nicht mehr, Herr Lehrer, aber es gibt Bergwerke dort. Die Grube »Johanna«, Herr Lehrer, und die Grube »Frieda«, Herr Lehrer, und die Grube »Beate«, Herr Lehrer.«

Der Genosse, mit dem Sommerschuh zum erstenmal durch dieses Gebiet gewandert war, arbeitete seit 1888 in der Grube, bis ihn der Unternehmer herauswarf. Er ist jetzt »bergfertig«. Fertig für die andre Grube, die kleine, gelbe und kohlenlose.

»Was willst du«, sagte damals jener Kumpel, »was heulst du, weil ein Dorf verpflanzt werden soll? Hier in ein Werk, das hat auf eigne Kosten ein Bahnwärterhaus versetzen lassen, um den schmalen Kohlenstreifen an der Strecke abzubauen. Das Geschäft muss doch nicht so schlecht gehen, wie bei allen Lohnverhandlungen gemeckert wird. Drei zu ein, sagen sie, wenn verhandelt wird, drei Meter Sand und ein Meter Kohle. Das ist Schwindel. Rechne mal aus, was ihnen das Streckenhaus gekostet hat oder das Dorf Rauno.«

»Drei zu eins kann man auch anders auslegen«, sagte Sommerschuh; »drei Schichten am Tag sind besser als eine Schicht, sie sind euch entgegengekommen und haben den Zwölfstundentag eingeführt.«

Sommerschuh besuchte die lieblosen Fabrikhäuser und Wohnbaracken. Sie waren wie menschliche Kaninchenställe und angefüllt mit unzähligen Kindern, die überall sind, wo arme Leute eng beieinander hausen. Manche Werke betonen nicht nur durch ihre Werkgemeinschaften und Wohlfahrtsorganisationen ihr soziales Herz. Sie gingen zur praktischen Hilfe über und hatten für die jungen Arbeiter große Baracken gebaut. Das waren Kasernen aus Stein oder aus Holz mit kahlen Zimmern, in denen nichts war als übereinandergestellte Holzpritschen, ein Tisch, ein Schrank und vier billige Sessel. Für die ganze Woche wurden nur 85 Pfennig Miete berechnet. Ein Lobgesang für das gute Herz der Grubenbesitzer! Ein Dankgebet für ihre praktische Lösung der Wohnungsnot! Rechnet aber genau nach, ehe ihr lobsingt! Euer Gebet wird, ehe es ausgebetet ist, ein verdammt irdischer Fluch!

Ein Zimmer in der Wohnbaracke bringt in jeder Woche von vier Leiten drei Mark, wenn man alle Unkosten abzieht. In einem Jahre bringt es immerhin einhundertfünfzig Mark. Nun gibt es Baracken, die zwanzig Zimmer haben. Und zwanzig mal hundertfünfzig ist immerhin noch dreitausend. Das gute Herz bringt der Grubenverwaltung aus einer einzigen Baracke in einem einzigen Jahr dreitausend Mark Miete ein! Das ist viel mehr, als so ein dreckiges Haus kostet.

Oder rechnet den Profit der Verwaltung nach, der ihnen aus dem schmutzigen Himmel fällt. Wir meinen den Überstundenprofit der zwölf Mann an der Presse, die täglich zwölf Stunden arbeiten und nur für zehn Stunden bezahlt werden. In der Halleschen Pfännerschaft arbeiten dreizehn Mann an den Pressen. Jeden Tag stiehlt das Werk sechsundzwanzig unbezahlte Arbeitsstunden. In einem Jahr arbeiten dreizehn Mann sechstausend Stunden umsonst. Jetzt erst wird der Kampf um die »Seele« des Bergmanns klar, den die Unternehmer führen. Diese sechstausend unbezahlten Arbeitsstunden in einem einzigen Werk öffnen die Türen zu dem Paradies des »Werkfriedens«, von dem die Grubenverwaltungen träumen, und für das sie durch völkische Intellektuelle werben lassen.

Sommerschuh wanderte durch die schwarze Landschaft des Gebietes, besuchte das sterbende Dorf Rauno, sah die unzähligen Schornsteine der vielen Fabriken und die blauen Berge der Oberlausitz. Er sah auch die strengen, gleichmäßig ausgerichteten Masten der elektrischen Hochleitung, die den Strom in hunderttausend Voltstößen nach Berlin schickt und ihre Kerzenstärke aus den Braunkohlen und ihren Sonnenstärken hebt, die vor vielen tausend Jahren dort aufgespeichert worden sind. Am Rande der Stadt verkümmerten die Überreste einiger Weinberge. In dieser Landschaft kann kein Wein wachsen. Nur Kohle wächst hier und Ziegelsteine und ein wenig Glas. Als die Sirenen den Tag zerfetzten, und als sich die schwarzen Straßen mit den Arbeitern füllten, ging der Journalist in die Stadt zurück und besuchte den Bergmann Großhahn.

Der Bergmann Großhahn bewohnte eines der kleinen netten Häuser der gemeinnützigen Siedlung, die sich von den Kasernen der Werkhäuser unterschieden wie der Tag von der Nacht. Er war einer von den namenlosen Helden der Arbeiterklasse, die im Verband und in der Partei ihre Pflicht tun, die immer unten bleiben und stolz sind, wenn sie einmal zu Lohnverhandlungen nach Berlin oder auf den Verbandstag delegiert werden. Großhahn war einer der unzerbrechlichen Träger der Organisation in der Provinz, trotzdem ihn jeden Tag zehn Stunden schwere Arbeit in der Brikettfabrik erschütterten. Kurz vor dem Krieg trat er aktiv in der Bewegung hervor, wurde von einer Arbeitsstelle zur anderen gehetzt und war lange auf der Straße. Jetzt ist er Betriebsrat und kämpft mit der schwarzweißroten Direktion für die Ziele seiner Klasse. Wenn er einmal ausgekämpft hat und stirbt, wird er in der Arbeiterzeitung und im Verbandsorgan zehn oder zwanzig Zeilen Nachruftext bekommen. Mit diesem Bergmann wanderte Sommerschuh an jenem Abend über flaches Land, um den alten Pohl zu besuchen. Der alte Pohl war der Gründer des Bergarbeiterverbandes in Senftenberg. Er war 78 Jahre alt und lag schon im Bett. Er blieb auch im Bett liegen und erzählte aus der Bewegung. Ab und zu hob er seinen Oberkörper empor und zeigte das scharfgeschnittene Vogelgesicht eines alten Mannes. Manchmal unterstrich er seine Erinnerungen lebhaft mit der linken Hand. Als der späte Gast nach der rechten Hand suchte, fand er nur einen Handballen mit dem Daumen.

Von diesem Unfall erzählte Pohl auch, aber er blieb kühl und sachlich dabei, wie es die Arbeiter sind, die jeden Tag mit der mörderischen Maschine zu kämpfen haben und immer eine Hand oder einige Finger als Risiko einkalkulieren. Die Hand war auch sehr gut verheilt. Pohl hat ein kleines Häuschen und kam mit der Altersrente und der Unfallrente schon aus. Alte Leute haben wenig Bedürfnisse. Sie leben in der Vergangenheit und Zukunft: in der Erinnerung der jungen Jahren und in der stillen Erwartung des Todes.

Emil Pohl war Weber und trat im Jahre 1868 in den Deutschen Arbeiterverein ein. Zu Hause kämpfte er mit seinen Eltern, denn der Sozialismus war auch in ihren Augen mit dem Verbrechertum gleichstehend. Im Jahre 1874 beteiligte sich Pohl, der mit den Eltern auch den Webstuhl verlassen musste, an der Reichstagwahl und agitierte für den Arbeiterkandidaten. Dabei kam es mit dem Wahlvorsteher zu einem heftigen Zusammenstoß. Der Mann will in seinem Dorf den lästigen Beobachter Pohl so heftig entfernen, dass er sich dabei die Hände an der Tür des Wahlraums blutig schlägt. Neun Stimmen wurden für die Partei ausgezählt. Die Wahl selbst wurde wegen Terrors erfolgreich angefochten. Nach vier Wochen brache die Neuwahl in dem Dorf der Partei siebenundzwanzig Stimmen. Pohl war Bergarbeiter geworden. Zehn Jahre lang verfolgte ihn der Wahlvorsteher mit wütendem Hass. Endlich gelang es ihm, den heftigen Agitator auf die Straße zu werfen. Pohl kam auf die schwarze Liste und fand keine Arbeit. Da ging er zum Webstuhl zurück. Aber das Weberbrot machte nicht satt. Als die Senftenberger Gruben erschlossen und Arbeiter gebraucht wurden, verließ der junge Weber seinen Stuhl und seine Frau und kam herüber. 1888 gründete er hier, die Partei war durch das Sozialistengesetz unterirdisch geworden, einen Arbeiterbildungsverein.

Die Arbeitsverhältnisse im Senftenberger Bezirk waren berüchtigt. Um die Arbeiter zu halten, wurde eine Lohnzulage von wöchentlich fünfzig Pfennig versprochen für jedermann, der länger als zwanzig Wochen auf einem Platz arbeitete. Acht Mitglieder des Arbeiterbildungsvereins forderten nach zwanzig Wochen die versprochenen zehn Mark. Pohl wird als Gründer des Vereins gemaßregelt. Er findet bald Arbeit in einer andern Grube. Er ist sehr geschickt und kennt den Schachtbau und alle Arbeiten, aber das hilft nicht lange. Die Grubenherren können keine Hetzer gebrauchen. Sie wollen den Bergmann Pohl kaufen. Er soll Steiger werden und weigert sich. Darum fliegt er auf die Straße und findet jahrelang keine Arbeit. Pohl war erst Weber und dann Bergmann, und jetzt wird er Händler, und das heißt: Agitator für die Bewegung. Haussuchungen kommen wie Gewitter in der Nacht. Pohl gibt nicht nach und findet endlich doch Arbeit. Im Jahre 1889 gründet er in Senftenberg mit einigen Freunden den Bergarbeiterverband. Nebenbei vertreibt er auch illegal den »Sozialdemokrat«. Vier Bergleute findet Pohl als erste Mitglieder des Verbandes. Vier lange Jahre dauert es, bis die Zahlstelle auf festen Füßen steht, die Keimzelle der Organisation, die jetzt 88 Zahlstellen im Niederlausitzer Revier zählen kann. Arbeitslosigkeit vertreibt ihn auf ein Jahr aus Senftenberg.

Der Bergmann Pohl kommt wieder zurück. Als dann für ihn immer noch keine Arbeit da ist, wird er noch einmal Händler. Vorher war er als Delegierter auf dem Bergarbeiterkongress in Berlin. Jetzt bemüht sich sogar der Landrat des Kreises, ein richtiggehender Graf, um den einfachen Bergmann. Er ließ ein Schreiben los, der Pohl müsse fort, sein Handel sei doch nur Vorwand, und sein Ziel weiter nichts als Aufwiegelung der Bevölkerung. Mit Hilfe guter Freunde kann sich Pohl ein kleines Haus kaufen und ein richtiges Geschäft aufmachen. Er hat einen Bierausschank und verkauft Lebensmittel. Die Arbeiter haben ihr erstes Verkehrslokal, das nicht nur Trinkhalle, sondern auch Klub ist. Große Streiks erschüttern das Gebiet. Pohl der Weber, Pohl der Bergmann, Pohl der Kaufmann und Genosse unterstützt die Streikenden und borgt ihnen. Er borgt weiter, trotzdem er viele hundert Mark dabei verliert. Kurz vor dem Krieg, Pohl ist schon der alte Pohl, bekommt er durch Zufall doch noch einmal Arbeit auf der Grube »Konstanzia«. Dreizehn lange Jahre rackert er sich ab, bis im Jahr 1922 das verdammte Seil dem Vierundsiebzigjährigen die Finger der rechten Hand abquetscht.

Pohl erzählte das alles dem Sommerschuh. Seine Stimme kam weither aus der Vergangenheit. Es war eine harte, fröhliche Stimme trotzt der Verfolgungen und Nackenschläge. Es war eine Stimme, in deren Melodie der Gesang und der Kampf namenloser Kameraden mitsang, die als erste den Verband gegründet und den Kampf gegen die Grubenbesitzer aufnahmen. Es war eine Stimme am Rande des Grabes, eine Stimme, die noch im Angesicht des Todes sagte:«Wenn wir zusammenhalten, werden wir siegen.«

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