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Deutsches Sagenbuch

Ludwig Bechstein: Deutsches Sagenbuch - Kapitel 991
Quellenangabe
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authorLudwig Bechstein
titleDeutsches Sagenbuch
publisherF. W. Hendel Verlag
editorKarl Martin Schiller
year1930
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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989. Der verlorene Jäger

Es ist nicht selten geschehen, daß Leute in den Untersberg entrückt worden, längere oder kürzere Zeit darinnen geblieben, dann wieder herausgekommen sind und erzählt haben, was ihnen darin begegnet; darüber gibt es viele Sagen, ja ganze Bücher, so eins von Lazarus Aizner, der hat schrecklich viele Wunderdinge im Berg gesehen, auch die Türen zu den Gängen, die nach den Kirchen führen, welche die Untersberger besuchen; einer dieser Wege geht tief unterm Königssee nach Bartholomä – und hat viel seltsamer Prophezeiungen gehört.

Einstmals ging ein Jägersbursch auf den Untersberg und ging daselbst verloren, denn er kam nicht wieder; er war in den Berg geraten und wußte nicht wie, doch hatte er sich seines Bedünkens nicht gar lange darin aufgehalten und wanderte wieder ganz wohlgemut seiner Heimat zu. Als er an die Kirche kam, die man nennt die G'main zur Mutter Gottes, so hörte er läuten und traf auf dem Kirchhof ein kleines Mägdlein an, das fragte er: Warum läutet man? – Zum Seelgottesdienst für einen Jäger, der vorig'ö Jahr auf dem Berge verloren gangen ist, antwortete das Kind. Da ging der Jäger in die Kirche und kniete nieder am Speisegitter, und nach und nach füllte sich das Gotteshaus mit Leuten, davon viele seine Verwandten waren, die ihn alle nicht erkannten. Wie es nun Zeit zum Opfer war, erhob sich der Jäger zuerst und ging voran, da erst erkannten ihn seine Verwandten und Freunde und staunten, daß der mit dem Opfer ging, für dessen arme Seele derselbige Trauergottesdienst gehalten wurde, und war nach beendigtem Dienst groß Fragens um ihn her – aber der Jäger schwieg und offenbarte nichts. Nur dem Erzbischof von Salzburg hat bald darauf der Jäger erzählt, was er gesehen und im Berge erlebt, und ein Vierteljahr danach ist er tot gewesen. Er hat Michael Holzegger geheißen, und soll sich diese Sache 1738 zugetragen haben. Und der Erzbischof ist über das, was er vom Jäger vernommen, sehr nachdenklich und tiefsinnig geworden und hat es niemand anvertraut.

*

 

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