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Deutsches Sagenbuch

Ludwig Bechstein: Deutsches Sagenbuch - Kapitel 972
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authorLudwig Bechstein
titleDeutsches Sagenbuch
publisherF. W. Hendel Verlag
editorKarl Martin Schiller
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970. Ettals Gründung

König Ludwig der Bayer tat seine Romfahrt, daß er sich krönen ließe, aber da war ihm schon ein Gegner erweckt in Friedrich dem Schönen von Österreich, den er hernachmals besiegte und zum Gefangenen annahm, das lag ihm schwer auf dem Herzen, und ward darob voll Kleinmut und ging ganz allein in eine Kirche, schloß sich in selbe ein und betete allda zu Gott unter Vergießung vieler Tränen. Siehe, da trat zu ihm eines alten Mönchen Gestalt und sprach: Folgest du meinem Rat, so wirst du aller Sorgen frei und ledig gehen. Baue zu Ampherong, als welches in deinem Lande liegt, alsbald nach deiner Rückkehr ein Kloster, zur Sühne eines dort geschehenen großen Mordes, zur Ehre der hochgebenedeiten Gottesmutter, und gib es in die Regel Sankt Benedikts. – Nach dieser Rede brachte der Mönch ein Muttergottesbild aus seinem Gewand, das war weiß wie Schnee, vom feinsten Alabaster, und gab es dem Könige. Ludwig nahm es in Ehrfurcht, aber er sprach: Ampherong? Ampherong? Nie Hab' ich solchen Ort meines Landes nennen hören! Und bin kummer – und sorgenvoll, von einem mächtigen Feind bedroht, habe Geldes wenig und der Schulden viele, wie soll ich dann ein Klösterstifter und Begaber sein? – Darauf entgegnete der Mönch: Zweifle nicht, o König, sondern glaube und vertraue auf Gott und die allerseligste Jungfrau Maria. Wen Gott erhöhen will, den erhöhet er sonder Menschenrates, und wem er geben will, der hat. Solches wirst du inne werden, wann du nun allhie zu Rom gekrönet wirst mit großen Ehren und die Fürsten vor dir knieen und dich bitten, daß sie von dir Lehen empfahen. – Und da nahm der König wahr, daß dieser Mönch ein Bote von Gott sei, und wollte das Knie vor ihm beugen:

da verschwand der Mönch. Und bald hernach traf alles so ein, wie der Mönch es vorhergesagt, und der König zog heim mit dem weißen Marienbild und hielt es heimlich und erfreute sich daran gar wunderbarlich, und da er heim in sein Land kam, forschte er nach dem Namen Ampherong. Da ward ihm durch einen Jäger ein wilder Wald und ein ödes Tal gezeigt, und der König ließ den Wald schlagen und eine runde Kirche bauen, in die stiftete er das Marienbild und gründete das Kloster, dem von dem öden Tale der Name Ödtal, Edtal, Ettal wurde.

*

 

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