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Deutsches Sagenbuch

Ludwig Bechstein: Deutsches Sagenbuch - Kapitel 849
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authorLudwig Bechstein
titleDeutsches Sagenbuch
publisherF. W. Hendel Verlag
editorKarl Martin Schiller
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847. Hausgeister zu Nürnberg

Zu Nürnberg hat es von je allerlei Merkwürdiges gegeben, auch Hausgeister und Alraune fehlten nicht, und da neben dem Hausgeist der Handelsgeist in dieser ehrwürdigen Reichsstadt besonders mächtig war, ist es vorgekommen, daß heimlich Handel getrieben ward mit leibhaften Alraunen und Spiritus familiares. Ein altes Handelshaus hatte sie unter dem Namen Heckewurm und hielt sie hoch im Preise, eine bis zwei Pistolen das Stück, und es gab in der Tat gläubige Narren, die davon kauften.

Eine Goldschmiedsfrau hatte einen Spiritus familiaris. Einst sprach er zu ihr: Frau, ein Sandkörnchen hat Euer Leben behütet! – Dieser Geist warnte sie vor Gefahren, betete mit ihr und sang mit ihr schöne Lieder und Psalmen und war ihr gut und nütze. Da überkam sie der leidige Frauentrieb, die schlimme Neugier, sie wollte den Geist durchaus sehen, wie jene Köchin den Hinzelmann. Vergebens warnte sie der Geist und sagte ihr, sie werde es bereuen. Sie drang immer heftiger in ihn – und da sie nun in ihre Kammer trat, so sah sie an der Mauer einen Schatten gleiten, anzusehen wie ein todbleiches Kind in weißem Totenhemdchen, eine Sanduhr in der Hand haltend, deren Sand fast verronnen war, und auf sotanes oberes Glas deutend und schnell verschwindend. Die Frau entsetzte sich, fiel alsbald in schwere Krankheit, ihr Lebenssand verrann, und ihr Geist entfloh.

So war auch einer zu Nürnberg, der konnte die Geister beschwören, aber so, daß auch wirklich welche kamen. Er machte aber dazu sondere Zeremonien, deckte ein Tischlein, setzte Milchschüsselchen darauf, neue Messerchen und Tellerchen und Jungfernhonig, riß einer schwarzen Henne den Kopf ab, ließ Blut auf die Speise träufeln und nahm noch allerlei sonstiges seltsames Gebaren vor. Dies tat er im Freien auf einem heimlichen Plan, und dann barg er sich hinter einen Baum, und da kamen zwei Erdmännlein, setzten sich an den Tisch, speiseten und beantworteten die Fragen, die Paul Cruz, so hieß der Mann, an sie tat. Selbst den König dieser Geisterlein brachte er ans Licht, der kam ganz allein, trug ein rotes Scharlachmäntelein, warf ein Buch auf den Tisch und ließ den Geisterbanner darinnen lesen, der schöpfte daraus große Weisheit und seltsame Geschehnisse. Ob er aber auch das Geheimnis, selig zu sterben, darinnen funden, ist Gott allein bekannt.

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