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Deutsches Sagenbuch

Ludwig Bechstein: Deutsches Sagenbuch - Kapitel 785
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authorLudwig Bechstein
titleDeutsches Sagenbuch
publisherF. W. Hendel Verlag
editorKarl Martin Schiller
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783. Amalbergas Schlösser

Als Thüringens König Irminfried noch sein weitausgedehntes Reich beherrschte, stand auch auf dem sogenannten Hammelburger Berg in der Nähe der alten Stadt Hammelburg ein Schloß, welches Amalberga, die Thüringer Königin, erbaut haben soll, von der denn auch die nahe Stadt den Namen getragen. Dieser Berg liegt der Saale aufwärts nach Westheim zu, und es sind von dem Schlosse noch einige Trümmer zu gewahren. Bei diesen Trümmern hütete einst ein Knabe die Schafe, und da es ein sehr heißer Tag war, so schlief er vor Ermattung ein. Da erblickte er im Traum ein wunderschönes Frauenbild, das winkte ihm still, zu folgen, und er folgte ihm. Beide kamen in ein prächtiges Schloß, und die schöne Frau winkte ihm von Zimmer zu Zimmer, so daß sie alle Prachträume durchwandelten; dabei zeigte sie ihm Truhen voll Goldes, Silbers und köstlicher Edelsteine, von denen zu nehmen die Frau dem Knaben durch Zeichen gebot. Es reizte ihn aber nichts als eine schöne natürliche Blume, welche er auf einem Marmortische liegen sah, die Frau reichte ihm dieselbe, seinen Hut damit zu schmücken, und dann gingen sie aus dem Schloß. Jetzt plötzlich erwachte der Knabe und nahm wahr, daß er alles nur geträumt, und dennoch war auf seinem Hut die Blume befestigt, und als er sie ansah, war sie von lauter purem Golde.

Dies hat eine alte brave Frau erzählt, von der noch Enkel leben, und sie hatte jenen Hirten gut gekannt, der auch ihr und andern oft die Blume gezeigt. Auch viele andere unheimliche Mär erzählt man sich noch von dem alten Schloß.

Auch auf der Burg Saaleck, in deren Nähe im Jahre 9 nach Christo die Markomannen die Drusen schlugen, steht noch ein uralter starker Turm, den soll Amalberga auch erbaut haben. Man sagt ihr nach, sie habe mit diesem Turme dasselbe getan, was jene spätere französische Königin mit dem berüchtigten Turme von Nesle in der Stadt Paris, junge Liebende an sich gelockt und nach gebüßter Lust, daß ihrer keiner sie verrate, sie in diesem Turme umbringen lassen. Darum ist es auch nicht geheuer dort, irrende Flämmchen und aufzuckende Feuer umschweben und umwebern die gebrochenen Zinnen.

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