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Deutsches Sagenbuch

Ludwig Bechstein: Deutsches Sagenbuch - Kapitel 745
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authorLudwig Bechstein
titleDeutsches Sagenbuch
publisherF. W. Hendel Verlag
editorKarl Martin Schiller
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743. Bonifaziusfels und Lutherbuche

Dicht beim Schlosse Altenstein ragt der Bonifaziusfels empor. Es ist unzweifelhaft mehr als Sage, daß der Thüringer Apostel an dieser Stätte und von diesem Felsen dem Volke die Christuslehre gepredigt, daß er in der Nähe Kapellen gründete; mehr als eine Wüstung und manche geschichtliche Wahrnehmung gibt davon Kunde. Vor mehr als hundert Jahren stand noch an dem Fels eine hohe runde Mauer ohne Dach, der Überrest einer Kapelle, welche schon damals aus Überlieferung allgemein der Bonifaziusturm genannt wurde und auf alten Abrissen des Schlosses Altenstein und seiner Umgebung also ausdrücklich benamt steht.

Über diese Höhe, am Bonifaziusfels vorbei, zog im Frühling 1521 Doktor Luther, als er von Worms kam und in seinem Heimatorte Möhra gerastet und gepredigt hatte, um nach Wittenberg zurückzukehren; da wurde er eine halbe Stunde weiter hinauf im Walde ohnweit den Trümmern einer Wallfahrtkapelle aufgehoben und auf Wartburg geführt, und zwar zunächst einer starken Buche über einer Quelle, aus welcher Luther trank. Man zeigt in des Glasbach Nähe noch einen Stein am Wege mit dem Abdruck eines Mannesfußes und nennt ihn den Luthersfuß. Die Aufhebung Luthers geschah durch den Hauptmann Hans von Berlepsch, Amtmann auf Wartburg, und Burkhard von Wenkheim, Schenk-Landrentmeister und Amtmann zu Gotha, welche der Kurfürst von Sachsen heimlich dazu beauftragt hatte. Burkhard Hund von Wenkheim hatte hier auf Altenstein sein Stammschloß und väterliches Erbe, von seinem Geschlecht geht eine ähnliche Sage wie jene von den neun, und den zwölf, und den sieben Knäblein auf einmal, und vom Ursprung der Welfen. Da soll die Frau von Wenkheim, die eine mit Drillingen gesegnete Bettlerin heftig ob ihres Kindersegens schalt, von dieser verflucht worden sein und dreizehn Knäblein auf einmal geboren haben. Die Magd, die zwölf der Knäblein in das Wasser tragen sollte, sagte zu dem ihr begegnenden Herrn auf seine fragende Anrede, sie trage Hunde, worauf er die Knäblein in heimliche Erziehung gab, die Mutter in ein Kloster verstieß und den Söhnen zu ihrem Familiennamen den Namen Hund beilegte. So entstand das nun ausgestorbene Geschlecht der Hund von Wenkheim, dessen Name in jener Gegend durch manche fromme Stiftung noch im Segen fortlebt.

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