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Deutsches Sagenbuch

Ludwig Bechstein: Deutsches Sagenbuch - Kapitel 494
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authorLudwig Bechstein
titleDeutsches Sagenbuch
publisherF. W. Hendel Verlag
editorKarl Martin Schiller
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492. Teufelsbad und Teufelskreise

Vom Sperrhügel läuft der Rennweg fort und fort über den Gebirgsgrat des Thüringer Waldes einerseits nach dem Inselberg, anderseits nach dem Beerberg in der Nähe des Schneekopfgipfels hin, den drei höchsten Punkten des Waldgebirgs. Wie auf dem Hochgipfel des Harzes, dem Brocken, so hat auch auf dem Schneekopf der Teufel seinen Aufenthalt, Spiel-, Turn- und Tummelplatz. Wenn es ihm in einer seiner gottverfluchten Spielhöllen in den Bädern drunten zu heiß geworden, geht er der Abkühlung halber in das Teufelsbad auf dem Schneekopf, und wenn es ihm einmal nicht mehr in den Kreisen der menschlichen Gesellschaft gefällt, fährt er hier herauf in die Teufelskreise, da ist ihm sehr wohl, da neckt und foppt er die Reisenden, und wo er nicht ausreicht, tut's trotz ihm der dicke Kreiser auf der Schmücke, der Schmücke Schmuck und Zier, die nur ein halbes Stündchen hoch unterm Schneekopfgipfel liegt. Auf der Schmücke ist eine Fohlenweide, da hatte ein reicher Filz auch ein sehr schönes Fohlen dabei, aber wenn Unglück sein Spiel haben soll – gerade als er hinaufkam, nach dem Fohlen zu sehen, hatte sich's verlaufen, war nirgend zu finden. Da brannte der Rhein und der Main, der Mann war außer sich – rannte selbst mit fort, das Fohlen im Walde zu suchen – und murmelte immer vor sich hin: Wo es nur der Teufel hat? Wo es nur der Teufel hat? – und da kam er unvermerkt an das Teufelsbad – und siehe – da drinnen hatte es der Teufel – es guckte gerade nur noch mit dem Hinterviertel heraus und schien tot. Der unglückliche Fohlenbesitzer schlug die Hände überm Kopf zusammen, rief, schrie – niemand hörte ihn, niemand kam zu Hülfe, er allein vermochte nicht das Pferd aus dem Wasser zu ziehen, dennoch wagte er sich auf der schwankenden Moosdecke bis an das arme Rößlein und dachte: Verfluchtiger Teufel, den schönen Schweif sollst du doch nicht haben, den kann der Kreiser zu Schneiseschlingen mir abkaufen und damit die Kramtsvögel fangen, die er seinen Freunden – verspricht, aber alle selber ißt. – Zog sein scharfes Taschenmesser, schnitt rups und kahl den Schweif dicht am Bürzel ab und trabte wieder zur Schmücke hinunter. In der Türe stand Herr Joel und rief ihm freudig entgegen: Es ist da! Es ist da! – Was ist da? fragte der Geizkragen. – Das Fohlen! – Wo? Wo? – Na, es wird etwa im Speisesaal sein oder auf dem Oberboden! – Was zum Kuckuck habt Ihr denn da in der Hand? Ihr seid wohl unversehens Pascha von einem Roßschweif geworden? – Der Fohlenbesitzer hörte auf kein Wort weiter, er rannte in den Stall – da stand sein Fohlen – aber o Schrecken – der Schweif war ihm abgeschnitten rups und rattenkahl, den hielt der Filz in der Hand, und der Bürzel blutete noch. So hatte ihn der Teufel geäfft, den Schaden hatte er, und für den Spott brauchte er droben auf der Schmücke nicht zu sorgen. Der Kreiser kaufte die Pferdehaare nicht und schickte andern auch keine Kramtsvögel.

Einem Bergmann aus Goldlauter begegnete einst in einer Mondnacht da droben ein großer stattlicher Reitersmann in einem roten Mantel, der fragte ihn um den Weg nach dem Teufelsbad, und der Bergmann ging mit und zeigte den Weg. An Ort und Stelle stieg der Reiter ab, gab dem Bergmann sein Pferd zu halten und senkte sich mir nichts dir nichts in das Teufelsbad hinein. Der Bergmann schauderte, und das Roß schnaubte Feuer und stand nur auf drei Beinen, weil es deren nicht mehrere hatte. Nach einer Weile stieg der Reiter wieder aus dem Bad und auf sein Roß, ließ sich wieder auf den Weg bringen und ritt nach dem Finsterberg zu, übers Mordfleck hinüber, nachdem er dem Führer zugerufen: Fülle Laub in deinen Kober! – Das tat denn auch der Bergmann und schlug den steilen Weg nach Goldlauter hinunter ein – da dünkte ihm, der Kober sei doch gar zu schwer und das doch eigentlich ein schlechter – nein – gar kein Lohn für einen Weg zu weisen und ein dreibeiniges Pferd zu halten. Laub in den Kober – lausig und power – murrte der Bergmann und schmiß das Laub wieder aus dem Kober heraus. Als ihm am andern Morgen seine Frau Essen in den Kober tun wollte, hingen an dessen Wänden noch unterschiedliche Goldblättlein – das war für die armen Bauern ein gefundenes Essen – es machte sie reich. Aber wenn der Bergmann erst das andere Laub nicht weggeworfen hätte, zum Grafen von Henneberg hätte er gehen und fragen können: Wie teuer dein Land?

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