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Deutsches Sagenbuch

Ludwig Bechstein: Deutsches Sagenbuch - Kapitel 316
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authorLudwig Bechstein
titleDeutsches Sagenbuch
publisherF. W. Hendel Verlag
editorKarl Martin Schiller
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314. Die Tänzer von Kolbeck

Im Dorfe Kolbeck bei Halberstadt war vor langen langen Jahren ein Bauer, der hatte immer den Krug lieber als die Kirche und trieb gern leichtfertige Sachen. So ließ er sich beigehen, in einer Christnacht mit noch fünfzehn Kameraden, die er beredete, und drei Weibsbildern während der Christmette auf dem Kirchhof einen Tanz zu halten mit lautem Juhu und Heirassa. Darauf trat der Pfarrer aus der Kirche und strafte die Tänzer, welche die heilige Weihnacht so freventlich entweihten, mit ernsten Worten, aber der Bauer kehrte sich nicht daran, vielmehr rief er dem Pfarrer spottend zu: Du heißest Ruprecht, ich heiße Albrecht!

Sing du drinnen deine Leichen (Liedweisen),
Wir singen und tanzen draußen unsern Reigen. –

Da hob der Pfarrherr seine Hände auf und rief: Ei so wolle Gott und Sankt Magnus, daß ihr tanzen müßtet Jahr und Tag! Und alsbald ging diese Verwünschung in Erfüllung. Die Tänzer vermochten nicht einzuhalten, nicht aufzuhören, fort und fort riß es sie hin mit Allgewalt, der Morgen kam, und der Tag verging wieder – sie tanzten, und durch die Nacht hindurch tanzten sie, und am folgenden Morgen, und das immer so fort, Tag und Nacht. Regen traf sie nicht, die Sonne brannte sie nicht, nicht Hunger und Kälte, nicht Durst und Hitze fühlten sie, ihre Schuhe rissen nicht ab, an ihren Kleidern war kein Zergang. Als der tolle Reigen begann, wollte der Küster, dessen Schwester auch dabei war, dieser mit Gewalt Einhalt tun und sie losreißen, da hatte er ihren Arm in der Hand, und sie tanzte einarmig weiter. Und das ging so fort Tag und Nacht, zwölf volle Monden lang, und hatten sich bis auf halbe Leibeshöhe in die Erde getanzt und einen Graben mitten durch die Gräber. Da kam endlich der Bischof Heribert von Köln, der sprach über die Tänzer Gebet und Formel und lösete sie aus dem Bann ihrer Sünde. Viere sanken alsbald tot zu Boden, die andern erkrankten schwer. Danach hat man so viele Steine an den Ort gesetzt, als Tänzer und Tänzerinnen waren, und hat das Dorf Tanzdorf genannt, und ein Grauen ging die Menschen an, wenn sie nur den Namen nennen hörten.

*

 

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