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Deutsches Sagenbuch

Ludwig Bechstein: Deutsches Sagenbuch - Kapitel 287
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authorLudwig Bechstein
titleDeutsches Sagenbuch
publisherF. W. Hendel Verlag
editorKarl Martin Schiller
year1930
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285. Deesenberg

Gleich dem Köterberge ist auch der Deesenberg weit berufen, daß in ihm viele Schätze verborgen liegen und mancher in das Innere Geführte das Beste vergessen habe. Die Burg auf dem Deesenberge soll, wie manche behaupteten, Karl der Große erbaut und allda seinen Sitz gehabt haben in den Kriegen gegen die Sachsen, habe sich auch mit feinem Hoflager hinabgebannt in den Bergesschoß, wo er gleich dem Barbarossa an einem Steintisch sitzt, durch den sein langer Bart gewachsen ist, und daraus er einst wieder hervorgehen werde und sein großes zerfallenes Reich wiederherstellen. Hirten und Schäfer haben den alten Kaiser vordem zuzeiten sitzen sehen, und solche, die ihm Lieder vorpfiffen, sind beschenkt worden. Ein Bäcker aus dem nahen Warburg, der dem alten Kaiser Weißbrot brachte, empfing reiche Begabung. Sonst ist der Stadt Warburg vom Deesenberge aus mehr Drangsal als Begabung widerfahren. Andere Kunden berichten, daß schon vor Karl dem Großen auf dem Deesenberg eine Bergfeste der alten Sachsen stand, und manche behaupteten dann, der Deesenberg sei das alte Dispargum, darum einst so viel unnützen Gelehrtenstreites war, recht wie um des Kaisers Bart, weil alle die uralten befestigten götterheiligen Burgstätten in frühester Heidenzeit Dispargen hießen, da blieb denn an einer und der andern der frühere Klang des Namens haften, und so mag wohl auch auf dem Deesenberge eine Disparge gestanden haben. Da nun Karl der Große die alten Burgen in jenem Lande alle gewann, Iburg und Syburg, Ehresburg und Bransberg und Bukke und andere, so befestigte er die starke Burg noch mehr und setzte einen seiner Treuen des Namens Konrad Speegel als Burgmann darauf, von dem stammt das berühmte Geschlecht der Spiegel vom Deesenberge ab. In spätern Zeiten wurde die Burg den Bischöfen von Paderborn und den Abten von Corvey ein Dorn im Auge, denn die Besitzer plagten die Umgegend, insonderheit Städte und Stifter, weidlich, und ward oft heftig um den Deesenberg gestritten, die Burg erobert, zerstört und wieder aufgebaut, bis das zahlreich vermehrte Geschlecht ihrer Besitzer am Bergesfuß vier neue Stammsitze baute und die alte Stammburg verließ.

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