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Deutsches Sagenbuch

Ludwig Bechstein: Deutsches Sagenbuch - Kapitel 271
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authorLudwig Bechstein
titleDeutsches Sagenbuch
publisherF. W. Hendel Verlag
editorKarl Martin Schiller
year1930
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269. Die Frauen zu Kulm

Im Pommerlande und über Kassuben herrschte ein Herzog des Namens Swentipol, der war zum Christentum bekehrt, aber in seinem Herzen war er ein Heide geblieben, daher unterhielt er auch heimliche Freundschaft mit den heidnischen Preußen, und zuletzt zeigte er sich durch offenen Abfall als wahren Widersacher des Christentums und des Deutschen Ordens. Als solcher befestigte er seine Burgen an der Weichsel und führte offnen Krieg gegen den Orden, verschmähte aber auch die List nicht, wenn es nur galt, das Leben vieler Christen in seine Gewalt zu bekommen und hinzuschlachten. So rückte er auch mit großer Kriegsmacht vor Kulm und hätte die Stadt gar gern in seine Gewalt gebracht, konnte aber gegen dieselbe mit Stürmen nichts ausrichten, machte einen scheinbaren Rückzug und legte sich mit seinem Volk in einen Hinterhalt, einen morastigen Bruch, welcher Ronsen hieß, und rechnete, daß die Belagerten bald herauskommen würden, um von den Dörfern neue Mundvorräte beizutreiben. Das geschah auch wie erwartet. Swentipol brach mit seinem Volk aus dem Hinterhalte hervor und erschlug alle Ritter und Knechte, meinte dann, es sei ein leichtes, jetzt die Stadt einzunehmen. Aber in die Stadt war durch einen Flüchtling schon die Kunde von des Feindes Überfall und Heranzug gekommen, da scharten sich die Frauen und Jungfrauen zusammen, warfen sich in Männertracht und Rüstung und besetzten die Mauern, entschlossen, die Stadt auf Tod und Leben zu verteidigen, denn was sie von den Heiden zu befahren hatten, konnten sie wohl denken. Wie nun Swentipol diese stattliche und wohlgerüstete Heerschar auf den Mauern von weitem sah, dachte er, daß er Kulm schwerlich sonder großen Verlust an den Seinen gewinnen werde, und nahm den Abzug. Das hat den Frauen und Jungfrauen von Kulm viel Ruhm und Ehre gebracht, daß sie so mutig und tapfer den Feind abwehren wollen, und ist der Nachwelt unvergessen.

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