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Deutsches Sagenbuch

Ludwig Bechstein: Deutsches Sagenbuch - Kapitel 199
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authorLudwig Bechstein
titleDeutsches Sagenbuch
publisherF. W. Hendel Verlag
editorKarl Martin Schiller
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197. Der Zauberer von Plön

Es saß auf dem Schlosse Plön Herzog Johann Adolf zu Holstein-Sonderburg, der war ein großer Kriegsheld, aber auch ein großer Zauberer. Er verstand die Passauer Kunst, war kugelfest und konnte sich unsichtbar machen. Die Feinde konnte er so verblenden, daß sie weder ihn noch seine Leute sahen. Einmal war er recht im Gedränge, da verwandelte er sich und alle seine Streiter in Bäume, da standen die Feinde und gafften den Wald an und traten an die Bäume und taten, was sie nicht lassen konnten, davon hatten hernach die Krieger Johann Adolfs ihre Stiefeln voll.

Schloß Plön ist ganz von weiten Seen umgeben; in Ferne einer Meile davon liegt Stocksee, aber der Umweg, den man zu Lande machen muß, ist viel länger. Der Herzog war gern in Stocksee und fuhr Sommer und Winter über den großen Plöner See zu Wagen hinüber. Einmal fuhr ein Bauer hinter dem Herzog her und kam auch glücklich an den Strand. – In wessen Namen tatest du das? fragte ihn der Herzog. Im Namen von Euer Herzoglichen Gnaden! antwortete der Bauer. Das war dein Glück, sprach der Herzog, aber ein anderes Mal laß es bleiben! –

Aus Stocksee wollte der Herzog gern eine Stadt gemacht haben und befahl beim Antritt eines Kriegszugs nach Ungarn und gegen Polen unter Kaiser Leopold, den Ort zu vergrößern, seiner Gemahlin aber, Dorothea Sophia, geborne Prinzessin von Braunschweig, gefiel Plön besser, sie nahm das für Stocksee ausgesetzte Geld und erbaute die Neustadt Plön. Als der Herzog zurückkam, fuhr er sogleich nach Stocksee, und da er von seinen Befehlen nichts vollzogen sah, schwur er, daß seine Frau sterben solle. Sie erfuhr das alsobald, und als sie aus einem Fenster des Schlosses ihren strengen Gemahl heranfahren sah, stürzte sie sich aus dem Fenster. Der Herzog aber gebrauchte seine Kunst, und sie kam ohne Schaden an den Boden, und der Herzog sagte ihr, er habe allerdings geschworen, daß sie sterben solle, doch Eile habe es mit dem Sterben keine, sie möge doch warten, bis ihr Stündlein von selbst schlage. Das hat sie getan und hat ihren Herrn und Gemahl noch überlebt.

Zwischen Plön und Stocksee liegt ein Dorf, heißt Ruhleben, alldort hat Herzog Johann Adolf sein unruhiges Leben beschlossen, bei seinem Tode soll es aber eigen hergegangen sein, man spricht nicht gern davon, zeigt aber im stillen ein Fenster, aus welchem der Herzog von einem Unbekannten geholt worden sei.

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