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Deutsches Sagenbuch

Ludwig Bechstein: Deutsches Sagenbuch - Kapitel 191
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authorLudwig Bechstein
titleDeutsches Sagenbuch
publisherF. W. Hendel Verlag
editorKarl Martin Schiller
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189. Die schwarze Schule

Viele Sagen gehen in Nordfriesland und in Norddithmarschen von der schwarzen Schule, in welcher kein anderer der Schulmeister ist als der Teufel selbst. In diesem seinem Seminarium unterrichtet der Schwarze junge Theologen und Schulmeister in gar mancherlei geheimen Künsten, doch nicht umsonst, sie müssen ihm ihre Seele verschreiben und eine gewisse Bedingung festhalten, fehlt einer deren und versieht's einmal, so ist seine Seele verloren. Die meisten versehen's. Da muß einer nur ein Strumpfband tragen, ein anderer darf sich nur einmal die Woche rasieren, ein dritter darf nie anders die Strümpfe anziehen als verkehrt. Die Künste, welche diese schwarzen Scholaren lernten, bestanden in Bannen, Festmachen, sich an andere Orte schnell hinzücken, erfahren, was daheim geschieht, und wenn sie noch so weit vom Hause sind, andere, besonders Diebe, stehenbleiben machen, sie festschreiben, festlesen und dgl. Bisweilen glückt es einem oder dem andern, den Teufel, der seinen Bündnern fort und fort nachstellt und dahin wirkt, daß sie das Gelobte nicht halten, zu überlisten, denn manchem Pastoren und Schulmeister auf dem Lande ist fürwahr der Teufel selbst noch nicht klug und schlau genug. So wird viel gesprochen von einem Pastor in Medelby im Amte Tondern, des Namens Fabricius, der konnte mehr als Brot essen, weil er in die schwarze Schule gegangen, und der durfte niemals zwei Strumpfbänder anlegen, sondern immer nur eins. Damit er nun sich vergäße, lagen gar manchesmal früh beim Aufstehen zwei Strumpfbänder auf seinem Stuhle, damit fing ihn aber der Teufel keineswegs. Hierauf plagte der Teufel das Mädchen, das für den Pfarrer Strümpfe strickte, als Floh, da ließ sie oft die Maschen fallen und juckte sich, und da wurden die Strümpfe zu weit, weil sie sich auch zum öftern verzählte, nun fiel der Strumpf ohne Band herunter auf die Ferse, das verschlug aber dem Pfarrer alles nichts, er band ihn doch nicht fest, sondern ließ ihn hängen, und der Teufel konnte ihm nichts anhaben. Ein anderer Pastor, hieß Ziegler, durfte auch nur ein Strumpfband tragen, doch nur auf Zeit eines Kontraktes mit dem Teufel, nach dessen Ablauf wollte jener kommen und ihn holen. Da nun die Zeit um war, kam der Teufel frühmorgens, und der Pfarrer zog sich langsam an; zuerst zog er die Strümpfe verkehrt an, das war dem Teufel schon ganz zuwider, dann zog er sich weiter sehr langsam an, und der Teufel verlor die Geduld und sagte: Mache endlich, daß du fertig wirst, das dauert ja eine Ewigkeit! Ich habe mehr zu tun. Jetzt warte ich keinen Augenblick länger, als bis du dein Strumpfband angelegt. Der Pastor Ziegler hatte schon das Strumpfband in der Hand, aber als der Teufel das sagte, legte er es ganz langsam wieder hin, sprach zum Teufel: Guten Morgen! – und legte sich auf die andere Seite. Wütend fuhr der Teufel von dannen und kam nimmermehr wieder, und nimmermehr wieder trug der Pastor ein Strumpfband. Als er noch einmal herumgeschlafen hatte, nahm er eine Schere und schnitt seine Strümpfe unter der Wade ab, so erfand er die Strumpfsocken, wie sie die meisten Männer jetzt tragen, und brauchte keine Strumpfbänder mehr.

*

 

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