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Deutsches Sagenbuch

Ludwig Bechstein: Deutsches Sagenbuch - Kapitel 19
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authorLudwig Bechstein
titleDeutsches Sagenbuch
publisherF. W. Hendel Verlag
editorKarl Martin Schiller
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17. Blümelis-Alpe

Im Berner Oberland liegt ein Bergzug, die Klariden geheißen, darauf waren herrliche Weiden, alle voll der kräftigsten Alpenkräuter und Blumen, so daß jede Kuh des Tages dreimal gemolken werden konnte und jedes Melken dritthalb Maß in den Milcheimer gab. Da war auch eine Alp, die war absonderlich schön, triftreich und ganz voll Blumen, deswegen hieß man sie auch die Blümelis-Alp. Darauf hatte ein reicher Hirte sein Haus, das war ihm weit nicht schön genug, wollt's schöner haben, baut' ein großes neues, baute eine Treppe von eitel Käsen, darüber ging er mit seiner liebsten Sennerin, seinem Hund und seiner Kuh, und wenn die Käsetreppe schmutzig geworden war, so ließ er sie mit Milch abwaschen. Im Tale wohnte des Hirten fromme Mutter, die wußte nichts von ihres Sohnes Frevel und gottlosem Tun, ging einmal eines Sonntags hinauf auf die Blümelis-Alpe, wollte die Sennerei besuchen, und erdürstete sehr, bat deshalb, als sie kam, um einen Labetrank. Die Sennerin sah die Alte gar ungern kommen, und der Sohn desgleichen, und beide fürchteten deren Vorwürfe und wollten sie gern bald wieder hinab haben. Und als die Alte trank, fand sie, daß eine ruchlose Hand Sand auf die Milch gestreut hatte. Da wandte sich die Alte alsbald von hinnen, schritt die Alpe hinunter, stand drunten still, hob die Hände empor und verwünschte die Gottlosen. Alsbald brach ein Wetter los, wie wenn der Jüngste Tag käme, und der kam auch für die Blümelis-Alp und für alles, was auf ihr lebte, Hirt und Sennerin, Kuh und Hund – Haus und Gehöft – alles fand seinen Untergang, und über die Alpe lagerten sich Gletschereis und Felsentrümmer. Auf diesem öden Gefild spukte nachher der Geist des Hirten umher und klagte:

Ich und min Kathryn,
Min Kuh Brandlin,
Und min Hund, der Rhyn
Müssen stetig uf Klaride syn!

Es geht die Sage, diese umirrenden Geister wären zu erlösen, wenn einmal an einem Karfreitag ein frommer Senne die gespenstige Kuh ganz stillschweigend ausmelke, der Dornen an den Handschuhen habe. Einstmal wagt' es einer, ob die Kuh sich wegen der Dornen noch so wild stellte, und hatte schon den Eimer halb voll. Da klopft' ihn ein Mann auf die Schulter und fragte: Schäumt's auch wacker? – Der Senn vergaß des Schweigens Bedingung und sagte: O ja, es schäumt wohl. – Da riß mit einem Ruck die Kuh sich los, trat den Eimer um und verschwand, und die Geister der Blümelis-Alp blieben unerlöst.

*

 

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