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Deutsches Sagenbuch

Ludwig Bechstein: Deutsches Sagenbuch - Kapitel 113
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authorLudwig Bechstein
titleDeutsches Sagenbuch
publisherF. W. Hendel Verlag
editorKarl Martin Schiller
year1930
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111. Nibelung von Hardenberg und der Zwerg Goldemar

I Jülicher Lande saß ein Edler, des Namens Nibelung von Hardenberg, dem waren die Schlösser Hardenberg, Hardenstein und Rauenthal, und bei ihm wohnte ein Zwergenkönig oder Elbe, der hieß Goldemar, der war dem Nibelung von Hardenberg und nicht minder dessen schöner Schwester gar sehr zugetan, gab Ratschläge und war hülfreich in allen Sachen. Und obschon der Elb Goldemar sich nicht sehen ließ, vielmehr stets unsichtbar blieb, so ließ er sich doch deutlich wahrnehmen, er trank Wein mit dem Ritter, spielte mit ihm und seiner Schwester im Brett und selbst mit Würfeln und spielte auch die Harfe gar wundersam, daß kein Mensch auf Erden ihr solche Töne entlocken konnte. Wollte Nibelung sich überzeugen, ob wirklich der Elbe bei ihm sei, so fühlte er nach dessen Hand, und die war sehr klein, zart, weich und warm. Dieser Elb trieb es also drei Jahre lang auf Hardenbergs Schlössern und beleidigte niemand, da geschah es, daß er beleidigt wurde, denn die Hausgenossen, denen seine Anwesenheit unverborgen war, wurden von Neugierde geplagt, ihn zu sehen und doch zu erfahren, wie der Elbe aussähe. Da streuten sie heimlich Asche auf den Fußboden und Erbsen, und Goldemar der Zwerg kam, sich nichts versehend, in den Saal und trat auf die Erbsen und glitt aus und fiel, und seine Gestalt drückte sich in die Asche ab. Die war aber gestaltet wie eines sehr jungen Kindes Gestalt, und die Füße waren ungestaltet. Da kam der Elbe Goldemar nimmer wieder auf des Hardenbergs Schlösser. Er wandte sich anderswohin und entführte eine Königstochter, die hieß Hertlin. Die Mutter dieser Königstochter starb vor Leid über der Tochter Verlust, letztere aber ward durch den sieghaften Helden Dietrich von Bern, den alte Lieder feiern, befreit und von ihm geehelichet. Manche sagen, daß dieses Bern, wovon der Held Dietrich den Namen geführt, nicht das Bern in der Schweiz, auch nicht das welsche Bern, Verona, gewesen, sondern das rechte Dietrichs-Bern sei Bonn gewesen, der älteste Teil dieser Stadt habe auch Verona oder Bern geheißen, und da in dieses rheinische Land und Gefilde so viele Taten Dietrichs von Bern fallen, von denen in alten Heldenbüchern viel zu lesen, so dürfte wohl etwas Wahres an der Sache und Sage sein. Der Gezwerg Goldemar aber habe, nachdem ihm Dietrich die Beute abgedrungen, die Riesen zu Hülfe gerufen und Berge und Wälder ringsum schrecklich verwüstet. Die Stadt Elberfeld soll ihren Namen von nichts anderm tragen als von den Elben, auf deren Felde sie begründet ward.

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