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Deutsche Sagen

Brüder Grimm: Deutsche Sagen - Kapitel 438
Quellenangabe
typelegend
booktitleDeutsche Sagen
authorBrüder Grimm
year1981
firstpub1816
publisherWinkler Verlag
addressMünchen
isbn3-538-05096-1
titleDeutsche Sagen
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170830
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Sankt Arbogast

St. Arbogast, Bischof zu Straßburg, kam in große Huld und Heimlichkeit mit Dagobert, König zu Frankreich; und nichts gehrte der König lieber, als oft mit ihm zu sprechen und seinen weisen Rat zu haben. Einmal geschah, daß des Königs Jäger und Siegebert, sein Sohn, in den Büschen und Wäldern jagten an der Ill, wo nachher Ebersheim, das Münster, aufkam, und fanden einen großen Eber; dem rannten sie nach mit den Hunden, einer hin, der andre her. Und da kam's, daß Siegebert der Knabe ganz allein ritt und ungewarnt auf den Eber stieß. Das Roß scheute vor dem Wild, daß der Knabe abfiel und im Stegreif hangenblieb; da trat ihn das Pferd, daß er für tot dalag. Als ihn nun des Königs Diener ertreten fanden, hoben sie ihn auf mit großem Leide, führten ihn heim, und er starb am andern Tag. Da wurde Dagoberten geraten, zu St. Arbogast zu schicken; der kam alsbald, und nach viel Rede und Klage kniete er vor die Leiche und rief Unsre Frauen an: seit sie das Leben aller Welt geboren hätte, daß sie dem Knaben sein Leben wieder erwürbe. Da ward der Knabe wieder lebend und stund auf in den Totenkleidern, die zog man ihm aus und tät ihm an königliche Kleider. Da fielen König und Königin und alles ihr Gefolg dem Heiligen zu Füßen und dankten seiner Gnaden; weder Gold noch Silber wollte er nehmen, aber nach seinem Rate gab der König an Unser Frauen Münster zu Straßburg Rufach mit Äckern, Wäldern, Wonn und Weide.

Als nun nach vielen Jahren Arbogast an das Alter kam und krank wurde, sprach er zu seinen Untertanen: Gleichwie unser Herr Jesus begraben worden wäre auswendig Jerusalem an der Statt, da man böse Leute verderbet, also wolle er dem Heiland nachfolgen; und wann er verführe, sollte man ihn auswendig Straßburg begraben bei dem Galgen an die Stätte, wo man über böse Leute richtet. Das mußten sie ihm geloben zu tun. Also ward er nach seinem Tode begraben auf St. Michelsbühel, das war der Henkebühel, und stund damals der Galgen da. Da baute man über sein Grab eine Kapelle in St. Michaels Ehren, in dieser lag er viel Jahre leibhaftig.

 


 

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