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Deutsche Sagen

Brüder Grimm: Deutsche Sagen - Kapitel 427
Quellenangabe
typelegend
booktitleDeutsche Sagen
authorBrüder Grimm
year1981
firstpub1816
publisherWinkler Verlag
addressMünchen
isbn3-538-05096-1
titleDeutsche Sagen
sendergerd.bouillon@t-online.de
modified20170830
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Der Kirchenkrug

Als Chlodowich mit seinen Franken noch im Heidentum lebte und den Gütern der Christen nachstellte, geschah es, daß sie auch aus der Kirche zu Reims einen großen, schweren und zierlichen Krug raubten. Der heilige Remig sandte aber einen Boten an den König und flehte, daß, wenngleich das übrige Unrecht nicht wiedergutgemacht werden sollte, wenigstens dieser Krug zurückgegeben würde. Der König befahl dem Boten, ihm nach Suession zu folgen, wo die ganze Beute durch Los geteilt werden sollte: »Weist mir dann das Los dieses Gefäß zu, warum du bittest, so magst du es gern zurücknehmen.« Der Bote gehorsamte, ging mit an den bestimmten Ort, wo sie kaum angelangt waren, als auf Befehl des Königs alles gewonnene Gerät herbeigetragen wurde, um es zu verlosen. Weil aber Chlodowich fürchtete, der Krug könnte einem andern als ihm zufallen, berief er seine Dienstmänner und Genossen und bat sich von ihnen zur Gefälligkeit aus, daß sie ihm jenen Krug außer seinem Losteil an der Beute besonders zuweisen möchten. Die Franken versetzten: wem sie ihr Leben widmeten, wollten sie auch nichts anders absagen. Und alle waren's zufrieden bis auf einen, der sich erhob, mit seinem Schwert den Krug in Scherben schlug und sagte: »Du sollst weiter nichts haben, König, als was dir das gerechte Los zuteilt.« Alle staunten ob des Mannes Kühnheit; der König aber verstellte seinen Zorn und übergab das zerbrochene Gefäß dem Boten des Bischofs. – Ein Jahr darauf befahl der König, das Heer auf dem Märzfeld zu versammeln, und jeder sollte so gewaffnet erscheinen, daß er gegen den Feind streiten könne. Als sich nun jedermann in glänzenden Waffen darstellte und Chlodowich alle musterte, kam er zu dem, der mit dem Schwert den Krug zerschlagen hatte, sah ihn an und sprach: »Im ganzen Heer ist kein Feiger wie du; dein Spieß und Helm, Schild und Schwert sind unnütz und schlecht.« Mit diesen Worten streckte er die Hand nach des Kriegers Schwert und warf es auf den Boden hin. Als sich nun jener bückte, das Schwert aufzuheben, zog der König seines, stieß es ihm heftig in den Nacken und sprach: »So hast du mir zu Suession mit dem Kruge getan!« Auf diese Weise blieb der Krieger tot, der König hieß die übrigen heimziehen und stand seitdem in viel größerer Furcht bei allen Franken, daß ihm keiner zu widerstreben wagte.

 


 

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