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Deutsche Mythologie

Brüder Grimm: Deutsche Mythologie - Kapitel 31
Quellenangabe
typeXXXXXXXXX
booktitleDeutsche Mythologie
authorJacob Grimm
year1992
firstpub1835
publisherDrei Lilien Verlag
addressWiesbaden
isbn3-922383-68-8
titleDeutsche Mythologie
pages1552
created20091202
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Cap. XXXI. Gespenster.

Das xxvi cap. hat die seelen im zustande ihrer trennung von dem leib und ihrer überfahrt nach einem andern aufenthalt betrachtet: das sind die beruhigten, in die unterwelt oder den himmel aufgenommnen seelen. fortan stehn sie nur in einer allgemeineren verbindung mit der erde und den lebenden; ihr andenken wird durch feste, wahrscheinlich wurde es im alterthum auch durch opfer gefeiertzwischen dem christlichen allerseelentag (2 nov.), an dem das volk kirchhöfe besucht und gräber bekränzt, und den römischen drei festtagen, an welchen sich die unterwelt öfnete (mundus patet) und die manes emporstiegen (Creuzer 2, 865. O. Müller Etrusk. 2, 97), erscheint zusammenhang. am 2 nov. setzen die Ehsten nachts den verstorbnen speisen auf, und freuen sich, wenn morgens etwas davon verzehrt ist. im Fellinschen bei Dorpat werden die abgeschiednen seelen in der badstube empfangen, und eine nach der andern gebadet. Hupels nachr. p. 144. vgl. Possarts Estland s. 172. 173. gerade, wie man engeln und hausgeistern speise hinstellt (s. 370)..

Hiervon unterscheiden sich solche geister, die nicht oder nicht vollkommen der seeligkeit und ruhe theilhaft geworden sind, sondern zwischen himmel und erde schweben, zuweilen aber an die alte stätte ihrer heimat zurückkehren. diese erscheinenden, wiederkommenden umgehenden seelen nennen wir gespenster.

Jene ruhigen, seligen geister des verstorbnen benennt der römische sprachgebrauch manes, die unheimlichen, quälenden erscheinungen hingegen lemures oder larvae; obwol der ausdruck schwankt und auch manes gespenstige wesen bezeichnen, lemures allgemein genommen werden kannCreuzers symb. 2, 850–866.. larva verräth berührung mit lar (s. 413) und die freundlichen, gütigen lares wurden häufig als manes, als seelen abgeschiedner vorfahren gedacht. Auch in unserm deutschen volksglauben läßt sich übergang der seelen in gutmütige hausgeister oder kobolde nachweisenich beschränke mich hier auf eine hessische volkssage. Kurt, ein pächter zu Hachborn, wich auch nach seinem tode nicht von dem gehöfte und mischte sich als guter geist in die feldarbeiten. in der scheune half er dem knecht die garben vom gerüste werfen, wenn der knecht eine geworfen hatte, warf Kurt die andere, als einmal ein fremder knecht hinauf gestiegen war, half er jedoch nicht, und auf den ruf ›Kurt wirf!‹ ergrif er den knecht und warf ihn die tenne herab, daß er seine beine brach., noch häufiger hängen quälgeister und gespenster zusammenIsengrim verwandelt sich in Agemund (s. 422).Nachtrag: Mone 6, 467 werden lebende, schwebende, zweifelhaftige und todte leute unterschieden. seelen, die im Hades keine ruhe finden und zurückkehren, um das grab wandern, erwähnt Platons Phaedo s. 81. Die verstorbnen wurden verehrt. sanctos sibi fingunt quoslibet mortuos. concil. liptin. feste wurden ihnen gefeiert, so das pers. ferverfest. Benfey monatsn. 151, die russischen leichen- und seelenfeste. Lasicz 58. für die seelen wird gebetet. Benfey monatsn. 168. 169 vgl. die seelmessen. Nib. 1221, 2. Den nahverwandten (nicht den fernen) vorfahren opferten die Inder speise und trank. Bopps gloss. s. 143b note. 198a. 79b. vgl. Weber zu Malavik. 103. eins dieser opfer hieß udakakarman, wässerleinspende für die todten. Böhtling und Roth wb. 1, 908. χοὴν χει̃σθαι πα̃σιν νεκύεσσιν, mehl, wein, wasser ward den todten in eine grube geschüttet. Od. 10, 517–520. 11, 25–29. die seelen trinken gierig das opferblut und erlangen erst dadurch besinnung. Od. 11, 50. 89. 96. 98. 148. 153. 228. 390. die schatten leben von solchen spenden. Lucian de luctu 9. litth. wéles fem. bedeutet die gestalten der verstorbnen. Mielcke 1, 321, und der samogit. gottheit Vielona wurden besondere kuchen dargebracht: cum mortui pascuntur. Lasicz 48. 50. den seelen wird speise und trank aufs grab gesetzt. pass. 166, 84–93.

Über manes, Mania s. Gerhards etr. g. 16. in sede Manium= im schoß der erde. Plin. 33, 1. über lares s. Lessing 8, 251. domesticus lar, hamingia. Saxo gr. 74.

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762 Für die ruhigen geister oder ihren zustand besitzt unsre sprache den schönen ausdruck ahd. hiuri laetus, mitis, ags. heoru Beov. 2744, altn. hŷr, mhd. gehiure, nhd. geheuer, wir sagen: es ist geheuer = ruhig, selig, friedlich. den gegensatz drückt aus ahd. unhiuri, dirus, saevus, alts. unhiuri, ags. unheoru Beov. 1967. unhiore Beov. 4822. unhŷre Beov. 4236. Cædm. 138, 5. altn. ôhŷr; mhd. ungehiure, nhd. ungeheuer: es ist ungeheuer, es ist nicht richtig. beide wörter gehn aber weiter, gott heißt hiuri, der teufel unhiuri, ungeheuer ist allgemein monstrum, portentum. die goth. form wäre hiuris, was mit haúri pruna, altn. hyr ignis nahverwandt scheint, also das leuchtende, glänzende bezeichnet; wenn eine ahd. glosse bei Graff 4, 1014 richtig ist, kann auch das unverneinende hiuri dirus, nemlich feurig in schreckhaftem sinn, wie wir ihn gleich hernach bei den irlichtern finden werden, bezeichnen. nahe an hiuri und unhiuri grenzt der sinn von hold und unhold, holdo und unholdo (s. 220. 377), was aber lieber auf geister und dämone als auf seelen zu beziehen ist, doch überträgt N. manes durch unholdon; auch hier scheint holdo und unholdo zuweilen gleichbedeutig.

Das ahd. fem. kispanst hieß eigentlich eingebung (suggestio, von spanan suggerere), da aber in den beichtformeln viel von teuflischer eingebung und verlockung geredet wurdevon des teufels gespenste (Oberlins bîhtebuoch 36)., gewöhnte man sich an die bedeutung von geisterhaftem, täuschendem trug. Boner 94, 54 setzt ›diu gespenst‹ (warum nicht gespanst?) für fantom, geistererscheinung. das neutrum steht im mære vom schretel und wazzerber 92 ganz mit jener verknüpfung: ›des tiuvels valant und sîn gespenste‹; schon früher verbindet Herbort 3500 gespenste und getwâs. Keisersperg (omeiß 39) hat des teufels gespenst (praestigium), erst in den letzten jahrhunderten wurde der ausdruck recht gewöhnlich, einige schrieben gespengstFrisch 2, 302a, dem aber das lat. spectrum verwandt scheint..

Wir sagen auch spuk; das ist ein nd. wort, dem ich zuerst in dem chron. saxon. bei Eccard. p. 1391 begegne, wo spôkne steht; Detmar 1, 136 hat spuk, 2, 206 vorspok praesagium. heute spôk, nnl. spook, spookzel, schwed. spöke, dän. spökenis a. 1618, spögelse (spectrum) spög (jocus); wofür also ein mhd. spuoch, nhd. spuch erwartet werden sollte, aber nirgends vorkommt. gespüc hat allerdings Berthold cod. pal. 35 fol. 27bNachtrag: Geheuer wird auch durch ›dicht‹ ausgedrückt. abergl. 768. nu bin ich ungehiure. Wigal. 5831. ich fragte den wirt ob nicht ein ungeheuer in seinem stall gehe. Simplic. K. 1028. dasz es in dem hause unrein sei. Nürnberger 11. wie von Notker manes durch unholdon, wird es im ags. durch hellvaran = habitantes tartarum übertragen.

Griech. ist είδωλιν gespenst. Herod. 5, 92. quae hic monstra fiunt. Plaut. Most. II. 2, 74, daher mostellum f. monstrellum, was sich zeigt, erscheint. vgl. anm. 2751 und scheme, larve, schatte s. 873. ein gespenste vil unrein. pass. 99, 15. geist und gespenst. H. Sachs I. 3 , 249d. I. 5, 532c. 534b. gespenste. Schweinichen I, 261. 320. halbgespenst. Göthe 57, 14. gespeist. Stald. 2, 381. Mone 8, 407.

Spuken heißt auch wafeln. Kosegarten bei Höfer 1, 377. ags. vafian, altn. vafra, vofra, vofa, mhd. waberen. altn. vofa spectrum, ags. väfersyne spectaculum, ahd. wabarsiuni spectaculum. Graff 6, 129. kl. schr. 5, 437. Die todten liegen ›heilir î haugi‹. Hervar. s. 442. svâ lâti âss þik heilan î haugi! das. s. 437. die verstorbnen erscheinen nachts oder in der morgendämmerung in den kirchen und verrichten gottesdienstliche gebräuche, trauung, beerdigung u. s. w. ihr erscheinen zeigt einen bevorstehenden todesfall an. mehrere solcher sagen überliefert Dietmar (Pertz 5, 737. 738) mit dem spruche: ut dies vivis, sic nox est concessa defunctis. vgl. die sage in den altd. bl. 1, 160, eine norw. sage bei Asbiörnsen Huldreev. 1, 122. Schellings gedicht: die letzten worte des pfarrers zu Drottning. dem Wolfdietrich, als er nachts auf der bahre liegt, erscheinen alle geister der von ihm getödteten und fechten mit ihm. Wolfd. 2328–34. vgl. Ecke 23. abweichend Dresd. Wolfd. 327–330. dazu die sage von der wüsten kirche mit dem sarg. altd. bl. 1, 158. KM.2 no. 4. dem cavalier im irrgarten der liebe erscheinen zuletzt die geister aller seiner geliebten s. 610. von diesen erscheinungen gilt der ausdruck: sich melden, sich anmelden. Schm. 2, 570. Schönleithner 16. vgl. wb. s. v. sich anzeigen.

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Bezeichnender ist das altn. fem. aptragânga (Laxd. saga p. 224), gleichsam anima rediens, dän. gienfärd, gienganger, franz. revenant, Saxo gramm. 91 sagt redivivus; vgl. die redensart: es geht um (es spukt); at hann gengi eigi dauđr. fornald. sög. 2, 346. niedersächs. dwetern, auf dem Harz walten für umgehn (Harrys volkss. 2, 46).

Das eigentliche altn. wort ist draugr (fornm. sög. 3, 200), Ođinn heißt drauga drôttinn (Yngl. saga cap. 7), der grabhügel 763 draughûs (Sæm. 169a). Diese benennuug hat sich in Schweden und Dänmark verloren, dauert aber im norweg. drou, droug (Hallager 20c). draugr scheint gleicher wurzel mit dem ahd. gitroc, mhd. getroc, d. i. trugerscheinung, trugbild, fantom, welches von elbischen, teuflischen wesen gilt (s. 384), aber ein verbum driuga, triegen (fallere) ahd. triokan, trôc geht der nord. sprache abdas buchstäblich entsprechende ags. dreogan, dreáh bedeutet nie fallere, sondern agere, patrare, tolerare, und dazu stimmt das altn. driugr (frequens).. Die edda bietet auch das analoge svik (fallacia, fraus) im sinn einer gespenstigen gaukelei dar. Sæm. 166b 167a. Nichts anders bedeuten die s. 399 angegebnen ausdrüke giscîn, und scînleih, sie können sich auf gespenster wie auf waldgeister beziehenNachtrag: Zum altn. aptragânga halte aptrgöngr reditus. Eyrb. 174. 314. gonger wiedergänger. Müllenhoff s. 183. es geht um heißt bair. es weizt dort. Panzer beitr. 1, 98. Schm. 4, 205. 206, hess. es wandert, in der Wetterau es wannert vgl. wanken. Reineke 934. nnl. waren, rondwaren. vgl. es läßt da niemand ruhn. in der kammer lessets noch heut niemand ruhen. Bange thür. chron. 27b. Mit dem altn. draugr ist das zend. drucs daemon unverwandt. Bopp vergl. gramm. s. 46..

Die glossen liefern manche alte wörter für das lat. larva. schon die florent. 982b talamasga und eine spätere mnl. samlung Diut. 2, 220 talmasge; auch Kilian hat talmasche larva, talmaschen larvam induere, es ist das altfranz. talmache und tamasche bei Roquefort, der es masque, faux visage erklärt, talmache de vaisseau heißt ein am schif angebrachtes bildDucange s. v. talamasca, πέτμα, delusio imaginaria, dazu wird angeführt Hincmar in capit. ad presb. dioec. cap. 14. Regino 1, 213 und Burchardus wormat. 2, 161 wo es heißt: larvas daemonum, quas vulgo talamascas dicunt ante se ferri consentiat. geschöpft aus dem concil. namnetensi cap. 10 vgl. Schmeller 2, 640.. andere glossen geben flathe, und scrat, scraz (s. 396). mummel ist larve und kobold (s. 418). alles was nicht geheuer und schreckhaft drohend ist, monstrum, prodigium, portentum, praestigium erreicht auch den begrif eines gespensts. getwâs (s. 384) Herbort 842. 12856, ›ein bôse getwâs‹ vom gelouben 530; mnl. ghedwaes hor. belg. 6, 249a stimmt zu dem litth. dwase (gespenst). Martina 10 liest man: daz geschrudel. Stald. 2, 27. 59. 64 hat das nachthuri, das ghüdi, altn. ist vofa spectrum, von vofa ingruere, imminere; der draugr heißt auch dôlgr (feind) fornald. sög. 2, 368. fornm. sög. 3, 200 und dazu darf etwa das upländische dödöljor manes defunctorum (Ihre dial. lex. 32b) gehören, wenn nicht zu dylja (celare), schwed. döljaNachtrag: Für larva, monstrum steht auch bloß dala. Graff 5, 397. talmasche. de Klerk 2, 3474. das finn. talma limus, talmasca mucedo in lingua aegroti, lautet bloß zufällig ähnlich. Ags. dvimeru spectra, lemures, larvae nocturnae, gedvimor praestigiator, gedvomeres nebulonis, gedvomere necromantia. Haupts zeitschr. 9, 514b. 515a. daz getwâs. Herb. 12856 stimmt besser, als zum litth. dwase, zum ags. dvaes stultus, denn mhd. getwâs stultus kommt auch vor. Eilh. Trist. 7144. 7200. 7300. altn. skrâveifa spectrum von veifa vapor, skrâ obliquus? Vampyre sind zurückkehrende, blutsaugende todte, wie auch die Erinnyen leichenblut saugen. Aeschyl. eumen. 174. vgl. die sage vom braunen mann. ir. märch. 2, 15..

Merkwürdig ist nun, daß schon die altn. draugar von feuer umgeben dargestellt werden: ›hauga eldar brenna‹. fornald. sög. 1, 434; ›lupu upp hauga eldarnir‹. das. 1, 518. Loka daun (s. 200) ist der isländ. name einer feurigen dunsterscheinung. Noch jetzt ist in ganz Deutschland volksglaube, daß seelen, die der himmlischen ruhe nicht theilhaftig geworden sind, in feuriger gestaltin der Lausitz heißt feuermann was sich bei nachtzeiten um die wipfel der waldbäume schwingt, ignis lambens, laus. monatsschr. 1797 p. 749. bei nächtlicher weile, gleich irrendem gevögel (s. 691), auf feld und wiesen schweifen, vgl. wiesenhüpfer s. 692. den wandersmann, der sie für dorflichter nimmt, leiten sie ab vom rechten weg, bald sich entfernend, bald wieder nähernd: wie kobolde hocken sie auf (abergl. 611) und schlagen über dem 764 menschen ihre flügel zusammen (deutsche sag. no. 276); sie führen in sümpfe, auf falsche, irre spur, hirrligspor (St. 2. 45), gerade wie der butz (s. 419). der wanderer sucht wenigstens mit einem fuß im wagengeleise zu bleiben und setzt dann sicher seinen weg fort, denn die irwische haben nur macht auf fußsteigen. Nach Villemarqué barzasbreiz 1, 100 ist der geist ein kind mit einem feuerbrand in der hand, den es wie entflammtes rad umdreht, bald scheint es ein krankes pferd, das dem hirten, der es in den stall führen will, seinen brand an den kopf schleudert, bald eine blökende verirrte ziege, die sich nach sonnenuntergang am weiher zeigt und den reisenden ins wasser lockt und dann neckend weiter springt. Auch in Etners unwürd. doctor s. 747 werden ›feuermänner und springende ziegen‹ zusammengestellt. Diese erscheinung hat eine menge namen. der gewöhnlichste ist irlicht oder irwisch von der ähnlichkeit brennender strohwische, am Rhein auch heerwisch, östr. feuriger mann, fuchtelmann (Höfer 1, 251) von fuchteln, hin und her bewegen, eigentlich die flammende klingesolche feurige dünste setzen sich auch auf den mast der schiffe, Marienleg. 87, 96, die spieße der krieger. jenes nannten die alten nach den Dioskuren, Plin. 2, 37. den neueren heißt es feu de s. Elme. für die flammenspeere habe ich alte zeugnisse: ›signa militum arsere‹, ›pila militum arsere‹ Tac. ann. 12, 64. 15, 7; ›duae puerorum lanceae emissis flammis lumen euntibus praebuerunt, ibantque fulgurantes hastae‹. Greg. tur. mirac. Mart. 1, 10. ein jüngeres beispiel in Zeillers miscell. Nürnb. 1661 s. 143. 144. deutsche sag. no. 279. bezug auf seelen ist hier nirgends, es sind vielmehr günstige vorzeichen des siegs, wie cap. xxxv gezeigt werden soll. wohl aber gelten die fliegenden sterne für seelen (s. 602), selbst den Grönländern (Majers myth. lex. 2, 240) und Mongolen (Bergmann 3, 42).. bei Pictorius p. 524 zeusler, von zeuseln, züseln, mit feuer tändeln, sonst auch zünsler, zündler, bei Fischart zunselgespenst (Garg. 231) vgl. Höfer s. v. zinserl. Niederd. gloiniger (glühender) man, tückebold, tukkebode, nicht von tücke, bosheit, sondern von tuk (hastige bewegung, Reinh. p. 109) oder zucken, hin und herfahren, vgl. das hd. ziebold (schmetterling). westfäl. smalgenfür, was ich kaum verstehe. allgemeiner bekannt sind dwerlicht (wirbelnde flamme), elflicht, dwellicht (von dwelen, dwalen, irre gehn), nnl. dwaallicht, droglicht (wieder: triegendes) drogfackel, auch in Nassau druckfackel Kehrein Nassau 31. 32; dän. lygtemand (leuchtemann), blaasmand (feuermann, Molbech dial. 39) und vättelys (geisterlicht), schwed. lyseld und lyktgubbe; engl. mit dem bezug auf menschennamen, der auch bei hausgeistern gilt (s. 417) Will with a wisp (strohwisch), Jack in a lanthorn. lat. ignis fatuus (ann. corbei. a. 1034), franz. feu follet (follis s. 420), fifollet (Pluquet contes p. 13), farfadet, sauterai, nach den mém. des ant. 4, 406 auch, mir unverständlich, quela. sloven. vesha (schmetterling, hexe), shkopnik, shkopnjak (strohmann, von shkopa mhd. schoup), smotava (von smota, error), slep ogeni (blindes feuer); böhm. swétylko (lichtlein), bludićka (von blud error), poln. blędnica; lausitz. bludnc swieczke. Auch unsrer alten sprache weiß ich die 765 namen nicht, es müste denn irregane und girregar in einer königsb. hs. (grundr. 345) hierher gehören? aber Ls. 2, 314 ist Irreganc name eines fahrenden schülers, was in Haupts zeitschr. 1, 438 auch irrefogel heißt vgl. Schm. 3, 588; Tit. 576 ›ein irregengel vor allem valsche‹. Nahe berührung mit wichten und elben zeigen vättelys und elflicht, das scheinen die ältesten ausdrücke. Sindri (scintilla) ein eddischer zwergname Sæm. 7b erinnert an den kobold Iskrzycki (s. 424). Man erzählt von einem irwisch, der gefangen wurde, und den bald darauf eine menge anderer zurückzufordern kamen. hier erscheinen sie als ein zusammen haltendes elbisches volkAd. Kuhn (vorr. zu den märk. sagen s. ix) will alle kobolde für ursprüngliche feuergottheiten, das feuer des hausheerdes für den grund ihrer verehrung halten. beide, kobolde und irwische, heißen follet (s. 420. 425) und gleich feurigen drachen (s. 574) tragen die kobolde geld oder korn zu, aber auch die otter ist koboldisch (s. 575) und die dominae tragen zu (s. 237) wie die teufel.Nachtrag: Von den irwischen heißt es in der insel Felsenb. 3, 232: diese flammen steigen aus dem gottesacker empor, die todten rufen mich zu sich in ihre ruhe. sie sehnen sich nach meiner gesellschaft. altn. hrælios ignis fatuus, leichenlicht, licht auf gräbern, hrævarlios, hrævareldr. vafrlogi, wabernde flamme, zeigt sich um gräber und schätze in gräbern (s. 500. 811). vgl. Sigurds und Skirnis marr, er mic um myrqvan beri vîsan vafrloga. Sæm. 82a. der irrwisch heißt das irreding (gespenste). Schelmufsky 1, 151, der feuermann. pomm. sage in d. balt. stud. XI. 1, 74, brünniger mann. Stalder 1, 235, laufende fackel. Ettners unw. doctor s. 747, ags. dvâsliht. mnl. dwaesfier. Verwijs s. 15, lochtermane. Müllenhoff s. 246, wend. bludnik. wend. volksl. 2, 266b. litth. baltwykszlė, lett. leeks ugguns falsches feuer, lapp. tjolonjes. Lindahl 475b. vgl. KM.3 3, 196. zu girregar vgl. Beham Wien 377, 21. einen girrengarren enborrichten, einen teuflischen schragen mit langem kragen. Hagen Ges. Abent. 3, 82. der koboldsname Iskrzycki stammt von slav. iskra scintilla. auch in Haupts zeitschr. 4, 394 erscheinen die lüchtemännchen wie kobolde. in der Wetterau heißt feurig gehn soviel wie als irlicht umgehn..

Früher hatten diese irlichter ohne zweifel eine weitere bedeutung, heute wird sie hauptsächlich auf zwei arten unseliger geister eingeschränkt, auf die seelen ungetaufter kinderbraunschw. anz. 1760. no. 86, 35. Praetorii weltbesch. 1, 262. 269. lausitz. monatsschr. 1797 p. 747. schon im anegenge 180a 190b: ›wâ mit diu armen chindelîn daz fiwer haben geschoufet, diu dâ ungetoufet ân ir schulde scheident von hinne‹; doch hier wird das fegefeuer gemeint sein. und solcher menschen, die bei ihren lebzeiten am ackerfeld frevelten, die heiligkeit der grenze nicht achtetenungerechte siebner. Mösers patr. phant. 3, 309. ›fürig marcher‹ in Hebels gedicht die irlichter. Moncs anz. 1835, 408. 1838, 223. Westendorp p. 511.. Ungerechte landmesser (schwed. skjälvrängare) sieht man mit langer feuerstange in den furchen auf und ab schweben und gleichsam das vermessene nachmessen; wer seinem nachbar abgepflügt, wer den stein verrückt hat, den trift der fluch umzugehn als irwisch. beim pflügen zweifelhafter schnate hört man daher unter dem volk die redensart: ›ik mag nüt spüken gan‹, vgl. deutsche sag. no. 284. 285. Thiele 1, 58Nachtrag: Die ungetauften kinder kommen ins feuer. anegenge 2, 13 ff. 11, 75 ff. 12, 12. sie kommen in nobiskratten. Stald. 2, 240. sie dürfen nicht auf der heiligen insel begraben werden (s. 499). vile si dâ vunden lûterlicher kinde vor der helle an einem ende, dâ die muder wâren mite tôt. En. 99, 12. dagegen: ôsten (ab oriente) schulen diu westirbarn in daz himilrîche varn. Karaj. 28, 12. ungetaufte kinder werden pilweisse (s. 393), wie unzeitige kinder elbe werden (s. 898). ungetaufte kinder werden weiße létiches. Bosquet 214 und kaukas. Nesselmann 187b..

Fruchtbarer für unsere untersuchung wird eine andre art gespenster, die gleich den irlichtern auf ungetaufte kinder bezogen werden, aber nicht als einzelne feuer an dem erdboden her schweifen, sondern in ganzen haufendoch kommen auch einzelne brausende geister vor, z. b. jungfer Eli im Davert (deutsche sag. no. 121). den namen brausende geister gewährt Plitts nachr. von Wetter p. 42. mit schrecklichem tosen durch wald und lüfte fahren. das ist die weitverbreitete sage von dem wütenden heer, der wütenden jagd, welche in hohes alterthum hinaufreicht, und sich bald mit göttern bald mit helden verwebt. auf allen seiten blickt hier zusammenhang mit dem heidenthum durch.

Die Christen hatten dem glauben an die götter ihrer vorfahren nicht so schnell noch so völlig entsagt, daß ihnen jene heidnischen gestalten mit einem mal aus dem gedächtnis entfallen 766 wären. sie wiesen den zum theil hartnäckig festgehaltnen nur eine andere stelle, weiter im hintergrund, an. der alte gott verlor sein zutrauliches wesen, seine nahen züge, und gieng in den begrif einer finsteren, schreckenden gewalt über, welcher immer noch gewisse einwirkung verblieb. den menschen und ihrem dienste gleichsam abgestorben irrte und schwebte er in den lüften, teuflisch und gespenstig.

Es ist schon s. 110 zusammenhang zwischen dem wütenden heer und Wuotan behauptet worden, dem namen wie der sache nach verknüpft sich ihm dieser gott. ein ungedrucktes gedicht des Rüdiger von Munir enthält unter andern beschwörungsformeln auch die ›bî Wuotunges her‹. Wuotunc und Wuotan waren namen gleicher bedeutung. Wuotan, der gott des krieges und sieges, zieht an der spitze dieser lufterscheinung; der meklenburgische landmann, wenn er ihr getöse vernimmt, drückt sich noch heute aus: ›de Wode tüt‹ Adelung s. v. wüthen; ›Wode jaget‹ (s. 129). ebenso in Pommern und Holstein. Wuotan erscheint reitend, fahrend, jagend, wie in nordischen sagen, in seinem geleit valkyrien und einherien; der aufzug gleicht einem heer. Völlige sicherheit über die identität dieses jagenden Wode mit dem heidnischen gott empfängt man durch einstimmige scandinavische volkssagen und redensarten. die naturerscheinung des heulenden windes wird Ođins, wie die des donners Thôrs wagen beigelegt. bei nächtlichem lärm, wie von pferden und wagen, heißt es in Schweden ›Oden far förbiLoccenii antiq. sveog. cap. 3. Geijer Sv. häfd. 1, 268.. in Schonen wird ein vielleicht von seevögeln an november und decemberabenden verursachtes geräusch ›Odens jagt‹ genanntNilsson skandinavisk fauna 2, 106.. In Baiern sagt man das nachtgejaid oder das nachtgelait (proccssio nocturna) Schm. 2, 264. 514; in Deutschböhmen nachtgoid (= gespenst) Ranks Böhmerwald s. 46. 78. 83. 91. In Thüringen, Hessen, Franken, Schwaben ist der ausdruck ›das wütende heer‹ hergebracht, er muß hoch hinauf reichen, schon der dichter der urstende aus dem 12 jh. (Hahn 105, 35) sagt ›daz wuetunde her‹ von den juden, die den heiland überfielen, und Rol. 204, 16 heißt Pharaons vom meer verschlungnes heer ›sîn wôtigez her‹, bei Stricker 73b ›daz wüetunde her‹; Reinfr. von Braunschweig 4b ›daz wüetende her‹; Michael Beheim 176, 5 redet von ›schreien und wufen, als ob es wer das wutend her‹; das gedicht von Heinr. dem löwen (Maßm. denkm. s. 132) sagt: ›da qwam er under daz wöden her, da die bösen geiste ir wonung han‹. Geiler von Keisersperg predigte über das wütede oder wütische heeromeiß 36 ff. seine schilderung verdient hier eine stelle: ›und die die also laufen, die laufen allermeist in den fronfasten und voruß in der fronfasten vor weihenachten, das ist die heiligest zeit. und lauft ietlicher als er ist in seinem cleid, ein hauer als ein bauer, ein ritter als ein ritter und laufen also an einem seil und tregt einer das krös vor im, der ander den kopf in der hand und lauft einer voruß, der schreiet: ›flühe ab dem weg, das dir gott das leben geb!‹ also redt der gemein man darvon. ich weiß nüt darvon.‹. H. Sachs 767 I, 346 hat ein eignes gedicht vom wütenden heer, eine mansfeldische sage davon erzählen Agricola und Eiering. Nicht zu übersehen, daß (nach Keisersperg) alle eines gewaltsamen todes (›e denn das inen got hat ufgesetzt‹), (nach abergl. 660) alle ungetauft sterbenden kinder ins wütende heer zu Holda (s. 223) Berhta und Abundia (s. 238) kommen, wie sie irwische werden (s. 765): der christliche gott hat sie sich nicht angeeignet, darum verfallen sie dem alten heidnischen. das scheint mir wenigstens der ursprüngliche ideengangNachtrag: Die lat. furia stammt von furere, ahd. purjan. wb. 2, 534. sie heißt ahd. helliwinna. Graff 1, 881, hellwüterin. Schade pasq. 100, 9. 103, 25. 113, 79 ff. mit bezug auf Wuotan und wüten, tosen, furere. uns ist der tiuvel nâhen bî oder daz wüetende her. Mauritius 1559. erst hub sich ein scharmutzeln wie in eim wilden heer. Ambras. lied. s. 151. Uhland 1, 657. das wilde heer heißt die wilde fahrt. Wolfs zeitschr. 1, 292. 293. in Vorarlberg das nachtvolk oder wuethas. Vonbun s. 83, in Steier das wilde gjaid. Wolfs zeitschr. 2, 32. 33, bair. das gjoad, wilde gjoad. Panzer 1, 9. 16. 29. 37. 63. 85. 85. 133. der wilde jäger mit dem wüthis heer. Gotthelf erz. 1, 221. Wudes, Wodesheer in der Eifel. Wolfs zeitschr. 1, 316. Firmenich 3, 244b. joejagd, jöjagd. Osnabr. mitth. 3, 238–240..

Während sich der gemeine mann hier noch lange Wuotan dachte oder ihn passend in ein verwandtes verbum versteckte; war es ganz in der ordnung, daß gebildetere frühe schon an seine stelle den teufel setzten. ›si bliesen unde gullen, vreisliche si hullen, sô daz diu helle wagete, alse der tuvel dâ jagete‹ sagt Veldeck En. 3239. Caesarius heisterb. 12, 20 erzählt von einer eitlen frau, die sich in schönen, neuen schuhen hatte begraben lassen, deren seele dafür von dem ›infernalis venator‹ gejagt wurde: ›ex remoto vox quasi venatoris terribiliter buccinantis, nec non et latratus canum venaticorum praecedentium audiuntur‹Joach. Camerarii horae subsec. cent. 2. cap. 100 p. 390: ceterum negari non potest diabolum varia ludibria cum alias tum praesertim in venatione leporum saepenumero exercere, cum nonnunquam appareant tripedes claudicantes et igneis oculis, illisque praeter morem dependentibus villis, atque venatores insequentes abducere student vel ad praecipitia vel ad paludosa aliaque periculosa loca. imo visa sunt phantasmata et in terra et in nubibus integras venationes cum canibus, retibus, clamoribus raucis tamen, aliisque instrumentis venaticis instituere praeferentia formas hominum longe ante defunctorum.. Rol. 204, 6: ›der tiuwel hât ûz gesant sîn geswarme und sîn her‹; ›der tiuvel und sîn her‹. Renn. 2249. 2870. Das volk in Baiern läßt den teufel auf aschermittwoch das holzweiblein jagen (abergl. 914b). An den teufel schließt sich die vorstellung eines ungeheuern riesen, der sowol ihn als Wuotan vertreten kann, und diese ansicht herscht in der Schweiz. die wilde jagd heißt dort dürstengejeg (von dürst, durs s. 431), das volk hört den dürst in den sommernächten am Jura jagen und die hunde mit seinem hoho anfrischen: unvorsichtige, die ihm nicht aus dem wege weichen, überrumpelt erIldef. v. Arx Buchsgau. p. 230. Stald. 1, 208.. Schm. 1, 458 führt eine alte glosse an, welche mit duris (gen. durisis) das lat. Dis, Ditis widergibt, einen unterirdischen, höllischen gott meint.

In Niedersachsen und Westfalen wird aber dieser wilde jäger auf die bestimmte, halbhistorische person eines jägermeisters bezogen. die auslegung schwankt. westfälische überlieferungen nennen ihn Hackelbärend, Hackelbernd, Hackelberg, Hackelblock. Hackelbärend war ein jäger, der auch sonntags auf die jagd zog, dieser entheiligung wegen wurde er nach seinem tode (wie der mann im mond s. 598) in die luft verwiesen, wo er mit seinem hunde, ohne sich auszuruhen, tag und nacht jagen muß. nach 768 einigen jagt er nur in den zwölf nächten, von weihnachten zu den heiligen drei königen, nach andern immer, wann der sturmwind heult, weshalb ihn einige den joljäger (von jolen, heulen oder julzeit?) nennenWeddigens westfäl. mag. bd. 3. no. 18.. Auf einem umzuge ließ Hackelberg zu Isenstädt (bisthum Minden) in Fehrmanns scheune, einen seiner hunde zurück. das ganze jahr lag der hund da, jeder versuch und alle gewalt ihn wegzubringen war vergebens. als aber das folgende jahr Hackelberg mit seiner wilden hetze wieder vorüberfuhr, sprang der hund plötzlich auf und rannte dem heer bellend und klaffend nachRedekers westfäl. sagen no. 48.. Zwei bursche giengen abends von Bergkirchen durch den wald ihre bräute zu besuchen. da hörten sie über sich in der luft wildes hundegebell und eine stimme dazwischen rufen ›hoto, hoto!‹ das war Hackelblock, der wilde jäger, mit seiner jagd. einer der bursche erdreistete sich ihm nachzusprechen ›hoto, hoto!‹ da nahte Hackelblock mit seinen hunden und hetzte die ganze meute über den verwegenen. von dem unglücklichen ist hernach auch nicht eine spur gefunden wordenRedekers westfäl. sagen no. 47.. So in Westfalen. Nach niedersächsischer sage war Hans von Hackelnberg oberjägermeister des herzogs von Braunschweig, und ein gewaltiger weidmann, er soll 1521 gestorben, nach andern in diesem jahre geboren und erst 1581 gestorben sein. Landau jagd 190. drei stunden von Goslar, im garten eines wirtshauses, genannt der Klepperkrug, liegt sein grabstein. eines nachts, in schwerem traum, däuchte ihn, er kämpfe mit einem furchtbaren eber, und unterliege ihm zuletzt. wirklich traf er bald hierauf das thier und erlegte es nach hartem kampf; in der siegesfreude stieß er mit dem fuß nach dem eber und rief: ›hau nun, wenn du kannst!‹ er hatte aber so heftig gestoßen, daß des ebers scharfer zahn durch den stiefel drang und Hackelnbergs fuß verletzteSiguvđr iarl drap Melbrigđa Tönn, ok bâtt höfut huns viđ slagôlar ser oc laust kykqva vöđva sînom â tönnina, er skađi or höfđino, kom þar î blâstr î fötinn, oc feck hann af þvi bana. Har. saga ens hârf. cap. 22. Gundarich, Thassilos sohn stirbt an einer wunde, die ihm ein eber in die wade versetzte. MB. 13, 504. 505. vgl. am schluß des cap. Orions schicksal.. anfangs achtete er die wunde wenig, aber der fuß hub an zu schwellen, daß der stiefel vom bein geschnitten werden muste und ein schneller tod eintrat. Nach andern liegt er zu Wülperode unweit Hornburg begrabenOtmars volkssagen 249. 250.. Hackelnberg ›fatscht‹ in sturm und regen, mit wagen, pferden und hunden durch den Thüringerwald, den Harz, am liebsten durch den Hackel (einen wald zwischen Halberstadt, Gröningen und Derenburg, vgl. Praetorius weltb. 1, 88). am todbette wollte er nichts vom himmel wissen und auf des predigers ermahnen versetzte er: ›unserm herrn gott möge der himmel bleiben, wenn ihm nur seine jagd bliebe‹, worauf der prediger aussprach: 769 ›so jage bis an den jüngsten tag!‹ was nun bis heute in erfüllung gehtgleich Dümekes wunsch, der ewig fahren wollte (s. 605).. kleinlautes hundegebell oder gekliffe (gegiffe) kündigt ihn in der luft an, eine nachteule fliegt ihm voraus, vom volk die Tutosel (tutursel) genannt. wanderer, denen er aufstößt, werfen sich still auf den bauch und lassen ihn vorüber ziehen, sie hören hundegebell und den weidruf ›huhu!‹ Tutosel soll eine nonne gewesen sein, die sich nach ihrem tod dem Hackelnberg gesellte und ihr ›uhu!‹ mit seinem ›huhuh!‹ vermischteOtmar 241. deutsche sagen no. 311. vgl. goth. þiutan (ululare) þuthaúrn (tuba).. Die Altmärker versetzen einen wilden jäger namens Hakkeberg in den Drömling, und lassen ihn nachts mit pferden und hunden vom Harze herab in den Drömling jagen. (Temme s. 37). Ad. Kuhn no. 17 nennt ihn Hackenberg und Hackelberg, er soll auch sonntags gejagt und alle bauern seiner gemeinde mitzugehn gezwungen haben, eines tags aber kamen plötzlich zwei reiter ihm an die seite gesprengt, die ihn aufforderten mit zu ziehen der eine sah wild und grimmig aus, seinem pferde sprühte feuer aus nase und maul, der reiter zur linken sah ruhiger und milder aus, Hackelberg aber wandte sich zu dem wilden, der mit ihm fortsprengte und in dessen gesellschaft er bis zum jüngsten tag jagen muß. Andere sagen von dem wilden jäger verzeichnet Ad. Kuhn no. 63. 175, ohne eigennamen. Wieder nach andern hauste Hackelberg im Sölling, unweit Uslar, er hatte gottselig gelebt, aber so sehr am weidwerk gehangen, daß er auf dem todbett gott flehte, für sein theil himmelreich ihn bis zum jüngsten tag am Sölling jagen zu lassen. sein wunsch wurde ihm verhängt, und man hört oft in diesem wald zu nacht hundsgebell und greuliches hornblasen. sein grab liegt auch im Sölling, die richtung der steine wird genau beschrieben, neben ihm ruhen zwei schwarze hundeKirchhofs wendunmut no. 283. p. 342. deutsche sag. no. 171. nach den braunschw. anz. 1747 p. 1940 liegt der wilde jäger Hackelnberg im Steinfelde, unter einem stein, worauf ein maulesel und jagdhund gehauen sind.. Endlich aber melden Ad. Kuhns sagen no. 205, Temme Altmark s. 106 von einem heidereiter Bären, dessen kirchhof in der Ukermark auf der heide bei Grimnitz gezeigt wird, und Bärens traum vom stumpfschwanz (eber), dessen haupt ihn tödtet, weist unverkennbar auf Hackelberend.

Schon die unvereinbare verschiedenheit örtlicher anknüpfung zeigt daß überall hier, den grabsteinen zum trotz, ein mythisches wesen gemeint wird, ein in so verschiedner gegend auftauchender name muß mehr sein als historisch. ich bin geneigt, die westfälische form Hackelberend für die älteste, echteste zu erklären. das ahd. hahhul, altn. hökull (masc.) und hekla (fem.), ags. hacele (fem.) bedeutet gewand, mantel, kutte, rüstungahd. missahahul (casula) gl. sgall. 203. missehachil gl. herrad. 185b messgewand. Graff 4, 797., hakolberand also 770 im alts. dialect einen gerüsteten, geharnischten mann, vgl. alts. wâpanberand (armiger), ags. äseberend, gârberend, helmberend, sveordberend (gramm. 2, 589). Nun aber erinnere ich an Ođins kleidung (s. 121), der gott erscheint in breitgekremptem hut, blauem, fleckichtem mantel (hekla blâ, flekkôtt): hakolberand ist unverkennbar ein alts. beiname des heidnischen gottes, des Wôdan, den man allmälich in Hakkelberg, Hakkenberg, Hakkelblok entstellte. aus Hakelberndes wald könnte sich die benennung des waldes Hackel verkürzt haben. des halberstädtischen saltus Hakel finde ich zuerst in dem (bedenklichen) chron. corbeiense ad a. 936 (bei Falke p. 708) erwähnt, fern davon, dicht bei Höxter im gau Auga war ein Haculesthorp (Wigands corv. güterb. s. 94 Saracho 197. trad. corb. 385) und später eine Hakelbreite; auch in Niederhessen bei Volkmarsen ein Hackelsberg, bei Merzhausen (amts Witzenhausen) ein Hackelberg. läßt sich hakel = wald beweisen, so muß in berand die beziehung eines höheren wesens gesucht werden, was uns vielleicht nachher gelingt, ich werde cap. XXXIII Hakol in dem altn. Hekla für berg, also waldgebirg nachweisen. in jedem fall gewinnen wir hier nicht nur ein wichtiges zeugnis für den Wuotancultus mehr, sondern auch neue bestätigung der vom wütenden heer gegebnen deutung; zugleich leuchtet ein, warum sich die volkssage vom Hackelberg vorzüglich in Niedersachsen und Westfalen (wo das heidenthum länger haftete), nicht aber in SüddeutschlandMones anz. 4, 309 hat die sage vom wilden jäger Habsberg im Wiesenthal, wie er durch den wald bei Hägelberg ziehe, das scheint wieder Hakelberg. Graff 4, 797 gibt einen ort Hachilstat. erhieltNachtrag: ›Als im der tiuvel jagete nâch‹ sagt auch die Livl. rmchr. 7274. der teufel heißt weideman. merwunder 2, 22, der wilde jäger andrerseits in der Altmark helljeger. Haupts zeitschr. 4, 391. hört ihr den wilden jäger? er zieht grad über uns hin. wie die hunde bellen, wau wau! die peitschen knallen! die jäger jauchzen hollaho! Göthes Götz 8, 149. vgl. 42, 175. merkwürdig sagt schon Fischart im lob der laute s. 100: heckelbergisch geschrei, büffen und blasen des jägerhorns. vgl. anm. 2371 und Hachelberg im Reinhartswald. Landau jagd s. 190. eine abweichende sage vom Hackelberg hat Kuhn aufgefaßt in Haupts zeitschr. 5, 379 (vgl. oben s. 121). kann sich darauf ein in der kirche zu Diesdorf im Magdeburgischen eingemauertes steinbild beziehen, das einen mann darstellt, den in sein linkes bein eine sau zu verwunden scheint? thüring. mitth. VI. 2, 13 und tafel 7 no. 5. etwas weicht ab die sage von der einäugigen bache, deren haupt auf der schüssel den jägermeister verwundet, daß er sterben muß. Winklers edelm. 371. der mythus erinnert an die griech. Adonisage und die ir. sage von Diarmuid na mban. s. 193. H. D. Müller (myth. der gr. stämme II. 1, 113) vergleicht ihn dem griechischen von Actäon. träume vom eber. Rudl. 16, 90. Waltharius 623. ein eber verwundet die sonne in ihrer höle. Rudbeck ausgehoben bei Tenzel und Männling s. 205. Hackelberg muß ewig jagen. alhie der lîb, diu sêle dort sol jagen mit Harren (dem hund) êwiclîchen. Laber 568. vom jäger bis an den jüngsten tag. Firmenich 1, 344. Müllenhoff s. 584. in einer westfälischen volkssage nach einer mündlichen mittheilung Kuhns rufen riesen den Hakelberg um beistand an, worauf er sturm erregt und eine müle an den milchweg versetzt, der nun mülenweg genannt wird. in Catalonien heißt es: el viento del cazador. Wolfs zeitschr. 4, 191. Bei Frommann 3, 271 sind Holla und Hackelbernd in der wilden jagd vereint, wenn nicht Waldbrühl die namen aus der mythologie gestohlen hat. 3, 273 wird dazu das kölnische Geckenbehrnden gehalten. Tutosel stammt von tuten boare. Diut. 2, 203b, τυτώ η γλαύξ a sono tu tu. Lobeck rhemat. 320..

Diese beziehung des wilden jägers auf Wodan setzen meklenburgische sagen völlig ins klare.

Oft bellen die hunde der luft in finsterer nacht auf den heiden, in gehölzen, an kreuzwegen. der landmann kennt ihren führer den Wod und bedauert den wanderer, der seine heimat noch nicht erreichte; denn oft ist Wod boshaft, selten mildthätig. nur wer mitten im wege bleibt, dem thut der rauhe jäger nichts, darum ruft er auch den reisenden zu: ›midden in den weg!‹

Ein bauer kam einst trunken in der nacht von der stadt, sein weg führt ihn durch einen wald, da hört er die wilde jagd und das getümmel der hunde und den zuruf des jägers in hoher luft. ›midden in den weg! midden in den weg!‹ ruft eine stimme, allein er achtet ihrer nicht. Plötzlich stürzt aus den wolken nahe vor ihm hin ein langer mann auf einem schimmel. ›hast kräfte?‹ spricht er, ›wir wollen uns beide versuchen, hier die kette, faße sie an, wer kann am stärksten ziehen?‹ der bauer faßte beherzt die schwere kette und hoch auf schwang sich der wilde jäger. der bauer hatte sie um eine nahe eiche geschlungen und vergeblich zerrte der jäger. ›hast gewis das ende um die eiche 771 geschlungen?‹ fragte der herabsteigende Wod. ›nein‹, versetzte der bauer, ›sieh so halt ichs in meinen händen‹. ›nun so bist du mein in den wolken‹ rief der jäger und schwang sich empor. wieder schürzte schnell der bauer die kette um die eiche und es gelang dem Wod nicht. ›hast doch die kette um die eiche geschlagen!‹ sprach der niederstürzende Wod. ›nein‹, erwiderte der bauer, der sich eiligst losgewickelt hatte, ›sieh so halt ich sie in meinen händen‹. ›und wärst du schwerer als blei, so must du hinauf zu mir in die wolken!‹ blitzschnell ritt er aufwärts, aber der bauer half sich auf die alte weise. die hunde bollen, die wagen rollten, die rosse wieherten dort oben, die eiche krachte an den wurzeln und schien sich zu drehen. dem bauer bangte, aber die eiche stand. ›hast brav gezogen‹, sprach der jäger, ›mein wurden schon viele männer, du bist der erste der mir widerstand! ich werde dirs lohnen‹. Laut gieng die jagd an: hallo, holla! wol! wol! der bauer schlich seines weges, da stürzt aus ungesehenen höhen ein hirsch ächzend vor ihn hin, und Wod ist da, springt vom weißen rosse und zerlegt das wild. ›blut sollst du haben und ein hintertheil dazu!‹ ›herr‹, sagt der bauer, ›dein knecht hat nicht eimer noch topf‹. ›zieh den stiefel aus!‹ ruft Wod. er thats. ›nun wandre mit blut und fleisch zu weib und kind!‹ Die angst erleichterte anfangs die last, aber allmälich ward sie schwerer und schwerer, kaum vermochte er sie zu tragen. mit krummem rücken, von schweiße triefend erreichte er endlich seine hütte und siehe da, der stiefel war voll gold und das hinterstück ein lederner beutel voll silberLisch meklenb. jb. 5, 78–80.. Hier erscheint nicht der menschliche jägermeister, sondern der leibhafte gott auf seinem schimmel, schon viele sind in seinen wolkenhimmel aufgenommen. das füllen des stiefels mit gold klingt alterthümlich (RA. 673).

Es war einmal eine reiche vornehme frau, die hieß frau Gauden; so heftig liebte sie die jagd, daß sie das sündliche wort sprach ›dürfe sie immerfort jagen, wolle sie nie zum himmel ein‹. frau Gauden hatte vier und zwanzig töchter, die gleiches verlangen trugen. Als nun einmal mutter und töchter in wilder freude durch wälder und felder jagten und wieder das ruchlose wort: ›die jagd ist besser als der himmel!‹ von ihren lippen erscholl, siehe, da wandeln sich plötzlich vor den augen der mutter die kleider der töchter in zotten, die arme in beine und vier und zwanzig hündinnen umklaffen den jagdwagen der mutter, vier übernehmen den dienst der rosse, die übrigen umkreisen den wagen und fort geht der wilde zug zu den wolken hinauf, um dort zwischen himmel und erde, wie sie gewünscht hatten, unaufhörlich zu jagen, von einem tage zum andern, von einem jahr zum andern. Längst schon sind sie des wilden treibens überdrüssig und beklagen den frevelhaften wunsch, aber sie müssen die folge ihrer schuld tragen, bis die stunde der erlösung kommt. kommen wird sie 772 einmal, doch wann? weiß niemand. In den twölven (denn zu andrer zeit können wir menschenkinder sie nicht wahrnehmen) lenkt frau Gauden ihren jagdzug zu den wohnungen der leute; am liebsten fährt sie christnachts oder altjahrsnacht über die straßen des dorfs, und wo sie eine hausthür offen findet, da sendet sie eine hündin hinein. ein kleiner hund wedelt nun am andern morgen die bewohner des hauses an, er fügt niemandem ein anderes leid zu, als daß er durch sein gewinsel die nächtliche ruhe stört. beschwichtigen läßt er sich nicht, auch nicht verjagen. tödtet man ihn, so verwandelt er sich am tage in einen stein, der weggeworfen durch unmittelbare gewalt ins haus zurückkehrt und nachts wieder zum hunde wird. dieser hund wimmert und winselt nun das ganze jahr hindurch, bringt krankheit und sterben über menschen und vieh, und feuersgefahr über das haus: erst mit wiederkehr der twölven kehrt des hauses ruhe zurück. Jeder achtet darum in den twölven sorgsam, daß zur abend und nachtzeit die große hausthür wol verschlossen gehalten werde; wer es unvorsichtig versäumt, trägt selbst die schuld, wenn frau Gauden bei ihnen einkehrt. So geschah dies auch einmal den großeltern jetziger hauswirtsleute zu Bresegardt. die waren noch obenein so thöricht, das hündlein zu tödten, aber dafür war auch von stund an kein ›säg und täg‹ (segen und gedeihen), bis zuletzt das haus in flammen untergieng. Glücklicher daran waren die, welche der frau Gauden einen dienst erwiesen. es begegnet ihr zuweilen, daß sie in der dunkelheit der nacht des weges verfehlt und auf einen kreuzweg geräth. kreuzwege sind aber der guten frau ein stein des anstoßes, und so oft sie sich auf einen solchen verirrt, zerbricht ihr etwas an ihrem wagen, das sie selbst nicht wieder herzustellen vermag. In solcher verlegenheit kam sie auch einmal, als stattliche frau gekleidet einem knechte zu Boeck vor sein bett, weckte ihn auf und bat ihn flehentlich um hilfe in ihrer noth. der knecht ließ sich erbitten, folgte ihr zum kreuzwege und fand da, daß das eine rad von ihrem wagen abgelaufen war. er machte nun das fuhrwerk wieder gangbar und zum dank für seine mühe befahl sie ihm, die sämmtlichen häuflein in seine tasche zu sammeln, die ihre begleiterinnen beim verweilen auf dem kreuzweg zurück gelassen hatten, wir können nicht sagen, ob als zeichen großer angst oder guter verdauung. der knecht unwillig über solch ein anmuten ließ sich doch einigermaßen beschwichtigen durch die versicherung, daß das geschenk so werthlos, wie er wol meine, für ihn nicht sein werde, und nahm wenn auch ungläubig doch neugierig einige häuflein mit sich. und siehe, zu seinem nicht geringen erstaunen begann das mitgenommne mit tagesanbruch zu glänzen wie blankes gold und war auch wirklich gold. da war es ihm leid nicht alles mitgenommen zu haben, denn bei tage war keine spur mehr davon auf dem kreuzweg anzutreffen. Ein andermal beschenkte frau Gauden einen mann zu Conow, der eine neue deichsel in ihren wagen setzte, und noch 773 ein andermal eine frau zu Göhren, die ihr den hölzernen stecken in die deichsel schnitt, über welchem die wage hängt. beide erhielten für ihre mühe, daß die von der deichsel und dem wagenhalter abgefallnen späne sich in schieres, prächtiges gold verwandelten. Insonderheit liebt frau Gauden kleine kinder und beschenkt sie mit allerlei guten gaben, darum singen die kinder auch, wenn sie fru Gauden spielen:

fru Gauden hett mi'n lämmken geven
darmitt sall ik in freuden leven.

Doch hat sie sich allmälich aus der gegend weggewendet, was so zusammenhängt. fahrlässige leute zu Semmerin hatten in einer Silvesternacht ihre hausthür sperrweit offen gelassen. dafür fanden sie am neujahrsmorgen ein schwarzes hündlein auf ihrem feuerheerde liegend, das in nächster nacht mit unausstehlichem gewinsel den leuten die ohren voll schrie. da war guter rath theuer, was anzufangen um den ungebetenen gast los zu werden. Und wirklich gab eine kluge frau an und gebot, es solle das sämmtliche hausbier durch einen ›eierdopp‹ gebraut werden. gesagt gethan. eine eierschale ward ins zapfloch des braukübels gesteckt, und kaum, daß das ›wörp‹ (angegorne bier) hindurch gelaufen war, da erhob sich frau Gaudens hündlein und redete mit vernehmlicher klarer stimme: ›ik bün so olt as Böhmen gold, äwerst dat heff ik min leder nicht truht, wenn man't bier dörchn eierdopp bruht‹, und als es das gesagt hatte verschwand es und seither hat niemand weder frau Gauden noch ihre hündlein gesehnLisch mecklenb. jb. 8, 202–205. auch in der Prignitz kennt man die sage von frau Gode (Ad. Kuhn no. 217).Nachtrag: Der wilde jäger reitet auf einem schimmel durch die luft. Sommer s. 7. vgl. schimmelreiter s. 160. das füllen des stiefels mit gold kommt auch in einem hess. märchen vor. hess. zeitschr. 4, 117. vgl. Garg. 241a. die schuhe werden mit gold gefüllt. Roth. 21b. ein schuh voll geld. Panzer s. 13.

Der wilde jäger heißt Goi. Kuhn westf. sag. 1, 8. in der Schweiz wird der dürst auch gäuthier genannt. Stalder 2, 517. sollte darin Goden anklingen? frau Gaudens wagen und hund gemahnt an die nl. sage vom hund beim höllenwagen. Wolf s. 527.

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Diese sage klingt an viele andere uralte an. frau Gauden gleicht einmal den auch in den zwölfen umziehenden frau Holda und Berhta, die gerade so an ihrem wagen ausbessern lassen und dafür mit gold beschenken, zuletzt aber das land verlassen (s. 222. 228. 229). dann ist sie namentlich frau Gaue, frau Gode, frau Wode (s. 209), die aus einer männlichen gottheit fro Woden (s. 128. 129) hervorgegangen scheint, welches entschieden durch ihre identität mit Wodan, dem wilden jäger bestätigt wird. selbst der ein jahr lang im haus bleibende hund Hakelbergs (s. 768) wie frau Gaudens stimmt dazu vollkommen. die verwunderung, die er über scheinbar verkehrte handlungen der menschen ausspricht und wodurch er sich, wie andere geisterhafte elbische wesen zum reden und weggehn bewegen läßt, ist ganz wie in den s. 388 mitgetheilten sagen. Dennoch scheint der übergang des wilden jägers in göttinnen nicht bloß willkürlich und zufällig, sondern auch noch durch andere erzählungen begründet.

E. M. Arndtmärchen und jugenderinnerungen 1, 401–404. erzählt die sage von dem wilden jäger ohne namen folgendergestalt: in Sachsen lebte vor langen zeiten ein 774 großer, reicher fürst dem jagd über alles gieng und der jeden waldfrevel an seinen unterthanen auf das härteste strafte. einem knaben, der eine weide geschält hatte, um sich eine schalmei zu machen, ließ er den leib aufschneiden und sein gedärme um den baum treibenRA. 519. 520. 690.; einen bauer, der auf einen hirsch geschossen hatte, ließ er auf den hirsch festschmieden. Zuletzt brach er selbst seinen hals auf der jagd, indem er gegen eine buche anrannte, und nun hat er im grab keine ruhe, sondern muß jede nacht im walde jagen. er reitet auf einem schimmel, dessen nüstern funken sprühen, gerüstet und peitschknallend, ein schwarm zahlloser hunde folgt; sein ruf lautet ›wod, wod, hoho, hallo!hoho, woit gut!‹ AW. 3, 144. 145. wod und woit scheint mir auf Wôdan, Wuotan anzuspielen, weil die ausrufe gern götternamen enthalten. er hält sich in wäldern, auf öder heide, und meidet ordentliche straßen; trift er zufällig in einen kreuzweg, so stürzt er mit dem pferd zusammen, und raft sich erst jenseits wieder auf; er jagt und verfolgt alles unheimliche gesindel, diebe, räuber, mörder und hexen.

Eine niedersächs. sage von dem Tilsgraben oder teufelsloch zwischen Dahlum und Bokenem (bei Harrys 1, 6) meldet, der wilde ritter Tils habe so sehr am waidwerk gehangen, daß er auch der feiertage nicht achtete und eines Christsonntages sich vermaß: heute müsse er ein wild erlegen und solle seine burg darüber untergehn. abends aber krähte der hahn, daß die burg noch heute versinken werde, und bald darauf versank sie mit allem was darin war. ein taucher, der in die tiefe des sees gelangte, sah vor einem steintische den ritter Tils sitzen, alt und grau, sein weißer bart war durch den tisch gewachsen.

Am Harz braust die wilde jagd den Eichelberg vorüber mit hoho und hundegeklaf. Als ein kecker zimmermann sein hoho hinterdrein rief, fiel ein schwarzer klumpen durch den schornstein auf den heerd, daß funken und brände den leuten um die köpfe stoben. eine große pferdelende lag auf dem heerd und jener zimmermann war todt. Der wilde jäger reitet auf schwarzem kopflosem pferde, eine hetzpeitsche in der einen, ein hifhorn in der andern hand; das gesicht sitzt ihm im nacken und zwischen dem blasen ruft er hoho! hoho! vor und hinter ihm sind weiber, jäger und hunde in menge. Einigemal soll er aber auch gütig erscheinen und verirrte im wald mit trank und speise laben (Harrys 2, 6).

Im mittlern Deutschland heißt diese geisterhafte erscheinung bloß der wilde jäger, oder es werden noch andere neuere namen angeknüpft. Bei Wallrod, unweit Schlüchtern im Hanauischen, sieht man im walde große zertrümmerte basaltklippen emporstehen, vor zeiten war da des wilden mannes haus und noch heute schaut man ihn in grauer riesiger gestalt durch den wald über heide und feld, unter krachen und gebrause, seine runde machen (vgl. s. 359. 775 399). Jenes bairische jagen des holzweibleins enthält eine thüringische sage deutlicher. der wilde jäger stellt den moosleuten, den holzweibchen. nachdiese moosleute und holzweibel gehören zu den waldgeistern (s. 400) und bilden einen übergang auf die zwerge; das meiste von ihnen weiß die voigtländische sage. sie gleichen dreijährigen kindern und verkehren freundlich mit den menschen, die von ihnen geschenke erhalten. oft helfen sie heu machen, füttern das vieh und setzen sich mit zu tische, gezählte sachen dürfen sie nicht nehmen, bei der flachsernte pflegt der landmann drei hände voll flachs für die holzweibel in dem felde liegen zu lassen (vgl. oben s. 370. 491) und beim baumfällen während der zeit, in welcher der schall des abgesägten, niederfallenden baums gehört wird, drei kreuze in einem zwickel auf den stamm zu hauen. in die mitte dieser kreuze setzen sich die holzweibel und haben dann ruhe vor dem wilden jäger, der auf allen seinen wegen dem kreuz ausweicht (vgl. deutsche sagen no. 47). nach voigtländischer überlieferung soll aber der wilde jäger selbst die gestalt eines kleinen graulich bemoosten mannes besitzen und sich in einem engen, stundelangen thale umgetrieben haben (Jul. Schmidt 140). Im Riesengebirg soll der nachtgeist die rüttelweibchen vor sich her treiben, die bloß unter einem baum, bei dessen niederhauen ›gott walts‹ (nicht aber ›walts gott‹) ausgesprochen wurde, vor ihm schutz finden (deutsche sagen no. 270)., er bleibt unsichtbar, aber man hört ihn toben in der luft, daß es ›knistert und knastert‹. einen bauer aus Arntschgereute bei Saalfeld trieb sein vorwitz, als er schall und hundegebell im wald vernahm, mitzuhelfen und das geschrei der jäger nachzuahmen: am andern morgen fand er vor der thüre seines pferdestalls das viertel eines grünen moosweibchens aufgehängt, gleichsam zum lohn seiner jagddeutsche sagen no. 48. Jul. Schmidt p. 143; vgl. no. 301, wo der zwerg dem jäger eine gemse vor die thür hängt.. Dixerunt majores nostri, tempore meliotis et probioris aevi, concubinas sacerdotum in aëre a daemonibus non aliter quam feras sylvestres a canibus venaticis agitari atque tandem discerptas inveniri: quod si hominum quispiam haec audiens venationem suo clamore adjuverit, illi partem vel membrum concubinae dissectum ad januam domus mane a daemonibus suspensum. Bebelii facetiae Tub. 1555. s. 11a die holzweiblein werden hier durch die pfaffenfrauen vertreten, das kann aber in der volkssage schon des 13 jh. geschehen sein. Den grund, warum der luftjäger das holzweiblein verfolgt, verschweigt die deutsche überlieferungman sehe unten die sage aus Boccaccio und von Grönjette.; bei dem oberdeutschen volk spielen diese wilden weiber in den zwölf nächten und in den fasten eine entschiedne rolle, sie gehören zu dem heidnischen gespensterspuk. Selbst unter den vicontinischen und veronesischen Deutschen wagts, um die angegebne zeit, der kühnste jäger nicht die wildbahn zu besuchen, aus furcht vor dem wilden mann und der waldfrau. kein hirte treibt dann vieh aus, die heerden werden im stall getränkt und kinder langen das wasser in irdnen gefäßen aus der nächsten quelle. der waldfrau aber spinnen die weiber ein stück haar (flachs) am rocken und werfen es ihr zum sühnopfer ins feuerHormayrs Tirol 1. 141.. Bis in die Ardennen aber reicht die sage von der wilden 776 jagd, Wolf in den niederl. sagen no. 516. 517 vgl. mit s. 706 hebt mit recht hervor, daß dabei gewöhnlich eber gejagt werden, und ein holzhacker, der an der jagd theil genommen hatte, vierzehn tage lang eberfleisch einsalzen konnte, was an den eber der einherien (s. 265. 320), an die caro aprina und den eberbraten in der Walthersage (Waltharius s. 105) gemahnt, und Hackelbergs traum geht auf den eber (s. 768)Nachtrag: Ein mann stellte sich im wald, wodurch der wilde jäger zog, unter einen baum. da hieb ihm einer aus dem gefolge mit dem beil in den rücken, mit den worten: ›in diesen baum will ich mein beil hauen‹. der mann hatte nun einen buckel und wartete, bis das jahr umlief, dann wartete er des heers unter dem baum. da kam derselbe wieder aus dem zug und sagte: ›jetzt will ich mein beil wieder aus dem baum nehmen‹. fortan war der mann des buckels wieder ledig. Kuhn nordd. s. no. 69. vgl. das anblasen der Berhta s. 229. hexensage bei Sommer s. 56. Schambach s. 179. 359. Vonbun s. 29 das schnärzerli (2. ausg. s. 36). Wolfs d. sag. no. 348. 349. Panzer 1, 17. 63.

Der wilde jäger reitet ohne kopf im Fichtelgebirge. Frommann 2, 554, so auch der wölenjäger, jolenjäger. Osnabr. mitth. 3, 238–240. ähnlich der wilde jäger in der Wetterau. Firmenich 2, 101. er geht ohne kopf mittags zwischen 11 und 12 uhr im gehölz. Sommer s. 7. an einer stelle hält der wilde jäger an und füttert pferde und hunde. Sommer s. 9. In Tirol jagt er das Salgfräulein. Wolfs zeitschr. 2, 60. 35. er hetzt die lohjungfer. Sommer s. 7. 167. so jagt der riese Fasolt das wilde weibchen. Eckenlied 167. 173.

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Das volk fürchtet verkehr mit den mächtigen geistern, und wer diese scheu bricht, hat es hart zu büßen. Schlimmer als der saalfeldische bauer fuhr der westfälische (s. 768) oder der schneider im Münsterland über dessen haus die wilde jagd brauste. als er des jägers spottend sein ›huhu, klifklaf!‹ dazwischen rief, kam ein pferdefuß durch das fenster und schlug ihn vom tisch herab: ›willstu mit mir jagen, sollstu mit mir knagen!‹ erscholl eine fürchterliche stimme aus der luft (D. S. no. 309). Zu Delligsen bei Alfeld (im hildesheimischen) erzählte ein mädchen: mine mutter vertelle, dat de helljäger dorch de luft ejaget herre un jimmer eraupen ha ha! tejif tejaf, tejaf! de knechte tau Hohne utn ganzen dörpe keimen eins avens to hope un brochten alle de hunne utn dörpe mit, umme dat se den helljäger wat brüen wollen. da kumte ok dorch de luft en ejaget, un wie hei ropt ha ha! sau raupt de knechte ok ha ha! un wie de hunne inr luft jilpert, sau jilpert un bleft de hunne utn dörpe ok alle, do smitt de helljäger ön wat herunner un schriet: ›wil ji mit jagen, so könn ji ok mit gnagen!‹ ans se den annern morgen tau seien dauet, wat ön de helljäger henne smetten herre, da istn olen perschinken. Auch die östreich. volkssage in Ziskas märchen s. 37 berichtet von dem verwegnen, der sich ein stück wildbraten ausbat, als das wilde gjoad vorüberzog, und nicht anders die niederländische bei Wolf no. 259. Dagegen hat eine westpreußische bei Tettau und Temme no. 260, auf dem Bullerberge im walde Skrzynka des Stargarder kreises treibe der wilde jäger auf Bartholomaeusnacht sein wesen und habe dem oberförster den schenkel eines menschen aus der luft in den wagen geschleudert, mit den worten: ›da hast du auch etwas von unsrer jagd!‹

Eine meißnische volkssage nennt das gespenst Hans Jagenteufel, und stellt ihn dar wie einen gestiefelten und gespornten mann, der in langem grauem rock, ein hiefhorn über dem rücken, aber ohne kopf, auf einem grauschimmel durch den wald reitet (D. S. no. 309). Man erzählt auch von einem wilden jäger, geheißen Mansberg, ich weiß nicht aus welcher gegend. Schwäbische sagen von dem jagen des ElbendrötschGräters Iduna 1813 p. 88. 1814 p. 102; vgl. elbentrötsch oben s. 381., von dem Muotes heerWagners madame Justitia p. 22. Schmids wb. 391; ›stürmet wia s'Muthesheer‹, ›seia verschrocka, wia wenn s'Muathesheer anen vorheizoga wär.‹ Nefflens vetter aus Schwaben, Stuttg. 1837 s. 154. 253. ist es aus Wuotes hör (Schm. 4, 202) verändert? wie potz und kotz (s. 13). oder muot (ira) = wuot? vgl. Fromuot (s. 742). möchte ich ausführlicher kennen; eines badischen wilden 777 jägers, junker Marten, schloß stand am dorfe Singen bei der Pfinz, und in einer capelle auf dem weg nach Königsbach wird sein grabstein gewiesen. nachts erscheint er mit seinen hunden den leuten im Bahnwald (Mones anz. 3, 363). Johann Hübner reitet einäugig auf schwarzem rosse zu mitternacht. D. S. no. 128. andere süddeutsche sagen berichten keine eigennamen, sondern begnügen sich an der spitze des wilden heers einen weißen mann auf einem schimmel vorreiten zu lassen (Mones anz. 7, 370. 8, 306); ein alter burgherr reitet auf dem schimmel, der in den wiesen weidend gesehn wird (das. 3, 259) ganz wie Oden sein pferd weidet (s. 129). Aber schon Michel Beheim (geb. 1416) dichtete einen meistergesang von Eberhart grafen zu Wirtenberg, der im wald einen ›schnellen saus und ungefügen braus‹ vernahm und ein gespenst erblickte, das ihm die ursache seiner verdammung erzählte. bei seinen lebzeiten war es ein herr, der nie jagens satt wurde und zuletzt an gott die bitte richtete, ihn bis zum jüngsten tag jagen zu lassen; gott willfahrte und so jagt er schon fünfthalbhundert jahre einem hirsche nach, ohne ihn je zu erreichen; sein antlitz war wie schwamm verrunzeltvon der Hagens u. s. w. sammlung u. s. w. 1, 43. 44.. das ist nichts als variation der niedersächs. HackelbergssageNachtrag: Häuser mit zwei eingängen in gerade entgegengesetzter richtung, so daß eine thüre auf der vorderseite, die andre auf der hinterseite des hauses ist, sind dem durchzug des wütenden heers ausgesetzt (meiningisch). Haupts zeitschr. 3, 366. vgl. die ofne hausthüre s. 772, das sitzen über der thür s. 789. Der ruf des helljägers: ›wil ji mit jagen‹ ist auch franz.: ›part en la chasse!‹ Bosquet 69. der angeführten westpreußischen sage gleicht die samländische bei Reusch no. 73.

In Schwaben heißt die wilde jagd auch das mutige heer. Schwab schwäb. alp s. 312. anführer des Muthesheers ist der Linkenbold, der auf dem Harz Leinbold heiße. das. es liegt dort ein Linkenboldslöchle. übrigens wird die wilde jagd in einem schwäbischen gedicht von 1486, anfangend: ›Got mercurius‹, das wilde wůtißher genannt. in Thüringen zieht eine frau Motte um.

In Ottobeuern vernahm man zu weihnachten liebliche musik. wer das fenster öfnete, um danach zu horchen und den heerzug Wuetes zu schauen, dem schwoll der kopf riesenhaft an und er konnte ihn nicht zurück ins fenster ziehen. den vollen lieblichen genuß hatten ungestraft die in der verschloßnen stube bleibenden. der zug gieng durch den fronweg den Guggenberg hinauf oder ins teufels loch im Buschel, wo ein schatz liegt und vom pudel bewacht wird. von dieser lieblichen musik des nachtvolks s. auch Vonbun s. 35.

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Im 16 jh. (und warum nicht früher?) stellte man aber auch in Schwaben ein gespenst namens Berchtold an die spitze des wütenden heers, dachte sich ihn weiß gekleidet auf weißem pferde sitzend, weiße hunde am strick leitend, ein horn am hals tragendhistorie Peter Leuen des andern Kalenbergers von Achilles Jason Widman (aus schwäbisch Hall) Nürnb. 1560. wieder abgedr. in Hagens narrenbuch p. 353. Peter Leu spielt hier p. 394 bauersleuten einen betrug, indem er sich in Berchtold verkleidet..

Diesem Berchtold sind wir schon s. 231 begegnet. er war die männliche gestaltung der weißgekleideten Berhta, die auch Prechtölterli heißt. Gräters Iduna. 1814. s. 102.

Hier öfnet sich ein neuer gesichtspunkt. so gut Wuotan, oder ein andrer gott, können auch heidnische göttinnen das wütende heer anführen, der wilde jäger geht in die waldfrau, Wodan in frau Gaude über. Von Perchtha kennt man im Orlagau liebliche sagen. die kleinen über welche sie gebietet sind menschenkinder, welche noch ehe sie getauft waren, verstarben und ihr dadurch zu eigen verfielen (s. 765. 767). von diesen weinenden kindern ist sie umgeben (wie frau Gaude von ihren töchtern) und läßt sich mit ihnen im nachen übersetzen (s. 228. 229). Einer jungen frau war das einzige kind gestorben, sie weinte über alle maßen und konnte sich nicht zufrieden stellen. jede nacht lief sie hinaus auf das grab und jammerte, daß es die steine hätte erbarmen mögen. in der nacht vor dem dreikönigsfeste sah sie Perchtha nicht weit von ihr vorüberziehen, da gewahrte sie, den andern kindern 778 hinterdrein, ein kleines mit einem ganz durchnäßten hemdchen angethan, das in der hand einen krug mit wasser trug und matt geworden den übrigen nicht folgen konnte; ängstlich blieb es vor einem zaun stehn, den Perchta überschritt und die andern kindern überkletterten. die mutter erkannte in diesem augenblick ihr kind, eilte hinzu und hob es über den zaun. während sie es so in den armen hielt, sprach das kind: ›ach wie warm sind mutterhände! aber weine nicht so sehr, du weinst mir meinen krug sonst gar zu schwer und voll, da sieh, ich habe mir mein ganzes hemdchen schon damit beschüttet.‹ von jener nacht an, wird zu Wilhelmsdorf erzählt, hörte die mutter zu weinen auf (Börner s. 142. 143). Zu Bodelwitz erzählen sie etwas anders, das kind habe gesagt: ›ach wie warm ist mutterarm‹ und der bitte ›mutter weine nicht so sehr‹ die worte beigefügt: ›ich muß ja jede zähre die du weinst in meinen krug sammeln.‹ da weinte sich die mutter noch einmal herzlich aus (Börner 152). Die sage vom naßgeweinten todtenhemdchen geht als märchen um (KM. 109. Reusch no. 32. Thom. Gantipr. p. 501, vgl. Wolfs Wodana s. 153) und nach dem dän. volkslied von Aage und Else füllen die geweinten thränen den sarg mit blut; hier tritt aber der bedeutsame zug hinzu, daß die kinder in Perhtas geleit fahren. das krüglein kann mit den thränenkrügen, die in gräbern gefunden werden, in verbindung stehnVirg. Aen. 6, 427:

infantum animae flentes in limine primo,
quos dulcis vitae exsortes et ab ubere raptos
abstulit atra dies et funere mersit acerbo.

In der einleitung des pentamerone beruht die wiederbelebung eines todten darauf, daß ein an seinem grabe hängender krug voll geweint werde.

Nachtrag: Die ungetauften kinder sind zugleich die unterirdischen und moosleute, welche Wode verfolgt und fängt. vgl. s. 400 und Müllenhoff s. 373. Dem ausruf des kindes: ›ach wie warm sind mutterhände!‹ vergleichen sich die rufe des kindes der zigeunermutter: ›ist nichts so weich als mutters schooß‹ und ›ist nichts so süß als mutters liebe.‹ Müllenhoff no. 331. litth. motinôs rankos szwelnos, mutterhände sanft. Mielcke 1, 284. Kraszewski Litwa 1, 389. die gestorbne mutter kommt in deutschen märchen nachts zurück ihre kinder zu stillen. KM.3 3, 21. vgl. Melusine. Simr. s. 80. Müllenhoff no. 195–197. hvert fell blôđugt â briost grami. Sæm. 167b. eine andere stelle in der Laxd. saga s. 328.

Das wilde heer läßt sich, gleich den zwergen, vom fährmann übersetzen. dabei wird der letzte zurückbleibende mit einem strohseil geschürzt. Panzer 1, 164.

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Außer Berahta kommen Holda, Diana und Herodias in betracht. Berahta und Holda erscheinen, gleich frau Gaude (s. 772), in den zwölften, zwischen weihnachten und neujahr. Joh. Herolt, ein dominicaner, der zu anfang des 15 jh. die sermones discipuli de tempore et de sanctis verfaßte, sagt in sermo 11 (in die nativitatis): sunt quidam, qui in his duodecim noctibus subsequentibus multas vanitates exercent, qui deam, quam quidam Dianam vocant, in vulgari ›die frawen unhold‹, dicunt cum suo exercitu ambulare. solch ein nächtliches herumschweifen sagen auch die s. 230 ff. von Diana, Herodias und Abundia angezogenen stellen auszu Diana stimmt die poln. Dziewanna, Dziewina (Linde 1, 599b) Dziewica; von einer oberlausnitzischen Dziwitza hat Liebusch folgende sage: sie war eine schöne junge knenje oder edelfrau, die mit der zylba (einem geschoß) bewaffnet in den wäldern umher streift: die schönsten jagdhunde begleiteten sie und schreckten wild und menschen auf, die sich zur mittagsstunde im dichten wald fanden. Noch jetzt redet man einen, der über den mittag allein im tannenwalde bleibt, scherzend an: fürchtest du nicht, daß Dziwitza zu dir kommen wird? sie jagt aber auch in mondhellen nächten.. Es ist ganz die neben dem vicentinischen wilden mann auftretende waldfrau, der das volk noch gaben darbringt. Und wie im Salzburgischen der Berhtacultus zum freudenfest des volks (s. 231) geworden ist, hat sich auch im Entlibuch eine vom volk selbst dargestellte 779 Posterlijagd, donnerstag vor weihnachten, als sitte eingeführt. unter dem Posterligleichbedeutig mit frau Faste (s. 652. 653) nach dem slavischen post = faste, jejunium? denkt man sich ein gespenst in gestalt einer alten frau oder einer ziege (vgl. s. 764). abends versammeln sich die jungen bursche des dorfs und ziehen unter lautem geschrei und getöse an einander geschlagner bleche, geblasener alphörner, geläuteter kuhglocken und ziegenschellen, knallender geißeln über berg und thal in ein anderes dorf, dessen jünglinge sie mit gleichem lärm empfangen. einer im haufen stellt das Posterli vor oder es wird in puppengestalt auf einem schlitten nachgeschleift und in einer ecke des fremden dorfes stehn gelassen; dann stillt sich der lärm und alle kehren heim (Stald. 1, 208). An andern orten der Schweiz spukt in der fronfastnacht mittwoch vor weihnachten die Sträggele und plagt die mädchen, wenn sie ihr tagwerk nicht gesponnen haben (Stald. 2, 405). das Posterli und die Sträggele gleichen also aufs haar der frau Berhta und Holdavgl. das nächtliche ausreiten der schottischen elbkönigin (W. Scotts minstr. 2, 149. 161) oder der feen (Keihtley 1, 166).. Zu Neubrunn (im Würzburgischen) zog das wütende heer immer durch drei häuser, in welchen drei thüren gerade hintereinander waren, vornen die hausthür, mitten die küchenthür, hinten die hofthür, und wo sich drei thüren in gerader richtung finden, da zieht, es mag sein wo es nur will, das wütende heer durch. ist man auf straße oder hof, wenn es zieht, so muß man den kopf zwischen die speichen eines wagenrads stecken, dann zieht es vorüber, sonst würde es einem den hals umdrehen. in Maßfeld erzählen alte leute, es sei den Zinkenstill herab über die kreuzstraße bei der Reumeser brücke, über die berge nach Dreißigacker gezogen. viele bekräftigen mit allen schwüren es gesehn zu haben. (Bechsteins fränk. sagen no. 137). In Thüringen zieht das wütende heer im geleite der frau Holla (D. S. no. 7). Zu Eisleben und im ganzen Mansfelder land fuhr es alle jahr auf fastnacht donnerstag vorüber, das volk versammelte sich und sah der ankunft des heers entgegen, nicht anders als sollte ein mächtiger könig einziehen. vor dem haufen trat ein alter mann einher mit weißem stabe, der treue Eckhart, der die leute aus dem wege weichen, einige auch heim gehen hieß: sie würden sonst schaden nehmen. hinter ihm kamen etliche geritten, etliche gegangen, man sah darunter neulich verstorbne menschen. einer ritt auf zweibeinigem pferdeauf dreibeinigem die Hel (s. 704)., einer lag auf ein rad gebunden, das sich von selbst bewegte, andere liefen kopflos, oder trugen ihre schenkel auf den achseln. ein trunkner bauer, der dem heer nicht ausweichen wollte, wurde ergriffen und auf einen hohen felsen gesetzt, wo er tagelang harren muste, bis man ihm wieder herunter helfen konnteAgricola spr. 667. Eyering 1, 781–786. die kopflosen gestalten, die zwei oder dreibeinigen, feuerglühenden thiere in vielen geistersagen; auch in der Wetterau tobt ein kopfloser wilder jäger (Dieffenbachs Wetterau s. 280), in Pommern ein kopfloser schimmelreiter (Temme no. 140).. In dieser 780 darstellung macht frau Holda an der spitze ihres geisterheers vollkommen den eindruck einer im land umziehenden heidnischen göttin: das volk lauft zusammen und geht ihr entgegen, wie dem Freyr (s. 176), der Nerthus (s. 208). Eckhart mit dem weißen stab versieht das amt eines herold, eines kämmerlings, der ihr den weg aufräumt. ihr lebendiges gefolge hat sich verkehrt in gespensterNachtrag: De la danza aérea á que están condenadas las Herodiadas por la muerte del bautista. Wolfs zeitschr. 4, 191. in der Walachei jagt Dina (Sina) = Diana mit großem gefolge in den wolken und man sieht im gras, wo sie getanzt hat. sie kann lahm, taub, blind machen und ist besonders mächtig zur pfingstzeit. walach. märch. 296..

Eckhart, der getreue, eine gestalt aus dem kreise altdeutscher helden (heldensage 144. 190, vogt der Harlunge, vielleicht richtiger Eckewart, Kriemhildes kämmerer Nib. 1338, 3) greift in die göttersage über. nach anhang oder vorrede des heldenbuchs soll er bei dem Venusberg sitzen und die leute warnen, wie er sie vor dem wütenden heere warnt; um so weniger läßt sich auch hier sein geschäft noch die bedeutung des Venusbergs verkennen. Eckhart zieht vor dem wütenden heer mit Holda, wie er an dem berg der Venus bis zum jüngsten tag zu weilen verwünscht ist: die identität der Holda und Venus liegt außer zweifel. dieser berg (nach einigen der Hoselberg, Horselberg bei Eisenach) ist frau Hollen hofhaltung, erst im 15. 16 jh. scheint man aus ihr frau Venus zu machenvgl. oben s. 377. Venusberg in dem niederl. volksbuch Margareta van Limburg cap. 56. 82. 84 und in der Mörin. Keisersperg (omeiß 36) läßt die hexen in frau Fenusberg faren. solcher Venusberge muß es in verschiedenen gegenden manche gegeben haben, besonders in Schwaben. einer lag bei Waldsee, ein andrer bei Ufhausen unweit Freiburg, in welchen der Schnewburger (wie Tanhäuser) einkehrt. H. Schreibers tb. 1839 s. 348. ohne zweifel hat schon das mnl. gedicht von Marg. von Limburg (a. 1357) gleich dem späteren volksbuch und Johans von Soest bearbeitung (Mones anz. 4, 168) den Venusberg, dessen ältestes vorkommen mithin dem 14 jh. beizulegen ist. eine Dresdn. hs. des 15 jh. (Hagens grundr. 336) enthält ein noch ungedrucktes, wahrscheinlich noch im 14 jh. verfaßtes gedicht vom Venusberg. Johan von Soest dichtete 1470, Hermann von Sachsenheim 1453, vor ihnen nennt schon Joh. Nider († 1440) im formicarius den Venusberg. Joh. Herolt (s. 778) redet von Diana und frau Unhold, nah verwandt ist der berg, in dem Felicia und Juno hausen (s. 802. 803). Vielleicht hatte man in Italien ähnliche sagen, denn Paracelsus meldet (Straßb. 1016. 2, 291c): so ist auch nicht minder, daß mit diesen pygmaeis ist der Venusberg in Italia besetzt gewesen, dann Venus selbst ist ein nympha gewesen, und der Venusberg ist ihrem reich vergleicht worden. aber dieselbig ist auch abgestorben, darumb ist auch ihr reich mit ihr vergangen und hat aufgehört. dann wo hört man mehr von ihnen sagen, wie vor alten zeiten, da der Dannhauser und andere mehr sind darinnen gewesen? und ist solches von ihm kein fabelgedicht, sondern ein warhaftig geschicht. und in den chirurg. schriften (Straßb. 1618. s. 332b): etlich die seiend hoch daran, practicieren heimlich und verborgen nigromanciam, als campisirer, die kommen aus dem Venusberg und haben ihr kunst getauft im Veltliner und haben mit dem bruder Eckart mettin betet und mit dem Danhäuser ein blutwurst gessen. Afzelius 2, 141 erzählt von einem bräutigam, der 40 jahre bei den elben war. alle sagen versetzen Venus und Holda in elbberge., in unterirdischen hölen hauset sie, stattlich und prächtig gleich zwergkönigen; einzelne menschen finden sich noch bei ihr ein und leben da in wonne. man erzählt von dem edlen Tanhäuser, der hinab gegangen war, ihre wunder zu 781 schauendeutsche sagen no. 170. Wie der pabst dem Tanhäuser durch den dürren stecken die hofnung abschneidet, sagt auch nach schwed. tradition der priester dem spielenden neck: ›eh wird dieser rohrstab den ich in der hand halte, grünen und blühen, als du erlösung erlangst‹; trauernd wirft der neck die harfe hin und weint. der priester aber reitet fort, und bald beginnt sein stab in laub und blüte auszuschlagen, da kehrt er um, dem neck das wunder zu verkünden, der nun die ganze nacht über frohe weisen spielt. Afzelius 2, 156. Dieser mythus von Tanhäuser klingt aber an viele andere, vorzüglich celtische. Tanhäuser bringt lange jahre bei Holda im berge zu, Tamlane bei der feenkönigin, Thomas of Ercildon bei der fairy queen (W. Scotts minstr. 2, 193. 3, 181–183), Ogier 200 jahre bei fata Morgana in Avalon: sie hatte ihm einen kranz aufs haupt gedrückt, der ihn alles vergessen machte. die sage ist dennoch deutsch und wird in Schweden von der elbkönigstochter berichtet (oben s. 386 und Afzelius 2, 141), im kindermärchen von frau Fortuna (altd. bl. 1, 297). So bleibt auch Odysseus bei Calypso und Circe, wer aber möchte mit Mone (anz. 5,168) aus den gr. sagen von Ulysses und Orpheus die von Tanhäuser herleiten?; eine der anziehendsten sagen des mittelalters, in welcher die sehnsucht nach dem alten heidenthum und die härte der christlichen geistlichkeit rührend geschildert sind. Eckhart, vielleicht ein heidnischer priester, ist hofmann und begleiter der göttin, wenn sie zu bestimmter zeit des jahres ausfährt. ich könnte ihn auch mit seinem κηρύκειον zum psychopomp des reitenden todtenheers (vgl. den in der luft knarrenden seelenwagen s. 695) machen; er geleitet aber nicht die scheidenden, vielmehr die wiederkehrenden todtenNachtrag: Ein Eckehart kommt auch Dietr. 9791 vor. über den Venusberg s. Simrock Amelungenlied 2, 315 ff. schon Altswert 82 sagt: dirre berc was fro Venus vgl. 80, 9. 83, 7. Hans Sachs nennt den Venusberg III. 3, 3b a. 1517. 6b a. 1518. 18b a. 1550. in einem hexenprocess von 1620 heißt es: auf Venesberg oder paradies faren. Mone 7, 426. ein Venusberg liegt bei Reichmannsdorf im meiningischen amt Gräfenthal, unweit Saalfeld. nach einem mnl. gedicht von Limb. 3, 1250. 1316 wohnt Venus im wald. Den Horselberg schildert schon Eob. Hessus bucol. idyll. 5 zu beginn des 16. jh.:

aspicis aërio sublatum vertice montem,
qua levis occidui deflectitur aura Favoni,
horrisonum latio vicinus nomine dicit,
qui Nessum bibit undosum Verarimque propinquum.
isthoc ante duas messes cum saepe venirem,
ignarus nemorum vidi discurrere larvas
saxa per et montes tanquam nocturna vagantes
terriculamenta et pueros terrere paventes,
quas lamias dicunt, quibus est exemptile lumen,
quas vigiles ajunt extra sua limina lyncas
esse, domi talpas, nec quenquam cernere nec se.

vgl. Victor Perillus ged. vom Hörselberg a. 1592 (jb. d. Berl. spr. ges. 2, 352. 358). Banges thür. chron. 1599 s. 57. 58 nennt ihn Haselberg und Hörselberg. Lieder vom Tanhäuser bei Uhland no. 297 und in Mones anz. 5, 169–174. ein lied vom Danhäuser erwähnt Fel. Faber 3, 221.

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Da auch Dieterichs von Bern, zu dessen helden Eckhart gehört, theilnahme an der wilden jagd zu beweisen steht, so wäre er hier der zweite einheimische held. die Lausitzer nennen nun den wilden jäger Berndietrich, Dietrich Bernhard oder Diterbenada; oft haben alte Wenden seine jagd gehört und wissen zu erzählen von unschmackhaften braten, die er dabei austheiltJoh. Hortzschansky von sitten u. gebr. der Wenden dritte abth. (Dessau und Görl. 1782) 3, 258. laus. monatsschr. 1797 p. 749. Liebusch skythika s. 287.. auch im Orlagau ist Berndietrich des wilden jägers name (Börner s. 213. 216. 236) und seine hunde treiben die waldweibchen auf. ja auf dem Harz am Bodekessel über der Rostrappe steht der wilde jäger versteinert, ›er heiße Bernhart‹ gab ein knabe an, und der vater der über das Bodethal zu ros gesprungnen Brunhild wird vom volk ›der von Bären‹ (von Bern) genannt; dies gewinnt dadurch an bedeutsamkeit, daß auch Gibicho (s. 114) auf dasselbe gebirge versetzt wird (z. f. d. a. 1, 575). Von Fichte aber, dessen heimat die Lausitz war, leitet sich die meldung her, dort heiße knecht Ruprecht (s. 417) Dietrich von Berndeutsche heldensage p. 40. Beide auslegungen lassen sich verbinden. knecht Ruprecht erscheint neben frau Berhta, als diener und begleiter (s. 425. 426), zuweilen statt ihrer, und wie sie als ein schreck der kinder. es kommt dazu, daß beide Ruprecht und Berhta weihnachten auftreten; doch was am meisten entscheidet ist, daß in Meklenburg Wode, wie in Schwaben Berhta, durch den flachs am spinnrocken fährt, und Wode, wie Ruprecht 782 und Niclas, den kindern gutes oder böses beschertFrankes alt und neu Meklenb. 1, 57. In Schlesien schweigt man die kinder mit dem nachtjäger. deutsche sagen no. 270.. Dietrich von Bern ist also, gleich dem treuen Eckhart, berechtigt in Wuotans, Holdas oder Berhtas geleit zu erscheinen, oder ihre stelle einzunehmen. Auch wird bei andrer veranlassung Dietrich der feuerathmende übermenschlich dargestellt nach den gedichten des MA. auf gespenstigem feuersprühendem rosse in die hölle oder in die wüste abgeholt, wo er bis an den jüngsten tag mit dem gewürme streiten soll (d. heldensage 38–40). das stimmt zu der altmärkischen sage von Hackelberg (s. 769) und in der zusammensetzung Hackelberend scheint der zweite theil deutlich auf Berend, Bernhart und Dietrichbern geleitet zu haben, wie auch Hackelbergs und Berends traum (s. 769) identisch war. Vielleicht endlich wäre der niederländ. Derk met den beer (s. 177) hier zu erwägen, ohne daß ich den beinamen aus einem misverstandnen Dietrich von Bern herführeNachtrag: Dietrich von Bern erscheint bei Heinrichs 6. tod auf einem pferd, reitet durch die Mosel und verschwindet. HS. s. 49. Dyterbernat, Dyterbenada, Dykebernak, Dykebjadnat heißt der wilde jäger in den wend. volksl. 2, 267b. in einer sage 2, 185 gleicht er dem vom teufel geholten Theodericus veronensis. Diter Bernhard bei Dasent Theophilus 80. brandadern (unfruchtbare flecke) in den fluren heißen bei den Wenden Dyterbernatowy puć, D. weg. dagegen gibts nach Panzer 1, 67 ein fruchtbar jahr, wenn das wilde gjai geht, und wo der Rodensteiner durchs korn fährt, steht es höher. Wolf s. 20. das wilde heer zieht durch die scheune. Panzer 1, 133..

Wir haben das wilde heer in zwei hauptbeziehungen kennen gelernt, als nächtliche jagd männlicher, als feierlichen umzug weiblicher gottheiten, beide, den letzteren zumal, an gewisse jahrszeiten gebunden. der bestimmtere sinn des ausdrucks ›heer‹ läßt schon eine dritte bedeutung erwarten: es zieht als kriegsheer und weissagt anbrechenden krieg.

Wuotan (der alte heervater, s. 682), Hackelbernd, Berhtolt, auf weißem schlachtrosse, gewafnet und gespornt, erscheinen noch als oberste lenker des kriegs, den sie gleichsam dem menschengeschlecht verstatten. Es gibt mehr als eine sage von verwünschten bergen, in deren innerm von zeit zu zeit waffenklang, trommeln und pfeifen hörbar werden; ein altes geister und götterheer ist darein verschlossen, das sich zu seinem ausbruch rüstet. Keine schönere, vollständigere sage kenne ich in dieser beziehung als von dem niederhessischen Odenberg, und dazu liegt er unmittelbar in der nähe von Gudensberg, d. h. Wuotansberg, aber unterschieden davon, so daß man Odenberg nicht aus der altn. form Ođinn deuten darf: der name mag von ôd (felicitas) vielleicht von ôdi (desertus) geleitet werden. Das volk knüpft diesen Odenberg längst nicht mehr an die heidnische gottheit, sondern an den heldenkönig Carl, ja an kaiser Carl 5zu Broterode wird eine ›fann (fahne) von Karles quintes‹ gezeigt und daran das blutgericht des orts geknüpft, was das mhd. Karles reht oder lôt ist. Bechstein thür. sag. 2, 95.. Seiner händel mit landgraf Philipp wegen hat Carl der fünfte bleibenden eindruck in Hessen zurückgelassen, ›Karle Quintes‹ mit seinen soldaten haust im Odenberg, und wie die Schwäbin ihrem kind mit der eisernen Berhta droht (s. 230): ›schweig, oder die Prechtölterli kommt!‹ die Baierin: ›schweig, Prechte kommt und schneidet dir den bauch auf!‹ schweigt es die Hessin, in diesem landstrich, durch den zuruf ›du, der Quinte kommt!‹ Früher meinte man aber Carl den großen, wie schon 783 die den annalisten bekannte sage von dem durstigen heer beweist (s. 96. 127); ein niederschlag noch älterer heidnischer mythen. Carl war mit seinem heer in die gebirge der Gudensberger landschaft gerückt, siegreich, wie einige erzählen, nach andern fliehend, von morgen her (aus Westfalen). die krieger schmachteten vor durst, der könig saß auf schneeweißem schimmel; da trat das pferd mit dem huf auf den boden und schlug einen stein vom felsen, aus der öfnung sprudelte die quelle mächtig (s. 187. 485). das ganze heer wurde getränkt. diese quelle heißt Glisborn, ihrer kühlen, klaren flut mißt das landvolk größere reinigungskraft bei als gewöhnlichem wasser, und aus umliegenden dörfern gehen die weiber dahin ihr leinen zu waschen. der stein mit dem huftritt, in die Gudensberger kirchhofmauer eingesetzt, ist noch heute zu sehn. Nachher schlug könig Carl eine große schlacht am fuße des Odenbergs. das strömende blut riß tiefe furchen in den boden (oft sind sie zugedämmt worden, der regen spült sie immer wieder auf), die fluten ›wulchen‹ zusammen und ergossen sich bis Bessa hinab; Carl erfocht den sieg: abends that sich der fels auf, nahm ihn und das ermattete kriegsvolk ein und schloß seine wände. in diesem Odenberg ruht der könig von seinen heldenthaten aus. er hat verheißen alle sieben oder alle hundert jahre hervorzukommen; tritt eine solche zeit ein, so vernimmt man waffen durch die lüfte rasseln, pferdegewieher und hufschlag, der zug geht an den Glisborn, wo die rosse getränkt werden, und verfolgt dann seinen lauf, bis er, nach vollbrachter runde endlich wieder in den berg zurückkehrt. Einmal giengen leute am Odenberg und vernahmen trommelschlag, ohne etwas zu sehn. da hieß sie ein weiser mann nach einander durch den ring schauen, den er mit seinem in die seite gebognen arm bildete: alsbald erblickten sie eine menge kriegsvolk, in waffenübungen begriffen, den Odenberg aus und eingehnich verdanke diese und andere, getreu aus dem munde des volks verzeichnete sagen der freundschaftlichen mittheilung eines kurhessischen artillerieofficiers, herrn Pfister.. An jenem schauen durch den arm erkennt man recht die uralte sage. Saxo gramm. meldet s. 37 daß Biarco nicht vermochte den Othin, der auf weißem rosse reitend, mit weißem schilde bedeckt, dem feindlichen heer der Schweden beistand, zu erschauen. da redet Biarco zu Ruta:

at nunc ille ubi sit qui vulgo dicitur Othin
armipotens, uno semper contentus ocello?

dic mihi, Ruta, precor, usquam si conspicis illum?

Ruta antwortet:

adde oculum propius, et nostras prospice chelas,
ante sacraturas victrici lumina signo,
si vis praesentem tuto cognoscere Martemda hier Othin nicht zu bezweifeln ist, so fällt auf, daß ihn Saxo Mars nennt. das dient die uralte berührung zwischen Wuotan und Zio (s. 162) zu bestätigen..

784 Biarco:

si potero horrendum Friggae spectare maritum,
quantumcunque albo clypeo sit tectus et album
flectat equum, Lethra nequaquam sospes abibit.
fas est belligeram bello prosternere divam.

das schauen durch den eingestemmten arm (chela, χηλή) macht geistersichtigaltd. blätter 1, 290., wie sonst das über die rechte schulter (oben s. 380, abergl. 996) oder zwischen durch die ohren des pferdes. Das hat die hessische volkssage bewahrt. So deutlich sie übrigens den Wuotan zeichnet, scheint sie zuweilen auf Donar überzugehn, denn man hört auch von einem rothen reiter mit rothwollnem reiherbusche auf rothem rosse erzählen, der an bestimmten jahrstagen den waldsaum des Odenbergs im galopp umreite: es sei der geist von Carolus quintus. diese beschreibung würde eher auf Friedrich Rothbart, der im Kifhäuser haust, und den rothhaarigen Donar passenNachtrag: Schon im j. 1096 beim kreuzzug gab man vor, Carl sei wiederauferwacht: Karolus resuscitatus. Pertz 8, 215. vgl. den kaiser im Guckenberg bei Gemünd. Bader no. 434 und den Karlsberg zu Nürnberg das. no. 481..

Ähnlich diesem Odenberger heer ist der auszug des Rothenthalers im AargauWyß reise ins Berner Oberland 2, 420., des Rodensteiners nach dem Schnellertsdeutsche sagen no. 169. Schnellerts = haus des Schnellert, Snelhart. ein ungeheurer geist heißt Snellaart in Margr. van Lünb. 7b., des grauen mannes über den Rockenstul bei Geisa im FuldischenBechsteins fränk. sagen 1, 68., anderer in andern gegenden, vgl. Mones anz. 3, 259. 8, 306; als das heer über Wolfartsweiler zog, rief einer herab; ›wenn du beschädigt wirst, verbind dich mit rothem garn!‹ (8, 307.) Nach Heimreichs nordfries. chron. 2, 93 sah man im j. 1637 vor Tondern kriegsheere in der luft aufziehen und mit einander bei hellem wetter streitenGuicciardini hist. d'Italia. 1583 p. 22: risuonava per tutto la fama, essere nel territorio d'Arezzo passati visibilmente molti di per l'aria infiniti huomini armati, sopra grossissimi cavalli e con terribile strepito di suoni di trombe e di tamburi. vgl. die dän. sage vom ausziehenden Klintekönig oder Ellekönig. Thiele 1, 98. 3, 55. Selbst kinder mit spieß und fahne ziehend weissagen krieg (abergl. 106).. Eine irische volkssage berichtet von O'Donoghue dem alten herscher, der jährlich am ersten mai, auf milchweißem pferde sitzend, aus dem gewässer eines sees steigt, sein reich zu besuchen. In einer augustnacht aber zeigt sich ein graf von Kildare gerüstet auf prächtigem streitros und mustert die schatten seiner krieger (elfenm. 192. 193. 233). An jenen duris, dürst (s. 431. 767) gemahnt auffallend ein finnischer Turisas, gott des krieges und zugleich riesenhaft (turras, turrisas, tursas = riese), der hoch in den wolken, wann ein krieg bevorsteht, seine trommel rühren läßt. Den Letten sind johdi oder murgi gespenster, seelen verstorbner; wenn ein nordlicht flackert sagen sie: johdi kaujahs (geister schlagen sich), karru lauschu dwehseles kaujahs (gefallner krieger seelen schlagen sich)Stenders lett. gramm. 1783 p. 262. 266. Bergmann s. 145.. hier wird der gespenstertumult auf die leuchtende, wie bei den Deutschen auf die tönende naturerscheinung 785 bezogen; es erinnert auch an den krieg, den unsere landsknechte selbst im himmel erheben, noch mehr an die altn. benennung Hiađnînga veđr eđa èl (Hedaningorum tempestas vel procella) für krieg und schlacht, Sn. 163. die helden waren in langem kampfe gefallen, da gieng Hildur, die valkyrja, nachts auf die wahlstätte, weckte sie wieder auf und ließ sie von neuem kämpfen, und so sollen sie alle tage bis zu weltuntergang am tag streiten und die nacht todt liegen. dies scheint mir unter allen das älteste vorbild eines in den wolken streitenden heers, aus dem man, wie die namen veđr und èl zeigen, die naturerscheinung deutete. In Thüringen geht eine volkssage von einer zwischen Croaten und Schweden gelieferten schlacht, an deren jahrstag abends eilf uhr alle begrabnen soldaten erwachen und nun von neuem zu streiten beginnen, bis die glocke eins schlägt, dann versinken sie in den erdboden und liegen ein jahr über ganz still und ruhig (Bechstein 4, 231)Nachtrag: Über Schnellerts s. Panzer 1, 194 und den ewigen jäger von Winendael. kunst en letterblad 1841 s. 68. Reiffenberg renseign. 214. ein auszug eines wagens mit drei rädern und dem langnasigen fuhrmann wird in der sage von der mönchsüberfahrt bei Speier geschildert. Melander 1 no. 664 (oben s. 792). copiae eques tres werden bei Worms a. 1098 gesehen. das. 2 no. 59. in der luft ziehende heerscharen a. 1096. Pertz 8, 214. vgl. Dionys. halic. 10, 2. auch sah man in den wolken mehr oben schreiten zwei große heer. H. Sachs III. 1, 227a..

Aber den romanischen völkern ist die überlieferung vom luftheer nicht weniger bekannt und einzelnes trift mit der deutschen genau zusammen.

In Frankreich führt ein solches luftgebilde kämpfender geister die benennung Hellequin, Hielekin (Bosquet 70–77), in Spanien exercito antiguod. h. die große menge der todten (oben s. 706). he geit int olde heer = er stirbt. Narragonia 84b. dem alten haufen zuschicken. Keisersb. pred. über Brant. p. m. 432.. Guilielm. alvernus († 1248) p. 1037: ›de equitibus vero nocturnis, qui vulgari gallicano Hellequin, et vulgari hispanico exercitus antiquus vocantur, nondum tibi satisfeci, quia nondum declarare intendo, qui sint; nec tamen certum est eos malignos spiritus esse, loquar igitur tibi de his in sequentibus‹. p. 1065: ›de substantiis apparentibus in similitudine equitantium et bellatorum, et in similitudine exercituum innumerabilium, interdum autem et paucorum equitum‹. p. 1067; ›narratur quoque, quod quidam videns hujusmodi exercitum (auf der wegscheide) terrore percussus a via publica declinavit in agrum contiguum, ubi quasi in refugio, transeunte juxta illum toto illo exercitu, illaesus permansit et nihil mali passus est ab illis. propter quod opinio inolevit apud multos, agros gaudere protectione creatoris propter utilitatem hominum, et hac de causa non esse accessum malignis spiritibus ad eos, neque potestatem nocendi propter hanc causam hominibus existentibus in eis. Gens autem idolatrarum tutelam istam et defensionem, si eam vel crederet vel audiret, numinibus arvorum illam attribueret. opinor autem, quod Cererem deam, quae agris praeest, hujusmodi hominem protexisse crederent, exercitumque illum intra fines regnumque Cereris nemini posse nocere‹. p. 1073: ›nec te removeat aut conturbet ullatenus vulgaris illa Hispanorum nominatio, qua malignos spiritus, qui in armis ludere ac pugnare videri consueverunt, exercitum antiquum nominant, magis 786 enim anilis et delirantium vetularum nominatio est quam veritatis‹. Radulfus de Presles ad libr. 15 cap. 23 de civ. dei: ›la mesgnée de Hellequin, de dame Habonde (s. 237), et des esperis quils appellent fées‹. Ducange s. v. im jeu d'Adan hört man die maisnie Hielekin unter schellengeklingen heranziehen, die drei feen (s. 341) im gefolge, ein ›sires Hellequins‹ wird genannt. Reiffenberg renseign. s. 94. Vincent. bellov. lib. 30 cap. 118 und nach ihm Keisersperg (omeiß 37d 38b) berichten von einem gewissen Natalis, Alle quinti, Karoli quinti, der gestorben wieder erschien und auf die frage nach dem wütenden heer verkündete, es habe aufgehört seit Carolus quintus seine buße geleistet. hier wird dem wütenden heer der name Caroliquinti oder nach andern Allequinti beigelegt, was offenbar mit jenem Hellequin und dem hessischen Karlequinte im Odenberg (s. 782) zusammenhängt. Gleichwol scheint es falsche deutung des älteren Hellequin, dessen mesnie (gefolge) in den gedichten des 13 jh.z. b. im Richard sans peur, im roman de Fauvel, vgl. Jubinal contes 1, 284. Michel théâtre fr. p. 73–76. außer Guil. alvernus verschiedentlich erwähnt wird, der also nicht den franz. könig Carl 5 aus der zweiten hälfte des 14 jh. meinen kann. daß man auch in Frankreich mit dem wütenden heer Carl den großen in verbindung brachte, zeigt ein burgund. gedicht des 17 jh., nach welchem Charlemagne auf seinem pferd an der spitze der lufterscheinung reitet, und Roland die fahne trägtjournal des savans 1832 p. 496.. wie aber wenn Hellequin aus dem deutschen helle (unterwelt) oder der diminution hellekin, persönlich und männlich aufgefaßt, zu verstehn wäreKauslers chronik von Flandern hat 8049 ten Hallekine, einen ortsnamen, zur kleinen hölle.? Zu Tours sagt man chasse briguet (briguet ist jagdhund) und le carosse du roi Hugonmém. des antiq. 8, 458. noei borguiguons p. 237. Thuanus lib. 24 p. 1104., der nachts um die stadtmauer reitet und alle, die ihm begegnen, schlägt oder wegraft. des königs Hugo Capet wagen vertritt auch hier einen heidnischen götterwagen; in Poitou heißt es la chassegallerie. Im walde von Fontainebleau soll ›le grand veneur‹ jagen.

In den britischen wäldern rauschte schon zu des Gervasius tilberiensis zeit könig Artus nächtliche jagd (ot. imp. 2, 12): ›narrantibus nemorum custodibus, quos forestarios vulgus nominat, se alternis diebus circa horam meridianam et in primo noctium conticinio sub plenilunio luna lucente saepissime videre militum copiam venantium et canum et cornuum strepitum, qui sciscitantibus se de societate et familia Arturi esse affirmant‹. im complaynt of Scotland heißt es p. 97. 98: ›Arthour knycht he raid on nycht vith gyldin spur and candillycht‹. Der elbkönigin und feen wurde schon vorhin gedacht (s. 779). Shakespeare (merry wiv. of Winds. 4, 4. 5, 5) gedenkt eines ›Herne the hunter‹, der mitternachts um eine alte eiche wandert.

787 Boccaccio (decam. 5, 8) hat die geschichte eines gespenstes, das seine geliebte, die ihm treuloser weise den tod bereitet hatte, jeden freitag nackend durch den wald jagt und von seinen hunden zerfleischen läßt: so oft sie erlegt wird, steht sie wieder auf und die grausame jagd beginnt von neuem. Die fabel soll, nach Manni, aus Helinand genommen sein; sie könnte aufschluß über die verfolgung des holzweibchens durch den wilden jäger (s. 775) geben, wenn man auch die motive des novellisten, wie billig, erst auf den einfachen grund einer volkssage zurückzuführen hätte. Im gedicht von Etzels hofhaltung erscheint der Wunderer fast als ein solcher wilder mann und jäger, der mit seinen hunden frau Sælde hetzt und aufzufressen droht, wie der jäger das flüchtige holzweiblein (s. 775) oder der infernalis venator die abgeschiedne seeleNachtrag: An Shakespeares Herne the hunter erinnert Horne the hunter, der mit dem teufel den eber bei Bromsgrove in Worcestershire jagt, auch Harry-ca-nab heißt. Athenaeum. Die geschichte von dem frau Saelde hetzenden Wunderer steht in Kellers erz. s. 6. vgl. fastn. sp. 547. schimpf und ernst. 1522, 229. 1550, 268.. viel bedeutender ist eine sage des Eckenlieds. Fasolt jagt mit hunden ein wildes fräulein im wald, gerade wie der wilde jäger das holzweiblein in Laßbergs ausg. 161 bis 201, in Hagens 213–254 vgl. 333. dies wird für die auffassung Fasolts wichtig, der ein sturmriese war (s. 439. 529) und hier gleich Wuotan im wilden heer aufzieht.

Unversteckter liegen die bezüge der nord. auf deutsche sagen. den Dänen ist Waldemar, ihr berühmter, geliebter könig, zum wilden jäger geworden. die seeländische fabel läßt ihn, gleich Carl dem großen (s. 361), durch einen zauberring zu einer jungfrau und nach deren tod zu einer waldgegend heftig hingezogen werden. er wohnt im Gurrewald und jagt da nacht und tagauf dieser jagd übt er grausamkeiten gegen die bauern, auch jagt er eine meerfrau (Thiele 1, 46. 52)., ganz wie Hackelberg äußert er die vermeßnen worte: ›gott möge sein himmelreich behalten, wenn ich nur in Gurre immerdar jagen kann!‹ Nun reitet er jede nacht von Burre nach Gurre; wenn das volk sein hohorufen und peitschenknallen von weitem hört, stellt es sich seitwärts unter die bäume. voran im zug laufen kohlschwarze hunde, denen glühende zungen aus dem hals hängen, dann erscheint Wolmar, auf weißem pferde, zuweilen sein eignes haupt unter dem linken arm tragend (vgl. abergl. 605). stößt er auf leute, besonders alte, so gibt er ihnen hunde zu halten. er fährt einen bestimmten jagdweg, alle thüren und schlösser springen vor ihm auf, seine straße heißt Wolmarsstraße, Voldemarsvejantiqvariske annaler 1, 15., wobei man sich der Irmingstræt und Eriksgata (s. 295–300) erinnern wird. Denen die ihm die hunde gehalten haben schenkt er scheinbar geringe sachen, welche sich hernach in gold verwandeln. für hufeisen gibt er ducaten (Thiele 1, 89–95). diese sagen gemahnen zugleich an Carl den großen, Hackelberg und frau Holla oder Perhta. vgl. Müllenhoff schlesw. holst. sag. no. 485. 486.

Auf der insel Möen hegt ein wald namens Grünewald. in ihm jagt der Grönjette jede nacht zu pferd, das haupt unter dem 788 linken arm, einen spieß in der rechten, eine meute hunde um sich herum. Zur erntezeit legen ihm bauern ein gebund haber für sein pferd hin, daß er des nachts nicht ihre saaten niedertrete; an diesem einen zug wird Wuotan (s. 128)noch näher trift was Thiele p. 192 meldet: in alten tagen herschte auf der insel Möen der aberglaube, wenn man einerntete, die letzte gebundne habergarbe hin auf den acker zu werfen mit den worten: ›das ist für den jöde von Upsala, das soll er haben julabends für sein pferd!‹ thaten das die leute nicht, so starb ihr vieh. Der jötunn von Upsala bezeichnet, in christlichem euphemismus, Ođinn oder Wodan, dessen götterbild zu Upsala aufgestellt ist. vielleicht entsprang die redensart zu einer zeit, als Dänmark schon bekehrt, Schweden noch heidnisch war. vielleicht auch Frey (s. 176) erkennbar. jette heißt er hier, wie in der Schweiz durst (s. 784). Grön erkläre ich nicht durch die grüne farbe der jägerkleidung, lieber durch das altn. grön (barba), Grönjette = altn. graniötunn, der bärtige riese, und Grani (barbatus) ist Ođins name (s. 716). Grönjette läßt auch die bauern seine hunde halten. er jagt nach der meerfrau (wie der wilde jäger nach der holzfrau); ein bauer sah ihn zurückkehren, wie er die meerfrau todt quer über seinem pferd liegen hatte: ›sieben jahr jagte ich ihr nach, auf Falster hab ich sie nun erlegt‹. dem bauer schenkte er das band, woran er die hunde gehalten hatte; solange das band in seinem besitz blieb, nahm er zu an reichthum (Thiele 1, 95–97).

Auf Fühnen jagt Palnejäger, d. i. der altn. Pâlnatôki (fornm. sög. 11, 49–99. Thiele 1, 110), ein vielberühmter held (oben s. 315).

In einigen dänischen gegenden wird statt Wolmer nur gesagt ›den flyvende jäger‹ (der fliegende jäger) oder ›den flyvende Markolfus‹, in der gegend von Kallundborg hat das volk einem jüngern könig die jagd übertragen: Christian der zweite reitet auf weißem pferd mit schwarzen hunden (Thiele 1, 187).

Im Schleswigischen jagt könig Abel: in eo loco, ubi sepultus est – venatoris cornu inflantis vocem et sonum exaudiri, multi fide digni referunt et affirmant usque adeo similem, ut venatorem ibi venari quis diceret, idque saepe a vigilibus, qui Gottorpii nocte vigilare solent, audiri: sed et Abelem multis nostra aetate apparuisse et visum esse constans omnium est rumor, ore et corpore atrum, equo pusillo vectum, comitatum canibus tribus venaticis, qui et saepe specie ignea et ardere visi sunt. Cypraei ann. episc. slesvic. p. 267. vgl. Thiele 2, 63. 142. Dahlmann dän. gesch. 1, 408. Müllenhoff no. 487. 488.

Schwedische überlieferungen vom wilden jäger sind mir nicht vollständig bekannt, ich folgere sie aber schon nach dem, was s. 488 von dem strömkarlslag gesagt wurde, dessen eilfte variation dem nachtgeist und seinem heer gehört, und der neck berührte sich gerade mit dem elbischen Tanhäuser (s. 780). Auch dauert in Schweden noch der echte bezug der naturerscheinung auf den gott (oben s. 766). Man erzählt von zwei leidenschaftlichen jägern, Nielus Hög und Jennus Maar (Arwidsson 2, 71).

789 Reichen gehalt hat eine norwegische sage. Seelen, die nicht so viel gutes thun daß sie den himmel, nicht so viel böses daß sie die hölle verdienen, trunkenbolde, spötter, feine betrieger, sollen zur strafe bis an das ende der welt umreiten. An der spitze des zugs fahrt Gurorysse oder Reisarova mit ihrem langen schwanz, woran man sie vor den übrigen kennt; nach ihr folgt eine ganze menge beiderlei geschlechts. von vornen angesehen haben reiter und pferde stattliche gestalt, von hinten sieht man nichts als Guros langen schwanz. die rosse sind kohlschwarz, mit glühenden augen, sie werden mit feurigen stangen und eisernen zäumen gelenkt, von ferne vernimmt man den lärm des haufens. sie reiten über wasser wie über land, kaum berühren ihre hufe die oberfläche des wassers. wo sie den sattel auf ein dach werfen, in dem haus muß flugs ein mensch sterben; wo sie schlägerei, mord und trinkgelag erwarten, da kommen sie und setzen sich über die thürquia Mors secus introitum delectationis posita est. regula Benedicti cap. 7.. solange noch keine unthat begangen wird, halten sie sich ruhig, erfolgt sie aber, so lachen sie laut aufvgl. das ›manes ridere videns‹ im Waltharius 1040. und rasseln mit ihren eisenstangen. Ihr zug hat statt um jul, wenn große trinkgelage gehalten werden. hört man ihn nahen, so muß man aus dem weg weichen oder sich platt auf den boden werfenwie oben s. 769, in allen volkssagen wird dies zu thun angerathen, z. b. Bechsteins thür. sag. 4, 234; fränk. sag. 1, 57. es ist die auch beim wehen heißer winde in Italien beobachtete vorsicht. und schlafend anstellen, denn es gibt beispiele, daß der zug lebende menschen mit sich schleppt. ein rechtschaffener mensch, der jene vorsicht gebraucht, hat nichts zu fürchten, als daß jeder aus dem haufen auf ihn speit: ist der zug vorbei, so muß er wieder ausspeien, sonst würde er schaden nehmen. In einigen gegenden heißt dieser gespenstige aufzug aaskereia, aaskerej, aaskereida, an andern hoskelreia; jenes verderbt aus âsgardreida, âsgardreid, der asgardische zug, die fahrt der seelen gen himmel oder auf die fahrt der götter, der valkyrien, welche die erde heimsuchen; vielleicht ist es noch einfacher aus åska (blitz) und reid (donner) zu verstehn? dann würde es sich mehr auf Thors erscheinung beschränken. zuweilen sieht man den zug nicht, hört ihn bloß sausend durch die lüfte fahren. wer in den drei julnächten seine stallthüren nicht bekreuzt, der findet am morgen seine pferde schweißtriefend (s. 550. 551) und halbgeplatzt, weil sie mitgenommen waren (Faye 70–72).

Guro scheint was sonst gurri, d. i. altn. gîfr (riesin, s. 436); gurri ist aber auch huldra (Faye 10) und diese wird als schönes weib mit häßlichem schwanz geschildert (Faye 25. 39). Huldra darf unserer Holda schon deshalb verglichen werden, weil sie ungetaufte kinder mit sich führt. Guro als anführerin des wütenden 790 heers entspricht völlig den übrigen bisher entwickelten vorstellungensollte der wald Gurre in Waldemars sage, wie der wald Hakel, aus der person entsprungen sein? man erwäge Halja und hölle. in Schmidts fastelabendsaml. p. 76 werden zusammengestellt ›der Woor, die Goor, der wilde jäger‹.Nachtrag: Auf der stelle, wo Onsjö liegt, war ehedem eine burg (herregård), deren eigner eines sonntags auf die jagd gieng, im geleite seiner hunde, und sich wein aus der kirche verschaft hatte, um damit seine büchse zu laden und desto sichrer zu treffen. aber beim ersten schuß, den er damit that, versank seine burg. Runa 1844, 33. hier ist offenbar Oden selbst der jäger. Im zuge der Gurorysserova, was soviel wie Gudrun rosseschwanz bedeutet (Landstad s. 121. 131. 132), reitet auch Sigurd Snaresvend auf Grani mit. Faye 62. die mitglieder des zuges setzen sich über die thür. ähnliches gilt von den teufeln, die sich vor lîthiuser legen, wo gezecht, gespielt, gemordet wird. Berthold s. 357, und von dem teufel, der beim tanz sitzt. H. Sachs 1, 342a. b. ›setz nur die seel auft überthür‹ heißt es bei H. Sachs III. 1, 261. sein seel setz er uff über thür, lats mit dem teufel beißen. Simplic. pilgram 3, 85. bezeichnungen des gespenstigen aufzugs im norden sind: oskereia, haaskaalreia, juleskreia, skreia. Asbiörnsen og Moe in den Univ. annaler s. 7. 41. 42. julaskrei'i, julaskreid'i, oskerei, oskorrei, aalgarei, jolareiae. Aasen pröver 27. 28. 31. vgl. Thorsreia s. 138 und husprei, hesprei donner. lapp. julheer. Klemm 3, 90..

Überschauen wir nun die gesammte reihe der deutschen und nordischen sagen vom wütenden heer, so drängen sich folgende betrachtungen hervor. der mythus zeigt uns götter und göttinnen des heidenthums. unter den göttern Wuotan und vielleicht auch Fro, wenn ich auf ihn den Berhtolt auslegen darf. Wuotan erscheint noch in seinen beinamen des gemantelten und des bärtigen, die man hernach misverstand und in eigennamen umschuf. bei Saxo gramm. p. 37 heißt Othin: ›albo clypeo tectus et album (s. l. statt altum) flectens equum‹. Sleipnir war ein grauschimmel (Sn. 47), was man apfelgrau (pommelée, ags. äppelfealo) nannte, zwischen frô Wôdan und frôwa Gôde schwanken wort und sinn. Heeranführende göttin, statt des gottes, ist Holda, seine gemahlin; ich überzeuge mich immer fester, daß Holda nichts anders sein kann, als der milden, gütigen Fricka beiname. vgl. Sommers thür. sagen 165. 166. Berhta, die leuchtende, fällt wiederum mit ihr zusammen, oder wenn es auf Frouwa anwendbar ist, berührt sich mit ihr, wie die nord. Freyja mit Frigg. Merkwürdig, daß die norweg. sage weder Frigg noch Freyja, sondern auch Huldra nennt. Die den luftwagen des gottes umgebenden hunde können Wuotans geheul anstimmende wölfe gewesen sein. Eine unbeglaubigte nordischeWassenberg s. 72. Creuzers symb. 2, 98; ich fürchte Rudbeck hat die Adonissage (s. 792) kühn auf Oden gedeutet. überlieferung läßt Ođinn, gleich Hakelbernd, durch einen eber verwunden und diese verwundung scheint völlig sagenhaft (s. 768. 769); als der eber dem schlafenden gott das blut aussog, fielen tropfen auf die erde, aus denen im folgenden frühjahr blumen wurden.

Diese gottheiten stellen sich auf doppelte weise dar. entweder, menschlichen augen sichtbar, zu heiliger jahrszeit, in das land einziehend, heil und segen mit sich führend, gaben und opfer des entgegen strömenden volks in empfang nehmend. oder unsichtig durch die lüfte schwebend, in wolkengebilden, im gebraus und heulen des windes vernehmbar (s. 526), krieg, jagd oder kegelspiel, die hauptgeschäfte der alten helden treibend: ein aufzug der weniger an bestimmte zeit gebunden mehr die naturerscheinung erklärt. vgl. Haupts zeitschr. 6, 129. 131. Beide züge halte ich, ihrer idee nach für gleich alt, und sie greifen bei dem mythus von dem wilden heer manigfach in einander. die vorstellungen von der milchstraße haben uns gezeigt, wie wagen und wege der götter sowol am himmel als auf der erde gehn.

Seit dem christenthum muste eine verwandlung der fabel eintreten. statt des götterzugs erschien nunmehr ein grausenhaftes 791 gespensterheer mit finstern, teuflischen zuthaten entstellt. Vermutlich hatten schon die Heiden angenommen, daß in dem zuge der gottheiten die geister seeliger helden mitfahren; die Christen versetzten jetzt in das heer ungetaufte kinder, trunkenbolde, selbstmörder (vgl. s. 686), die in gräßlicher zerstümmelung auftreten. Aus der holden ward eine unholde, nur noch von vorne schöne, hinten geschwänzte göttinvgl. frau Welt in Conrads gedicht s. 196 ff.. was ihrem alten bilde nicht ganz entzogen werden konnte, wurde als verführerisch und sündhaft aufgefaßt: so erzeugte sich die sage vom Venusberg. Auch die alten opfer ließ das volk nicht völlig fahren, es beschränkte sich auf die habergarbe für des gottes ros, wie es den Tod (den gleichfalls jagenden, s. 705) mit einem scheffel haber abfindet (s. 704).

Als helden wiedergeboren behaupteten götter ihren reinen, ursprünglichen character ungetrübt. So sehen wir diesem umzug bedeutsam Dietrich, Ekhart, Artus, Carl, Waldemar, Palnatoke, ja könig Christian einverleibt, ohne daß ihrem ansehen unter dem volk das geringste entrissen wird. Daneben macht sich aber auch eine andere ansicht geltend, welche die götter in teufel, wie göttinnen in unholde und hexen verkehrt: der teufel konnte hier leicht aus dem älteren riesen entspringen.

Letzte niedersetzung der fabel war, daß sie sich an einzelne jäger und jagdliebhaber der jüngeren zeit heftete, wie Hackelberg, den heidereiter Bären, junker Marten, Mansberg den burgherrn o. a. diese sehen beinahe wie historische personen aus, näher betrachtet werden sie sich immer in mythische auflösen. die gewissenhaftigkeit, mit der das volk Hakelbernds grabstätte nachzuweisen sucht, scheint mir einen heidnischen cultus, dem auch steindenkmäler gewidmet waren, anzudeuten.

Der ähnliche gang, den die geschichte des mythus im Norden wie in Deutschland genommen hat, verbürgt uns von neuem den zusammenhang des heidnischen glaubens hier und dort. Sachsen, Westfalen, Meklenburg, Hessen haben noch einzelne züge mit dem Norden gemein, die Süddeutschland weniger festhielt. Zugleich bricht berührung mit celtischer sage durch, während ich keine mit slavischer entdecke, es müste denn der nachts umreitende Svantovit (s. 551) hierher gehören.

Noch ist eine mit griechischer fabel unerwähnt geblieben, aus der sich das hohe alter der vorstellung eines riesen und jägers zu ergeben scheint. Orion war den Griechen ein riesenhafter (πελώριος) jäger, der noch in der unterwelt, auf der Asfodeloswiese das wild verfolgt (Od. 11, 572) und ein leuchtendes gestirn bildet. Homer nennt Orions jagdhund (Il. 22, 29), den man am himmel unter ihm erblickt, vor ihm sind die pleiaden (eine kütte wilder tauben, Od. 12, 62) auf der flucht, selbst die große bärin scheint nach ihm hinzuschauen (Od. 5, 274)O. Müller über Orion (rhein. mus. f. philol. 2, 12).. Ob auch unsere vorfahren das 792 nemliche gestirn mit dem mythus von der wilden jagd in beziehung brachten? ich habe es s. 606 zweifelhaft hin gestellt. einmal könnte man den ags. namen eberhaufen damit verbinden, dann aber anschlagen, daß die drei den gürtel bildenden sterne spinnrocken der Fricka heißen, die als Holda dem wütenden heer vorangeht, und gerade bei seiner erscheinung auf weihnachten der spinnerinnen wahrnimmt. wo Fricka das gestirn benennt, hebt sich ihre spindel hervor, wo ihm Wuotan oder ein riesenheld den namen verleiht, kann die gruppe gejagter eber ausgezeichnet sein? Die griech. fabel entfaltet sich noch reicher. Orion wird geblendet und von Kedalion, einem wunderbaren kinde, das auf seinen schultern sitzt, zu neuem lichte geleitet. dem blinden riesen ließe sich der kopflose wilde jägerjeder missethäter, dessen verbrechen vor seinem tod nicht herauskommt, muß mit dem kopf unter dem arm umgehn (abergl. 605). soll auch das blenden oder erblinden geisterhaftes irren ausdrücken? vergleichen? Noch mehr fällt mir der zug auf, daß Artemis aus der erde einen scorpion hervorgehn läßt, der Orion in den knöchel sticht und durch diesen stich tödtetAratus phaenom. 637. Ovid. fast. 5, 541. Lucan. phars. 9, 832. auch Adonis stirbt vom eber verwundet. Nestor (Jos. Müller 101) meldet, daß dem Oleg geweissagt war von seinem pferde zu sterben; er ließ es füttern, wollte es aber nicht wieder sehen. als er nach fünf jahren danach fragte, sagte man ihm, es sei todt. da lachte Oleg der wahrsager und gieng in den stall, wo das gerippe und der schädel des pferdes lag, als er auf den schädel trat, fuhr eine schlange daraus hervor und stach ihn in den fuß; daran erkrankte und starb erNachtrag: Ganz ähnliches, wie von Oleg, wird von Örvarodd erzählt. fornald. sög. 2, 168. 169. 300. vgl. eine siebenbürgische sage in Haltrichs progr. s. 73..: wenn sich das zeichen des scorpions am himmel erhebt, sinkt Orion unter. das gemahnt an Hackelberend, dessen fuß, vom hauer des ebers gestochen, seinen tod verursacht (s. 768. 790). Orion geht zur sommersonnenwende auf, zur wintersonnenwende unter, in den winternächten strahlt er, wo auch das wütende heer erscheint. windsturm begleitet ihn (nimbosus Orion. Aen. 1, 535). er hat die gabe empfangen auf dem meer zu wandeln (Apollod. I. 4, 3), wie die rosse der aaskareia über die flut ziehen. Orions verhältnis zu Artemis gleicht dem des Wuotan zu Holda nicht, da beide, Wuotan und Holda, nie zusammen im heer auftreten; für sich betrachtet hat aber Holda entschiedne ähnlichkeit mit Artemis oder Diana (s. 221) noch mehr mit der nächtlichen jagdgöttin Hecate, in deren nähe hunde winseln, wie bei frau Gauden, die gleich der Hel von hunden gewittert wird (s. 555), der man auf das trivium (ahd. driwikki)kreuzwege, scheidewege sind der frau Gauden zuwider, nach Festus s. v. pilae et effigies wurden diese den laren auf solchen wegen aufgehängt. ärmliche speisen hinstellt (wie der Berhta und wilden frau s. 359) vgl. Theocr. 2, 15 und Virg. Aen. 4, 609: nocturnis Hecate triviis ululata per urbes. Lucian (im jiloyeud´hV cap. 22. 24) berichtet, wie dem Eucrates eine solche ‛Εκάτη im wald erschien, und die klaffenden hunde mangeln nicht dabeiNachtrag: Über das zusammenfallen der Holda mit Fricka s. kl. schr. 5, 416 ff. Auch die Gallier opferten der Artemis. Arrian. de venatione c. 23. 32. Hecate triviorum praeses. Athenaeus 3, 196. man nahm eine krume mit aus scheu vor den wegscheiden. das. 2, 83, für Hecates hunde. das. 7, 499. ‛Εκάτης δει̃πνον bedeutet das brot, das man auf den dreiweg legte. Lucian. dial. mort. 1 und 22 (anm. zu Lucian 2, 397). feros Hecatae perdomuisse canes. Tibull. 1. 2, 54..

Tacitus Germ. 43 schildert die Harii, ein nordöstliches deutsches volk mit folgenden worten: truces insitae feritati arte ac 793 tempore lenocinantur. nigra scuta, tincta corpora, atras ad proelia noctes legunt, ipsaque formidine atque umbra feralis exercitus terrorem inferunt, nullo hostium sustinente novum ac velut infernum aspectumNachtrag: Die schreckende tracht der Harier (GDS. 714) mahnt an die todtenkopfreiter. zu anfang des 30j. kriegs gab es bairische reiter, die unüberwindlich genannt wurden, mit schwarzen pferden, schwarzer kleidung und am schwarzen helm einen weißen todtenkopf. ihr anführer hieß Kronberger und das glück blieb ihnen treu, bis sie im merz 1631 vom schwedischen general Baner in Meklenburg gänzlich geschlagen wurden. Friedrich der große hatte ein regiment todtenhopfhusaren. in neuester zeit denke man an die Lützowsche freischar, die schwarzen jäger, die braunschweigschen husaren. kommt in den ritterzeiten das wappen mit todtenkopf vor? Wigal. 80, 14 sagt: an sînem schilde was der Tôt gemâlt vil grusenlîche (anm. 2212). man gedenke auch des schreckenden namen der legio fulminatrix, κεραυνοβόλος. auch bei geheimen bünden wird der todtenkopf als symbol gebraucht. in den apotheken sind die giftbüchsen damit bezeichnet.. war dies todtenheer oder höllenheer römische vorstellung oder schon in der nachricht von jenem deutschen volk mitüberliefert? Eines luftheers (s. 784) gedenkt auch Plinius 2, 57: armorum crepitus et tubae sonitus auditos e coelo cimbricis bellis accepimus, crebroque et prius et postea; tertio vero consulatu Marii ab Amerinis et Tudertibus spectata arma coelestia ab ortu occasuque inter se concurrentia, pulsis quae ab occasu erant. 794

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