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Des Sextus Julius Frontinus' Schrift über die Wasserleitungen der Stadt Rom

: Des Sextus Julius Frontinus' Schrift über die Wasserleitungen der Stadt Rom - Kapitel 1
Quellenangabe
typereport
authorSextus Julius Frontinus
titleDes Sextus Julius Frontinus' Schrift über die Wasserleitungen der Stadt Rom
firstpub1841
translatorAndreas Dederichius
correctorreuters@abc.de
senderkjohnsen@web.de
created20071013
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1. Da jedes vom Kaiser übertragene Geschäft angelegentlichere Sorgfalt fordert; und mich sey es angeborner Eifer, sey es Berufstreue nicht nur zum Fleisse in dem anvertrauten Geschäfte, sondern auch zur Liebe an demselben anspornen; jetzt aber mir vom Nerva Augustus, einem soll ich sagen mit mehr Fleiss oder mit mehr Liebe am Gemeindewesen hängenden Kaiser, der Wasserdienst Ist aufgetragen worden, welcher theils zum Nutzen, theils zur Gesundheit, ja auch zur Sicherheit der Stadt beiträgt, und immer durch die angesehensten Männer des Staates ist verwaltet worden: so erachte ich es für das Erste und Wichtigste, wie es jederzeit in Geschäften mein Grundsatz war, zu kennen was ich übernommen habe.

2. Denn weder gibt es meines Bedünkens für ein jegliches Geschäft irgend eine zuverlässigere Grundlage; noch kann unter einer andern Bedingung, was zu thun und was zu lassen ist, entschieden werden; noch gibt es eine andere für einen leidlichen Mann so entehrende Sache, als ein übertragenes Amt nach Anweisung von Gehülfen zu verrichten: was nothwendig geschehen muss, so oft ins Amt Unkunde vorangegangen ist von Seiten eines solchen, zu dessen praktischer Erfahrung häufig Zuflucht genommen wird: deren Dienstleistungen, obwohl sie zur Amtsführung nothwendig sind, jedoch nur eine Art von Hand und Werkzeug des Geschäftsführers seyn sollten. Deshalb habe ich dasjenige, was ich als zur gesammten Angelegenheit gehörig aufbringen konnte, nachdem ich es nach der schon in vielen Aemtern von mir beobachteten Sitte in Ordnung und gleichsam in einen Körper zersetzt hatte, in diese Denkschrift zusammengetragen, um auf sie an Statt eines Grundrisses der Verwaltung Bezug nehmen zu können. Allein in andern Schriften, die ich nach selbstthätiger Erfahrung und Kenntnissnahme abgefasst habe, war es auf den Nutzen meiner Nachfolger im Amte abgesehen; diese Denkschrift wird vielleicht auch auf einen Nachfolger nützlich wirken; aber da dieselbe unter den Anfängen meiner Verwaltung geschrieben ist, wird sie vorzugsweise zu meiner eigenen Unterweisung und Richtschnur dienlich seyn.

3. Und damit es nicht vorkomme, als hätte ich etwas, was zur Kenntniss der ganzen Angelegenheit gehört, übergangen, will ich zuerst die Namen der Gewässer, die in die Stadt Rom hineinfliessen, hersetzen; dann durch welche Personen und unter welchen Consul u. in dem wievielten Jahre nach Erbauung der Stadt, ein jedes derselben hergeleitet worden ist; darauf von welchen Orten und von welchem Meilensteine ab ihre Leitung begonnen, wieweit in unterirdischem Gerinne, wieweit auf Untermauerung, wieweit auf Bogenwerk geführt; darnach die Höhe eines jeden, und das Verhältniss der Gemässe und welche Verwendungen davon abhängig gemacht sind; wieviel ausserhalb der Stadt, wieviel innerhalb der Stadt ein jegliches der Gewässer nach Verhältniss seines Maasses einem jeglichen Stadtviertel darbringt; wieviele öffentliche und private Wasserschlösser es gibt, und wieviel aus diesen an die Wasserhäuser, wieviel an die Wasserkünste, – denn so nennen sie die Gebildeteren, – wieviel an die Becken, wieviel auf Cäsars Rechnung, wieviel zum Privatgebrauche durch Bewilligung des Fürsten gegeben wird: was Rechtens sey in Betreff der Ableitung derselben und der Erhaltung der Wasserleitungen; welche Strafen, nach den Gesetzen, Senatsbeschlüssen und fürstlichen Verordnungen erkannt, dieses Recht heiligen.

4. Von der Gründung der Stadt 441 Jahre hindurch haben die Römer sich mit dem Gebrauche des Wassers begnügt, welches sie entweder aus der Tiber oder aus Brunnen oder aus Quellen schöpften. Die Quellen stehen bis auf den heutigen Tag im Rufe der Heiligkeit und sind ein Gegenstand der Verehrung: Genesung nämlich glaubt man brächten sie kranken Körpern, zum Beispiel [die der Camönen und des Apollo und der Juturna.] Jetzt aber fliessen in die Stadt: das Appische Wasser, der Alte Anio, die Marcia, Tepula, Julia, Virgo, Alsietina, welche auch Augusta genannt wird, die Claudia, der Neue Anio.

5. Unter dem Consulate des M. Valerius Maximus und P. Decius Mus, im 31ten Jahre nach dem Anfang des Samnitischen Krieges, wurde das Appische Wasser in die Stadt eingeleitet vom Censor Appius Claudius Crassus, welcher später den Beinamen Cäcus erhielt, welcher auch die Appische Strasse von dem Capenischen Thore bis zur Stadt Capua hat anlegen lassen. Zum Collegen hatte er den C. Plautius, welchem wegen Aufsuchung der Adern dieses Wassers der Beiname Venox (der Adersüchtige) gegeben worden ist. Weil dieser aber vor Ablauf der 18 Monate, getäuscht von seinem Collegen, dessen Amtsgenossenschaft seinen Namen entehre, die Censur niederlegte: ging der Name des Wassers bloss auf des Appius Ehre über: von diesem erzählt man, er habe durch viele Winkelzüge sein Censoramt hinausgedehnt, bis er sowohl die Strasse als auch die Leitung dieses Wassers vollendete. Gefasst wird die Appia im Lucullanischen Felde, an der Pränestinischen Strasse, zwischen dem 7ten und 8ten Meilensteine, 780 Schritte linkerhand. Ihre Leitung hat von der Fassung bis zu den Salinen an der Porta Trigemina eine Länge von 11,190; in unterirdischem Gerinne von 11,130; über der Erde auf Untermauerung und Bogenschlag zunächst dem Capenischen Thore von 60 Schritten. Mit ihr vereinigt sich an der Spes Vetus in der Nähe der Torquatianischen und Plautianischen Gärten ein Nebenzweig der Augusta, vom Augustus zu ihrer Vervollständigung zugewendet, unter Beilegung des entsprechenden Namens der Gemellen (Zwillingsgewässer). Dieser nimmt seinen Anfang an der Pränestinischen Strasse, beim 6ten Meilensteine, 980 Schritte linkerhand, ganz nahe an der Collatinischen Strasse; dessen Leitung bis an die Gemellen in unterirdischem Gerinne 8380 Schritte beträgt. Die Vertheilung der Appia beginnt am Fusse des Publicischen Hügels bei der Porta Trigemina.

6. Vierzig Jahre nach der Herleitung der Appia, im Jahre nach der Gründung der Stadt 481, hat Man. Curius Dentatus, welcher mit L. Papirius Cursor die Censur führte, das Wasser des Anio, welcher jetzt der Alte heisst, aus der dem Pyrrhus abgenommenen Beute in die Stadt zu leiten verdungen, unter dem zweiten Consulate des Sp. Carvillus und des L. Papirius Cursor. Zwei Jahre darauf wurde über die Vollendung der Anlage dieser Wasserleitung im Senate verhandelt; da die Anlegung aber durch die häufigen Kriege der Römer unterblieben war, trug erst nach neun Jahren der Prätor Minucius die Sache abermals im Senate vor. Da wurden nach einem Senatsbeschlusse Duumvirn zur Herleitung des Wassers erwählt, nämlich Curius, welcher sie verdungen hatte, und Fulvius Flaccus. Curius starb binnen fünf Tagen nach seiner Wahl zum Duumvir: der Ruhm der Leitung kam auf den Fulvius. Gefasst wird der Alte Anio oberhalb Tibur am 20ten Meilensteine ausserhalb des Baraner Thores, wo er einen Theil zum Gebrauch der Tiburter abgibt. Seine Leitung hat, wegen nöthiger Abwäge, eine Länge von 43,000 Schritten : davon beträgt das unterirdische Gerinne 42,779, die Untermauerung über der Erde 221 Schritte.

7. Nach 127 Jahren, d. i. im Jahre nach der Gründung der Stadt 608, unter dem Consulate des Ser. Sulpicius Galba und des L. Aurelius Cotta, als die Leitungen der Appia und des Anio baufällig geworden waren, auch von Privatleuten betrügerischer Weise abgefangen wurden, gab der Senat dem Marcius, welcher damals als Prätor zwischen Bürgern und Auswärtigen Recht sprach, den Auftrag, diese Leitungen wiederherzustellen und zu schützen. Und weil das Wachsthum der Stadt eine grössere Wassermenge zu fordern schien, wurde er vom Senat auch beauftragt, es sich angelegen seyn zu lassen, inwiefern er noch andere Gewässer möglicher Weise in die Stadt herleiten könnte. Dieser nun führte aus Quaderstein weitere Leitungen auf, und leitete durch sie das zum Vortheile der Bürger erworbene Wasser mit Hülfe von dreitausend Arbeitern in die Stadt, welches von seinem Urheber den Namen Marcia führt. Wir lesen beim Fenestella, dass dem Marcius zu diesen Anlagen 180,000,000 Sestertien angewiesen worden seyen. Aber weil zur Vollendung des aufgetragenen Werkes die Dauer der Prätur nicht genügte, wurde sie ins andere Jahr verlängert. Während dieser Zeit sollen die Decemvirn, indem sie aus andern Ursachen die Sibyllinischen Bücher aufschlugen, gefunden haben, dass nicht das Marcische Wasser, sondern vielmehr der Anio, – über diesen nämlich herrscht in der Angabe grössere Uebereinstimmung, – auf das Capitoliam geleitet werden müsste; und über diesen Gegenstand vom Lepidus, welcher an Statt seines Collegen den Vortrag hielt, unter dem Consulate des Appius Claudius und des Q. Cäcilius im Senate verhandelt, und derselbige nach drei Jahren abermals vorgenommen worden seyn; aber jederzeit die Beliebtheit des Königs Marcius den Sieg davongetragen haben: und so sey das Wasser auf das Capitolium geleitet worden. Gefasst wird die Marcia an der Valerischen Strasse, beim 36ten Meilensteine, 3000 Schritte den von Rom Kommenden rechts. An der Sublacensischen aber, welche unter dem Fürsten Nero zuerst ist gepflastert worden, beim 38ten Meilensteine linkerhand, steht sie innerhalb eines Raumes von 200 Schritten, wo unzählige Quellen unter Felsengewölben sprudeln, unbeweglich wie ein See, in tiefgrüner Farbe. Ihre Leitung hat von der Fassung bis zur Stadt eine Länge von 61,710.5; in unterirdischem Gerinne von 54,237.5; auf überirdischem Bau von 7,463 Schritten: davon weiter von der Stadt an mehreren Stellen des höher liegenden Thal-Theiles auf Bogenwerk von 463; näher der Stadt vom 7ten Meilensteine ab auf Untermauerung von 528; auf dem übrigen Bogenwerk von 6472 Schritten.

8. Die Censoren Cn. Servillius Capio und L.Cassius Longinus Ravilla liessen, im Jahre nach der Gründung der Stadt 627, unter dem Consulate des M. Plautius Hypsäus und des Fulvius Flaccus, das Wasser, welches Tepula heisst. aus dem Lucullanischen Felde, welches einige für ein Tusculanisches halten, nach Rom und auf dag Capitolium leiten. Die Tepula wird gefasst an der Latinischen Strasse, bei dem 10ten Meilensteine, 2000 Schritte den von Rom Kommenden rechts: von da wurde sie in eigenem Gerinne in die Stadt geführt.

9. Nachher sammelte M. Agrippa, als Aedil nach seinem ersten Consulat, unter dem zweiten Consulate des Imperator Cäsar Augustus und dem des L. Volcatius, im Jahre nach der Gründung der Stadt 719, beim 2ten Meilensteine von der Stadt ab, an der Latinischen Strasse, 2000 Schritte den von Rom Kommenden rechts, die eigentümlichen Kräfte eines andern Wassers und fing das Gerinne der Tepula ab. Dem gesammelten Wasser wurde nach dem Finder der Name Julia beigelegt, deren Verwendung jedoch so getheilt wurde, dass dabei die Benennung Tepula nicht ausblieb. Die Leitung der Julia beträgt eine Länge von 15,426.5: auf Bogenwerk über der Erde von 7000: davon ganz nahe an der Stadt vom 7ten Meilensteine ab auf Untermauerung von 528; auf dem übrigen Bogenwerk von 6472 Schritten. Neben der Fassung der Julia fliesst ein Wasser vorbei, welches Crabra genannt wird. Dieses verschmähte Agrippa aufzunehmen, sey es weil er es nicht für gut befunden hatte, oder weil er es den Tusculanischen Grundbesitzern überlassen zu müssen glaubte: es ist nämlich dasjenige, welches alle Landgüter dieses Striches wechselsweise auf bestimmte Tage und Gemässe zugetheilt empfingen. Aber nicht mit derselben Mässigung haben unsere Wasserer den bedeutenderen Theil derselben stets zur Vervollständigung der Julia in Anspruch genommen; jedoch nicht um die Julia zu verstärken, die sie vielmehr erschöpften durch Spendung, eigenen Gewinnstes halber. Ich habe daher die Crabra ausgeschlossen und auf Befehl des Kaisers ganz den Tusculanern wiedergegeben; welche sie jetzt vielleicht mit grosser Verwunderung hinnehmen, ohne zu wissen, welchem Grunde sie den ungewöhnlichen Ueberfluss zu verdanken haben. Die Julia aber hat, durch Zurückberufung der Ableitungen, wodurch sie heimlich beraubt wurde, ihr Maass, auch bei merklicher Trockenheit der Jahrszeit, behalten. In demselben Jahre stellte Agrippa die beinahe verfallenen Leitungen der Appia, des Anio, der Marcia wieder her, und versah mit ausgezeichneter Fürsorge die Stadt mit einer grossen Zahl von Springbrunnen.

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