Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Achim von Arnim >

Des Knaben Wunderhorn / III. Band

Achim von Arnim: Des Knaben Wunderhorn / III. Band - Kapitel 70
Quellenangabe
typepoem
booktitleDes Knaben Wunderhorn Bd. III
authorAchim von Arnim und Clemens Brentano
year1987
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-001250-3
titleDes Knaben Wunderhorn / III. Band
pages7
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1805
Schließen

Navigation:

Ein hübsch Lied, genannt der Striegel,
gar lustig zu singen und zu lesen
in des Lindenschmids Ton.

(Fliegendes Blat, gedruckt zu Zürich, bei Augustin Fries.)

        Zu Constanz saß ein Kaufmann reich,
Der hat ein Fräulein war wonnigleich,
Denn sie war hübsch und kluge,
Sie hatt' ein Doktor gar zu lieb,
Groß Lieb sie zammen trugen.

Die Liebe, die war offenbar,
Und währt gar noch wohl sieben Jahr,
Der Kaufmann ward ihr innen;
Erfahr ich dann die rechte Mähr,
Du magst mir nit entrinnen.

O Fräulein, mir ist Botschaft kommen,
Ich darf mich auch nit länger säumen,
Muß reiten in fremde Lande;
Nun halt dich wohl, und halt dich recht,
Daß wir nicht kommen zu Schande.

Nun halt dich wohl und halt dich recht,
Gedenk an unser beider Geschlecht,
Wir haben fromm Vater und Mutter,
Dazu ein kleines Schwesterlein,
Halt mirs in guter Hute.

Er reit zum obern Thor hinaus,
Zum untern reit er wieder hinein zu Haus,
Des Abends also spate;
Er reit vor seiner Freunde Haus:
Gebt mir ein guten Rathe.

Ein guten Rath, den geben wir,
Bleib hier, bis an den Morgen früh,
Du hast ein eigen Hause;
Drinn hast du ein Badstüblein warm,
Da lebt der Doktor im Schmause.

Der Kaufmann trat fürs Schlossers Haus,
Und bist du drinn, so tritt heraus,
Ein Striegel gut ich möchte;
Er bracht daher wohl zehen Paar,
Es war ihm keiner rechte.

Mach mir ein Striegel in einer Stund,
Ich geb dir drum ein baares Pfund,
Mach mir ihn scharf und härte;
Mach Zähn dran eines Fingers lang,
Ich hab zwei freche Pferde.

Der Schlosser dacht in seinem Muth,
Was meint er mit dem Striegel gut,
Er hub ihn an zu machen;
Manch Bürger vor sein Laden trat,
Und thät des Striegels lachen.

Der Kaufmann war ein weiser Mann,
Sein Sachen griff er weislich an,
Ging ins Badstüblein warme,
Sein ehlich Fräulein fand er da,
Dem Doktor in seim Arme.

Da er schritt in das Badstüblein,
War da bereit gut Brod und Wein,
Mit andern guten Dingen;
Die zwei, die sassen im Wasserbad,
Das Fräulein thät entrinnen.

Er striegelt den Doktor also hart,
Von unten an bis auf den Bart,
Das Blut thät ihm abfließen;
Hör auf mein lieber Kaufmann gut,
Laß mich mein Sünd hie büßen.

Es währt wohl auf ein halben Tag,
Man legt den Doktor in das Grab,
Das Rauchfaß thät man ihm bieten;
Ein Fräulein zu dem andern sprach,
Vor dem Striegel wolln wir uns hüten.

Dieß Lied ist gemacht mit hohem Fleiß,
Vorm Striegel hüt dich, bist du weiß!
Daß dir nicht misselinge;
Es sangs ein freier Schreiber gut,
Vor Freud thät er aufspringen.

Ein Striegel für den Kritikus,
Der diesem Buch giebt falschen Kuß,
Der liegt bei meinem Zimmer;
Er ist gemacht mit hohem Fleiß,
Vorm Striegel hüt dich, bist du weis.

 << Kapitel 69  Kapitel 71 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.