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Des Knaben Wunderhorn / III. Band

Achim von Arnim: Des Knaben Wunderhorn / III. Band - Kapitel 34
Quellenangabe
typepoem
booktitleDes Knaben Wunderhorn Bd. III
authorAchim von Arnim und Clemens Brentano
year1987
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-001250-3
titleDes Knaben Wunderhorn / III. Band
pages7
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1805
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Ich stand an einem Morgen.

(Hundert und funfzehn neue Lieder. Nürnberg 1544.
Johann Ott Buchdrucker Seite 73.)

        Ich stand an einem Morgen
Heimlich an einem Ort,
Da hätt ich mich verborgen,
Ich hört klägliche Wort,
Von einem Fräulein hübsch und fein,
Sie sprach zu ihrem Buhler,
Es muß geschieden seyn.

Herzlieb, ich hab vernommen,
Du wilt von hinnen schier,
Wann wilt du wieder kommen,
Das sollst du sagen mir,
Merk mein Feinslieb, was ich dir sag,
Mein Zukunft thust du fragen,
Ich weiß weder Stund noch Tag.

Das Fräulein weinet sehre,
Ihr Herz war Trauren voll:
»So gieb mir Weis und Lehre
Wie ich mich halten soll,
Für dich sez ich mein Hab und Gut,
Und willst du hier nun bleiben,
Ich verehr dich in Jahr und Tag.«

Der Knab der sprach aus Muthe,
Dein Willen ich wohl spür,
Verzehr ich dir dein Gute,
Ein Jahr ist bald dahin,
Dennoch muß es geschieden seyn,
Ich will dich zärtlich bitten,
Setz du dein Willen drein.

Das Fräulein das schreit Morde!
Mord über alles Leid:
»Mich kränken deine Worte,
Herzlich nicht von mir scheid;
Für dich setz ich mein Gut und Ehr,
Und sollt ich mit dir ziehen,
Kein Weg ist mir zu fern.«

Ich stand an einem Morgen.

(Gassenhauer geistlich, von Knaust. S. 28.)

2.

              Ich stand an einem Morgen
Heimlich an einem Ort,
Da hielt ich mich verborgen,
Ich hört klägliche Wort,
Von einem frommen Christen fein,
Er sprach zu Gott seinem Herrn:
Muß denn gelitten seyn?

Herr Gott ich hab vernommen,
Du willt mich lassen schier,
In viel Anfechtung kommen,
Thut nicht gefallen mir.
Merk männlich auf, was ich dir sag,
Thu dich nicht hart beklagen,
Ein Christ muß haben Plag.

Der fromm Christ weinet sehre,
Sein Herz war unmuthsvoll.
So gieb mir Weis und Lehre,
Wie ich mich halten soll,
Der Glaub ist schwach und kalt in mir,
Mein Fleisch will mich verführen,
Daß ich soll weichen von dir.

Gott sprach, lachend zu muthe,
Dein Willen ich wohl spür,
Du wollst wohl han das gute,
Wenns dir nicht würde saur,
Wer aber will mit mir han Theil,
Muß alles fahren lassen,
Viel Glück ist ihm nicht feil.

Der fromme Christ schrie Morde,
Mord über alles Leid,
Mich schrecken deine Worte,
Herr Gott mach mich bereit,
Ich wollt doch alles tragen gern,
Die Weltlust gerne hassen,
Sie lassen von mir fern.

Gott sprach: ich thu dich züchten,
Hab nur ein guten Muth,
Und thu mich allzeit fürchten,
Erkauft bist mit mein'm Blut;
Daran gedenk mit ganzem Fleiß,
All die ich fast thu lieben,
Straf ich, das ist mein Weis.

Da kehrt Gott ihm den Rücken,
Er redt zu ihm nicht mehr,
Der arm Christ thät sich schmücken
In einem Winkel leer;
Er weint aus der massen viel:
»Dem Herrn im Creutz aushalten,
Das ist kein Kinderspiel.«

Ich stand an einem Morgen.

3.

        Ich stand an einem Morgen: mein wo?
Hat dich niemand gesehen? Warum?
Vor wem? von wem? wer war sie dann?
Ists vielleicht die breite Gretha gewesen?
Was hat sie dann gesagt? Glück zu,
Glück zu, Glück zu wohl auf die Reiß.
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