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Des Knaben Wunderhorn / III. Band

Achim von Arnim: Des Knaben Wunderhorn / III. Band - Kapitel 137
Quellenangabe
typepoem
booktitleDes Knaben Wunderhorn Bd. III
authorAchim von Arnim und Clemens Brentano
year1987
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-001250-3
titleDes Knaben Wunderhorn / III. Band
pages7
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1805
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Erschreckliche Geschichte
vom Hünchen und vom Hänchen.

Ein Hünchen und ein Hänchen sind miteinander in die Nußhecken gegangen, um Nüsse zu essen, und jedes Nüßchen, welches das Hänchen fand, hat es mit dem Hünchen getheilt, endlich hat das Hünchen auch eine Nuß gefunden, und das Hänchen hat sie ihm aufgepickt, aber das Hünchen war neidisch, und hat nicht theilen wollen, und hat aus Neid den Nußkern ganz verschluckt, der ist ihm aber im Halse stecken geblieben, und wollte nicht hinter sich, und nicht vor sich, da hat es geschrien: lauf zum Born und hol mir Wasser.

        Hänchen ist zum Born gelaufen,
Born du sollst mir Wasser geben,
Hünchen liegt an jenem Berg,
Und schluckt an einem Nußkern;
Und da hat der Born gesprochen:
Erst sollst du zur Braut hinspringen,
Und mir klare Seide bringen,
Hänchen ist zur Braut gesprungen,
Braut du sollst mir Seide geben,
Seide soll ich Brunnen bringen,
Brunnen soll mir Wasser geben,
Wasser soll ich Hünchen bringen,
Hünchen liegt an jenem Berg,
Und schluckt an einem Nußkern.
Und da hat die Braut gesprochen:
Sollst mir erst mein Kränzlein langen,
Blieb mir in den Weiden hangen;
Hänchen ist zur Weide flogen,
Hat das Kränzlein runter zogen,
Braut ich thu dirs Kränzlein bringen,
Sollst mir klare Seiden geben,
Seide soll ich Brunnen bringen,
Brunnen soll mir Wasser geben,
Wasser soll ich Hünchen bringen,
Hünchen liegt an jenem Berg,
Und schluckt an einem Nußkern.
Braut gab für das Kränzlein Seide,
Born gab für die Seide Wasser,
Wasser bringt er zu dem Hünchen,
Aber Hünchen war erstickt,
Hat den Nußkern nicht verschlickt.

Da war das Hänchen sehr traurig, und hat ein Wägelchen von Weiden geflochten, hat sechs Vögelchen davor gespannt, und das Hünchen darauf gelegt, um es zu Grabe zu fahren, und wie es so fort fuhr, kam ein Fuchs,

        Wohin Hänchen?
    Mein Hünchen begraben.
Darf ich aufsitzen?
    Sitz hinten auf den Wagen,
    Vorne könnens meine Pferdchen nicht vertragen.

Da hat sich der Fuchs aufgesetzt, kam ein Wolf.

Wohin Hänchen? u.s.w.

kam ein Löwe, kam ein Bär, u.s.w., alle hinten drauf, endlich kam noch ein Floh,

Wohin Hänchen? u.s.w.

aber der war zu schwer, der hat grade noch gefehlt, das ganze Wägelchen mit aller Bagage, mit Mann und Maus ist im Sumpfe versunken, da braucht er auch kein Grab, das Hänchen ist allein davon gekommen, ist auf den Kirchthurm geflogen, da steht es noch, und dreht sich überall herum, und paßt auf schön Wetter, daß der Sumpf austrocknet, da will es wieder hin, und will sehen, wie er seinen Leichenzug weiter bringt, wird aber wohl zu spät kommen, denn es ist allerlei Kraut und Gras drüber gewachsen, Hünerdarm und Hahnenfuß, und Löwenzahn und Fuchsia, und lauter solche Geschichten, wer sie nicht weis, der muß sie erdichten.

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