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Des Knaben Wunderhorn / III. Band

Achim von Arnim: Des Knaben Wunderhorn / III. Band - Kapitel 131
Quellenangabe
typepoem
booktitleDes Knaben Wunderhorn Bd. III
authorAchim von Arnim und Clemens Brentano
year1987
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-001250-3
titleDes Knaben Wunderhorn / III. Band
pages7
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1805
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Die zwei Hirten in der Christnacht.

Als das Christkindlein geboren war, saßen die zwei Hirten, Damon und Halton, Nachts bei ihrer Heerde, und erzählten sich einander, was sie dem Christkindlein für Geschenke machen wollten, es war bei einem Bache, unter einem Palmbaum, ihre Schaafe lagen um sie her, und schliefen, es war auf einer weiten, weiten Wiese, oben auf einem Berge, der Mond war ganz groß, und rechts waren am Himmel eine Menge kleine Wolken, wie Schäfchen so weiß, und der Mond war wie der Schäfer dazu; auf der linken Seite aber stand am Himmel der Morgenstern, ganz hell wie ein Kristall, der stand über dem Stall, worin das Jesuskindlein lag, die Hirten aber saßen unter dem Palmbaum am Bach, der rauschte ganz leis, da haben sie so gesungen:

      Halton. Ich will dem Kindlein schenken
Ein silberweißes Lamm,
So viel ich mich bedenke,
Kein schöners ich bekam;
Es hat zur linken Seite
Wie Blut so roth ein Fleck,
Weis nicht, was der bedeutet,
Und was dahinter steckt.
Damon. Und ich schenk diesem Kinde
Ein Kälbchen zart und klein,
Mit rothen Bändern binde
Ich Ihm die Füßlein sein;
Und so will ich es tragen
Gar schön auf meinem Hals,
Das Kindlein wird da sagen:
Ach Mutter, mir gefallts.
Halton. Und ich will ihm noch schenken
Ein junges Böcklein schön,
Es treibt wohl tausend Schwänke,
Und bleibt nicht lange stehn;
Es klettert, stutzt und springet,
Und bleibt an keiner Stell,
An seinem Halse klinget
Ein goldnes Glöcklein hell.
Damon. Und ich will ihm noch schenken
Ein rothes Hirschkälblein,
Sein Füßlein und Gelenke
Sind gar so zart und fein;
Da mirs auf grüner Straßen
Im Wald entgegen kam,
Ließ sichs ganz gerne fassen,
Gieng mit und wurde zahm.
Halton. Und ich will ihm noch schenken
Ein schönes Eichhörnlein,
Kann schnell herum sich schwenken,
Ein hurtig Meisterlein;
Das Christkindlein wird lachen,
Wenn es die Nüßlein packt,
Und schnell sie thut aufkrachen,
Trick track wohl nach dem Takt.
Damon. Und ich will ihm noch schenken
Ein weißes Häselein,
Es ist voll tausend Ränken,
Will stets bei Menschen seyn;
Es wird beim Kripplein spielen,
Und trommeln eigentlich,
Die Schläge nieder zielen
Mit Füßen meisterlich.
Halton. Und ich will ihm noch schenken
Ein wachsam Hündelein,
So klug, man solls kaum denken,
Es tanzet ganz allein;
Es kann auch apportiren,
Und stehen auf der Wacht,
Sucht, was man thut verlieren,
Was gilts, das Kindlein lacht.
Damon. Und ich will ihm noch schenken
Ein mausig Kätzelein,
Ihm darf kein Härlein kränken
Halton, dein Hündelein.
Es läßt sich auch nicht beissen,
Gar schnell sich widersetzt,
Thut bürsten sich und spreissen,
Bleibt immer unverlezt.
Halton. Und ich will ihm noch schenken
Ein Stückchen Einerlei,
Mein, jetzo wirst du denken,
Was dieses doch wohl sey?
Zu deinem Kätzlein eben
Will ich ihm noch dabei
Ein pelzern Mausfall geben,
So hats der Kätzlein zwei.
Damon. Und ich will ihm noch schenken
Ein muntres Täubelein,
Das lauft auf Tisch und Bänken
Mit seinem Schwesterlein;
Ein Ringlein ihnen beiden
Bezirkelt Hals und Brust,
Aus Pflaum und Feder-Seiden,
Recht farbig nach der Lust.
Halton. Und ich will ihm noch schenken
Zwo Turteltauben keusch,
Die spreiten, heben, senken
Die Flügel ohn Geräusch;
Ihr Stimmlein, wie man spüret,
Sind lauter Seufzerlein,
Gott weiß, welch Leid sie rühret,
In ihrem Herzelein.
Damon. Und ich will ihm noch schenken
Ein großen bunten Hahn,
Der Haupt und Hals thut schwenken,
Gleich einem edlen Schwan;
Mit Sporn und Busch er gehet,
Stolz als ein Rittersmann,
Und Morgens fleißig krähet
Der bunte Wettermann.
Halton. Und ich will ihm noch schenken
Ein Fink und Nachtigall,
Die Kopf und Ohren lenken,
Nach meiner Flöte Schall;
Spiel ich die Schäferlieder,
So kommen sie herbei,
Und pfeifen sie mir wieder
In ihrer Melodei.
Damon. Und ich will ihm noch schenken
Ein weißes Körbelein,
An Balken soll mans henken,
Voll kleiner Vögelein;
Ich selber habs geschnitzet
In siebenthalben Tag,
Ist neu und unbeschmitzet,
Nicht gnug man's loben mag.
Halton. Und ich will ihm noch schenken
Ein schönen Hirtenstab,
Mit Farben ihn besprengen,
Wie es noch keinen gab;
Die Kunst hab ich gelernet,
Wie man es machen soll,
Daß ganz er wird gesternet,
Und bunter Flecken voll.
Damon. Und ich will ihm noch schenken
Viel schöne Sachen mehr,
Ja schenken und noch schenken
Je mehr und je noch mehr;
Auch Aepfel, Birn und Nüsse,
Milch, Honig, Butter, Käß,
Ach wenn ich doch könnt wissen,
Was es recht gerne äß.
Halton. Wohl dann, so laßt uns reisen
Zum schönen Kindelein,
Und unsre Gaben preisen,
Dem kleinen Schäferlein;
Ihm alles auf soll heben
Die Mutter mit Bescheid,
Daß es ihm wird gegeben
Hernach zu seiner Zeit.
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