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Des Knaben Wunderhorn / III. Band

Achim von Arnim: Des Knaben Wunderhorn / III. Band - Kapitel 129
Quellenangabe
typepoem
booktitleDes Knaben Wunderhorn Bd. III
authorAchim von Arnim und Clemens Brentano
year1987
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-001250-3
titleDes Knaben Wunderhorn / III. Band
pages7
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1805
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Kinderlieder

Das Federspiel,
A. B. C. mit Flügeln.

        Wohl auf ihr klein Waldvögelein, die ihr in Lüften schwebt,
Stimmt an, lobt Gott den Herren mein, singt all, die Stimm erhebt;
Denn Gott hat euch erschaffen, sich selbst zu Lob und Ehr,
Sang, Feder, Schnabel, Waffen, kommt alles von ihm her.
A a Adler.
Der aller Vögel König ist, macht billig den Anfang,
Komm Adler! komm hervor, wo bist? stimm an den Vogelsang,
Der Vorzug dir gebühret, kein Vogel ist dir gleich,
Drum dich im Wappen führet, der Kaiser und das Reich.
B b Bachstelz.
Die Bachstelz thut oft schnappen, und fängt der Mücken viel,
Es hört nicht auf zu knappen ihr langer Pfannenstiel,
Den Schweif thut sie stets zwingen, sie läßt ihm niemals Ruh,
Wenn andre Vögel singen, schlägt sie den Tackt dazu.
C c Canarivogel.
Das lieb Canarivögelein kömmt her aus fremdem Land,
Es singt gar schön, zart, hell und rein, wie allen ist bekannt,
Den Zucker frißt es gerne, doch nimmt es auch vorlieb,
Wenn man ihm Hanfsaamkerne, und Rübesaamen giebt.
D d Distelfink.
Merk auf wie lockt so lieblich mit, der schöne Distelfink,
Beißt Distel auf und sticht sich nit, sein Witz ist nit gering,
Gar wohl ist er gezieret, schön gelb und roth bekleidt,
Sein Stimm er nie verlieret, singt fröhlich alle Zeit.
E e Emmeriz.
Der Emmeriz bis zum Abend spat, singt übel, übel hin,
Er sagt, wenns Feld nur Aehren hat, ich auch ein Schnitter bin,
Im Feld thut er sich nähren, bleibt Tag und Nacht darauf,
Was Gott ihm thut beschehren, das klaubt er fleißig auf.
F f Fink.
Des Morgens früh, des Abends spat, der Fink hat keine Ruh,
Die Musen er ins Grüne lad't mit seinem Reit her zu,
Früh ist gar gut studieren, wenns kühl, still, ruhig ist,
Steh auf und thu's probieren, du fauler
                { Prinzipist, Grammatist, Syntaxist, Humanist. }

Fröhlich der Fink im Frühling singt, sa sa, sa sa hui Dieb,
Im ganzen Wald sein Stimm erklingt, wenns Wetter nicht zu trüb,
Die Dieb will er verjagen, die rund heraus er schilt,
Dem Sperling thut er sagen, daß er viel Waizen stiehlt.

G g Gimpel.
Ein rother, dir gar wohl bekannt, ist schön, doch singt nicht viel,
Er kömmt aus deinem Vaterland, heißt Gimpel in der Still,
All thun sich seiner schämen, weil er ein Gimpel ist,
Thu du ihn zu dir nehmen, weil du sein Landsmann bist.
H h Henne und Hahn.
Die Henne fröhlich gaggagagt, und macht ein groß Geschrei,
Die Bäurin weiß wohl, was sie sagt, und geht und holt das Ey,
Der Hahn thut früh aufwecken den Knecht und faule Magd,
Sie thun sich erst recht strecken, und schlafen bis es tagt.
I i Imme (Biene.)
Das Honigsüße Immelein sich spät und früh bemüht,
Es sizt auf allen Blümelein, versuchet alle Blüth,
Sehr emsig fliegts herummer, trägt ein mit großem Fleiß,
Und sucht den ganzen Sommer, auch für den Winter Speiß.
K k Königlein. (Zaunkönig)
Das winzigkleine Königlein, wie macht es sich so groß,
Wie zwitzerts mit seim Stimmelein, und ist so schlau und los',
Wie lieblich thut es singen nach Wunsch und nach Begehr,
Wie lustig thut es springen, wie hüpft es hin und her.
L l Lerche.
Das Lerchlein in den Lüften schwebt, und singt den Himmel an,
Vom grünen Feld es sich erhebt, und tröst den Ackermann,
Gar hoch thut es sich schwingen, daß mans kaum sehen mag,
Im Kreis herum thuts singen, lobt Gott den ganzen Tag.
M m Meise.
Die Meise hängt am Tannenast, als ob sie sich verberg,
Singt allezeit, was giebst, was hast, singt ewig Zizerberg,
Man thut ihr freundlich locken, bis sie zum Kloben springt,
Da hüpft sie unerschrocken, bis man sie gar umbringt.
N n Nachtigall.
O Nachtigall dein edler Schall, bringt uns sehr große Freud,
Dein Stimm durchstreift all Berg und Thal, zur schönen Sommerzeit,
Wenn du fängst an zu zücken, die Vöglein schweigen still,
Es läßt sich keiner blicken, keiner mehr singen will.
O o Omeis. (Ameise)
Du fauler Tropf, der müßig ist, die Ameis schau wohl an,
Dein Meisterin sie worden ist, die dich viel lehren kann,
Schau wie sie ist ergeben der Arbeit Tag und Nacht,
Schäm dich, der du dein Leben mit Faulheit zugebracht.
P p Papagai.
Du Vogel auserlesen, der Federn hast du viel,
Wo bist so lang gewesen, warum schweigst du so still?
Papagai Zuckerfresser, ruft dir der Schulknab zu,
Geh in die Schul und lern besser, giebst ihm zur Antwort du.
Q q Qu Qu
Qu qu der Kukuk immer schreit, das ist an ihm das Best,
Sonst legt er andern allezeit sein Eier in ihr Nest,
Sein Ruf bringt allen Bangen, drum will kein Vögelein
Mit einem Q anfangen den edlen Nahmen sein.
R r Rabe.
Der Rab thut täglich singen, sein groben rauhen Baß.
Heut will ihm nichts gelingen, drum singt er cras, cras, cras,
Wer alles schiebt auf morgen, und nichts gerichtet heut,
Der muß stets seyn in Sorgen, daß es ihm fehle weit.
Rothkehlchen.
Das Rothkehlchen gar früh aufsteht, und wenn ich dann erwach,
Grüßt es die liebe Morgenröth, hoch oben auf dem Dach,
Wie lieblich ist sein Zükken, wie röthlich seine Kehl,
Mein Herz thut es erquicken, ermuntern meine Seel.
S s Schwalbe.
Schwäzzerlein wie schwätzst so toll, und plauderst hin und her,
Früh hast du Kisten und Kasten voll, Abends ist alles le le leer,
Zu morgen eh die Sonn aufsteht, erzählst du deinen Traum,
Und Abends wenn sie niedergeht, hast du geendet kaum.
St st Staar.
Der Staar schwäzt, pfeift und singet, er ists, der alles kann,
In Kopf er alles bringet, nimmt, was er höret, an,
Er ist gar schlau und lose, und merket auf mit Fleiß,
Wäscht oft sein schwarze Hose, und bringt sie nimmer weiß.
T t Turteltaube.
Die Turteltaub ohn allen Trost, will nicht mehr fröhlich seyn,
Wenn ihren Gesell der Habich stoßt, traurt sie und bleibt allein,
Wenn dir das Liebste, was du hast, der Tod nimmt mit Gewalt,
So traure, sey kein frecher Gast, vergiß es nicht so bald.
U u Uhu.
Der Uhu sieht gar ernsthaft aus, als hätt er hoch studiert,
Geht nicht aus seiner Höl heraus, bis Nacht und finster wird,
All Dunkelheit ist ihm ganz hell, doch sieht er nichts bei Tag,
Drum ist er auch ein solch Gesell, den nie kein Vogel mag.
V v Vogel Straus.
Der Vogel Straus hat große Bein, doch klein ist sein Verstand,
Es brütet ihm der Sonnenschein die Eier aus im Sand.
Oft Stein und Eisen er verschluckt, sein Magen der ist gut,
Sein Federn sind der Weiber Schmuck, sie steckens auf den Hut.
W w Wiedhopf.
Der Wiedhopf ist sehr wohlgeziert, doch hat er keine Stimm,
Sein Krönlein er stets mit sich führt, steckt doch nichts hinter ihm,
Wie mancher hat viel Kleider, als wäre er ein Graf,
Sein Vater ist ein Schneider, sein Bruder hüt die Schaaf.
Z z Zeisig.
Komm her du schönes Zeiselein, komm fliege her behend,
Sing, spring auf grünem Reiselein, und mach dem Lied ein End,
Lob Gott den Herren mein und dein, thu fröhlich singen ihm,
Ihn preisen alle Vögelein mit ihrer süßen Stimm.

Wohin geht all dies Dichten, du edles Federspiel,
Als daß wir alles richten zu gutem End und Ziel,
Daß wir im Herzen sorgen für einen guten Klang,
Wer weis ob heut, ob morgen uns rührt der lezt Gesang.

O sagt ihr lieben Vögelein, wer ists der euch erhält,
Wo fliegt ihr hin, wo kehrt ihr ein, wenn Schnee im Winter fällt,
Wo nehmt ihr eure Nahrung, so viel als ihr begehrt?
Es zeigt ja die Erfahrung, daß Gott euch all ernährt.

Ihr habt kein Feld, kein Heller Geld, nichts das die Tasche füllt,
Der Tannebaum ist euer Zelt, troz dem, der euch was stiehlt,
Euer Pflug ist lustig singen, stets lobt ihr Gott den Herrn,
Die Töne thut ihr schwingen bis zu dem Abendstern.

Ihr habt nicht Koch, nicht Keller, und seyd so wohlgemuth,
Ihr trinkt nicht Muskateller, und habt so freudig Blut,
Nichts haben, nichts begehren, ist euer Liverei,
Ihr habt ein guten Herren, er hält euch alle frei.

Gott sey mein Herz auch heimgestellt, was er thut ist gethan,
Wenn Sonn und Mond vom Himmel fällt, er ists, der helfen kann,
Was lebt auf Erd, in Lüften schwebt, was sich im Wasser rührt,
Gott all mit seinem Finger hebt, ohn alle Müh regiert.

Kein Sperling von dem Dache fällt, von meinem Haupt kein Haar,
Es sey dann, daß ihms wohlgefällt, der ewig ist und war,
Er ruft dem Storch zu seiner Zeit, der Lerch, der Nachtigall,
Er führ uns all zur Seeligkeit, bewahr uns vor dem Fall.

Dort singt die rechte Nachtigall den rechten Vogelsang,
Den ganzen weiten Himmelssaal durchstreicht ihr Freudenklang,
Mit Freud dort ewig singen die Englein auf neun Chör,
Vor Freud thut ewig springen das ganze Himmelsheer.

Musik dort ewig währet, zu lang doch keinem währt,
Je mehr sie wird gehöret, je mehr sie wird begehrt,
Wer Gott hier thut verehren, ihm dient mit Sang und Klang,
Der wird dort ewig hören himmlischen Vogelsang.

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