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Des Knaben Wunderhorn / III. Band

Achim von Arnim: Des Knaben Wunderhorn / III. Band - Kapitel 113
Quellenangabe
typepoem
booktitleDes Knaben Wunderhorn Bd. III
authorAchim von Arnim und Clemens Brentano
year1987
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-001250-3
titleDes Knaben Wunderhorn / III. Band
pages7
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1805
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Ein neu Klaglied eines alten
deutschen Kriegsknechts wider die
greuliche und unerhörte Kleidung
der Pluderhosen in des Penzenauers Ton. 1555.

        Was soll ich aber singen,
Ein wunderbar Geschicht;
Das Herz möcht dem zerspringen,
Ders nur einmal ansicht.
Was man doch hat erfunden
Alldort in jenem Land,
Sieht man zu allen Stunden
Ein großes Uebel und Schand.
Es hat die Welt gestanden,
Mehr als fünftausend Jahr,
Ist solche große Schande
Aufkommen nie fürwahr;
Daß man die Gottesgaben
Also mißbrauchen soll,
Das wird kein Mensch nicht loben,
Und ihnen sprechen wohl.
Und wer denn nun will wissen,
Was doch erfunden sey,
Die Kriegsleut sind beflissen
Auf solche Buberey;
Sie lassen Hosen machen,
In einem Ueberzug,
Der hängt bis auf die Knochen,
Ist doch noch nicht genug.
Ein Latz muß seyn darneben,
Wohl eines Kalbskopfs groß;
Karteken drunter schweben,
Seiden ohn alle Maaß.
Kein Geld wird da gesparet,
Und sollt man betteln gehn;
Damit wird offenbarer
Wer ihnen giebt den Lohn.
Da gehen sie einher waten,
Gleich als der Teufel recht;
Und schören sie sich ein Platten,
Sie wären seine Knecht.
Auch hangen dran die Zotten
Einer halben Elle lang.
Thut man dann ihrer spotten,
So hebens an ein Zank,
Und wollen da verfechten
Die ungeheuer Gestalt,
Als hätten sies zu rechten,
Und stünd in ihrer Gewalt.
Nach Gott thun sie nicht fragen,
Wies ihm gefallen werd;
Was er dazu wird sagen,
Ist ihnen ohn alles Gefärd.
Und wär es ihnen befohlen,
Sie thätens nimmermehr!
Sollt man den Teufel mahlen,
Mit seinem ganzen Heer,
Aerger könnt mans nicht machen,
Als mit ein solch Gestalt;
Doch sind sie freye Hachen,
Wer wills ihnen wehren bald.
Sie meinen, wenn sie tragen
Ein solch Gesperr am Bein;
So darf sie niemand schlagen,
Kriegsleut sind sie allein.
Da doch wird oft gefunden
Ein solch verzagtes Herz,
So man ihn wollt verwunden,
Er gäb die Flucht ohn Scherz.
Nun wollt ich doch gern sehen,
Wie ers wollt greifen an;
Wenn sollt ein Sturm geschehen,
Als ich gesehen han.
Zu laufen noch zu steigen,
Kann man ihn brauchen nicht;
Vom Waten will ich schweigen,
Wie denn da oft geschicht.
Da steht er wie ein Lüllen,
In seim zerhackten Kleid;
Wie will er doch erfüllen
Seinen geschwornen Eyd?
Er kann sich selbst nicht schützen,
Wenn Laufen nöthig wär;
Bleibts Herz in Hosen sitzen,
Sein Herz muß halten her.
Kein Türk, kein Heid, kein Tartar
Solch Unflat je erfand.
Davon sonst ein Hausvater
Gekleidet Weib und Kind,
Das muß jezt einer haben
Zu einem paar Hosen gar;
Doch sind sie freye Knaben,
Truz wers ihnen wehren darf.
Sechs Ellen lündisch Gewande
Wird einem begnügen kaum;
Ist das nicht große Schande,
Darunter hat sie Raum.
Wohl neun und neunzig Ellen
Karteken muß er han;
Dann sind sie freye Gesellen,
Und stehen für einen Mann.
Es tragens auch Studenten,
Von den man lernen soll;
Sie sollten seyn Regenten,
Exempel geben wohl.
Ihre christlichen Lehren
Findens nicht in der Schrift;
Sie solltens andern wehren,
So sind sie selbst vergift.
Schickt man sie auf die Schulen
Mit groß Unkosten frey;
Sie lernen saufen und buhlen,
Das muß auch seyn dabey.
Ein solch paar Pluderhosen,
Dann sind sie Doktor schon;
Weils tragen die Franzosen,
Drum lassens nicht davon.
Dazu die Handwerksgesellen,
Die kaum das Badgeld hand;
Doch Hosen tragen wöllen,
Und kostet es ein Land.
Was sie durchs Jahr erkratzen,
Das tragen sie daran;
Dann sind sie freye Fratzen,
Wann sie solch Hosen han.
Wann sie dann unser Herrgott
Angreift mit Krankheit schwer,
So haben sie kein Vorrath,
Spital muß halten her,
Die großen Pluderhosen,
Haben das Geld verzehrt;
In leeren Beutel blasen,
Wird manchen dann gelehrt.
Ein Beyspiel thun sie geben,
Mit ihren Hosen recht;
Das ihnen gleich woll leben
Schinder und Henkersknecht.
Die tragen auch solch Hosen,
Wann sie jagen die Hund;
Und fluchen wie Franzosen,
So sind sie gleich im Bund.
Noch eins das ist geschehen,
Das ich euch melden muß;
Ich hab es selbst gesehen,
Hosen bis übern Fuß.
Die Seiden, die muß lappen,
Wohl hinten nach ers schleppt;
Dazu ein kurze Kappen,
Die ihm den Latz nicht deckt.
Vor Zeiten macht man Röcke,
Daß man den Latz bedeckt;
Jetzund so muß er blecken,
Auch sind daran gesteckt
Viel Farben mancherleyen,
Die sind daran gestickt;
Man möchte sie anspeien,
Wenn man sie nur erblickt.
Es haben unsre Alten
Die Kleider drum gemacht,
Daß sie sich vor dem Kalten
Beschirmten Tag und Nacht,
So geben diese Kleider
Doch weder kalt noch warm,
Groß Straf die fürcht ich leider
Für uns, daß Gott erbarm!
Wie kann Gott Glück doch geben,
Dem deutschen Kriegesheer;
Da sie so schändlich streben
Wider sein Lob und Ehr.
Niemand soll Wunder nehmen,
Daß der Türk nimmt überhand;
Wir sollten uns doch schämen
Vor jedem andern Land.
Der Teufel mag wohl lachen
Zu solchem Affenspiel;
Ihm gefallen wohl die Sachen.
Fleißig ers fördern will,
Seinem Rath folgen sie nach;
Bis er bezahlt ihr Thaten,
Reu ist zu spät hernach.
Dies Laster thut verklagen
Ein alter Landsknecht gut;
Der hat all seine Tage
Gehabt ein Löwenmuth.
Sein Leib thät er nicht sparen,
In deutsch und welschem Land;
Doch hat er nie erfahren
Von Deutschen größre Schand.
Drum er dies Liedlein sange,
Und wundert sich so sehr;
Ihm ward darob auch bange,
Wo doch herkommen wär
Ein solch greuliche Trachte
Wider alle Billigkeit;
Wer sie doch wohl erdachte,
Ist Gott im Himmel leid.
Ihr Fürsten und ihr Herrn
Laßt's euch zu Herzen gehn;
Thut diesem Laster wehren,
Heißt sie davon abstehn.
Denn Gott wills an euch rächen,
Er gab euch die Gewalt;
Thut ihren Willen brechen,
Denn Gottes Straf kommt bald.
O Gott thu du drein sehen,
Verzeih uns unsre Sünd;
Und laß uns nicht geschehen,
Den Sündern trag Erbarmen
Ueber ihre Hosen weit,
Und hilf zuletzt uns Armen
In die ewige Seligkeit, Amen.
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