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Des Knaben Wunderhorn / II. Band

Achim von Arnim: Des Knaben Wunderhorn / II. Band - Kapitel 76
Quellenangabe
typepoem
booktitleDes Knaben Wunderhorn Bd. II
authorAchim von Arnim und Clemens Brentano
year1987
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-001250-3
titleDes Knaben Wunderhorn / II. Band
pages7
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1805
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Die Seeräuber.

(Quartalschrift für ältere Literatur. Leipzig, 1784. 1. Q. S. 29.)

                        Störtebecher und Gödte Michael,
Die raubten beide zu gleichem Theil
Zu Wasser und nicht zu Lande,
Bis daß es Gott vom Himmel verdroß,
Des musten sie leiden große Schande.

Sie zogen vor den Heidnischen Soldan,
Die Heiden wolten ein Wirthschaft han;
Seine Tochter wolt er berathen,
Sie rissen und splissen wie zwei wilde Thier,
Hamburger Bier trunken sie gerne.

Störtebecher der sprach alzuhand:
Die West-See ist mir wol bekannt,
Das will ich uns wol holen;
Die reichen Kaufleut von Hamburg
Die sollen das Gelach bezahlen.

Sie liefen ostwerts längst des Lick:
Hamburg, Hamburg thu deinen Fleiß,
An uns kannst du nichts gewinnen,
Was wir auch wollen bei dir thun,
Das wolln wir bald beginnen.

Und das erhört ein schneller Both,
Der war von klugem Rath,
Kam in Hamburg gelaufen,
Er fragte nach des ältsten Bürgemeistern Haus,
Den Rath fand er zu Hauffe.

»Ihr lieben Herrn all durch Gott,
Nehmt diese Red nicht auf für Spott,
Die ich euch wil sagen,
Die Feinde liegen euch nahe bei,
Sie liegen am wilden Have.

Die Feinde liegen euch hart vor der Thür,
Des habt ihr edlen Herrn zweier Kühr,
Sie liegen dar am Sande,
Last ihr sie wieder von hinnen ziehn,
Des habt ihr Hamburger Schande.«

Der ältste Burgermeister sprach allzuhand:
»Gut Gesell du bist uns unbekannt,
Worüber solln wir dir gläuben?«
»Des solt ihr edlen Herren thun,
Bei meinem treuen Eide.

Ihr sollet mich setzn auf das Vorkastel,
Bis daß ihr eure Feinde seht
Wohl zu derselben Stunde,
Und spüret ihr einigen Wankel an mir,
So senket mich zu Grunde.«

Die Herrn von Hamburg zogen aus,
Sie gingen zu Segel mit der Fluth,
Wol nach dem neuen Werke,
Vor Nebel konnten sie nicht sehn,
So finster waren die Schwerken.

Die Schwerken brachen durch,
Die Wolken wurden klar,
Sie segelten fort und kamen dar,
Grossen Preis wollten sie erwerben,
Störtebecher und Gödte Michael musten darinnen sterben.

Sie hatten einen Hölck mit Wein genommen,
Darmit waren sie auf die Weser gekommen,
Dem Kaufmann dar zu leide,
Sie wollten darmit in Flandern seyn,
Sie musten dar noch scheiden.

Hört auf Geselle, trinket nun nicht mehr,
Dort laufen drey Schiffe in jener See,
Uns grauet vor den Hamburger Knechten,
Kommen uns die von Hamburg an Bord,
Mit ihnen müssen wir fechten.

Sie brachten die Büchsen an den Bord,
Zu allem Schiessen gingen sie fort,
Da hört man die Büchsen klingen;
Da sah man so manchen stolzen Held
Sein Leben zu Ende bringen.

Sie schlugen sich drei Tag und auch drei Nacht,
Hamburg dir ist ein Böses gedacht
All zu derselben Stunde,
Das uns ist lang zuvor gesagt,
Das kommen wir hie zu Funde.

Die bunte Kuh aus Flandern kam,
Wie bald sie das Gerücht vernahm,
Mit ihren starken Hörnern,
Sie ging sich brausen durch die See,
Den Hölck wollte sie verstören.

Der Schiffer sprach zu dem Steurmann,
Treib auf das Ruder zum Steurbort an,
So bleibt der Hölck bei dem Winde,
Wir wollen ihn laufen sein Vorkastel entzwei,
Das soll er wol empfinden.

Sie liefen ihm sein Vorkastel entzwei.
»Trauen, sprach sich Gödte Michael,
Die Zeit ist nun gekommen,
Daß wir müssen fechten um unser beider Leib,
Es mag uns schaden oder frommen.«

Stürzebecher sprach sich allzuhand:
»Ihr Herrn von Hamburg thut uns kein Gewalt,
Wir wollen euch das Gut aufgeben,
Wollt ihr uns stehen für Leib und Gestalt
Und fristen unser junges Leben?«

»Ja traun, sprach sich Herr Simon von Utrecht,
Gebet euch gefangen auf ein Recht,
Last euch das nicht verdriessen,
Habt ihr dem Kaufmann kein Leid gethan,
So werdet ihrs wol geniessen.«

Da sie gegen die Richtstadt kamen,
Nicht viel Gutes sie da vernahmen,
Sie sahn die Köpfe stecken.
»Ihr Herren, das sind unsere Mitkompans!«
So sprach sich Stürzebecher.

Sie wurden zu Hamburg in die Haft gebracht,
Sie sassen nicht länger als eine Nacht,
Wohl zu derselben Stunde,
Ihr Todt wurd also sehr beklagt,
Von Frauen und Jungfrauen.

»Ihr Herrn von Hamburg, wir bitten um eine Bitt,
Die wolt ihr uns versagen nicht,
Und mag euch auch nicht schaden,
Daß wir mögen den Trauerberg
Angehn in unserm besten Gewande.«

Die Herrn von Hamburg thäten die Ehr,
Sie liessen ihn Pfeiffen und Trummeln vorgehn,
Sie hättens wol lieber entbehret,
Ja wären sie wieder in der Heidenschaft gewest,
Sie wären nicht wiederkehret.

Der Scharfrichter hieß sich Rosenfeld,
Er haute so manchen stolzen Held
Mit einem frischen Muthe,
Er stund mit seinen geschnürten Schuen
Zu den Enkel in dem Blute.

Hamburg, Hamburg, des geb ich dir den Preiß,
Die Seeräuber waren nie so weiß,
Um deiner Willen musten sie sterben,
Das machst du von Gold ein Krone tragn,
Den Preiß hast du erworben.

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