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Des Knaben Wunderhorn / II. Band

Achim von Arnim: Des Knaben Wunderhorn / II. Band - Kapitel 66
Quellenangabe
typepoem
booktitleDes Knaben Wunderhorn Bd. II
authorAchim von Arnim und Clemens Brentano
year1987
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-001250-3
titleDes Knaben Wunderhorn / II. Band
pages7
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1805
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Zug nach Morea.

(Fliegendes Blat aus der Schweiz, mitgetheilt von
H. Prof. Blumenbach.)

Was haben die Urner und Zuger gethan,
Sie wollen ein Zug gen Morea han,
Gen Morea wollens dingen,
Sie wollen dingen achttausend Mann,
Wider den Türken wollens kriegen.

Sie zogen durchs freye Amt hinab,
Sie fanden gar manchen jungen Soldat,
Sie liessens all roth bekleiden, sie führen über den Zuger-See,
Sie lugen umher und das thut weh:
He der Krieg mögt manchem verleiden.

Sie zogen zu Zug wohl aus der Stadt,
Und ein gut Gesell zum andern sprach:
»Ich habs gar eben gerechnet,
Wir müssen ziehn dem Türken zu,
He ich mein, mein Herz müst brechen!«

Wie sie aus den Schiffen heraus dann steigen,
Die Hauptleut thun ihnen die Händ all reichen,
Sie thätens in Glieder stellen,
Der ein Hauptmann zum andern sprach:
»He wie han wir die bravsten Gesellen.«

Der ein Hauptmann zum andern seit:
»Heut Nacht wend wir noch gen Uri hinein, wir müssen tapfer laufen.«
Der ein Hauptmann zum andern sprach,
Wie ihm gefiele diese Sach:
He die Gesellen wollen wir verkaufen.

Sie zogen über den Gotthard auf,
Die jungen Soldaten schreien überlaut,
Es wolt sie all schier gereuen,
Der ein gut Gesell zum andern sprach:
He keim Hauptmann ist mehr zu trauen.

Sie fahren über den langen See,
Sie sehen das Vaterland nimmermehr,
Sie thäten schier all weinen,
Der ein gut Gesell zum andern sprach:
He wären wir nunmehr daheime.

Und wie sie kamen zu der Meerstangen,
Es thut die Schweizersoldaten plangen:
»Wie weit münd wir von hinnen,
Wann ich denke an mein Vaterland,
He mein Herz möcht mir zerspringen!«

Sie reisen eine weite Reiß,
Der ein gut Gesell zum andern schreit:
Wie weit münd wir noch reisen?
Der Hauptmann zu den Soldaten sprach:
He Venedig will ich bald zeigen.

Der Wachmeister ist ein munterer Mann,
Er hat die bravsten Soldaten g'han,
Zu Venedig war er der erste,
Sie haben ihm geben viel Gut und Geld:
He ein guldene Ketten vest.

Und wie sie kamen zu dem Meer,
Da haben die Schweizer Galeeren gesehn,
Sie sitzen darneben nieder:
»Hend wir was gutes gehan im Vaterland,
He auf dem Meer wirds uns eintreiben.«

Und wie der Hauptmann die Red vernahm,
Und er zu den Soldaten sprach,
Zu denen Schweizerknaben:
»Wir sind versorgt mit Speiß und Trank,
He kein Hunger müssen wir haben.«

Und wie sie kamen in die Stadt Morea,
Dort wollten sie ihr Lager han,
Dort hend sie ihre Lager:
»Wenn der Bluthund das vernehmen thut,
He er wird uns bald Antwort geben.«

Es stund nicht mehr denn ein Monat an,
Dem Türken wurd es kund gethan,
Es wären Christen vorhanden,
Es wären da viel tausend Mann,
He so fern aus fremden Landen.

Der Türk der schickt ein Boten dar,
Ob sie wollten die Stadt Morea han?
Sie sollten Antwort geben,
So woll er ziehn mit ihnen ins Feld,
He kost manchem Schweizer sein Leben.

Und wie die Christen das vernahmen,
Und sie je länger je keker waren,
Sie brüllten wie die Löwen:
»Hilf Jesu Christ wir bitten dich,
He wie heut thut der Bluthund dräuen.«

Sie laufen Sturm ein halber Tag,
Der Hauptmann zu den Soldaten sprach:
»Seid ihr doch nicht erschrocken,
Ruft heut nur Gottes Namen an,
Euere Sünd wird euch nachgelassen.«

Und da sie kamen in Stadt Weissenburg,
Der Türk mit feurigen Kugeln schoß,
Er wollt die Christen dämmen,
Er grub wohl unter dem Boden durch,
He in die Luft wollt er sie sprengen.

Von Weissenburg eine weite Reis,
Der ein gut Gesell zum andern seit:
»Wie weit münd wir noch reisen?«
»Wir wollen ziehn zum heiligen Grab,
Der Hauptmann habs ihnen verheissen.«

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