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Des Knaben Wunderhorn / II. Band

Achim von Arnim: Des Knaben Wunderhorn / II. Band - Kapitel 47
Quellenangabe
typepoem
booktitleDes Knaben Wunderhorn Bd. II
authorAchim von Arnim und Clemens Brentano
year1987
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-001250-3
titleDes Knaben Wunderhorn / II. Band
pages7
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1805
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Taille douce eines süßen Herrn
in bittrer Manier von 1650.

                Hört zu, ein neuer Pantalon ist auf dem Markt ankommen,
Den Charletan jagt er davon, hat selbst den Platz genommen,
Der seltsam Kund in einer Stund wird tausend Possen reißen,
Bist du ein Mann, trutz schau ihn an und 's Lachen thu' verbeißen.

Was ist das für ein Strobelhaar, sind's Igel oder Ratzen?
Vielleicht nur einmal in dem Jahr thu'n kämmen ihn die Katzen.
Sein Haar ist g'wiß ein Storchennest, krumm hin und wieder bogen,
Er hat ein Schopf wie ein Wiedhopf, viel Volks darein erzogen.

Am linken Ohr hängt ihm herab ein a la Mode Zotten,
Den darf er gar nicht stutzen ab, bey Leibstraf ists verboten,
Dünkt ihm sehr toll, wie ihm die Woll herumschwebt vor den Augen,
Ist lang und dick, für einen Strick thu't es dem Henker taugen.

Bald flicht er ihn wie einen Zopf, thut ihn zusammendrehen,
Läst rausser schaun ein'n kleinen Schopf, damit man ihn thut kennen,
Er bindt darein ein Nestel ein, das er bey'm Krämer funden,
Ein Dama nennt, die ihn nit kennt; sagt, hab's ihm eingebunden.

Der Huth ist voller Federbüsch, als ob er wollte fliegen,
Er gäb ein'n guten Flederwisch, damit man kehrt die Stiegen,
Er macht's mit Fleiß hell gelb halb weiß fein scheckigt wie die Narren,
Er schmieget sich schön, und fliegt davon, will hier nicht länger harren.

Der Bart ist spitzig überaus, krum hin und her gezogen,
Mich däucht es sey ein Fledermauß ihm für das Maul geflogen,
Mich dünkt wie daß ihm bey der Nas die Flügel sie ausbreite.
Ein schöne Art von Ratzenbart, thu't Noth, daß man ihn schneide.

Das Streichen währt den ganzen Tag und sonderlich am Morgen
Bis er sich schickt, macht ihm viel Plag, und wundergroße Sorgen,
Muß spitzig seyn, ein Nädelein könnt man damit einfödel'n,
Es hat kein End, all beyde Händ haben daran zu knödel'n.

Ein Leilach, wenn's erklecken kann, braucht er für einen Kragen,
Ein Hasengarn hängt unten dran, zahm Wildprett drinn zu jagen,
Er dient ihm statt als Fazolett, das Maul thut er dran putzen,
Stärkt ihn mit Schmutz, der Hudelbutz, mit Falten thut er stutzen.

Um seinen Hals trägt er zumal ein breite rothe Binden,
Damit ihn kein Catharr befall, er könnt sonst nicht mehr schlingen,
Das Hälsle das ist weiß und rein; es möchts die Sonn verbrennen,
Der lose Tropf verdeckt den Kropf, man mög't den Schelm sonst kennen.

Zu dem Reitmantel, den er trägt, kaum zwanzig Ellen klecken,
In Ermeln, die er überschlägt, könnt er zwei Dieb verstecken.
Das Tuch ist roth, es wäre noth, wenns giebt ein'n großen Regen,
Daß allemal ein Futteral er drüber thät anlegen.

Da braucht es Müh und Arbeit viel den Mantel recht zu tragen,
Wenn er hinauf ihn ziehen will, so runzelt er den Kragen,
Er muß allzeit auf einer Seit, gar weit hinunter hangen,
Liegt viel daran, daß man auch kann in schönem Wammes prangen.

Das Wammes wie ein Vogelhaus zerhauen und zerstochen,
Ach Gott wie mancher Vogel Strauß ist aus und eingekrochen,
Es ist darbey ein Vortheil neu, kanns nit besser zerreißen,
Er besserts noch, giebt nur ein Loch, wenn zwei zusammenschleißen.

Damit er noch mehr Luft empfang, thut er die Knöpf aufschließen;
Im Winter ist ihm heiß und bang, er würd sonst schwitzen müssen.
Der Nestel viel ohn' Maaß und Ziel sind um und um herbunden,
Er geb wohl ab ein Nestel Schwab, wie man schon längst hat funden.

Die Tätzle wie die Pattenfleck, jetzt auf jetzt nieder schlingen,
Wann er die Händ' vom Leib hin rek't, thu'n hin und wieder schwingen,
Hat Händsche an, die man wohl kann ein halbe Meil weit schmecken,
Wo das nit wär, so röche er gleich allen andern Böcken.

Er weiß gar nit mehr wie er soll den Degen jetzt anhenken,
Er will sich nirgend schicken wol, hat zwanz'gerley Bedenken,
Thu't ihn vielmehr ganz hinten her, als an der Seite tragen,
Es leben noch all, die er zumal in einem Streich erschlagen.

Die Bloderhosen um die Bein sind weiter als um d' Lenden,
Die krumme Schenkel sieht man nie, damit sie ihn nit schänden,
Ein Spangen weit, drey Finger breit sind sie am End aufschnitten,
Dort kratzt er sich, wenn er ein Stich von einem Floh erlitten.

Groß Fischerstiefel hat er an, so weit als ein Waschkübel,
Nit g'nugsam er d'rein prangen kann, wiewohl sie stehn gar übel.
Ein Regenfaß kann man zum Spaß gar leicht daraus formiren,
Sie waklen nicht, sind fest gericht, auf Stöcklein sich fundiren.

Groß Sporenleder hat er an, gar weit ein halbe Ellen,
Gallotschen hangen unten dran, mag alles nit erzählen,
Wie ein Pflugrad er Spornen hat, mit Resonant hell klingen,
Wie wohl er sie vielleicht gar nie aufs Pferd hinauf thut schwingen.

Der trutzig Gsell tritt da herein, als wollt er alle fressen,
Ist allzeit doch beim Sonnenschein beim Ofen hingesessen.
Die deutsche Sprach ist all sein Sach, kann kein Hund anders loken;
Sein Vater sizt und Stecken schnizt, sein Mutter spinnt am Rocken.

Kömmt er zur Burst (Gesellschaft), thut er zur Stund Basalamana schneiden,
Zieht seinen Huth, fährt zu dem Mund, sagt Servitor von weitem.
Macht Cortesie, biegt doch die Knie, gar nicht oder gar wenig,
Das Haupt er buckt, die Achseln zuckt und stellt sich unterthänig.

Wann er dann in die Kirche geht, auf ein Fuß kniet er nieder,
Er macht kein Kreuz, spricht kein Gebet, er gafft nur hin und wieder,
Er dreht sein Bart zusammen hart, streicht die Razzenschnauz zur Seiten,
Gar weit von hinn mit seinem Sinn thut er spazieren reiten.

Sein Red' ist lauter Phantasie, viel schwätzen und viel lügen,
Er lügt daher ohn alle Scheu, bis sich die Balken biegen,
Erzählet frei, wie daß er sey in fremden Land' gewesen,
Er könn viel Sprach, kann allem nach ja kaum ein Buchstab lesen.

Er lügt daher manch Ritterthat, die er nit hat begangen,
Wie er belagert jene Stadt und jenen Kriegsmann g'fangen,
In einem Streich hab er zugleich zwei Kürassier erschlagen,
Kein todten Hund hat er verwundt, er thet daran verzagen.

Wann er dann auf die Fechtschul geht, sich da zu exerziren,
Und einer ihm entgegen steht, die Wehr thut presentiren,
Da zuckt er zwar, darf doch nit gar, er thut zu leztens wagen,
Fängt fechten an, er muß wohl dran, man thät ihn sonst ausjagen.

Jezt nimmt er ein Postur an sich, jezt spanisch, jezt französisch,
Passiert jezt durch, jezt über sich, haut drein zulezt poläckisch,
Weil er nichts kann, so geht er an, und thut die Nas' verstossen,
Das rothe Blut verderbt den Muth, ihm schmecken nit solch Possen.

Auf dem Tanzboden läßt er sich im Jahr nit zweimal sehen,
Hüpft in die Höh ganz wunderlich, kann nichts als rummer drehen,
Macht Capriol, als wär er toll, thut hin und wieder fallen,
Hurtig dazu, gleich einer Kuh, fällt nieder, das thut knallen.

Die Reitschul sucht er selten heim, er thut vorbei nur schnurren,
Er hat ein hinkend Pferd daheim, ein alte Krämer Gurren,
Giebt ihr kein Heu, kein Futterei, läßt sie nur ewig grasen,
Sie geht den Zelt bis daß sie fällt, den vierten Schritt auf d'Nasen.

Hiemit so end ich mein Gesang, vom Allomodo gesungen,
Wer es nit leiden mag der gang und binde mir die Zungen,
Der Eitelkeit zu dieser Zeit, dienen viel solcher Lappen,
Die dazumal verdienen all eine große Narrenkappen.

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