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Des Knaben Wunderhorn / II. Band

Achim von Arnim: Des Knaben Wunderhorn / II. Band - Kapitel 201
Quellenangabe
typepoem
booktitleDes Knaben Wunderhorn Bd. II
authorAchim von Arnim und Clemens Brentano
year1987
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-001250-3
titleDes Knaben Wunderhorn / II. Band
pages7
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1805
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Die Schwäbische Tafelrunde.

(Altes Manuscript. 1500-1550.)

            Neun Schwaben giengen über Land,
Zu einer Dornenhecken,
Alda der Jokel stille stand,
Thät Abentheuer schmecken.

Es schlief ein Haas ganz starr im Gras,
Die Ohren thät er recken,
Die Augen offen, hart wie Glas,
Es war ein rechter Schrecken.

Hätt jeder ein Gewehr, gewiß
Er wollts für'n andern strecken,
So hattens all neun nur ein Spieß,
Wer darf den Haas mit wecken?

Drum hieltens einen Kriegesrath,
All neun ganz einig schiere,
Sie wollten thun ein kühne That
An dem grausamen Thiere.

All neun an ihrem Schwabenspieß
Stehn männlich hint'r einander,
Du Jokel bist der vorderst g'wiß,
Sprach einer zu dem ander.

Du Ragenohr, geh du voran!
Der vorderst thät auch sprechen:
Ich muß dahinten vorne stahn,
Ich schieb, du mußt nur stechen.

Der vorderst sprach: wärst du vorn dran,
Du sprächst nit mein Geselle,
Du Ragenohr, geh du voran,
Hier ist ein harte Stelle.

Der Haas erwacht ob ihrem Streit,
Gieng in den Wald hinschweifen,
Der schwäbisch Bund thät als ein Beut
Des Haasen Panner ergreifen.

Sie wollten auch dem Feind zur Flucht
Ein goldne Brücken schlagen,
Und han da lang ein Fluß gesucht,
Und kunnten kein erfragen.

Da stand ihn'n auch ein See im Weg,
Der bracht ihn'n grosse Sorgen,
Weil in dem Gras, nit weit vom Steg
Ein Frosch saß unverborgen.

Der immerdar geschrieen hat
Mit der quaterten Stimme,
Wadwad, Wadwad, Wadwad, Wadwad,
Da giengs dem Ragenohr schlimme.

Glaubt, daß der Spiritus ihm rief
Wad, wad! er könnt durchwaden,
Da thät er in dem Wasser tief
Ersaufen ohn zu baden.

Sein Schaubhut auf dem Wasser schwamm,
Da lobten ihn die andern:
Seht bis an Hut, der gut Landsmann!
Durchs Wasser thut er wandern.

Der Frosch schrie wieder Wadwad, Wad,
Der Jokel sprach: uns allen
Der Landsmann ruft auf seinen Pfad,
Wir sollen nit lang kallen.

Wir sollen wahrlich jezt vielmeh
Alsbald ohn Kriegesrathe,
Wohl alle springen in den See,
Weil wir noch sehn den Pfade.

So richt ein Frosch neun Schwaben hin,
Die schier besiegt ein Haasen,
Drum hassen Schwaben immerhin
Die Frösch und auch die Haasen.

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