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Des Knaben Wunderhorn / II. Band

Achim von Arnim: Des Knaben Wunderhorn / II. Band - Kapitel 15
Quellenangabe
typepoem
booktitleDes Knaben Wunderhorn Bd. II
authorAchim von Arnim und Clemens Brentano
year1987
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-001250-3
titleDes Knaben Wunderhorn / II. Band
pages7
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1805
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Lenore.

(Bürger hörte dieses Lied Nachts in einem Nebenzimmer.)

              Es stehn die Stern am Himmel,
Es scheint der Mond so hell,
Die Todten reiten schnell:

Mach auf mein Schatz dein Fenster,
Laß mich zu dir hinein,
Kann nicht lang bey dir seyn;

Der Hahn der thät schon krähen,
Er singt uns an den Tag,
Nicht lang mehr bleiben mag.

Weit bin ich her geritten,
Zweihundert Meilen weit,
Muß ich noch reiten heut;

Herzallerliebste meine!
Komm setz dich auf mein Pferd,
Der Weg ist reitens werth:

Dort drin im Ungerlande
Hab ich ein kleines Haus,
Da geht mein Weg hinaus.

Auf einer grünen Haide,
Da ist mein Haus gebaut,
Für mich und meine Braut.

Laß mich nicht lang mehr warten,
Komm Schatz zu mir herauf,
Weil fort geht unser Lauf.

Die Sternlein thun uns leuchten,
Es scheint der Mond so hell,
Die Todten reiten schnell.

Wo willst mich dann hinführen?
Ach Gott! was hast gedacht
Wohl in der finstern Nacht?

Mit dir kann ich nicht reiten,
Dein Bettlein ist nicht breit,
Der Weg ist auch zu weit.

Allein leg du dich nieder,
Herzallerliebster schlaf!
Bis an den jüngsten Tag.

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