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Des Knaben Wunderhorn / II. Band

Achim von Arnim: Des Knaben Wunderhorn / II. Band - Kapitel 145
Quellenangabe
typepoem
booktitleDes Knaben Wunderhorn Bd. II
authorAchim von Arnim und Clemens Brentano
year1987
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-001250-3
titleDes Knaben Wunderhorn / II. Band
pages7
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1805
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Von der Belagerung der Stadt Frankfurt,
ein Lied im Ton:
Frisch auf in Gottes Namen. 1552.

[Fliegendes Blatt, gedruckt in Frankfurt.]

(Die unterstrichene Worte sind Namen von Schanzen
und Geschütz.)

        Die Sonn mit klarem Scheine
Erglastet überall,
Die kühlen Brünnlein reine
Erlusten Berg und Thal,
Viel süßer Lüftlein Güte
Von Auf- und Niedergang,
Aus freyer Stimm, Gemüthe,
Der hell Waldvöglein Blüthe
Frau Nachtigall erklang.

Des Walds, der Blümlein Ziere
Gab Wonn und Freudigkeit,
In deutschem Landreviere
War stille Sicherheit.
Der gütig Herr und Gotte
Sohn, Vater, heilger Geist
Erlöst aus aller Nothe,
Aus Teufels Macht und Tode
Sein göttlich Gnad uns reißt.

Stadt Frankfurt an dem Mayne!
Dein Lob ist weit und breit,
Treu, Ehr und Glauben reine,
Mannliche Redlichkeit
Hast du mit deinem Blute
Erhalten ritterlich.
Vertrau dem Herrn, du Gute,
Er hilft unschuldgem Blute,
Des sollst du freuen dich.

Ich ritt an einem Morgen
Mit Lust in grünem Wald,
Nach Wildes Spur ohn Sorgen,
Da sah ich mannichfalt
Von fernen einherbrechen
Viel Reuter und Landsknecht gut,
Mit Schießen, Rennen, Stechen,
Daß mancher zahlt die Zechen
Gar theuer mit seinem Blut.

Die Stadt sie thäten beschießen,
Des achten wir gar klein,
Man ließ sie's wieder genießen,
Schenkt ihnen tapfer ein.
Aus Stücken, neuen und firnen
Hieß sie Gott willkomm seyn;
Es gab Köpf, Bein und Hirnen,
Ich mag nicht solcher Birnen,
Gott helf ihnen all aus Pein!

Der Rehbock sein Gehürne
Männlichen richtet auf,
Zerstieß manch harte Stirne
So fern in schnellem Lauf.
Der Kauz in grüner Auen
Auf seinem Zweiglein schön,
Thät manchen Vogel krauen,
Daß er sich mußte rauen,
Die Federn lassen gehn.

Ein Landsknecht schrie von ferne
Jetzt wehr dich unser Hahn,
O Bruder und Schwester gerne
Ist Beystand euch gethan,
Es fliehen Stephans Pfeile
Viel scharfer Nadeln geschwind,
Die alte Schlang mit Weilen
Thut 's Oechslein übereilen:
Her, her ihr bösen Kind!

Der Singerin Stimm so reine,
Ihres Liedleins Anefang
Hört man am Affensteine,
Am Mühlenberg entlang.
Mit ihren Gespielen allen
Hält sie den Abendtanz,
Thät mancher übel fallen
Von Bollwerken und Wallen,
Erwart't nit dieser Schanz.

Es währt manch Nacht und Tagen,
Ist unsrer Sünden Schuld,
Dem Herren wollen wirs klagen
Und warten mit Geduld.
Frankfurt mit den Genossen
Warst du so gar verlorn,
Mit Feuer und Kugel beschossen,
Allein du trägst entschlossen
Die kaiserliche Kron.

Aus einem ähnlichen Lied im Ton der Schlacht von Pavia.

              Frankfurt, die hochgelobte Stadt!
Sag mir, wie sie's verdienet hat,
Um Fürsten und groß Herren,
Sechs Fürsten kamen auf eine Zeit,
Die wollten sie umkehren.

Kaiser Karl, der hielt die Stadt in Hut,
Versammelt da ein Haufen gut,
Von Reutern und Landsknechten,
Die waren stets ganz wohlgemuth
Mit ihm ums Blut zu fechten.

Konrad von Hanstein, dem edlen Held,
Dem war die Stadt anheim gestellt
Zu frommen treuen Händen,
Der hielt sich wohl; drum alle Welt
Ihn preißt in allen Landen.

Die Fürsten schossen Tag und Nacht,
Bewiesen ihre große Macht,
Und ließen sich nichts dauren,
Die Tauben in ihren Häuslein klein
Die mußten darum trauren.

Zu Nürnberg in der werthen Stadt
Ein Ocklesmann sein Wohnung hat,
Kann gut Pilullen machen,
Die hört man hie stets früh und spat
Mit großer Macht herkrachen.

Der Unfall fahr ihm in die Händ,
Und schlag den Kopf ihm um die Wänd,
Mit seiner großen Taschen!
Ich mein, der Markgraf sey ein Mann,
Der könn ihm daraus naschen.

Aber Markgraf, wie gefiel es dir?
Wülst du nicht kommen wieder schier?
Den Wein wollen wir dir schenken,
Den Mecklenburg bring auch mit dir,
So springen wir über die Bänke.

Ein'n Hahn wir dir bereitet han,
Ein Rehbock steht auch auf dem Plan,
Ein Kauz in freyer Schanzen,
Ein Lanzknecht der ist wohlgemuth,
Der wollt gern mit dir tanzen.

Es ist auch neulich kommen her,
Ein Thier, das heißt der leidig Bär,
Den führt bös Els am Stricke,
Der Bauer mit seim groben Sack,
Die werden dich wohl zwicken,

Sie haben sich all wohlbedacht,
Ein Sack mit Ingwer mit sich bracht,
Viel Lorbern und Muskaten,
Wann dir darnach der Bauch thut weh,
Sie können ihrer wohl entrathen.

Ich wollt, daß nie dem wohl erging,
Der Unlust und groß Krieg anfing,
Zu verderben Städt und Lande,
O Gott, wer rächt der Armen Blut?
Es steht in deinen Handen.

Man spricht: Arm Leut drückt jedermann,
Das wir dann jetzt vor Augen han,
Kein Freund will sie erretten,
Man schickt eh Pulver und grob Geschütz,
Daß man sie mög zertreten.

Gott aber sieht mit Macht darein,
Und wehrt des Teufels falschen Schein,
Und seinen bösen Tücken,
Er wird ohn Zweifel den Kaiser gut
Nicht lassen unterdrücken.

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