Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Achim von Arnim >

Des Knaben Wunderhorn / II. Band

Achim von Arnim: Des Knaben Wunderhorn / II. Band - Kapitel 142
Quellenangabe
typepoem
booktitleDes Knaben Wunderhorn Bd. II
authorAchim von Arnim und Clemens Brentano
year1987
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-001250-3
titleDes Knaben Wunderhorn / II. Band
pages7
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1805
Schließen

Navigation:

St. Jakobs Pilgerlied.

[v. Seckendorfs Musenalmanach für 1808. S. 11.]

                  Wer das Elend bauen wöll,
Der heb' sich auf und sey mein G'sell,
Wol auf Sankt Jakobs Strassen.
Zwei Paar Schuh, der darf er wol,
Ein Schüssel bey der Flaschen.

Ein breiten Huth, den soll er han,
Und ohne Mantel soll er nit gahn
Mit Leder wol besezet,
Es schnei' oder regen' oder wehe der Wind
Daß ihn die Luft nicht nezet.

Sack und Stab ist auch dabey,
Er lug, daß er gebeichtet sey,
Gebeichtet und gebüsset,
Kommt er in die welsche Land,
Er findt keinen deutschen Priester.

Ein deutschen Priester findt er wol,
Er weiß nit wo er sterben soll,
Oder sein Leben lassen.
Stirbt er in dem welschen Land,
Man gräbt ihn bei der Strassen.

So ziehen wir durch Schweizerland hin,
Sie heissen uns Gott wellkumm! sin,
Und geben uns ihr Speise.
Sie legen uns wol und decken uns warm,
Die Strassen thun sie uns weisen.

So ziehen wir durch die welsche Land,
Die sind uns Brüdern unbekannt,
Das Elend müssen wir bauen,
Wir ruffen Gott und St. Jakob an,
Und unsre liebe Frauen.

So ziehen wir durch der armen Gecken Land.
Man giebt uns nichts denn Aepfeltrank,
Die Berge müssen wir steigen.
Gäb man uns Aepfel und Birn genug,
Wir essens für die Feigen.

So ziehen wir durch Sofei hinein
Man giebt uns weder Brod noch Wein;
Die Säck stehn uns gar leere;
Wo ein Bruder zu dem andern kommt,
Der sagt ihm böse Mähre.

So ziehen wir zu St. Spiritus ein,
Man giebt uns Brod und guten Wein,
Wir leben in rechten Schallen,
Langedocken und Hispanien,
Das loben wir Brüder allen.

Es liegen fünf Berg im welschen Land,
Die sind uns Pilgram wol bekandt,
Der erst' heißt Runzevale,
Und welcher Bruder darüber geht
Sein Backen werden ihm schmale.

Der eine heißt de Monte Castein,
Der Pfortenberg mag wol sein Bruder sein,
Sie sind einander fast gleiche.
Und welcher Bruder darüber geht,
Verdient das Himmelreiche.

Der vierte heißt der Rabanel,
Darüber lauffen die Brüder und Schwestern gar schnell,
Der fünft heißt in Alle Fabe,
Do leit viel manches Biedermanns Kind,
Aus deutschem Land begraben.

Der König von Hispanien der führt ein Kron,
Er hat gebaut drei Spital gar schon,
In St. Jakobs Ehren,
Und welcher Bruder darein kommt,
Man beweist ihm Zucht und Ehre.

Es war dem Spitalmeister nit eben,
Vierthalbhundert Brüder hat er vergeben,
Gott ließ nicht ungerochen.
Zu Burges ward er an ein Kreuz geheft,
Mit scharfen Pfeilen durchstochen.

Der König der war ein Biedermann,
In Pilgramkleider legt er sich an,
Sein Spital wollt er beschauen,
Was ihm die deutschen Brüder sagten,
Das wollt er nit glauben.

Da ging er in das Spital ein,
Er hies ihm bringen Brod und Wein,
Die Suppe die war nit reine;
Spitalmeister, lieber Spitalmeister mein!
Die Brod sind viel zu kleine.

Der Spitalmeister war ein zornig Mann:
Der Greulich hat dich herein gethan,
Das nimmt mich nimmer Wunder!
Und wärst du nit ein welscher Mann,
Ich vergäb dir, wie die deutschen Hunde!

Und da es an den Abend kam,
Die Brüder wollten schlafen gahn,
Der Pilgram wollt schlafen alleine:
Spitalmeister, lieber Spitalmeister mein
Die Bett sind gar nicht reine.

Er gab dem Pilgram ein' Schlag,
Daß er von Herzen sehr erschrack,
Er thät zu dem Spital auslaufen,
Die andern Brüder thäten
Den Spitalmeister sehr raufen.

Da es an den Morgen kam,
Man sah viel gewapneter Mann,
Zu dem Spital eindringen,
Man fing den Spitalmeister
Und all sein Hausgesinde.

Man band ihn auf ein hohes Roß,
Man führt ihn gen Burges auf das Schloß,
Man thät ihn in Eisen einschließen,
Es thät den Spitalmeister
Gar sehr und hart verdriessen.

Der Spitalmeister hätt ein Töchterlein,
Es mocht recht wol ein Schälkin sein.
Es nimmt mich immer Wunder,
Daß der liebste Vater mein,
Soll sterben wegen der deutschen Hunde.

Es stund ein Bruder nahe dabey,
Nun soll es nit verschwiegen sein,
Ich will es selber klagen!
Da ward daßelbig Töchterlein
Unterm Galgen begraben.

Sieh Bruder, du sollst nit stille stahn,
Vierzig Meil hast du noch zu gahn;
Wol in St. Jakobs Münster.
Vierzehn Meil hinunter baß
Zu einem Stern, heißt Finster.

Den finstern Stern wollen wir lan stahn,
Und wollen zu Salvator eingahn,
Groß Wunderzeichen anschauen.
So rufen wir Gott und St. Jakob an,
Und unsre liebe Frauen.

Bei St. Jakob vergiebt man Pein und Schuld,
Der liebe Gott sei uns allen hold,
In seinem höchsten Throne,
Der St. Jakob dienen thut,
Der lieb Gott soll ihm lohnen.

 << Kapitel 141  Kapitel 143 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.