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Des Knaben Wunderhorn / II. Band

Achim von Arnim: Des Knaben Wunderhorn / II. Band - Kapitel 121
Quellenangabe
typepoem
booktitleDes Knaben Wunderhorn Bd. II
authorAchim von Arnim und Clemens Brentano
year1987
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-001250-3
titleDes Knaben Wunderhorn / II. Band
pages7
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1805
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Alle bey Gott, die sich lieben.

(Mündlich.)

                Es hatt' ein Herr ein Töchterlein,
Mit Nahmen hieß es Annelein,
Ein Herrn wollt man ihr geben,
Frau Markgräfin sollte es werden.

Ach Vater ich nehm noch keinen Mann,
Ich bin nicht älter dann elf Jahr,
Ich bin ein Kind und sterb fürwahr.

Es stund nicht an ein halbes Jahr,
Das Fräulein mit dem Kinde ging,
Sie bat ihren Herrn im Guten,
Er sollt jezt holen ihre Mutter.

Und als er in den finstern Wald einritt,
Ihm seine Schwieger entgegen schritt:
»Wo habt ihr dann euer Fräulein?«

Mein Fräulein liegt in großer Noth,
Fürcht, wenn wir kommen, sei sie schon todt;
Mein Fräulein liegt in Ehren
Ein Kind soll sie gebähren.

Und als er über die Heide ritt,
Ein Hirtlein hört er pfeifen,
Ein Glöcklein hört er läuten.

Ei Hirtlein, liebes Hirtlein mein,
Was läutet man im Klösterlein,
Läutet man um die Vesperzeit,
Oder läutet man um eine Todten Leich?

Man läutet um eine Todten Leich!
Es ist dem jungen Markgrafen
Sein Fräulein mit dem Kind entschlafen.

Und als er zu dem Thor einritt,
Und als er in den Hof einritt,
Drei Lichter sieht er brennen,
Drei Schüler Knaben singen.

Und als er in die Stube kam
Sein Fräulein in der Bahre lag,
Das Kindlein in ihren Armen lag.

Er küßt sie an ihren bleichen Mund,
Jezt bist du todt und nimmer gesund.
Er küßt sein Kindlein an ihrem Arm,
Das Gott erbarm, das Gott erbarm.

Die Mutter die war ganz allein,
Die sezt sich an ein harten Stein,
Vor Leid brach ihr das Herz entzwei.

Da zog er aus sein glitzerich Schwerd,
Und stachs sich selber durch sein Herz:
Er sprach, ists nicht ein Straf von Gott,
Vier Leichen in eines Fürsten Schloß.

Es stand nicht länger als drei Tag,
Drei Lilien wuchsen auf des Fräuleins Grab,
Die erste weiß, die andre schwarz.

Die schwarz dem kleinen Kindlein war,
Weil es noch nicht getaufet war;
Auf der dritten war wohl geschrieben:
Sie sind all bei Gott, die sich lieben.

Den Herrn, den gräbt man wieder aus,
Legt ihn zum Annelein ins Gotteshaus,
Da liegen vier Leichen zusammen,
Das Gott erbarme. Amen!

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