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Gutenberg > Achim von Arnim >

Des Knaben Wunderhorn / II. Band

Achim von Arnim: Des Knaben Wunderhorn / II. Band - Kapitel 114
Quellenangabe
typepoem
booktitleDes Knaben Wunderhorn Bd. II
authorAchim von Arnim und Clemens Brentano
year1987
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-001250-3
titleDes Knaben Wunderhorn / II. Band
pages7
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1805
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Der Bremberger.

Fliegendes Blat.

1.
                Mit Urlaub Frau um euren werthen Dienstmann
Geheissen war der Bremberger
Ein edler Ritter weise,
In seinem Ton ich euch wohl singen kann,
Darin mir niemand verdenke,
Sein Lob ich immer preise
Er hat gesungen mannigfalt,
Das red ich auf die Treue mein
Von einer schönen Frauen.
An ihm geschah grosse Gewalt,
Daß er verlor das Leben sein,
Sein Leib der ward ihm zerhauen.
Der Herr der sprach: »Du hast mir lieb die Fraue mein
O Bremberger es geht dir an das Leben dein!«
Sein Haupt das ward ihm abgeschlagen
Zu derselben Stund,
Das Herz er in dem Leibe trug,
Das aß der Fraue rother Mund.
2.
Der Herr der sprach: »Frau könnt ihr mich bescheiden nun,
Was ihr jetzund gegessen hand,
Daß euchs der lieb Gott lohne.«
Die Frau die sprach: »Und das weiß ich sicher nicht
Ich wollts also gern wissen thun,
Es schmeckst mir also schöne.«
Er sprach: »Fürwahr glaub du mirs,
Es ist gewesen Brembergers Herz,
Er trugs in seinem Leibe
Und bracht dir viel Schimpf und Scherz,
Es konnt dir machen Freuden viel
Und konnt dir Leid vertreiben.«
Die Frau sprach: »Hab ich gegessen das mir Leid vertrieben hat
Und sollt meiner armen Seel nimmer werden Rath,
So thu ich einen Trunk darauf zu dieser Stund
Von Essen und von Trinken kommt nimmer mehr in meinen Mund.«
3.
Die Frau stand auf, sie eilet von dem Tische
Verbarg sich in ihr Gemach,
Und dacht ihrs Herzens Schwere:
»Hilf Maria du himmlische Königin
Daß mir nie so Leid geschah
Ja an dem Brembergere.
Um meinetwillen litt er Noth,
Da war er gar unschuldig an,
Es muß mich immer reuen, um ihn so leid ich hier den Tod
Meines Leibes er nie gewaltig ward,
Red ich bey meinen Treuen;
Er kam mir nie so nah, daß mir von ihm ward ein Umbefang,
Des trauer ich sehr, mir ist mein Leben worden krank,
Sich hat verkehrt Herz, Muth und all mein Sinn,
Und wenn meins Lebens nimmer ist,
So scheid mein arme Seel von mir dahin.«
4.
Nun wollt ihr hören, wie lang die Frau des Lebens pflag,
Ohn Essen und Trinken hat sie kein Noth,
Als ich euch will bescheiden.
Fürwahr sie lebt bis an den eilften Tag,
Da schied die Zart, die Werth davon,
Dem Herrn geschah groß Leiden.
»Ach Gott wie soll es mir ergahn,
Daß ich die liebste Fraue mein
So unehrlich hab verrathen
Und ihren werthen Dienstmann,
Ich fürcht es wird mir viel zu schwer
Mein Seel die muß leiden Noth.«
Der Herr der stand und sah den grossen Jammer an:
»O Herre Gott, daß ich sie beyde samt verrathen han!«
Der Herr ein Messer in sein eigen Herz stach,
Es wende dann Maria und ihr liebes Kind
Sein Seel muß leiden Ungemach.
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