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Des Knaben Wunderhorn / I. Band

Achim von Arnim: Des Knaben Wunderhorn / I. Band - Kapitel 113
Quellenangabe
typepoem
booktitleDes Knaben Wunderhorn Bd. I
authorAchim von Arnim und Clemens Brentano
year1987
publisherPhilipp Reclam jun.
addressStuttgart
isbn3-15-001250-3
titleDes Knaben Wunderhorn / I. Band
pages7-415
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1805
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Ringlein und Fähnlein.

Aus einer ungedruckten Sammlung Minnelieder
in meinem Besitz. – C. B.

                Vor Tags ich hört, in Liebes Port, wohl diese Wort
Von Wächters Mund erklingen:
»Ist jemand je, verborgen hie, der achte wie
Er mög' hindannen sprengen,
Der Tag gar hell, will kommen schnell,
Wer liebend ruht, in Frauen Hut,
Laß bald das Bett erkalten.«

»Das Firmament, schnell und behend, von Orient,
Im weissen Schein herpranget,
Fürwahr ich sag', aus grünem Hag, der Lerchen Schlag,
Den jungen Tag empfanget.
Drum eil' vom Ort, wer noch im Hort
Der Liebe sey, eh Jammers-Schrei
Den Muth ihm mög zerspalten.«

Des Wächters Kund in Herzensgrund mich tief verwundt,
Und all mein Freud zerstöret,
Des Lichtes Neid, will daß ich scheid, hör süße Maid,
Sie will vor Leid nicht hören!
Sich zu mir schmückt, gar schämlich blickt,
Und nicht mehr schlief, gar schnell ich rief:
»Ach Gott, wir han verschlafen!«

Zur Hand sich ragt, die werthe Magd, hierauf sie sagt:
»Gut Wächter laß dein Schimpfen!
Um alle Welt, den Tag nicht meld, eh daß das Feld
In kühlem Thau thut glimmen.
Die Zeit ist klein, daß ich und mein
Geselle gut, hie han geruht
In ehrenreicher Wonne.«

Der Wächter sprach: »Frau thu zur Sach, denn Feld und Dach
Hat kühler Thau umgeben,
Seit du nun hast ein fremden Gast, so hab nicht Rast,
Heiß' ihn von dannen streben.
Ich seh manch Thier in dem Revier
Von Hohl zu Hohl ja schlüpfen wohl,
Das zeiget mir die Sonne.«

Erst ward zur Stund, uns Jammer kund im Freudenbund,
Da wir den Tag ansahen,
Wohl Mund an Mund, gar süß verwundt im Kuß gesund,
Und liebliches Umfahen,
Ward Liebes-Scherz in Scheidens-Schmerz,
Gar treu getheilt und schnell ereilt.

Ach edle Frucht du weiblich Zucht, hin auf die Flucht
Muß ich mich leider kehren,
Gott durch sein Güt, dir wohl behüt dein rein Gemüth,
Dein Heil mög er dir mehren,
Fürwahr ich will, bis an mein Ziel,
Dein Diener seyn, Gnad! Fraue mein,
Mit Wissen will ich scheiden.

Allda zur Hand, ihr Händ sie wand, mehr Leids ich fand,
Ihr Aeuglein wurden fließen,
Traut Buhle hör, was ich begehr, bald Wiederkehr,
Der Treu laß mich genießen;
Das gelobt ich ihr, sie sprach zu mir:
»Ich hab dich hold, vor allem Gold,
Mir kann dich niemand leiden.« (d. h. verleiden.)

Ein Fingerlein, von Edelstein, aus ihrem Schrein,
Gab mir die süße Fraue,
Des Schloßs ein End, sie mit mir rennt, bis ich mich trennt
An einer grünen Aue,
Sie ließ wohl hoch, so lang sie noch
Mich konnt ersehn, ihr Tüchlein wehn,
Dann schrie sie laut: »O Waffen!«

Seit macht mit Fleiß, jed Fähnlein weiß, im Kampfe heiß,
Mich ihrer Lieb gedenken,
Auf Todes-Au, in rothem Thau, seh ich mein Frau,
Ihr Tüchlein traurig schwenken;
Den Ring ich schau, ich stech und hau,
Hindurch ich dring und zu ihr sing:
»Mein Leib ist dir behalten.«

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