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Der zweckmäßige Meyer und andere Geschichten

Hermann Löns: Der zweckmäßige Meyer und andere Geschichten - Kapitel 39
Quellenangabe
typenarrative
authorHerrmann Löns
booktitleSämtliche Werke
titleDer zweckmäßige Meyer und andere Geschichten
publisherWeltbild
isbn3-8289-0156-5
pages9-92
senderwww.gaga.net
created20050522
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Sieben Schulaufsätze von Aadje Ziesenis

Die Aalenriede

(22. März 1907)

Die Aalenriede ist ein Wald, weswegen darin auch Bäume sind. Das mehrste sind Buchen, wenn nicht, dann Föhren, wenn nicht, dann Eichen, wenn nicht, was anders, z.B. Birken.

Im Wald ist der Förster. Der ist grün. Deswegen ist es verboten, von den Wegen zu gehen, weil Vater sonst Strafe bezahlen muß.

In der Aalenriede war früher Hahnebut. Das war ein Räuber. Er saß auf der Steinbank vor dem Zologen und wartete auf die Leute, die daraus kamen und schoß sie, bis sie tot waren. Das Geld aber behielt er selbst, bis er geköpft wurde. Seitdem gibt es keine Räuber in der Aalenriede mehr. Weil Hahnebut keine Frau hatte. Auch Automobile gibt es in der Aalenriede nicht.

Einmal haben wir in der Aalenriede ein Reh gesehen. Das lief weg. Und eine Hasen. Der lief auch weg. Und ein Karnickel. Das lief auch weg. Und einen Maulwurf. Der lief nicht weg. Weil er tot war. Aber er stank schon.

Die Aalenriede ist sehr groß. Deswegen sind viele Wirtschaften drin. Damit man da was kriegen kann, Bier oder Milch oder Kaffee und was dazu. Je feiner die Wirtschaft ist, je kleiner sind die Portionen, und je teurer.

Am schönsten ist es Pfingsten in der Aalenriede. Wir gehen dann nüchtern los und nehmen uns was mit. Vorigen Pfingsten haben wir einen betrunkenen Radfahrer gesehen. Der konnte nicht 'rauf. Dabei schlug er sich die Nase blutig. Das war fein.

In der Aalenriede sind viele Nistekästen. Da hocken die Spatzen in. Einmal haben wir einen gefangen und mitgenommen. Der war noch nackigt. Den haben wir immer gefüttert, bis er tot war.

In der Aalenriede ist der Schiffgraben. Da sind Kuhlpietschen inne und Stecherlinge. Manchmal auch nicht. Mein großer Bruder holt immer welche und verkauft sie an anderen Jungens. Für das Geld holt er sich Zigaretten. Er hat mir eine gegeben. Da mußte ich ins Bett.

In der Aalenriede wachsen Bickbeeren. Die werden nicht reif. Weil man sie nicht reif werden läßt. Sonst wächst da nicht Vernünftiges. Aber abreißen darf man es doch nicht.

In der Aalenriede ist ein Haus, da gibt es Milch. Wenn man Geld hat. Gegenüber ist noch ein Haus. Da gibt es keine Milch. Weil es eine Retirade ist.

Weiter weiß ich nichts.

Das Osterfest

(31.März 1907)

Das Osterfest fällt immer unegal aus. Nicht wie Silvester oder Neujahr oder Kaisersgeburtstag. Die fallen immer egal.

Aber immer sechs Wochen vor Pfingsten. Je nachdem das ausfällt, so Ostern. Ist es früh, so ist es auch früh, wenn nicht, erst später.

Es gibt weiße und grüne Ostern. Weiße, wenn es noch schneit. Grüne, wenn die Blätter raus sind. Graue auch; dann regnet's.

Ostern zerfällt im zwei Teile. Vor Ostern und nach Ostern. Vor Ostern gibt es Schulferien. Wer so weit ist, muß sich konfirmieren lassen und wird was. Nämlich auf der Bürgerschule. Auf den höheren Schulen werden sie dann noch lange nichts.

Das mit der Konfirmation ist so. Die Mädchen kriegen dann lange Röcke und ein reines Taschentuch. Die Jungens lange Hosen. Alles schwarz.

Zuerst ist es in der Kirche. Nachher auf der Pferdeturm. Da ist denn alles voll. Die großen Jungens trinken Bier und tun sich dicke. Rauchen Zigaretten. Die großen Mädchen gehen untergehakt. Holen sich Hammel an die Kleider.

Vor Ostern ist noch Gründonnerstag. Da arbeitet man bloß zur Hälfte. Manche gar nicht. Wer ganz fromm ist. Oder es nicht nötig hat. Oder streikt. Oder keine Arbeit hat. Je weniger einer da was tut, je frömmer ist er.

Onkel Schorse sagt, das ist Quatsch. Maifeier ist das einzige Richtige, sagt er. Und Silvester. Und Schützenfest. Weiter nichts. Aber Vater will es so haben. Wie früher. In die Aalenriede gehen und Ostereier verstecken.

Das tut Onkel Schorse. Vater sagt, der Osterhase. Aber das ist man Spaß. Wir wissen es. Weil sie einmal weich waren und Onkel Schorse hinfiel und den ganzen Rock voll hatte. Die Hosen auch. Seitdem sind sie immer hart.

Nächstes Ostern werde ich konfirmiert und muß was werden. Ich will auf Maurer lernen, wie Onkel Schorse. Und Dezimalsokrat werden, wie Onkel Schorse. Und vor nichts keine Bange haben, wie Onkel Schorse. Auch nicht vor dem Schutzmann.

Vater sagt, Maurer ist nichts. Ich soll auf Ratswachtmeister lernen. Erst Schreiber, dann Soldat, dann Unteroffizier, und dann Ratswachtmeister. Mit Uniforn. Blau und grün.

Onkel Schorse sagt, das ist Quatsch. Weil ich dann immer tun muß, was der Stadtdirektor sagt. Wie ein Bürgervorsteher. Maurer ist besser. Weiter weiß ich nichts.

Der Zologen

(7. April 1907)

Die Stadt Hannover hat zwei Veranstaltungen für wilde Tiere, den Zologen und den Tiergarten. Im Zologen sind die Tiere abgesperrt und die Menschen gehen frei herum. Im Tiergarten laufen die Tiere frei herum die Menschen sind abgesperrt.

Im Tiergarten ist bloß eine Sorte Tiere. Im Zologen viel mehr, nämlich Affen, Elefanten, Pagelunen, Papageien, Wölfe, Bären, andere Affen, Füchse, Hirsche, Pferde, Ochsen, andere Hirsche, Schweine, Enten, Gänse, Kamele, noch andere Hirsche, Kaninchen auch. Und Esel. Und andere Ochsen.

Das größte Tier ist der Elefant. Der ist noch einmal so groß. Das heißt, der totgestorbene. Dieser nicht. Der wird's erst. Der Elefant ist vorne rüsselig. Hinten nicht. Der Elefant ist grau. Der Elefant ist wild. Der Elefant ist indisch. Der Elefant ist klug. Der Elefant ist gemein. Meinem Bruder Schorse hat er seinen Hut gefressen.

Im Affenhaus sind die Affen. Die Affen sind sehr klug. Sie flöhen sich als wie ein Mensch. Oder lausen sich. Wer ihnen was gibt, das fressen sie. Wer nicht, werden sie böse. Es gibt große Affen, mittelgroße und solche, die sind gar nicht groß. Das sind die Jungen. Die hängen ihnen am Bauch. Die Affen sind auch indisch.

Im Bärenhaus sind die Bären. Der weiße das ist der Eisbär. Eigentlich ist er gelb. Der lebt da, wo es immer friert. Auch Sommertags. Der braune nicht. Der ist aus Rußland. Darum ist er auch nicht so weiß.

Im Raubtierhaus sind die Raubtiere. Erstens Löwen, dann Tiger, dann kleine. Die Tiger haben gejungt. Man sieht da bloß nichts von. Der Löwe wird um sechs Uhr gefüttert, bis er brüllt. Dann wackelt alles. Im Raubtierhaus muß man niesen. Da riecht es nach Stinke.

Im Schlangenhaus sind die Schlangen. Die sind indisch. Sie fressen die lebendigen Kaninchen roh. Alle acht Tage eins. Und die Krokodile. Die sind auch indisch. Die rühren sich nicht. Und die Känguruhs. Die haben bloß zwei Hinterbeine. Die andern sind zu kurz. Darum das Hüppen. Die sind auch indisch.

Im Vogelhaus ist der Flötenvogel. Der pfeift immer Lott ist tot. Früher bloß halb. Jetzt ganz. Und Papageien auch. Blaue, rote und weiße. Das sind aber keine, das sind Kakaduen. Die machen eine furchtbare Schande. Die sind alle auch indisch.

Im Zologen sind auch Wasserteiche. Mit Schwänen. Davon sind welche schwarz. Die sind indisch. Und allerlei Enten. Bloß keine richtigen. Und Störche auch. Weiße und schwarze. Die sind für die Negers.

Im Hundehaus sind die Hunde. Wer einen wiederholen will, muß Strafe bezahlen, weil er kein Halsband hat. Und kriegt Flöhe.

Weiter weiß ich nichts.

Der Frühling

(28. April 1907)

Der Frühling ist eine Jahreszeit. Wenn der Winter anfängt aufzuhören. Bis zum Sommer. Dann geht es los damit.

Den Frühling erkennt man am Pinndopp. Und Kresse wächst dann auch draußen, nicht bloß auf alten Strümpfen mit Wasser auf einem Teller am Ofen.

Im Frühling singen alle Vögel. Manche nicht, denn sind es Spatzen. Die Vögel, die im Winter wo anderswo sind, das sind Zugvögel. Die sind dann in Afrika, bis sie wieder hier sind. Z.B. der Star, die Schwalbe, der Storch auch.

Der Star brütet überall, wo man ihm was dazu hinhängt. Der Storch nicht; bloß in Misburg und Bothfeld. Denn klappert er. Das mit den Kindern ist eine Erfindung, weil er im Winter nicht hier ist und doch welche bringt. Bei uns immer wintertags. Meist Dezember.

Im Frühling wird das Land umgegraben. Und gejauchzt. Gärten auch. Aber nicht gejauchzt, höchstens Gemüßegärten. Aber das sind keine. Schon mehr Felder. Wie unsers im Haspelfelde. Weswegen mich die anderen Jungens Kosacken nennen. Was mir puttegal ist. Denn es werden teure Bauplätze, und das ist die Hauptsache.

Zu Anfang des Frühlings ist Ostern und hinterher Pfingsten. In der Zwischenzeit ist Schule. Im Frühling gibt es zuerst Blumen, z.B. Krokus. Aber erst Schneeglöckchen. Manchmal ist es dann noch Winter. Wenn es schneet. Aber nicht von Dauer. Dann ist wieder Frühling. Bis es wieder schneet.

Der Frühling ist mehr für Blumen. Essen kann man da nicht viel von außer Eier, Schnittlauch und nachher Spargel, Rhabarber. Der Sommer ist nahrhafter. Bringt mehr ein.

Nicht gerade viel, aber zum Leben. Und wenn erst die neue Rennbahn wo anders muß, sagt Vater, und die Aalenriede zwischen Döhrener Turm und Bischofhol Bausplätze wird, dann werden wir Rentjes. Weil dann unser Land teurer verkauft ist und wir von den Zinsen leben, wie jetzt von Zwiebeln und Kartoffeln und Kohl. Und Wurzeln. Porre auch.

Onkel Schorse sagt, das ist Bodenwucher und eine Gemeinerei. Er ist falsch, weil er Laubenkoloniker ist. In den Kämpen. Und vom Magistrat gesteigert ist, daß es sich nicht mehr lohnt. Das Jauchzen.

Weiter weiß ich nichts.

Beschreibung der Stadt Hannover

(14. Mai 1907)

Die Stadt Hannover ist zweihunderfünfzigtausend Einwohner groß und liegt in Preußen an der Leine. Früher lag sie im Königreich Hannover. Bis Bismarck kam.

Die Stadt Hannover ist sehr alt, aber nicht ganz und gar, sondern nur die Altstadt, wo die unmodischen Häuser sind, z.B. Leibnizhaus, Garnisonkirche usw.

Die Stadt Hannover wird einseitig von einem Wald umgeben, der die Aalenriede heißt. Andrerseits wird sie von anderen Gegenden umgeben, z.B. Masch, Ohe, schneller Graben, Linden usw., Limmer auch.

Die Stadt Hannover wird immer größer. Deswegen werden es auch immer mehr Menschen. Darunter sind allerlei, auch Soldaten. Die feinsten Soldaten sind die Königsulanen. Die kommen jetzt auf die Bult. Deswegen es da auch verboten.

Die Stadt Hannover hat viele Umgebungen. Eine davon ist die Masch. Das ist die größte Wiese auf der Welt. Im Winter nicht, da ist sie übergelassen und friert zu. Dann ist sie verboten. Wenn es taut, darf man auf ihr Schlittschuh laufen. Im Sommer nicht; da ist sie verboten. Wenn sie voll Wasser ist oder wie jetzt dreckig, ist sie nicht verboten. Wenn sie trocken ist, ist sie verboten. Von wegen weil sie dann da die Stadthammel fett machen.

Die Stadt Hannover hat viele Straßen. Das Feinste ist die Georgstraße. Die ist man halb, denn auf der anderen Seite sind Anlagen, z.B. Kaffee Kröpke und Hoftheater. Da wird mittags umsonst Musik gemacht für arme Leute.

Die Straßen der Stadt Hannover bestehen aus Verschiedenerlei. Wo die reichen Leute wohnen, aus Asphalt. Das ist das Beste, was man hat, bloß daß er im Sommer stinkt und bei Regen glitschig ist. Und lebensgefährlich. Darum das Sandstreuen.

Die Stadt Hannover sorgt sehr für ihre Reinigung. Vor welche Hause Schnee fällt, das kostet Strafe, wenn er nicht gleich weggemacht wird. Oder Asche gestreut. Nur die Häuser vom Magistrat, die brauchen das nicht.

Die Stadt Hannover hatte früher eine Pferdebahn. Bis das zu teuer wurde mit dem Futter. Da wurde sie elektrisiert. Die Wagen fahren nun von nichts. Das ist billiger.

Die Stadt Hannover hat folgende wichtige Gebäude: erstens die Markthalle, zweitens das Rathaus, drittens die Polizei. Die liegen alle im Zentrum. Das Zentrum liegt am Maschpark, wo die Stadt Hannover aufhört. Die Stadt Hannover feiert mehrere Feste, z.B. Großes Schießen, Schulfest, Maifeier.

Die Stadt Hannover hat keinen Kaiser, wie Berlin, sondern einen Stadtdirektor, das ist der oberste, seit das mit dem Marktturmwächter aufgehört hat. Bis da war es. Deshalb mußte er auch da wege.

Weiter weiß ich nichts.

Der schnelle Graben

(9. Juni 1907)

Der schnelle Graben besteht aus lauter Wasser. Der schnelle Graben liegt zwischen der Masch und der Ohe. Der schnelle Graben ist dazu da, daß die Leine nicht zu voll wird.

Am schnellen Graben ist es sehr schön. Man kann da auf die Bank sitzen gehen oder sich an das Geländer stellen und so lange hinsehen, bis daß man ganz dösig ist.

Am schnellen Graben war früher nichts verboten. Jetzt alles. Oder mit Draht und Stankett zugemacht. Aber bloß für die Kinder. Die ausgewachsenen Menschen dürfen da Volks- und Jugendspiele abhalten, soviel sie lustig sind.

Das Selbstmördern ist da jetzt auch verboten. Mit einem Geländer. Früher gingen da manche Leute sehr oft hin und verkluckten sich. Jetzt müssen sie erst über das Stankett klettern. So verbleibt es mehrstens.

Das Selbstmördern ist eine tödliche Sünde. Bei Brinkmanns holte sich früher immer ein Mann Schnaps, bis er duhne war. Und dann hatte er kein Geld und da verkluckte er sich und da erbte er tausend Mark. Das war die Strafe.

Das Wasser im schnellen Graben kann wintertags gar nicht ordentlich zufrieren. Von wegen der Schnelligkeit. Deswegen ist es da sehr gefährlich. Einmal waren wir da und haben gesehen, wie feine Leute mit einem Kahne zu dicht ranfuhren und sich immer um und um drehten und schrieen und hineinfielen und herausgeholt wurden und ganz plitschenaß wurden. Zwei Herren und zwei Mädchens. Das war fein.

Vor den schnellen Graben ist die Seufzerallee. Weswegen die Weiden alle so abgeköpft sind, daß sie ganz dummerhaftig aussehen. Und hohl. Aber daß muß so, weil der Stadt da viel Geld rauszieht. Von den Zweigen. Zu Körbemachen. Und dafür baut sie dann Rathäuser.

Der schnelle Graben ist von Bürgermeister Duve gegründet. Als er noch lebte. Das ist schon lange her. Seitdem ist er tot.

Das war ein sehr edler Mann. Der steckte sein ganzes Geld in die Stadt, bis er in das Armenhaus kam und kein Denkmal kriegte. Heute ist das anders.

Weiter weiß ich nichts.

Der Tiergarten

(16. Juni 1907)

Der Tiergarten gehört zu den besseren Gegenden bei der Stadt Hannover. Der Tiergarten liegt bei Kirchrode.

Der Tiergarten ist ein Wirtshaus mit einem Wald darum und Zaun. Von wegen der Rehe; damit keins herausläuft.

Die Rehe im Tiergarten sind keine Rehe, sondern Hirsche. Das heißt, keine richtigen, sondern Damhirsche, weil sie so damlich sind und andere Hörner haben. Nicht immer. Dann haben sie sie abgeschmissen.

Einmal war auch ein richtiges Reh da. Ein wildes. Ein Bock. Der hatte Hörner. Aber nicht so lange. Aber meiner Schwester hat er doch den Rock zerrissen damit. Die Hose auch. Und im Beine gestochen. Bis sie schrie. Dafür wurde er totgeschossen.

Die Rehe sind ganz zahm und fressen aus der Hand. Brot. Zucker auch. Deswegen werden sie immer totgeschossen. Bloß daß keiner weiß, wer. Nachts, oder wenn keiner da ist. Von Wilddieben.

Wilddieben das ist eine Sünde und außerdem Diebstahl. Wer es tut, muß es absitzen. Wenn er gefaßt wird. Sonst nicht. Aber dafür kommt er in die Hölle. Das hat er davon.

Der Tiergarten gehört der Stadt Hannover. Deswegen ist da alles verboten. Früher gehörte er dem Kaiser. Der ließ einen überall herumgehen und sagte nichts, wenn man was abpflückte. Oder Eicheln sammelte. Oder Kastanien. Was man jetzt alles nicht mehr darf. Und von den Wegen gehen, weil sonst die Rehe wild werden. Früher wurden sie das nicht.

Bloß im Herbst. Da brüllten sie und kämpften sich. Die Böcke. Bis einer tot war oder beide. Oder keiner. Dann liefen sie weg. Im Frühling sind alle bloß Zibben. Weil dann die Hörner davon ab sind und sie nicht mehr wild sind. Nachher, wenn die Hörner wieder wachsen, werden sie wieder Böcke und wild.

Wer so ein Horn findet, darf es behalten, wenn es keiner sieht. Sonst nicht. Weil die Stadt da viel Geld draus macht, sagt Vater. Von dem Rehfleisch auch. Und wer eins schießen will, der muß viel dafür bezahlen.

Onkel Schorse sagt, das ist Quatsch. Die Stadt kriegte davon nichts zu sehen. Weil es Geheimnis bleiben soll, wer es tut, und es keiner weiß. Der Förster auch nicht.

Weiter weiß ich nichts.

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