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Friedrich de la Motte Fouqué: Der Zauberring - Kapitel 76
Quellenangabe
typefiction
booktitleDer Rauberring
authorFriedrich de la Motte Fouqué
year1984
publisherWinkler Verlag
addressMünchen
isbn3-538-05335-9
titleDer Zauberring
pages5-450
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1813
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Achtzehntes Kapitel

Einige Wochen verweilte man in Graf Archimbalds Veste, bevor man den Zug nach Burg Trautwangen antrat, welchen alle in waffenbrüderlicher Freundschaft mitsammen zu vollenden beschlossen hatten. Sie freuten sich recht darauf, Ottos Gäste zu sein, und nur dessen völlige Genesung, wie auch das Zurechtschmieden seiner schwarzsilbernen Halsberge verzögerte noch der Reise Beginn. Währenddessen vertrieb man sich die Zeit mit dem Erzählen mannigfacher Geschichten, deren teils Hilldiridur aus alten geheimen Büchern viele vorzutragen wußte, teils die Ritter unterschiedliche auf ihren Zügen erlebt hatten. Da konnte es denn auch nicht fehlen, daß Folkos und Gabrielens Kämpfen um den Ring, und Ottos Entscheidungsgefecht darüber ausführlich zum Vorschein kam.

Hilldiridur hatte mit sehr ernster Achtsamkeit zugehört; am Ende der Geschichte fragte sie ihren Sohn genau nach dem Ringe, was er für Verzierungen gehabt, und was für Steine darin eingelegt gewesen seien. Otto beschrieb alles deutlich, und da erseufzte die edle Frau tief, sprechend: »Es bleibt kein Zweifel mehr. Der große Messire Huguenin in Frankreich war mit dem starken Hugur in Nordland ein und derselbe, so wie auch zugleich mit deinem Vater, Herrn Hugh von Trautwangen. Den Zauberring aber hat meine Schwester, Schön-Astrid, von unsrer magischen Muhme aus Island empfangen, und das ging also zu. Wie mich die erkoren hatte zur Mitwirkerin und Erbin ihres wundersamen Wissens, lenkte sie einen mitleidigen Blick auf Schön-Astrid, die so lebenslustig, demütig und kindlich zur Seite stand. – ›Du siehst doch gar zu anmutig aus‹ sagte die Drude, ›als daß man dir nicht auch etwas recht Herrliches verehren sollte, du artiges Kind. Da nimm.‹ – und sie legte den Zauberring in Schön-Astrids schöne Hand, – ›ich vertraue ihn der unschuldigen Einfalt an, aber nimm dich in acht mit ihm, er ist ungeheurer Gaben stark. Weggeben darfst du ihn nimmer, als an den Mann, dem du dich selbsten weggeben willst.‹ – So ist er denn nun in des starken Hugurs Hände gekommen, und Gott gebe, daß er jetzt in keinen schlimmern sei. Denn ich weiß wohl, daß man damit ganz unerhörte Taten beginnen kann.«

»Seid ohne Sorgen, Mutter«, erwiderte Otto. »Entweder hat ihn Blancheflour oder Gabriele, und beide sind aller Huld und edlen Sitten voll, wenn auch« – setzte er sinkenden Tones hinzu – »Gabriele das Treuwort viel zu schnell ausspricht, und viel zu langsam in ihren Sinn zurückeruft.« »Du weißt nicht, wer den Ring hat«, sagte Hilldiridur. »Einmal aus den Händen gegeben, ist er so wenig mehr in deiner Gewalt und Berechnung, als die Lerche, welche dort eben frühlingstrunken über das Burgdach hinsteigt. So ist es mit dem armen, und dennoch so reichen Menschen. Alles liegt bei ihm, derweile die Tat noch in ihm ruft; nichts liegt bei ihm, sobald die Tat auch nur durch einen Fingerzeig herausgetreten ist in die maßlose Welt.«

Als man am Abende auseinanderging, schritt der Seekönig mit nach Ottos Gemach. – »Hast du es denn empfunden, seliger Mensch«, rief er, sobald sie allein waren, sich auf sein Bette setzend, aus »hast du es denn empfunden, das unerhörte Glück, daß Blancheflour deine Schwester ist?« – Otto nickte freundlich. – »Nun denn«, sagte der Seekönig, »so wirst du auch gewißlich an den Handschlag denken, den du mir in den schwedischen Grenzbergen gabst, als wir zum erstenmale nach deiner Mutter Warte hinaufritten. Weißt du wohl noch? Blancheflour sollte meine Braut sein, wenn sie deine Schwester wär'.« – »Rittersmann, Ritterswort!« sprach Otto, und faßte kräftig Arinbiörns Hand. »Zudem so wüßte ich ja wahrhaftig nicht, welchem Helden in der ganzen Welt ich meine Schwester lieber verloben sollte, als dir. Vorausgesetzt, daß sie nicht schon etwa eines Ebenbürtigen Braut ist.« – »Versteht sich!- sagte der Seekönig. »Aber ich kann kaum denken, daß der liebe Gott ein so großes Leid über mich verhängt haben sollte.« – Damit sagten die Waffenbrüder einander in herzinniger Freude und in noch erhöhter Zutraulichkeit gute Nacht.

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