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Friedrich de la Motte Fouqué: Der Zauberring - Kapitel 67
Quellenangabe
typefiction
booktitleDer Rauberring
authorFriedrich de la Motte Fouqué
year1984
publisherWinkler Verlag
addressMünchen
isbn3-538-05335-9
titleDer Zauberring
pages5-450
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1813
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Zehntes Kapitel

Vor der Tür begegnete ihm Alessandro Vinciguerra, der ihn mißmutig, doch höflich grüßte, und sagte, er habe soeben von den Fräuleins Abschied genommen, und ergreife nun diese Gelegenheit, sich auch ihm zu empfehlen. Folko sah ihn einen Augenblick schweigend an, dann sprach er freundlich: »Wir scheiden doch in Frieden und Freundschaft, Herr Graf?« – Mit edler, aber kaltfremder Zierlichkeit schlug Vinciguerra ein, und erwiderte: »Zu Euerm Befehl, Herr Baron. Ich hege wahrhafte Achtung vor Euerer ritterlichen Kraft und Sitte, welche Versicherung wohl übrigens unnötig sein möchte, denn ständ' es anders, so würde es mir so wenig, als irgend einem meines Stammes an Mut gefehlt haben, die Sache grade herauszusagen.« – »Das versteht sich«, sprach Folko, seine Hand anständigen Ernstes zurückziehend, »und so versteht es sich auch, daß niemand anders von mir denken kann und darf, als Ihr es eben geäußert habt. Aber ich meinte, Euch auf eine freundlichere Weise Lebewohl zu sagen.« – »Verzeiht«, entgegnete Vinciguerra mit einem fast höhnischen Lächeln, »es würde mir auch viel Ehre und Freude gewesen sein, aber es kommt mir vor, als hättet Ihr einige Ähnlichkeit mit dem jungen deutschen Rittersmann, der mir einmal bei Euch eine Vorlesung über die Geschichte des jungen Messer Donatello und des alten Dimetri zu halten beliebte. Ich meine, Ihr gebt beide etwas auf das Predigen und Bekehren, wie Ihr mir denn auch im Schiff einige Beweise davon gegeben habt. Und damit das beim Abschiednehmen nicht von neuem beginne, will ich mich auf diese Weise beurlauben.« – »Ach, des armen verstörten Herzens«, sagte Folko aus recht inniger Brust, »das ein jedes verletzendes Wort, wie eine Wucherpflanze bewahrt. Ich hätte Euch das Unkraut gern mit freundlichen Worten herausgerissen.« – »Eben drum«, sagte Vinciguerra, sich zum Abschiednehmen verneigend. – »Weiß Gott! Ihr tut mir sehr leid«, sprach Montfaucon, und das so ohne alle Äußerung des Unwillens, so ganz voll inniger Teilnahme, daß just darüber der Italiener in sichtliche Verwirrung geriet, und statt, wie er gehofft hatte, mit seinem Witz und seiner schroffen Härte über den gutmütigen Franken zu triumphieren, verlegen und errötend mit eiligen Schritten nach dem Hafen hinabging.

Oben bei den Damen traf Montfaucon den Hernandez an, der sich gleichfalls feierlich beurlaubte, da er gedenke, noch heute ein Schiff, das er in segelfertigem Stande gefunden, und gegen seine Barke eingetauscht habe, zu besteigen, um damit nach Barcelona zu segeln, und wieder in die Reihen seiner tapfern Landsleute gegen das Mohrenvolk einzutreten. – »Ist denn heute der Tag alles Scheidens und Zertrennens?« fragte Montfaucon mit einem halb unwilligen, halb wehmütigen Seufzer. – »Des Scheidens und Trennens wohl«, entgegnete Don Hernandez freundlich ernst, »nicht aber des Zertrennens; wenigstens was uns beide betrifft, mein edler Frankenritter. Ich habe Euch aus ganzer Seelen lieb, und weiß, daß wenn wir Castilier je eines Rückhaltes bedürfen sollten, es keinen bessern für uns geben kann, als den starken Ritter Folko Montfaucon, um den die Mohrenbräute weinen. Wenn wir jedoch einander nicht wiedersehen, so müssen wir doch unausbleiblich voneinander hören, so lange wir beide leben. Jeden rufen Pflicht und Gestirn an seinen eignen Platz, und das goldne Band der Ehre und Minne, welches die Ritterschaft umflicht, hält unsern und unsrer Genossen Reigen in unzerstörbarer Liebe zusammen.« –

Die Helden umarmten sich, und schieden. – Folko vernahm es nicht ungern, daß die Damen Lust bezeugten, das schöne Mailand zu sehen, und Genua, welches eben jetzt von herbstlichen Seestürmen unfreundlich durchweht war, gleich morgen zu verlassen. Nicht bloß aus ritterlicher Pflicht gegen die Wünsche der Frauen, sondern auch im eignen, frohen Gefühl, einen Ort zu meiden, der ihn durch die erlebten Begebenheiten halb widrig, halb wehmütig ansprach, ordnete er die Reise eifrig an, und ritt bald darauf mit seinen holden Gefährtinnen durch die Bocchetta in die schönen lombardischen Ebnen hinein.

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