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Gutenberg > Johann Wolfgang von Goethe >

Der Zauberflöte zweiter Teil

Johann Wolfgang von Goethe: Der Zauberflöte zweiter Teil - Kapitel 1
Quellenangabe
type
authorJohann Wolfgang von Goethe
titleDer Zauberflöte zweiter Teil
publisherbtb
seriesSämtliche Werke
volume6.1
printrun1. Auflage
year2006
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
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Johann Wolfgang von Goethe

Der Zauberflöte zweiter Teil

Fragment

 

Tag, Wald, Felsengrotte zu einem ernsthaften Portal zugehauen. Aus dem Walde kommen Monostatos. Mohren.

Monostatos Erhebet und preiset,
Gefährten, unser Glück!
Wir kommen im Triumphe
Zur Göttin zurück.

Chor Es ist uns gelungen,
Es half uns das Glück!
Wir kommen im Triumphe
Zur Göttin zurück.

Monostatos Wir wirkten verstohlen,
Wir schlichen hinan;
Doch was sie uns befohlen,
Halb ist es getan.

Chor Wir wirkten verstohlen,
Wir schlichen hinan;
Doch was sie uns befohlen,
Bald ist es getan.

Monostatos O Göttin! die du in den Grüften
Verschlossen mit dir selber wohnest,
Bald in den höchsten Himmelslüften,
Zum Trutz der stolzen Lichter, thronest,
O höre deinen Freund! höre deinen künftigen Gatten!
Was hindert dich, allgegenwärtige Macht,
Was hält dich ab, o Königin der Nacht!
In diesem Augenblick uns hier zu überschatten.

Donnerschlag. Monostatos und die Mohren stürzen zu Boden. Finsternis. Aus dem Portal entwickeln sich Wolken und verschlingen es zuletzt.

Die Königin (in den Wolken)
Wer ruft mich an?
Wer wagt's mit mir zu sprechen ?
Wer diese Stille kühn zu unterbrechen?
Ich höre nichts – so bin ich denn allein!
Die Welt verstummt um mich, so soll es sein.

Die Wolken dehnen sich über das Theater aus und ziehen über Monostatos und die Mohren hin, die man jedoch noch sehen kann.

Woget ihr Wolken hin,
Decket die Erde,
Daß es noch düsterer,
Finsterer werde!
Schrecken und Schauer,
Klagen und Trauer
Leise verhalle bang,
Ende den Nachtgesang
Schweigen und Tod.

Monostatos und das Chor (in voriger Stellung, ganz leise)
Vor deinem Throne hier
Liegen und dienen –

Königin Seid ihr Getreuen mir
Wieder erschienen?

Monostatos Ja, dein Getreuer
Geliebter, er ist's.

Königin Bin ich gerochen?

Chor Göttin, du bist's!

Königin Schlängelt, ihre Blitze,
Mit wütendem Eilen,
Rastlos, die lastenden
Nächte zu teilen!
Strömet, Kometen,
Am Himmel hernieder!
Wandelnde Flammen
Begegnet euch wieder,
Leuchtet der hohen
Befriedigten Wut!

Monostatos und das Chor
Siehe! Kometen
Sie steigen hernieder,
Wandelnde Flammen
Begegnen sich wieder,
Und von den Polen
Erhebt sich die Glut.

Indem ein Nordlicht sich aus der Mitte verbreitet, steht die Königin wie in einer Glorie. In den Wolken kreuzen sich Kometen, Elmsfeuer und Lichtballen. Das Ganze muß durch Form und Farbe und geheime Symmetrie einen zwar grausenhaften, doch angenehmen Effekt machen.

Monostatos In solcher feierlichen Pracht
Wirst du nun bald der ganzen Welt erscheinen;
Ins Reich der Sonne wirket deine Macht.
Pamina und Tamino weinen;
Ihr höchstes Glück ruht in des Grabes Nacht.

Königin Ihr neugeborner Sohn ist er in meinen Händen?

Monostatos Noch nicht; doch werden wir's vollenden,
Ich les' es in der Sterne wilder Schlacht.

Königin Noch nicht in meiner Hand? was habt ihr denn getan?

Monostatos O Göttin sieh uns gnädig an!
In Jammer haben wir das Königshaus verlassen.
Nun kannst du sie mit Freude hassen.
Vernimm! – Der schönste Tag bestieg schon seinen Thron,
Die süße Hoffnung nahte schon,
Versprach, der Gattentreue Lohn,
Den lang erflehten, ersten Sohn.
Die Mädchen wanden schon die blumenreichsten Kränze,
Sie freuten sich auf Opferzug und Tänze,
Und neue Kleider freuten sie noch mehr.
Indes die Fraun mit klugem Eifer wachten,
Und mütterlich die Königin bedachten –
Unsichtbar schlichen wir durch den Palast umher –
Da rief's: ein Sohn! ein Sohn! Wir öffnen ungesäumt
Den goldnen Sarg, den du uns übergeben,
Die Finsternis entströmt, umhüllet alles Leben,
Ein jeder tappt und schwankt und träumt.
Die Mutter hat des Anblicks nicht genossen,
Der Vater sah noch nicht das holde Kind,
Mit Feuerhand ergreif ich es geschwind,
In jenen goldnen Sarg wird es sogleich verschlossen –
Und immer finstrer wird die Nacht,
In der wir ganz allein mit Tigeraugen sehen;
Doch ach! da muß, ich weiß nicht welche Macht,
Mit strenger Kraft uns widerstehen.
Der goldne Sarg wird schwer –

Chor Wird schwerer uns in Händen.

Monostatos Wird schwerer, immer mehr und mehr!
Wir können nicht das Werk vollenden.

Chor Er zieht uns an den Boden hin.

Monostatos Dort bleibt er fest und läßt sich nicht bewegen.
Gewiß! es wirkt Sarastros Zaubersegen.

Chor Wir fürchten selbst den Bann und fliehn.

Königin Ihr Feigen, das sind eure Taten?
Mein Zorn –

Chor                   Halt ein den Zorn, o Königin!

Monostatos Mit unverwandtem klugem Sinn
Drück' ich dein Siegel schnell, das niemand lösen kann,
Aufs goldne Grab und sperre so den Knaben
Auf ewig ein.
So mögen sie den starren Liebling haben!
Da mag er ihre Sorge sein!
Dort steht die tote Last, der Tag erscheinet bange,
Wir ziehen fort mit drohendem Gesange.

Chor Sähe die Mutter je
Säh' sie den Sohn;
Risse die Parze gleich
Schnell ihn davon.
    Sähe der Vater je
Säh' er den Sohn;
Risse die Parze gleich
Schnell ihn davon.

Monostatos Zwar weiß ich, als wir uns entfernt,
Ist federleicht der Sarkophag geworden.
Sie bringen ihn dem brüderlichen Orden,
Der, still in sich gekehrt, die Weisheit lehrt und lernt.
Nun muß mit List und Kraft dein Knecht aufs neue wirken!
Selbst in den heiligen Bezirken
Hat noch dein Haß, dein Fluch hat seine Kraft.
Wenn sich die Gatten sehn, soll Wahnsinn sie berücken;
Wird sie der Anblick ihres Kinds entzücken,
So sei es gleich auf ewig weggerafft.

Königin, Monostatos und Chor
Sehen die Eltern je
Sehn sie sich an;
Fasse die Seele gleich
Schauder und Wahn!
Sehen die Eltern je
Sehn sie den Sohn;
Reiße die Parze gleich
Schnell ihn davon!

Das Theater geht in ein Chaos über, daraus entwickelt sich
Ein königlicher Saal. Frauen tragen auf einem goldnen Gestelle, von welchem ein prächtiger Teppich herabhängt, einen goldnen Sarkophag. Andre tragen einen reichen Baldachin darüber. Chor.

Chor der Frauen In stiller Sorge wallen wir
Und trauern bei der Lust;
Ein Kind ist da, ein Sohn ist hier,
Und Kummer drückt die Brust.

Eine Dame So wandelt fort und stehet niemals stille,
Das ist der weisen Männer Wille,
Vertraut auf sie, gehorchet blind;
So lang ihr wandelt lebt das Kind.

Chor Ach armes eingeschloss'nes Kind
Wie wird es dir ergehen.
Dich darf die gute Mutter nicht,
Der Vater dich nicht sehen.

Eine Dame Und schmerzlich sind die Gatten selbst geschieden,
Nicht Herz an Herz ist ihnen Trost gegönnt.
Dort wandelt er, dort weinet sie getrennt;
Sarastro nur verschafft dem Hause Frieden.

Chor O schlafe sanft, o schlafe süß,
Du längst erwünschter Sohn!
Aus diesem frühen Grabe steigst
Du auf des Vaters Thron.

Eine Dame Der König kommt, laßt uns von dannen wallen.
Im öden Raum läßt er die Klage schallen,
Schon ahnet er die Öde seines Throns:
Er sehe nicht den Sarg des teuern Sohns.

Sie ziehen vorüber.

Tamino
Wenn dem Vater aus der Wiege
Zart und frisch der Knabe lächelt,
Und die vielgeliebten Züge
Holde Morgenluft umfächelt,
Ja! dem Schicksal diese Gabe
Dankt er mehr als alle Habe:
Ach es lebt, es wird geliebt
Bis es Liebe wieder gibt.

Die Frauen (in der Ferne)
Ach es lebt, es wird geliebt
Bis es Liebe wieder gibt.

Tamino Dämmernd nahte schon der Tag
An Aurorens Purpur-Schöne.
Ach! ein grauser Donnerschlag
Hüllt in Nacht die Freudenszene.
Und was mir das Schicksal gab
Deckt so früh ein goldnes Grab.

Die Frauen (in der Ferne)
Ach was uns das Schicksal gab
Deckt so früh ein goldnes Grab.

Tamino Ich höre sie, die meinen Liebling tragen.
O kommt heran! Laßt uns zusammen klagen!
O sagt, wie trägt Pamina das Geschick?

Eine Dame Es fehlen ihr der Götter schönste Gaben,
Sie seufzt nach dir, sie jammert um den Knaben.

Tamino O sagt mir, lebt noch mein verschloss'nes Glück?
Bewegt sich's noch an seinem Zauberplatze?
O gebt mir Hoffnung zu dem Schatze!
O gebt mir bald ihn selbst zurück!

Damen Wenn mit betrübten Sinnen
Wir wallen und wir lauschen,
So hören wir dadrinnen
Gar wunderlich es rauschen.
Wir fühlen was sich regen,
Wir sehn den Sarg sich bewegen,
Wir horchen und wir schweigen
Auf diese guten Zeichen.
Und Nachts, wenn jeder Ton verhallt,
So hören wir ein Kind, das lallt.

Tamino Ihr Götter! schützet es auf wunderbare Weise!
Erquickt's mit eurem Trank! nährt es mit eurer Speise!
Und ihr beweis't mir eure Treue.
Bewegt euch immer fort und fort!
Bald rettet uns mit heil'ger Weihe
Sarastros lösend Götterwort.
Lauschet auf die kleinste Regung,
Meldet jegliche Bewegung
Dem besorgten Vater ja.

Tamino und Chor
Und befreiet und gerettet,
An der Mutter Brust gebettet,
Lieg' er bald ein Engel da.

Wald und Fels, im Hintergrund eine Hütte, an der einen Seite derselben ein goldner Wasserfall, an der andern ein Vogelherd.

Papageno, Papagena sitzen auf beiden Seiten des Theaters von einander abgewendet.

Sie (steht auf und geht zu ihm)
Was hast du denn, mein liebes Männchen?

Er (sitzend)
Ich bin verdrießlich, laß mich gehn!

Sie Bin ich denn nicht dein liebes Hennchen?
Magst du denn mich nicht länger sehn?

Er Ich bin verdrießlich! bin verdrießlich!

Sie Er ist verdrießlich! ist verdrießlich.

Beide Die ganze Welt ist nicht mehr schön.

Sie setzt sich auf ihre Seite.

Er (steht auf und geht zu ihr)
Was hast du denn, mein liebes Weibchen?

Sie Ich bin verdrießlich, laß mich gehn!

Er Bist du denn nicht mein süßes Täubchen?
Will unsre Liebe schon vergehn?

Sie Ich bin verdrießlich! bin verdrießlich.

Er (sich entfernend)
Ich bin verdrießlich! bin verdrießlich!

Beide Was ist uns beiden nur geschehn?

Er Mein Kind! Mein Kind! laß uns nur ein bißchen zur Vernunft kommen. Sind wir nicht recht undankbar gegen unsre Wohltäter, daß wir uns so unartig gebärden?

Sie Ja wohl! ich sag' es auch, und doch ist es nicht anders.

Er Warum sind wir denn nicht vergnügt?

Sie Weil wir nicht lustig sind.

Er Hat uns nicht der Prinz zum Hochzeitgeschenk die kostbare Flöte gegeben? mit der wir alle Tiere herbeilocken, hernach die schmackhaften aussuchen und uns die beste Mahlzeit bereiten.

Sie Hast du mir nicht gleich am zweiten Hochzeittag das herrliche Glockenspiel geschenkt? Ich darf nur darauf schlagen, sogleich stürzen sich alle Vögel ins Netz. Die Tauben fliegen uns gebraten ins Maul.

Er Die Hasen laufen gespickt auf unsern Tisch! und Sarastro hat uns die ergiebige Weinquelle an unsre Hütte herangezaubert – und doch sind wir nicht vergnügt.

Sie (seufzend) Ja! es ist kein Wunder.

Er (seufzend) Freilich! kein Wunder.

Sie Es fehlt uns –

Er Leider es fehlen uns –

Sie (weinend) Wir sind doch recht unglücklich!

Er (weinend) Ja wohl recht unglücklich!

Sie (immer mit zunehmendem Weinen und Schluchzen) Die Schönen,

Er (gleichfalls) Artigen,

Sie Kleinen,

Er Charmanten,

Sie Pa –

Er Pa –

Sie Papa –

Er Papa –

Sie Ach der Schmerz wird mich noch umbringen.

Er Ich mag gar nicht mehr leben!

Sie Mich deuchte, sie wären schon da.

Er Sie hüpften schon herum.

Sie Wie war das so artig.

Er Erst einen kleinen Papageno.

Sie Dann wieder eine kleine Papagena.

Er Papageno.

Sie Papagena.

Er Wo sind sie nun geblieben?

Sie Sie sind eben nicht gekommen.

Er Das ist ein rechtes Unglück! Hätte ich mich nur bei Zeiten gehangen!

Sie Wär' ich nur eine alte Frau geblieben!

Beide Ach wir Armen!

Chor
(hinter der Szene)
Ihr guten Geschöpfe
Was trauert ihr so?
Ihr lustigen Vögel
Seid munter und froh!

Er Aha!

Sie Aha!

Beide Es klingen die Felsen,
Sie singen einmal.
So klangen,
So sangen
Der Wald sonst und der Saal.

Chor Besorgt das Gewerbe,
Genießet in Ruh,
Euch schenken die Götter –

Pause.

Er Die Pa?

Chor (als Echo)
            Die Pa, Pa, Pa.

Sie
Die Pa? Pa? Pa?

Chor (als Echo)         Pa, Pa, Pa, Pa,

Er Die Papagenos?

Pause.

Sie Die Papagenas?

Pause.

Chor Euch geben die Götter
Die Kinder dazu.

Er Komm, laß uns geschäftig sein,
Da vergehn die Grillen.
Erstlich noch ein Gläschen Wein –

Sie gehn nach der Quelle und trinken.

Beide Nun laß uns geschäftig sein,
Schon vergehn die Grillen.

Er nimmt die Flöte und sieht sich um, als wenn er nach dem Wilde sähe. Sie setzt sich in die kleine Laube an den Vogelherd und nimmt das Glockenspiel vor sich. Er bläst.

Sie (singt)
Laß, o großer Geist des Lichts!
Unsre Jagd gelingen.

Sie spielt.

Beide (singen)
Laß der Vögel bunte Schar
Nach dem Herde dringen.

Er bläst.

Sie (singt)
Sieh! die Löwen machen schon
Frisch sich auf die Reise.

Sie spielt.

Er (singt)
Gar zu mächtig sind sie mir.
Sie sind zähe Speise.

Er bläst.

Sie (singt)
Hör, die Vöglein flattern schon,
Flattern auf den Ästen.

Sie spielt.

Er (singt)
Spiele fort! Das kleine Volk
Schmeckt am allerbesten.
Auf dem Felde hüpfen schon
Schöne fette Hühnchen.

Er bläst.

Sie (spielt und singt)
Blase fort! da kommen schon
Hasen und Kaninchen.

Es erscheinen auf dem Felsen Hasen und Kaninchen. Indessen sind auch die Löwen, Bären und Affen angekommen und treten dem Papageno in Weg.
Sie spielt.

Er (singt)
Wär' ich nur die Bären los!
Die verwünschten Affen!
Jene sind so breit und dumm,
Das sind schmale Laffen.

Auf den Bäumen lassen sich Papageien sehen.

Sie (spielt und singt)
Auch die Papageien-Schar
Kommt von weiten Reisen.
Glänzend farbig sind sie zwar;
Aber schlecht zu speisen.

Er (hat indessen den Hasen nachgestellt und einen erwischt und bringt ihn an den Löffeln hervor)
Sieh, den Hasen hascht' ich mir
Aus der großen Menge.

Sie (hat indessen das Garn zugeschlagen, in welchem man Vögel flattern sieht)
Sieh, die fetten Vögel hier
Garstig im Gedränge.

Sie nimmt einen Vogel heraus und bringt ihn an den Flügeln hervor.

Beide Wohl, mein Kind, wir leben so
Einer von dem andern.
Laß uns heiter, laß uns froh
Nach der Hütte wandern.

Chor (unsichtbar)
Ihr lustigen Vögel,
Seid munter und froh.
Verdoppelt die Schritte;
Schon seid ihr erhört;
Euch ist in der Hütte
Das Beste beschert.
    Bei der Wiederholung fallen er und sie mit ein.
Verdopple die Schritte,
Schon sind wir erhört;
Uns ist in der Hütte
Das Beste beschert.

Tempel. Versammlung der Priester.

Chor Schauen kann der Mann und wählen!
Doch was hilft ihm oft die Wahl.
Kluge schwanken, Weise fehlen,
Doppelt ist dann ihre Qual.
Recht zu handeln,
Grad zu wandeln,
Sei des edlen Mannes Wahl.
Soll er leiden,
Nicht entscheiden,
Spreche Zufall auch einmal.

Sarastro tritt vor dem Schlusse des Gesanges unter sie. Sobald der Gesang verklungen hat, kommt der Sprecher herein und tritt zu Sarastro.

Der Sprecher Vor der nördlichen Pforte unserer heiligen Wohnung stehet unser Bruder, der die Pilgrimschaft unseres Jahres zurückgelegt hat und wünscht wieder eingelassen zu werden. Er übersendet hier das gewisse Zeichen, an dem du erkennen kannst daß er noch wert ist, in unsere Mitte wieder aufgenommen zu werden.

Er überreicht Sarastro einen runden Kristall an einem Bande.

Sarastro Dieser geheimnisvolle Stein ist noch hell und klar. Er würde trüb erscheinen wenn unser Bruder gefehlt hätte. Führe den Wiederkehrenden heran!

Der Sprecher geht ab.

Sarastro In diesen stillen Mauern lernt der Mensch sich selbst und sein Innerstes erforschen. Er bereitet sich vor, die Stimme der Götter zu vernehmen; aber die erhabene Sprache der Natur, die Töne der bedürftigen Menschheit lernt nur der Wandrer kennen, der auf den weiten Gefilden der Erde umherschweift. In diesem Sinne verbindet uns das Gesetz jährlich einen von uns als Pilger hinaus in die rauhe Welt zu schicken. Das Los entscheidet und der Fromme gehorcht. Auch ich, nachdem ich mein Diadem dem würdigen Tamino übergeben habe, nachdem er mit junger Kraft und frühzeitiger Weisheit an meiner Stelle regiert, bin heute zum Erstenmal auch in dem Falle, so wie jeder von euch, in das heilige Gefäß zu greifen und mich dem Ausspruche des Schicksals zu unterwerfen.

Der Sprecher mit dem Pilger tritt ein.

Pilger Heil dir, Vater! Heil euch, Brüder!

Alle Heil dir!

Sarastro Der Kristall zeigt mir an daß du reines Herzens zurücke kehrst, daß keine Schuld auf dir ruht. Nun aber teile deinen Brüdern mit, was du gelernt, was du erfahren hast, und vermehre die Weisheit, indem du sie bestätigst. Vor allen aber warte noch ab, wem du deine Kleider, wem du dieses Zeichen übergeben sollst, wen der Wille der Götter für diesmal aus der glücklichen Gesellschaft entfernen wird.

Er gibt dem Pilger die Kugel zurück. Zwei Priester bringen einen tragbaren Altar, auf welchem ein flaches goldnes Gefäß steht. Der Altar muß so hoch sein, daß man nicht in das Gefäß hineinsehen kann, sondern in die Höhe reichen muß, um hineinzugreifen. Chorgesang.

Sarastro (der seine Rolle auseinander wickelt) Mich traf das Los und ich zaudere keinen Augenblick mich seinem Gebote zu unterwerfen. Ja die Ahnung ist erfüllt. Mich entfernen die Götter aus eurer Mitte, um euch und mich zu prüfen. Im wichtigen Augenblicke werde ich abgerufen, da die Kräfte feindseliger Mächte wirksamer werden. Durch meine Trennung von euch wird die Schale des Guten leichter. Haltet fest zusammen, dauert aus, lenkt nicht vom rechten Wege und wir werden uns fröhlich wiedersehen.

Die Krone gab ich meinem lieben
Ich gab sie schon dem werten Mann.
Die Herrschaft ist mir noch geblieben
Daß ich euch allen dienen kann.
Doch wird auch das mir nun entrissen;
Ich werd' euch heute lassen müssen
Und von dem heilig lieben Ort –
Ich gehe schon.
Leb wohl mein Sohn!
Lebt wohl ihr Söhne!
Bewahret der Weisheit hohe Schöne.
Ich gehe schon
Vom heilig lieben Ort
Als Pilger aus der Halle fort.

Während dieser Arie gibt Sarastro sein Oberkleid und die hohenpriesterlichen Abzeichen hinweg, die nebst dem goldnen Gefäße weggetragen werden. Er empfängt dagegen die Pilgerkleider, das Band mit der Kristallkugel wird ihm umgehangen und er nimmt den Stab in die Hand. Hiezu wird der Komponist zwischen den verschiedenen Teilen der Arie, jedoch nur so viel, als nötig, Raum zu lassen wissen.

Chor Wer herrschet nun
Am heilig lieben Ort?
Er geht von uns als Pilger fort.

Die Priester bleiben zu beiden Seiten stehen, der Altar in der Mitte.

Sarastro Mir ward bei euch, ihr Brüder,
Das Leben nur ein Tag.
Drum singet Freudenlieder,
Werft euch in Demut nieder
Und gleich erhebt euch wieder,
Was auch der Gott gebieten mag.
    Von euch zu scheiden,
Von euch zu lassen
Welch tiefes Leiden!
Ich muß mich fassen!
O harter Schlag!

Sarastro Ich sehe euch, meine Brüder, traurig und bekümmert über meinen Abschied. Richtet euch auf, sehet mich an; noch wandle ich unter euch, und wenn ich mich auch entfernen muß, so werde ich doch nicht von euch scheiden. Wir aber sind dem Schicksal unterworfen, und das Schicksal, die ewige Weisheit selbst, darf den Tag nicht zu Nacht verwandlen, die Nacht nicht in Tag, doch den Wechsel von beiden zu bestimmen, das vermag sie. Der Augenblick ist da, in welchem das Licht der Weisheit sich einen Augenblick verbergen und die feindlichen Mächte ihren Einfluß ausüben sollen. Der Vorteil ist unser, denn wir werden geprüft. Lebt wohl! Ich gehe in öde und wüste Gegenden aus meinem Heiligtum. Bestrebt euch zu verbergen, haltet fest, so werdet ihr mich wiedersehen.

Chor Ihr heiligen Hallen
Vernehmet die Klagen;
Nicht mehr erschallen
An heitern Tagen
Sarastros Worte,
Am ernsten Orte
In edlen Pflichten
Zu unterrichten.
Es soll die Wahrheit
Nicht mehr auf Erden
In schöner Klarheit
Verbreitet werden.
Dein hoher Gang
Wird nun vollbracht;
Doch uns umgibt
Die tiefe Nacht.

Ein feierlicher Zug. Pamina mit ihrem Gefolge. Das Kästchen wird gebracht. Sie will es, einer Vorbedeutung zufolge, der Sonne widmen, und das Kästchen wird auf den Altar gesetzt. Gebet, Erdbeben. Der Altar versinkt und das Kästchen mit. Verzweiflung der Pamina. Diese Szene ist dergestalt angelegt, daß die Schauspielerin durch Beihülfe der Musik eine bedeutende Folge von Leidenschaften ausdrücken kann.

 
Wald und Fels

Papagenos Wohnung

Sie haben große schöne Eier in der Hütte gefunden. Sie vermuten, daß besondre Vögel drinnen stecken mögen. Der Dichter muß sorgen, daß die bei dieser Gelegenheit vorfallenden Späße innerhalb der Grenzen der Schicklichkeit bleiben. Sarastro kommt zu ihnen. Nach einigen mystischen Äußerungen über die Naturkräfte steigt ein niedriger Felsen aus der Erde, in dessen Innern sich ein Feuer bewegt. Auf Sarastros Anweisung wird auf demselbigen ein artiges Nest zurecht gemacht, die Eier hineingelegt und mit Blumen bedeckt. Sarastro entfernt sich. Die Eier fangen an zu schwellen, eins nach dem andern bricht auf und drei Kinder kommen heraus, zwei Jungen und ein Mädchen. Ihr erstes Betragen unter einander, so wie gegen die Alten, gibt zu dichterischen und musikalischen Scherzen Gelegenheit. Sarastro kommt zu ihnen. Einige Worte über Erziehung. Dann erzählt er ihm den traurigen Zustand, in dem sich Pamina und Tamino befinden. Nach dem Versinken des Kästchens sucht Pamina ihren Gatten auf. Indem sie sich erblicken, fallen sie in einen periodischen Schlaf, wie ihnen angedroht war, aus dem sie nur kurze Zeit erwachen, um sich der Verzweiflung zu überlassen. Sarastro heißt die muntere Familie nach Hofe gehen, um die Betrübnis durch ihre Scherze aufzuheitern. Besonders soll Papageno die Flöte mitnehmen, um deren heilende Kraft zu versuchen. Sarastro bleibt allein zurück und ersteigt unter einer bedeutenden Arie den heiter liegenden Berg.

Vorsaal im Palast. Zwei Damen und zwei Herren gehen auf und ab.

Tutti Stille daß niemand sich rühre sich rege,
Daß der Gesang nur sich schläfernd bewege!
Wachend und sorgend bekümmert euch hier;
Kranket der König so kranken auch wir.

Dritte Dame (schnell kommend)
Wollet ihr das neuste hören,
Kann ich euch das neuste sagen;
Lange werden wir nicht klagen,
Denn die Mutter ist versöhnt.

Dritter Herr (schnell kommend und einfallend)
Und man saget, Papageno
Hat den größten Schatz gefunden,
Große Gold- und Silberklumpen,
Wie die Straußeneier groß.

Erstes Tutti Stille, wie mögt ihr das neue nur bringen?
Da wir die Schmerzen der Könige singen.
    Pause.
Aber so redet denn, macht es nur kund.

Dritte Dame Wollet ihr das neuste hören? –

Dritter Herr Und man saget, Papageno –

Dritte Dame Lasset euch das neuste sagen –

Dritter Herr Hat den größten Schatz gefunden –

Vierte Dame
(schnell kommend und einfallend)
War Sarastro doch verschwunden;
Doch man weiß, wo er gewesen,
Kräuter hat er nur gelesen
Und er kommt und macht gesund.

Vierter Herr (geschwind kommend und einfallend)
Ich verkünde frohe Stunden,
Alle Schmerzen sind vorüber;
Denn es ist der Prinz gefunden
Und man trägt ihn eben her.

Tutti (der letzten viere, in welchem sie ihre Nachrichten verschränkt wiederholen)

Tutti (der ersten viere)
Stille, wie mögt ihr die Märchen uns bringen.
Helfet die Schmerzen der Herrscher besingen.
Wär' es doch wahr und sie wären gesund.

Die letzten viere fallen ein, indem sie ihre Nachrichten immer verschränkt wiederholen.

 
Papageno und Papagena die mit der Wache streitend hereindringen.

Papageno Es soll mich niemand abhalten.

Papagena Mich auch nicht.

Papageno Ich habe dem König eher Dienste geleistet als eure Bärte zu wachsen anfingen, mit denen ihr jetzo grimmig tut.

Papagena Und ich habe der Königin manchen Gefallen getan, als der böse Mohr sie noch in seinen Klauen hatte. Freilich würde sie mich nicht mehr kennen: denn damals war ich alt und häßlich, jetzo bin ich jung und hübsch.

Papageno Also will ich nicht wieder hinaus, da ich einmal herein bin.

Papagena Und ich will bleiben, weil ich hier bin.

Herr Sieh da das gefiederte Paar! recht wie gerufen. (Zur Wache) Laßt sie nur! sie werden dem König und der Königin willkommen sein.

Papageno Tausend Dank, ihr Herren! Wir hören, es sieht hier sehr übel aus.

Herr Und wir hören, es sieht bei euch sehr gut aus.

Papageno Bis es besser wird, mag es hingehen.

Dame Ist's denn wahr daß ihr die herrlichen Eier gefunden habt?

Papageno Gewiß.

Herr Goldne Straußeneier?

Papageno Nicht anders.

Dame Kennt ihr denn auch den Vogel, der sie legt?

Papageno Bis jetzt noch nicht.

Dame Es müssen herrliche Eier sein.

Papageno Ganz unschätzbar.

Herr Wie viel habt ihr denn bis jetzt gefunden?

Papageno Ohngefähr zwei bis dritthalb Schock.

Dame Und alle massiv?

Papageno Bis auf einige die lauter waren.

Herr Allerliebster Papageno, ihr ließt mir wohl eine Mandel zukommen?

Papageno Von Herzen gern.

Dame Ich wollte mir nur ein Paar in mein Naturalien-Cabinet ausbitten.

Papageno Sie stehen zu Diensten.

Dame Dann habe ich noch ein Dutzend Freunde, alles Naturforscher, die sich besonders auf die edeln Metalle vortrefflich verstehen.

Papageno Alle sollen befriedigt werden.

Herr Ihr seid ein vortrefflicher Mensch.

Papageno Das wird mir leicht. Die Eier sind das wenigste. Ich bin ein Handelsmann und zwar im Großen, wie ich sonst im Kleinen war.

Dame Wo sind denn eure Waren?

Papageno Draußen vor dem äußersten Schloßhofe. Ich mußte sie stehen lassen.

Dame Gewiß wegen des Zolls.

Papageno Sie wußten gar nicht was sie fordern sollten.

Herr Sie sind wohl sehr kostbar.

Papageno Unschätzbar.

Dame Man kann es nach den Eiern berechnen.

Papageno Freilich! sie schreiben sich von den Eiern her.

Herr (zur Dame) Wir müssen ihn zum Freunde haben, wir müssen ihnen durchhelfen.

Mit Papageno und Papagena ab, sodann mit beiden zurück. Sie tragen goldne Käfige mit beflügelten Kindern.

Papageno und Papagena
Von allen schönen Waren,
Zum Markte hergefahren,
Wird keine mehr behagen,
Als die wir euch getragen
Aus fremden Ländern bringen.
O höret was wir singen
Und seht die schönen Vögel!
Sie stehen zum Verkauf.

Papagena (einen herauslassend)
Zuerst beseht den großen,
Den lustigen, den losen.
Er hüpfet leicht und munter
Vom Baum und Busch herunter;
Gleich ist er wieder droben.
Wir wollen ihn nicht loben.
O seht den muntern Vogel!
Er steht hier zum Verkauf.

Papageno (den andern vorweisend)
Betrachtet nun den kleinen,
Er will bedächtig scheinen
Und doch ist er der lose
So gut als wie der große.
Er zeiget meist im Stillen
Den allerbesten Willen.
Der lose kleine Vogel
Er steht hier zum Verkauf.

Papagena (das dritte zeigend)
O seht das kleine Täubchen!
Das liebe Turtelweibchen.
Die Mädchen sind so zierlich,
Verständig und manierlich.
Sie mag sich gerne putzen
Und eure Liebe nutzen.
Der kleine zarte Vogel
Er steht hier zum Verkauf.

Beide Wir wollen sie nicht loben,
Sie stehn zu allen Proben.
Sie lieben sich das Neue;
Doch über ihre Treue
Verlangt nicht Brief und Siegel:
Sie haben alle Flügel.
Wie artig sind die Vögel!
Wie reizend ist der Kauf!

Es hängt von dem Komponisten ab, die letzten Zellen eines jeden Verses teils durch die Kinder, teils durch die Alten und zuletzt vielleicht durch das ganze Chor der gegenwärtigen Personen wiederholen zu lassen.

Dame Sie sind wohl artig genug; aber ist das alles?

Papagena Alles, und ich dächte, genug.

Herr Habt ihr nicht einige von den Eiern im Korbe? Sie wären mir lieber als die Vögel.

Papageno Ich glaub's. Sollte man übrigens in dieser wahrheitsliebenden Gesellschaft die Wahrheit sagen dürfen, so würde man bekennen daß man ein wenig aufgeschnitten hat.

Herr Nur ohne Umstände.

Papageno So würde ich sagen, daß dieses unser ganzer Reichtum sei.

Dame Da wärt ihr weit.

Herr Und die Eier?

Papageno Davon sind nur die Schalen noch übrig. Denn eben diese sind herausgekrochen.

Herr Und die übrigen dritthalb Schock ohngefähr?

Papageno Das war nur eine Redensart.

Dame Da bleibt euch wenig übrig.

Papageno Ein hübsches Weibchen, lustige Kinder und guter Humor. Wer hat mehr?

Herr Du bist also noch immer weiter nichts als ein Lustigmacher.

Papageno Und deshalb unentbehrlich.

Herr Vielleicht könnte dieser Spaß den König und die Königin erheitern?

Dame Keinesweges. Es würde vielleicht ihnen nur traurige Erinnerungen geben.

Papageno Und doch hat mich Sarastro deswegen hergeschickt.

Herr Sarastro? Wo habt ihr Sarastro gesehn?

Papageno In unsern Gebirgen.

Herr Er suchte Kräuter?

Papageno Nicht daß ich wüßte.

Herr Ihr saht doch daß er sich manchmal bückte.

Papageno Ja, besonders wenn er stolperte.

Herr So ein heiliger Mann stolpert nicht; er bückte sich vorsätzlich.

Papageno Ich bin es zufrieden.

Herr Er suchte Kräuter und vielleicht Steine, und kommt hieher König und Königin zu heilen.

Papageno Wenigstens heute nicht; denn er befahl mir ausdrücklich, nach dem Palaste zu gehen, die berühmte Zauberflöte mitzunehmen und beim Erwachen von Ihro Majestäten gleich die sanfteste Melodie anzustimmen, und dadurch ihren Schmerz wenigstens eine Zeitlang auszulöschen.

Dame Man muß alles versuchen.

Herr Es ist eben die Stunde des Erwachens. Versucht euer möglichstes. An Dank und Belohnung soll es nicht fehlen.

Pamina und Tamino unter einem Thronhimmel auf zwei Sesseln schlafend.

Man wird, um den pathetischen Eindruck nicht zu stören, wohl die Papagena mit den Kindern abtreten lassen, auch Papageno, der die Flöte bläst, kann sich hinter die Kulisse wenigstens halb verbergen und nur von Zeit zu Zeit sich sehen lassen.

Pamina (auf den Ton der Flöte erwachend)
An der Seite des Geliebten
Süß entschlafen, sanft erwachen,
Gleich zu sehn den holden Blick.

Papageno hört auf zu blasen und horcht.

Tamino (erwachend)
Ach das könnte den Betrübten
Gleich zum frohen Gatten machen;
Aber ach was stört mein Glück.

Chor Papageno blase, blase!
Denn es kehrt der Schmerz zurück.

Pamina (aufstehend und herunter kommend)
Aufgemuntert von dem Gatten
Sich zur Tätigkeit erheben
Nach der Ruhe sanftem Schatten
Wieder in das rasche Leben
Und zur Pflicht, o welche Lust!

Tamino (aufstehend und herunter kommend)
Immerfort bei guten Taten
Sich der Gattin Blick erfreuen,
Von der milden wohlberaten
Sich der heitern Tugend weihen,
O wie hebt es meine Brust!

Sie umarmen sich. Pause, besonders der Flöte.

Chor Papageno, laß die Flöte
Nicht von deinem Munde kommen!
Halte nur noch diesmal aus!

Papageno Laßt mich nur zu Atem kommen!
Denn er bleibt mir wahrlich aus.

Tamino und Pamina (sich von einander entfernend)
Ach was hat man uns genommen!
O wie leer ist dieses Haus!

Chor Blase, Papageno, blase,
Halte nur noch diesmal aus!

Papageno bläst.

Tamino und Pamina (sich einander freundlich nähernd)
Nein, man hat uns nichts genommen,
Groß und reich ist unser Haus.

Papageno Ach mir bleibt der Atem aus!

Chor Halte nur noch diesmal aus!

Tamino und Pamina
O wie leer ist dieses Haus!

Es ist wohl überflüssig zu bemerken, daß es ganz von dem Komponisten abhängt, den Übergang von Zufriedenheit und Freude zu Schmerz und Verzweiflung, nach Anlaß vorstehender Verse, zu verschränken und zu wiederholen. Es kommen Priester. Es wird von dem Komponisten abhängen, ob derselbe nur zwei oder das ganze Chor einführen will. Ich nehme das Letzte an. Sie geben Nachricht, wo sich das Kind befinde.

Priester In den tiefen Erdgewölben
Hier das Wasser, hier das Feuer,
Unerbittlich dann die Wächter,
Dann die wilden Ungeheuer
Zwischen Leben, zwischen Tod.
Halb entseelet
Von Durst gequälet
Liegt der Knabe.
Hört sein Flehen!
Weh! ach er verschmachtet schon.
Rettet! rettet euern Sohn.

Alle Welche Stille, welches Grausen
Liegt auf einmal um uns her!
Welch ein dumpfes fernes Sausen!
Welch ein tiefbewegtes Brausen!
Wie der Sturm im fernen Meer.
Immer lauter aus der Ferne
Hör' ich alle Wetter drohen.
Welche Nacht bedeckt den goldnen
Heitern Himmel,
Und die Sterne
Schwinden schon vor meinem Blick.

Unterirdisches Gewölbe. In der Mitte der Altar mit dem Kästchen, wie er versank. An zwei Pfeilern stehen gewaffnete Männer gelehnt und scheinen zu schlafen. Von ihnen gehen Ketten herab, woran die Löwen gefesselt sind, die am Altare liegen. Alles ist dunkel, das Kästchen ist transparent und beleuchtet die Szene.

Chor (unsichtbar)
Wir richten und bestrafen.
Der Wächter soll nicht schlafen.
Der Himmel glüht so rot.
Der Löwe soll nicht rasten,
Und öffnet sich der Kasten,
So sei der Knabe tot.

Die Löwen richten sich auf und gehen an der Kette hin und her.

Erster Wächter (ohne sich zu bewegen) Bruder, wachst du?

Zweiter (ohne sich zu bewegen) Ich höre.

Erster Sind wir allein?

Zweiter Wer weiß.

Erster Wird es Tag?

Zweiter Vielleicht ja.

Erster Kommt die Nacht?

Zweiter Sie ist da.

Erster Die Zeit vergeht.

Zweiter Aber wie?

Erster Schlägt die Stunde wohl?

Zweiter Uns nie.

Zu Zweien Vergebens bemühet
Ihr euch da droben so viel.
Es rennt der Mensch, es fliehet
Vor ihm das bewegliche Ziel.
Er zieht und zerrt vergebens
Am Vorhang, der schwer auf des Lebens
Geheimnis, auf Tagen und Nächten ruht.
Vergebens strebt er in die Luft,
Vergebens dringt er in die tiefe Gruft.
Die Luft bleibt ihm finster,
Die Gruft wird ihm helle.
Doch wechselt das Helle
Mit Dunkel so schnelle.
Er steige herunter
Er dringe hinan;
Er irret und irret
Von Wahne zu Wahn.

Der hintre Vorhang öffnet sich. Dekoration des Wassers und Feuers wie in der Zauberflöte. Links das Feuer, eine kleine freie Erhöhung, wenn man da durchgegangen ist, alsdann das Wasser, oben drüber ein gangbarer Felsen, aber ohne Tempel. Die ganze Dekoration muß so eingerichtet sein, daß es aussieht, als wenn man von dem Felsen nur durch das Feuer und das Wasser in die Gruft kommen könnte.

Tamino und Pamina kommen mit Fackeln den Felsen herunter. Im Herabsteigen singen sie.

Tamino Meine Gattin, meine Teure,
O wie ist der Sohn zu retten;
Zwischen Wasser zwischen Feuer,
Zwischen Graus und Ungeheuer
Ruhet unser höchster Schatz.

Sie gehen durchs Feuer.

Pamina Einer Gattin, einer Mutter,
Die den Sohn zu retten eilet,
Macht das Wasser, macht das Feuer,
In der Gruft das Ungeheuer,
Macht der strenge Wächter Platz.

Indessen hat sich eine Wolke herabgezogen, so daß sie in Mitte zwischen Wasser und Feuer schwebt. Die Wolke tut sich auf.

Die Königin der Nacht Was ist geschehen!
Durch das Wasser, durch das Feuer,
Drangen sie glücklich und verwegen.
Auf ihr Wächter! ihr Ungeheuer!
Stellet mächtig euch entgegen
Und bewahret mir den Schatz.

Die Wächter (richten ihre Speere gegen das Kästchen, doch so, daß sie davon entfernt bleiben. Die Löwen schließen sich aufmerksam an sie an. Die Stellungen sollten auf beiden Seiten symmetrisch sein)
Wir bewahren, wir bewachen
Mit Speer und Löwenrachen,
O Göttin, deinen Schatz.

Tamino und Pamina (hervorkommend)
O mein Gatte, mein Geliebter,
Meine Gattin, meine Teure,
Sieh, das Wasser, sieh, das Feuer
Macht der Mutterliebe Platz.
Ihr Wächter habt Erbarmen.

Königin Ihr Wächter, kein Erbarmen!
Behauptet euren Platz!

Tamino und Pamina
O weh! o weh uns Armen!
Wer rettet unsern Schatz?

Königin Sie dringen durch die Wachen,
Der grimmige Löwenrachen
Verschlinge gleich den Schatz!

Die Wolke zieht weg. Stille.

Das Kind (im Kästchen)
Die Stimme des Vaters,
Des Mütterchens Ton
Es hört sie der Knabe
Und wachet auch schon.

Pamina und Tamino
O Seligkeit, den ersten Ton,
Das Lallen seines Sohns zu hören!
O laßt nicht Zauber uns betören.
Ihr Götter! welche Seligkeit
Beglückt uns schon!
O laßt uns ihn noch einmal hören
Den süßen Ton.

Chor (unsichtbar)
Nur ruhig! es schläfet
Der Knabe nicht mehr.
Er fürchtet die Löwen
Und Speere nicht sehr.
Ihn halten die Grüfte
Nicht lange mehr auf;
Er dringt in die Lüfte
Mit geistigem Lauf.

Der Deckel des Kastens springt auf. Es steigt ein Genius hervor, der durch die Lichter, welche den Kasten transparent machten, ganz erleuchtet ist, wenn die Lichter so disponiert sind, daß die obere Hälfte der übrigen Figuren gleichfalls mit erleuchtet ist. In dem Augenblick treten die Wächter mit den Löwen dem Kasten näher und entfernen Tamino und Pamina.

Genius Hier bin ich ihr Lieben!
Und bin ich nicht schön?
Wer wird sich betrüben
Sein Söhnchen zu sehn.
In Nächten geboren,
Im herrlichen Haus,
Und wieder verloren
In Nächten und Graus.
Es drohen die Speere,
Die grimmigen Rachen,
Und drohten mir Heere
Und drohten mir Drachen;
Sie haben doch alle
Dem Knaben nichts an.

In dem Augenblick als die Wächter nach dem Genius mit den Spießen stoßen, fliegt er davon.

 


 








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