Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > James Fenimore Cooper >

Der Wildtödter (Werktreue Übersetzung von 1842)

James Fenimore Cooper: Der Wildtödter (Werktreue Übersetzung von 1842) - Kapitel 1
Quellenangabe
type
authorJames Fenimore Cooper
titleDer Wildtödter (Werktreue Übersetzung von 1842)
publisherVerlag von S.G. Liesching
year1842
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorHerbert Niephaus
senderwww.gaga.net
projectida3a9f8f4
created20061116
Schließen

Navigation:

Vorrede.

Dieses Buch wurde nicht ohne manche Besorgnisse wegen seiner muthmaßlichen Aufnahme geschrieben. Einen und denselben Charakter durch fünf verschiedene Werke hindurchführen, konnte als allzukecke Zumuthung an die Gutmüthigkeit des Publikums erscheinen, und Manche möchten mit Grund dieß als ein Unterfangen ansehen, das an sich schon zur Mißbilligung herausfordere. Auf diesen sehr natürlichen Vorwurf kann der Verfasser nur erwiedern, daß, wenn er in diesem Falle einen schweren Fehler begangen, seine Leser selbst einigermaßen die Verantwortung dafür auf sich haben. Die günstige Aufnahme, welche den späteren Schicksalen und dem Tode Lederstrumpfs zu Theil wurde, hat der Seele des Verfassers wenigstens es zu einer Art von Nothwendigkeit gemacht, auch von seinen jüngeren Jahren Nachricht zu geben. Kurz, die Gemälde seines Lebens, wie sie nun einmal sind, waren schon so vollständig, daß sie wohl einiges Verlangen erwecken konnten, die Gesammtzeichnung zu sehen, nach welcher sie alle gemalt wurden.

Die »Lederstrumpferzählungen« bilden jetzt eine Art von fünfaktigem Drama, vollständig, was den Inhalt und den Plan betrifft, wenn auch vermuthlich sehr mangelhaft in der Ausführung. So wie sie sind, hat sie die Lesewelt vor sich. Der Verfasser hofft, sie werde, entschiede sie auch dahin, daß der hier vorliegende Akt, der letzte in der Ausführung, obwohl der erste in der natürlichen Ordnung der Lektüre, nicht der beste der ganzen Reihefolge sey, doch das Urtheil fällen, daß er auch nicht eben der schlechteste sey. Mehr als einmal hat er sich versucht gefühlt, sein Manuskript zu verbrennen und sich zu einem andern Gegenstand zu wenden, obwohl er im Verlaufe seiner Arbeit eine Aufmunterung von so eigenthümlicher Art erhielt, daß es sich verlohnt, sie zu erwähnen. Ein anonymer Brief aus England, von der Hand einer Dame, wie ihn däucht, kam ihm zu, worin er dringend aufgefordert wurde, ungefähr eben das zu thun, was er schon mehr als halb ausgeführt hatte, – ein Wunsch, den er sehr gerne als ein Zeichen deutet, daß sein Versuch theilweise werde verziehen, wo nicht entschieden gebilligt werden.

Wenig braucht er über die Charaktere und die Scenerie dieser Erzählung zu sagen. Jene sind natürlich Werk der Dichtung; diese aber ist der Natur so treu, als nur immer die vertraute Bekanntschaft mit dem jetzigen Aussehen der geschilderten Gegend, und Vermuthungen über ihren früheren Charakter, so wahrscheinlich als die Einbildungskraft sie an die Hand gab, den Verfasser in Stand setzten, sie zu schildern. See, Berge, Thal und Wald sind insgesammt, wie er glaubt, genau genug dargestellt, während Fluß, Fels und Küste treue Abzeichnungen der Natur sind. Selbst die einzelnen vorspringenden Punkte existiren, etwas verändert durch die Civilisation, aber doch so entsprechend den Schilderungen, daß Jeder, der mit der Scenerie der fraglichen Gegend vertraut ist, sie leicht erkennt.

Was die historische Treue bei den Ereignissen dieser Erzählung im Ganzen und im Einzelnen betrifft, so ist der Verfasser gesonnen, hier auf seinem Recht zu bestehen, und darüber nicht mehr zu sagen, als was er für nothwendig erachtet. Bei dem großen Streit um Wahrheit, der zwischen Geschichte und Fiktion waltet, ist der Vortheil so oft auf der Seite der letzteren, daß er sehr geneigt ist, den Leser auf seine eigenen Forschungen zu verweisen, um über diesen Punkt in's Reine zu kommen. Sollte es sich bei genauer Untersuchung zeigen, daß ein anerkannter Historiker, daß öffentliche Urkunden oder auch Lokaltraditionen den Angaben dieses Buchs widersprechen, so ist der Verfasser bereit, zuzugestehen, daß der Umstand seiner Aufmerksamkeit gänzlich entging, und seine Unwissenheit zu bekennen. Andererseits, sollte sich's finden, daß die Annalen Amerika's nicht eine Sylbe enthalten, die dem, was hier der Welt vorgelegt wird, widerspräche, – wie er denn fest glaubt, daß die Forschung dieß ausweisen werde – so wird er für seine Erzählung genau so viel Glaubwürdigkeit in Anspruch nehmen, als sie verdient.

Es gibt eine ansehnliche Classe von Romanlesern – ansehnlich ebenso wegen ihrer Zahl als in jedem andern Betracht, – die man oft mit dem Mann verglichen hat, der »singt, wenn er liest, und liest, wenn er singt«. Diese Leute sind über die Maßen phantasiereich in allem Thatsächlichen, und so buchstäblich pedantisch, wie die Uebersetzung eines Schulknaben, in Allem, was zur Poesie gehört. Zum Nutz und Frommen aller solcher Leute wird hiemit ausdrücklich erklärt, daß Judith Hutter eben Judith Hutter ist, und keine andere Judith; und überhaupt, daß, wenn irgendwo bei einem Taufnamen oder bei der Farbe des Haares eine Aehnlichkeit, ein Zusammentreffen sich findet, nichts weiter gemeint ist, als was für den Unbefangenen in der Gleichheit des Taufnamens oder der Haarfarbe liegt. Lange Erfahrung hat den Verfasser belehrt, daß dieser Theil seiner Leser der bei weitem am schwersten zu befriedigende ist, und er möchte ihnen, zum Besten beider Parteien, den ehrerbietigen Rath geben, den Versuch zu machen und Werke der Einbildungskraft so zu lesen, als wären es Erzählungen positiver Thatsachen. Ein solches Verfahren könnte sie vielleicht in Stand setzen, an die Möglichkeit der Dichtung zu glauben.

 

Der Wildtödter.

 Kapitel 2 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.