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Der wilde Jackson

Max Brand: Der wilde Jackson - Kapitel 28
Quellenangabe
authorMax Brand
titleDer wilde Jackson
publisherVerlag Von Th. Knaur Nachf.
yearo.J.
translatorFranz Eckstein
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20180215
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Siebenundzwanzigstes Kapitel

Nachdem seine drei Leute aufgebrochen waren, ritt auch Jackson davon, und zwar direkt durch die Stadt Kempton, um möglichst schnell in das Haymansche Lager zurückzugelangen.

Als Jackson an dem Gasthaus vorüberkam, sah er in der offenen Tür eine große Gestalt stehen, in der er auf den ersten Blick den Distriktskommissar Tex Arnold erkannte, obwohl sein hageres Gesicht noch dünner geworden, seine Augen eingesunken und tief umschattet waren und seine Haltung nicht mehr so aufrecht und selbstbewußt war, wie noch vor kurzem. Entschieden, er machte den Eindruck eines gebrochenen Mannes!

Einen Moment kam es wie ein stolzes Triumphgefühl über Jackson – diesen berühmten und gefürchteten Beamten hatte er völlig geschlagen, ihn zum Gespött der ganzen Gegend gemacht!

Doch diese Empfindung wich nur zu bald wesentlich anderen. Was hatte er schon damit erreicht, daß er vorläufig über Arnold Sieger geblieben war? Wenn dieser wirklich den Kampf aufgab, würden andere Diener der menschlichen Gesellschaft an seine Stelle treten, und letzten Endes mußte er – Jackson – doch unterliegen wie jeder, der sich, wissentlich oder versehentlich, gegen die Satzungen der Allgemeinheit vergangen hatte.

Ziemlich niedergeschlagen erreichte Jackson das Lager. Es waren Posten ausgestellt worden, die ihn anhielten und erst passieren ließen, nachdem sie ihn erkannt hatten.

Auf der Lichtung vor der Hütte brannte ein Feuer, an dem Hayman saß und sich wärmte. Da allein dessen Hände und das vorgebeugte, seltsam versunken lächelnde Gesicht von der flackernden Flamme beleuchtet waren, während der übrige Körper im Schatten blieb, wirkte das Ganze wie ein altholländisches Gemälde.

Jackson betrachtete den Doktor eine Weile voll widersprechender Gefühle – Erstaunen, Bewunderung, Verachtung und Furcht wechselten merkwürdig einander in seinem Innern ab. Dieser Mann da glich keinem, dem er bisher begegnet, war überhaupt kein fühlender Mensch, sondern nur Fleisch gewordene Intelligenz, die sich sicher nicht so leicht täuschen und übertölpeln ließ wie der fanatische Tex Arnold.

Schließlich trat Jackson vor und nickte Hayman zu.

»Arnold ist drüben in Kempton«, berichtete er.

»So, in der Stadt also bist du gewesen?« fragte der Doktor, ohne den Blick von den tanzenden Flammen zu heben.

»Ja – ich hab' ihn mit eigenen Augen gesehen«, erwiderte Jackson.

»Woher kennst du denn den Kommissar?« erkundigte sich Hayman mißtrauisch.

»Den kennt doch jeder, und darum hielt ich's auch für meine Pflicht, dich zu warnen.«

»Danke, aber von dem haben wir nichts zu befürchten«, entgegnete Hayman trocken.

»So? Er gilt doch allgemein für einen ausgezeichneten Beamten und hat eine Unmasse Leute bei sich.«

»Trotzdem ist er für uns ungefährlich, denn er ist momentan für alles blind, was nicht Jackson angeht. Das ist ja das einzig Gute an diesem famosen Fregattvogel, daß er die Aufmerksamkeit aller Kommissare und Sheriffs auf sich lenkt, so daß für uns andere nichts davon übrigbleibt. Ich bin darum froh, daß Jackson wieder zu seinem alten Beruf zurückgekehrt ist, noch nie haben wir so ungestört arbeiten können wie jetzt. Nein, nein, um uns kümmert sich Tex Arnold nicht.«

»Er soll aber, soviel ich gehört habe, einen von unseren Leuten festgenommen haben«, sagte Jackson vorsichtig.

»Ausgeschlossen!« erklärte der Doktor sehr bestimmt.

»Doch, doch – in der Stadt ging das Gerücht, daß er einen von unserer Bande erwischt und unter sicherer Bedeckung mit der Eisenbahn abtransportiert haben soll.«

»Ist ein Name genannt worden?« fragte Hayman.

»Ja, wenn ich nicht irre, handelt es sich um Malone.«

»Ausgerechnet Malone?« rief der Doktor. »Dann ist bestimmt nichts an dem Gerede, denn Malone läßt sich nicht kampflos fangen.«

»Es hat aber ein Kampf stattgefunden«, entgegnete Jackson, »Malone soll sogar schwer verwundet worden sein – leider konnt' ich mich nicht nach den Einzelheiten erkundigen, denn ich mußte, wie du dir denken kannst, sehr vorsichtig sein.«

»Um Malone würd' es mir leid tun«, sagte der Doktor mit einer Bewegung in der Stimme, die Jackson überraschte, »lieber hätt' ich ein Dutzend anderer Kerle verloren als gerade ihn.«

»Hat er dir denn besonders nahegestanden?«

»In gewissem Sinne ja«, erwiderte Hayman, »es hat mir immer einen Heidenspaß gemacht, den Jungen zu beobachten. Er ist nämlich so zartbesaitet, daß er nach jedem Raubmord wochenlang von Gewissensbissen gepeinigt wird, und da er sich scheut, das so verdiente Geld im Poker zu verspielen, plündert er lieber noch schnell einen Laden aus, um sich harmloseres Kartengeld zu verschaffen. Ganze Nächte hab' ich wach gelegen und über den Schafskopf gelacht, er war wirklich Labsal für meine Nerven, kein König hat sich königlicher über seinen Hofnarren amüsiert! Im übrigen aber ist er ein ganzer Kerl, und darum sollt' es mich auch wundern, wenn er lebend dem Henker in die Hände gefallen wäre.«

»Vielleicht hat man ihn in eine Falle gelockt«, meinte Jackson.

»Das müßte allerdings schon eine verdammt geschickt gestellte Falle gewesen sein«, sagte der Doktor, »aber lassen wir diese müßigen Vermutungen, wir werden ja sehen, was los gewesen ist. Zunächst wollen wir mal nach Alexandria aufbrechen, du, ich, Bud Maker und noch ein paar andere, und zwar sofort.«

»Schön – fahren wir mit der Eisenbahn?«

Der Doktor sah erstaunt auf.

»Mit der Eisenbahn?« wiederholte er gedehnt.

»Ja, ich dachte bei der weiten Entfernung –«

Hayman lachte schrill auf.

»Du bist doch wirklich etwas gar zu naiv«, sagte er, »glaubst du wahrhaftig, daß ich es mir leisten könnte, ohne Maske vor dem Gesicht auf der Eisenbahn zu fahren? Dazu bin ich viel zu bekannt, und einer, auf dessen Kopf fünfzigtausend Dollar stehen, muß schon etwas vorsichtig sein.«

»Daran hab' ich allerdings nicht gedacht«, erwiderte Jackson. »Also reiten wir?«

»Gewiß tun wir das, aber es wird sich empfehlen, daß du dir drüben auf der Weide einen frischen Gaul aussuchst, denn dein grauer Wallach hat für heute genug geleistet. Wenn wir uns dazuhalten, können wir morgen vor Anbruch der Nacht in Alexandria eintreffen, wirst du einen so langen Ritt durchhalten?«

»Aber selbstverständlich«, antwortete Jackson und ging nach der Koppel hinüber, um unter den Pferden des Doktors seine Wahl zu treffen.

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