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Der wilde Jackson

Max Brand: Der wilde Jackson - Kapitel 26
Quellenangabe
authorMax Brand
titleDer wilde Jackson
publisherVerlag Von Th. Knaur Nachf.
yearo.J.
translatorFranz Eckstein
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20180215
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Fünfundzwanzigstes Kapitel

Die grelle Sonne blendete Jackson, als er aus der düsteren Hütte trat, blinzelnd blieb er stehen und sah sich um. Larry Burns, den er suchte, saß etwas abseits an einem Baumstumpf und schälte mit dem Taschenmesser die Rinde von einer schlanken Gerte ab. Langsam ging er auf ihn zu und blieb, scheinbar in das Drehen einer Zigarette vertieft, neben ihm stehen.

»Vorsicht! Nenn nie meinen Namen!« flüsterte er ihm zu.

Burns, der ruhig weiterschnitzelte, nickte fast unmerklich, worauf Jackson gemächlich paffend davonschlenderte, einer Gruppe zu, die auf einer ausgebreiteten Decke würfelte und unter der er Fred Tucker entdeckt hatte, dessen Partner Murphy, das Sumpfhuhn, und Bud Maker waren.

Als Jackson herantrat, erklärte Fred gerade:

»Schon wieder verloren, ich bin vollkommen blank – mit rechten Dingen kann das doch unmöglich zugehen!«

»Was willst du damit sagen, mein Sohn?« fragte Murphy in einem Ton, der nichts Gutes ahnen ließ.

Fred Tucker zuckte die Achseln.

»Gar nichts«, erwiderte er, »und aufregen brauchst du dich auch nicht, ich verlange ja mein Geld nicht zurück.«

»Dann werd' ich mal seine Stelle einnehmen, wenn's euch recht ist«, sagte Jackson und setzte zehn Dollar.

»Recht so«, nickte Murphy, schüttelte den Würfelbecher und warf eine Eins und eine Vier – ein nicht sehr günstiges Resultat, da es darauf ankam, mit beiden Würfeln zusammen sieben zu werfen.

»Da kannst du mal sehen, wie unrecht der Bengel uns mit seiner dummdreisten Bemerkung tut«, sagte er, Jackson den Becher reichend.

Tucker wurde dunkelrot, erwiderte aber nichts, Jackson schüttelte den Becher und ließ die Würfel weit über die Decke rollen – eine Sechs und eine Eins lagen oben, also hatte er gewonnen. Er ließ seinen Gewinn stehen, Murphy zog einen Fünfzigdollarschein aus der Tasche, offenbar der geringste Betrag, mit dem man hier im Lager überhaupt rechnete.

Diesmal warf Jackson eine Drei und eine Vier.

»Ich scheine eine Glückssträhne zu haben«, sagte er, »los, Maker, mach mit, ich halte jeden Einsatz.«

»Ich will mir lieber die Sache noch ein bißchen mit ansehen«, meinte Bud Maker bedächtig, Murphy jedoch schrie:

»Fünfhundert!«

»Schön«, nickte Jackson, »aber diesmal wollen wir die Sache ein bißchen anders gestalten, also rechts eine Zwei und links eine Fünf!«

Er schüttelte, ließ die Würfel rollen – genau, wie er es angekündet, blieben sie liegen, womit unzweideutig erwiesen war, daß die beiden Gauner mit falschen Würfeln operiert hatten. Betroffen sahen sie einander an, doch das Spiel ging weiter, erst als Jackson die sechste Sieben hintereinander geworfen hatte, sprang er plötzlich auf und erklärte:

»Die Sache wird mir allmählich zu eintönig.«

Er warf den Becher hin, ließ seinen Gewinn liegen, gab Tucker einen Wink, ihm zu folgen, und schlenderte langsam voraus.

»Du wolltest mir beweisen, daß die beiden Kerle mich betrogen haben?« fragte Fred Tucker, nachdem sie hinter der Hütte und außer Hörweite waren.

Jackson blieb stehen.

»Hauptsächlich wollt' ich dir beweisen, daß es eine riesenhafte Dummheit ist, hier überall und immer Krakeel zu suchen«, antwortete er, »besonders, wenn man noch nicht trocken hinter den Ohren ist wie du, mein Kind.«

Fred Tucker sah ihn mit funkelnden Augen an.

»In diesem Ton hat noch niemand mit mir zu sprechen gewagt«, keuchte er.

»Dann wird es höchste Zeit, daß dir mal jemand die Wahrheit sagt«, erwiderte Jackson ruhig.

»Ich lasse mir das aber nicht gefallen!«

»So, dann willst du also auch mit mir raufen?«

»Wenn ich das nicht tue«, entgegnete Fred Tucker, sich mühsam beherrschend, »dann nur, weil ich mich nicht gern an jemandem vergreife, der, wie du, so viel kleiner ist als ich.«

»Diese Bemerkung ist auch wieder ein Beweis, wie dumm und unerfahren du bist – nur ein Schafskopf kann sich einbilden, daß Kraft von der Körperlänge abhängt.«

»Himmeldonnerwetter!« knirschte Tucker und holte aus, doch seine Faust verfehlte Jackson, statt dessen packte dieser ihn am Handgelenk, riß dieses mit einem Ruck über die Schulter, so daß der riesige Körper durch die eigene Stoßkraft in großem Bogen hochgehoben wurde und zu Boden fiel.

Nach Atem ringend, blieb Tucker eine Weile liegen, endlich gelang es ihm, wieder auf die Füße zu kommen. Blaß vor Schrecken und Scham stand er da, denn es war das erstemal, daß er bei einem solchen Zusammenstoß besiegt worden war, und noch dazu von einem viel kleineren Menschen als er selbst.

Glücklicherweise war er besonnen genug, nicht nach dem Revolver zu greifen, er begnügte sich damit, seine Kleider von Staub und Föhrennadeln zu säubern. Als er wieder aufsah, streckte ihm Jackson mit freundlichem Lächeln die Hand entgegen.

»Was soll das?« fragte Tucker, erstaunt zurückweichend. »Willst du mich obendrein noch verhöhnen?«

»Fällt mir ja gar nicht ein«, erwiderte Jackson, »ich biete dir ganz ehrlich und ohne Hintergedanken die Hand, weil ich glaube, daß du hier unter diesen Banditen einen Freund nötig hast.«

»Einen Menschen, den man wie einen Kindskopf und Idioten behandelt, kann man doch nicht ernsthaft zum Freund haben wollen.«

»Ich suche deine Freundschaft auch nicht, weil du schon etwas bist, sondern weil du einmal etwas werden kannst«, entgegnete Jackson. »Du hast Rasse, bist Vollblut, die anderen hier sind Ausschuß, Kroppzeug, wie man zu sagen pflegt, der einzige ganze Kerl in der Bande ist Hayman selbst, und zwar darum, weil er einmal anständig gewesen und durch eigenen Entschluß Verbrecher geworden ist. Die übrigen haben niemals die Möglichkeit gehabt, sich nach der einen oder der anderen Seite zu entscheiden, aber dir steht die Wahl noch frei.«

»Ach so, ich verstehe, du willst mich dazu überreden, die Sache hier aufzugeben?« fragte er mißtrauisch.

»Du bist wahrhaftig noch dümmer, als ich gedacht habe«, lachte Jackson auf. »Glaubst du wirklich, daß ich hier für die Heilsarmee arbeite? Nein, mein Sohn, ich werbe in dir nur einen Rekruten, von dem ich mir später einmal Nutzen verspreche, denn es ist sehr leicht möglich, daß ich nicht für ewige Zeiten bei Hayman bleibe, sondern mich bald wieder selbständig mache. Hoffentlich bist du wenigstens alt genug, um das gefährliche Geheimnis, das ich dir damit anvertraut habe, für dich zu behalten.«

Tucker sah ihn entsetzt an, denn er wußte nur zu genau, daß der Doktor einen Menschen, der einmal in seine Bande eingetreten war, gutwillig nicht wieder freiließ, und daß jeder, der versucht hatte, zu desertieren, diesen Versuch mit dem Leben bezahlt hatte.

»Ich weiß genau, was du sagen willst«, meinte Jackson lächelnd, »aber du brauchst, wenn du zu mir hältst, vor Hayman keine Angst zu haben. Das schlimme für dich ist, daß der Doktor auf die Ausbildung seiner jungen Leute keine Zeit verwendet, aber das will ich tun, ich mache dich zu einem Meisterdieb, dem keine Tür und kein Schloß widerstehen kann! Also, wie ist's: willst du einschlagen oder als entgleister Cowboy dein Leben beschließen?«

Mit einem plötzlichen Entschluß nahm Fred Tucker Jacksons dargebotene Rechte und schüttelte sie kräftig.

»Ich weiß nicht, wieso, aber ich habe Vertrauen zu dir«, sagte er begeistert.

»Schön, mein Junge, aber nun laß meine Hand lieber los, du renkst sie mir ja aus!«

»Verachtest du mich auch nicht, weil ich so vor dir zu Kreuze gekrochen bin und mich von dir wie ein kleines Kind habe behandeln lassen?« fragte Tucker leise.

»Würde ich mich dir anvertraut haben, wenn ich dich verachtete?« erwiderte Jackson ernst. »So, Fred, nun geh ins Lager zurück, ich habe noch etwas zu erledigen, halt die Ohren steif und enttäusch mich nicht!«

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